Zurück in die UHA Stendal kam ich am Abend, natürlich habe ich dort kein Abendessen mehr erhalten. Meine Sachen bekam ich auch erst am nächsten Morgen, so daß ich nur das hatte was ich bei mir trug. Wenigstens hatte ich eine angefangene Schachtel Zigaretten bei mir, das war zwar verboten aber ich wurde beim Abtransport in Magdeburg nicht gefilzt. Ebenso nicht bei der Ankunft in Stendal, dort erhielt ich nur das obligatorische Bündel und wurde in einen Verwahrraum geschlossen. Der Verwahrraum war mit einem Inhaftierten belegt und jetzt kam ich dazu. Mein Zellenkamerad wurde der Körperverletzung angeklagt und kam aus Burg. Er war schon einmal im Gefängnis gewesen und hat mir dann viel vom Strafvollzug erzählt. Ich hatte natürlich auch viele Fragen, ich wollte ja wissen was jetzt weiter auf mich zukam. Bei ihm erhielt ich auch einen ersten Einblick in den sogenannten Knastjargon. Zum Beispiel wurde eine Klobürste „Lissy“ genannt, die Toilette war ein „Bello“. Und beides diente dazu illegal Kontakt zu anderen Gefangenen aufzunehmen. Mit der „Lissy„ wurde der „Bello“ leergepumpt, der andere in einem anderen Verwahrraum machte es ebenso. Dann konnte man durch die Abwasserrohre miteinander reden, um zum Beispiel ein „Pendeln“ zu verabreden. Das Pendeln ist der Schmuggel von Gegenständen, vornehmlich Tabak, von einem Verwahrraum zu einem anderen über die Fenster. Eine andere Möglichkeit der Kontaktaufnahme funktionierte per Klopfzeichen. Manchmal wurden auch Kassiber weitergereicht, kleine Zettel mit Nachrichten, die über ganze Stafetten ihren Empfänger erreichten. Nun etwas über das Pendeln: Die Fenster waren vergittert und außen war auch noch eine Sichtblende davor. Das machte das Pendeln zwar etwas schwieriger, aber nicht unmöglich. Dabei wurden mittels einer selbstangefertigten Schnur, Gegenstände von einem zum anderen Verwahrraum geschmuggelt. Das passierte vorrangig zu benachbarten, darüber oder darunterliegenden Verwahrräumen. Das Schmuggelgut wurde in ein Taschentuch oder ähnliches geknotet, an der Schnur befestigt und dann aus dem Fenster in die Richtung geschwungen in die man es haben wollte. Der andere im Nachbarraum versuchte mittels eines Besens das Bündel zu erreichen. Die Fälle die ich beobachtet habe oder auch selber gependelt habe, sind alle gut gegangen. Mit darüber oder darunterliegenden Verwahrräumen war es einfacher, da musste man die Schnur nur herablassen. Bemerken konnten das die „Schließer“, wie die Strafvollzugangestellten genannt wurden, eigentlich kaum. Es sei denn daß der Posten auf dem Wachturm das zufällig sah wenn er auf die Fensterfront schaute. Aber wie schon gesagt, ich habe es nicht erlebt daß jemand dabei erwischt wurde. Es wurden auch regelrecht Geschäfte so abgewickelt. In einem anderen Verwahrraum hatte jemand eine Jeansjacke so an einen anderen im Verwahrraum darüber verkauft. Soweit ich mich erinnern kann ging das ganze Geschäft für 5mal „Komplett“ über die Bühne, das waren fünf Päckchen Tabak mit Blättchen. Das war sozusagen die Knastwährung, ebenso wie schwarzer Tee. Der wurde „Frosch“ genannt, weil er eine grüne Verpackung hatte. Die Zubereitung des Tees war einfach, ein Päckchen Tee auf eine Alukanne. Die Teeblätter wurden nicht weggeschüttet, sondern meist ein zweites oder gar drittes Mal aufgekocht. Das Wasser machte man mit einem UFO heiß, einem selbstgebauten Tauchsieder. Die waren sehr einfach aufgebaut, zwei Rasierklingen mit einem Stück Isolator dazwischen, an jede Rasierklinge einen Draht. Das waren meist Anschlußkabel von Elektrorasieren und dann ab in die Steckdose. Weil das Wasser zwischen beiden Rasierklingen als Widerstand fungiert erhitzt sich das Wasser sehr schnell und kocht. Das alles war natürlich streng verboten und man mußte mit einer Bestrafung rechnen wenn man erwischt wurde. Die Strafen variierten, von Briefsperre, Einkaufssperre bis hin zur „Mumpe“ wie der Arrest genannt wurde. Im Arrest war ich selber nicht, man hatte mich nie erwischt. Ich hatte zwar mal eine Woche Einkaufssperre, aber das hatte mich damals nicht so hart getroffen weil die anderen im Verwahrraum einkaufen durften. Die Bestrafung bekam ich auch für Schmuggeln, ich hatte versucht nach der Freistunde jemand Tabak zuzustecken und der war so blöd den dabei fallen zu lassen. Fazit, der Tabak war weg, ich hatte eine Woche Einkaufssperre und der hatte immer noch nichts zu rauchen. Immer wieder kam es in der U-Haft zu Verlegungen, die Insassen wurden so öfter mal durcheinander gemischt. Das passierte meist völlig unverhofft. Das „Brett“, wie die Tür des Verwahrraums genannt wurde, ging auf, es wurde gesagt Sachen packen. Man packte seinen Kram zusammen und wurde in einen anderen Verwahrraum gebracht. Warum das Ganze gemacht wurde kann man nur mutmaßen. Einmal wurden die Verwahrräume gestrichen, da wurde ich in einen großen Verwahrraum verlegt, da waren wir dann mit 14 Leuten. Das war für mich bemerkenswert, da es das erste Mal war daß ich mit einem Mörder zusammentraf. Wenn man den gesehen hat hätte man dem das nicht zugetraut. Es war ein 18-jähriger, kleiner ,dünner Kerl aus Salzwedel. Er hatte jemanden erwürgt, ist am nächsten Tag noch mal in die Wohnung des Opfers und hat dort mit einem Kumpel den Fernseher rausgeholt. Der Kumpel ist natürlich zur Polizei und hat alles erzählt. Über meine Verurteilung gibt es eigentlich nicht viel zu erzählen. Ich wurde, mit dem mir schon bekannten „Barkas“ , nach Salzwedel ins dortige Kreisgericht gefahren. Ich hatte keinen Anwalt und das Ganze lief wie vorprogrammiert ab. Die Anklageschrift wurde verlesen, dann machte ich Angaben zur Person und zur Tat. Wie gesagt; ich hatte eigentlich nichts zu verbergen, dann das Plädoyer des Staatsanwaltes. Ich konnte noch etwas sagen, was ich aber nicht gemacht habe. Was hätte ich auch sagen sollen? Kurze Pause, ich wurde in eine Zelle im Gericht gebracht. Die Zeit reichte gerade aus, das ich eine von meinen eingeschmuggelten Zigaretten rauchen konnte, da wurde ich schon zur Urteilsverkündung rausgeholt. Das Urteil, daß meiner Meinung nach schon vorher feststand, wurde verlesen und das war es. 2 Jahre, 6 Monate. Danach ging es zurück nach Stendal. Ich bin dann noch in Berufung gegangen, aber hatte eigentlich keine Hoffnung auf Erfolg. Und meine Vorahnung hatte mich nicht getrogen, die Berufung wurde als unbegründet abgewiesen. Nun blieb mir nur noch die nächsthöhere Instanz, aber das habe ich dann nicht gemacht. Ein paar Tage später kam dann das Urteil in schriftlicher Form, ich durfte es nur lesen und dann mußte ich es wieder abgeben. Das Urteil habe ich auch nach meiner Haftentlassung nicht bekommen, so daß ich keinerlei Nachweis hatte das ich überhaupt verurteilt wurde. Das einzige schriftliche Zeugnis, das ich selber von der ganzen Verurteilung hatte und immer noch habe, ist meine Anklageschrift. Die hätte man mir auch normalerweise nach dem Lesen wieder abgenommen, aber ich hatte sie durch Zufall auf den Verwahrraum bekommen. Die habe ich sofort auf dem Schmuggelweg weitergegeben mit der Bitte sie irgendwie nach „Draußen“ weiterzuleiten. Wie die dann in den Besitz meiner Eltern gekommen ist wissen weder sie noch ich, jedenfalls habe ich die Anklageschrift später von meiner Mutter bekommen. Da bin ich jetzt immer noch im Nachhinein wahrscheinlich vielen zu Dank verpflichtet. Als man dann die Anklageschrift von mir zurück haben wollte habe ich steif und fest behauptet, daß ich sie nur gelesen habe und sie sofort wieder herausgegeben habe. Die anderen im Verwahrraum bestätigten meine Aussage. Am nächsten Tag während der Freistunde wurde der ganze Verwahrraum gefilzt, aber gefunden wurde nichts. Jetzt war ich rechtskräftig verurteilt und wartete auf den Transport in den Strafvollzug. Ich wußte nicht was auf mich zukam und wie das Ganze abläuft, aber das sollte ich bald erfahren. Die Zeit meiner U-Haft ging zu Ende. Nach ein paar Tagen wurde ich aus dem Verwahrraum geholt, es ging runter zur Verkaufsstelle und ich musste mein restliches Anstaltsgeld ausgeben. Da gab es keinerlei Beschränkung in Bezug auf Tabakwaren und so kaufte ich nur Tabak und Zigarettenpapier. Danach ging es zur Effektenkammer und ich mußte alle persönlichen Gegenstände abgeben. Ein Päckchen Tabak durfte ich bei mir behalten ansonsten wurde alles eingepackt. Mir wurde gesagt am nächsten Tag geht es auf Transport. Meine gesamte Zeit in der U-Haft dauerte etwa 4 Monate. Das Thema meines nächsten Beitrages wird der Transport und Aufenthalt im Strafvollzug sein.
Heute habe ich ein neues Fotoalbum hochgeladen. Es sind Bilder von einem Luftschutzbunker den ich vor einiger Zeit besichtigen konnte. Luftschutzbunker
Dieser Beitrag gehört eigentlich vor meine Erlebnisse in der UHA Stendal, ich hatte überlegt ob ich diesen Teil überhaupt hochlade, da er eigentlich völlig untypisch ist, im Vergleich was man sonst aus den Stasi- Untersuchungshaftanstalten gehört hat. Es lag warscheinlich daran, das man bei mir nicht erst eine Aussagebereitschaft herstellen mußte, ich stehe zu den Taten die ich selbst begangen habe, zudem konnte ich der Staatssicherheit auch nicht unbedingt neue Erkenntnisse liefern. Ich war denen schlichtweg zu uninteressant nehme ich einmal an. Auch wenn ich nun wieder von einigen angegriffen werde das ich die Staatssicherheit zu sehr verharmlose, ich selbst zu wenig in einer Opferrolle stehe oder wie schon mehrfach behauptet ich wäre gekauft worden um so etwas zu behaupten. Aber ich selbst kann nur meine eigenen Erlebnisse schildern, nicht was ich von anderen gehört oder gelesen habe.
Vernehmung und Stasi-UHA An die ersten Stunden nach meiner Verhaftung und die ersten Vernehmungen kann ich mich nicht mehr richtig erinnern. Ich glaube daß da die Verdrängung des Geschehens besonders stark ist. Meine folgenden Schilderungen werden deshalb etwas unvollständig sein und es kann sogar sein das in meinem Gedächtnis etwas verfälscht ist. Angst, grenzenlose Ohnmacht, ausgeliefert sein. Das waren die Emotionen an die ich mich erinnern kann. Anfangs war ich wohl im VPKA Salzwedel, in einer Zelle im Kellerbereich. Eine karge Zelle, mit einer am Boden befestigten Pritsche, einem Hocker, ebenfalls am Boden befestigt, und ein an der Wand befestigter kleiner Tisch. Am Eingang ein kleiner Sanitärbereich mit WC und Waschbecken, vom übrigen Raum durch ein Gitter getrennt. Wie lange ich dort war kann ich beim besten Willen nicht sagen, ich wußte auch die entsprechende Tageszeit nicht, es brannte ununterbrochen das Deckenlicht, vergittert in der Decke eingelassen. Zwischendurch immer wieder Vernehmungen, die Vernehmer immer in Zivil, es kann sein das sie sich auch vorgestellt haben, ich weiß es aber nicht mehr. Mehrmals wurde ich auch an einen anderen Ort verbracht, wohin weiß ich nicht, nach der geschätzten Dauer der Fahrzeit nehme ich an das es immer noch im Stadtgebiet von Salzwedel war. Heute gehe ich davon aus, daß man mich in die Staatsicherheitsdienststelle in Salzwedel/ Braunschweiger Straße brachte. Wie lange diese Vernehmungen dauerten, was ich dort ausgesagt habe, wie lange ich dort überhaupt eingesperrt war, habe ich wohl vollständig verdrängt. Es ist vielleicht besser so daß ich mich da nicht mehr an Einzelheiten erinnern kann. Nur Gefühle sind geblieben, und die mir endlos vorgekommene Zeit in dieser kleinen Zelle. Dieses Ausgeliefert sein, nicht wissen was passiert, sich so gedemütigt vorkommen, mit Schuhen ohne Schnürsenkel und Hosen ohne Gürtel, so daß man ständig die Hose festhalten musste wenn man ging. Irgendwann nach endloser Zeit wurde ich aus dieser Zelle geholt, mit Handschellen gefesselt. Es ging hinaus in den Hof, in eine Art Schleuse, dort stand ein grauer Barkas mit Kastenaufbau, so ein Gefangenentransporter mit dem ich schon Bekanntschaft gemacht hatte. Ich durfte sogar noch eine Zigarette rauchen bevor ich einsteigen musste. Ich war der einzige „Fahrgast“ und die Fahrt begann. Aus den Äußerungen des Transportpersonals hatte ich entnommen, daß die Fahrt nach Magdeburg ging, in die damalige Bezirksstadt. Dort angekommen hielt der Transporter, die Tür wurde geöffnet und ich stieg aus. Es war wieder so eine Art Schleuse, an den Stirnseiten jeweils Stahltore. Es ging dann durch verschiedene Türen hindurch, mir kam das vor wie ein Labyrinth. Dann hinein in einen Duschraum mit gekachelten Wänden und Boden. Dort musste ich mich nackt ausziehen, meine Bekleidung wurde durchsucht, danach konnte ich mich wieder ankleiden. Auf dem Boden lag ein Bündel, eine graue Wolldecke bei der die Ecken miteinander verknotet waren. Ich wurde angewiesen dieses Bündel mitzunehmen und wurde in eine Zelle, im dortigen Sprachgebrauch Verwahrraum gebracht. Darin sah es ebenso aus wie ich das schon von der Stendaler UHA geschildert habe. Nur war dieser Verwahrraum kleiner, es stand nur ein Doppelstockbett darin. Belegt war dieser Verwahrraum mit einem Insassen, der Meldung erstattete als die Tür sich öffnete. Ich ging hinein, die Tür wurde hinter mir geschlossen und ich war erst einmal erleichtert, weil ich nun nicht mehr allein war. Ich stellte mich erst einmal vor, sagte warum ich da war, mein Mitgefangener machte es ebenso. Er war da wegen Verstoß gegen § 6 der Verordnung zum Schutze der Staatsgrenze, er wollte seinem Ausreiseantrag Nachdruck verleihen, hatte sich in Magdeburg in den Interzonenzug gesetzt und ist dann natürlich in Marienborn verhaftet worden. Ich bezog dann mein Bett, räumte meine Sachen, die ich erhalten habe, in den Wandschrank und ich fühlte das erste Mal seit Tagen so etwas wie Ruhe. Im Gespräch mit meinem Mitgefangenen erfuhr ich nun, das ich tatsächlich in Magdeburg in der Stasi-UHA Moritzstraße war. Nachdem was ich im Nachhinein über andere dort Inhaftierte gehört habe ging es mir dort relativ gut, einmal davon abgesehen das ich eigesperrt war. Ich war weder in Einzelhaft, noch sonstigen Repressalien unterworfen. Da ich am späten Nachmittag dort angekommen war, gab es kurz darauf Abendessen: Brot, Butter, Margarine und Wurst. Zu trinken gab es eine Alukanne mit Kräutertee. Ich hatte dann um ein paar Schnürsenkel und einen Gürtel oder Hosenträger gebeten und erhielt Schnürsenkel und Hosenträger am nächsten Morgen beim Frühstück mitgeliefert. Es waren solche Y- förmigen Hosenträger mit Klips zum Befestigen an der Hose, die nun endlich nicht mehr rutschte. Kurz nach dem Frühstück wurde ich dann zur ersten Vernehmung geholt. Die ganze Vernehmung wurde auf Tonband aufgezeichnet. Ich kann mich seltsamerweise an das Spulentonbandgerät erinnern, ein ZK120. Der Vernehmer stellte sich mit Dienstgrad und Namen vor, aber daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Man bot mir als erstes Zigaretten an, fragte ob ich einen Kaffee haben will, was ich natürlich dankend annahm. Dann kamen Fragen über meine Unterbringung, ob ich irgendetwas auszusetzen oder Wünsche habe. Ich fragte gleich danach, ob und wie ich etwas kaufen könne wie Zigaretten und andere Dinge die ich so benötigte. Er teilte mir mit, daß ich da richtig Glück habe da am nächsten Tag Einkaufstag ist. Da ich genug Eigengeld habe sei das kein Problem. Diese erste Vernehmung dort war irgendwie eigenartig, es wurden keine Fragen zu der Tat an sich noch irgendwelcher Umstände dazu gestellt. Eigentlich nur ganz normale allgemeine Fragen: was mich so interessierte, unter anderem sprachen wir über den 1. FC Magdeburg, über Musik und meine Arbeit. Vor dem Mittagessen wurde ich zurück in den Verwahrraum gebracht und das war es für diesen Tag. Die sogenannte Freistunde, eine halbe Stunde Aufenthalt an der frischen Luft, verdiente diesen Namen kaum. Es war ein Kabuff, ein paar Meter im Quadrat, oben mit Maschendraht bespannt. Dort war ich allerdings auch nur zwei oder dreimal, ansonsten auf einem größeren Innenhof. Dort musste man allerdings ständig im Kreis herumlaufen, aber man sah dort auch mal andere Leute. Einen Teil in Anstaltskleidung, die hier im Gegensatz zur normalen U-Haft aus graumelierten Trainingsanzügen bestand. Anderes als im Kreis zu laufen durfte man nicht, weder stehen bleiben, noch rauchen und vor allem nicht reden. Auch die Bewegungen im Haus sind ein Ding für sich, normalerweise sah man niemanden auf den Fluren und Treppen wenn man zur Vernehmung geführt wurde. Ich weiß nicht, ob da extra alles geräumt wurde, aber ab und an passierte es doch daß jemand anders den Flur betrat. Wenn das geschah dann musste man sich sofort mit dem Gesicht zur Wand stellen bis das Kommando zum Weitergehen kam. Am diesem Tag musste ich auch noch zur ärztlichen Untersuchung, ein Arzt mit geflochtenen Schulterstücken auf seinem weißen Kittel untersuchte mich, befand mich für gesund, was anderes habe ich auch nicht erwartet, als junger 18jähriger. Meinen Mitgefangenen sah ich relativ selten, entweder war er oder ich zur Vernehmung. Er trug auch Zivilkleidung ebenso wie ich selber. Ich hatte wirklich keinen Bock darauf in so einem verbeulten Trainingsanzug herumzulaufen. Die Vernehmungen waren auch nicht mehr so wie ich es in den ersten Tagen erlebt habe, mir kam es so vor, als wenn die sowieso schon alles wissen und maximal ein paar Kleinigkeiten konkretisieren wollten. Es kann auch daran liegen daß ich keine negativen Erinnerungen an die Vernehmungen habe, weil ich im Grunde nichts zu verbergen hatte. Ich wollte flüchten, wurde erwischt, und ich stehe eigentlich zu meinen Taten. Ich konnte niemanden belasten, es war ganz allein meine eigene Entscheidung gewesen und ich konnte niemanden die Schuld daran geben, außer mir selbst. Ich bin weder von jemanden dazu angestiftet worden, noch habe ich jemanden genötigt oder überzeugen wollen ebenfalls zu flüchten. Daher nehme ich mal an, daß die ganzen Vernehmungen eher eine Formsache waren. Das stützt sich auch darauf, daß mein Aufenthalt bei der Stasi nur von kurzer Dauer war. Die Vernehmungen waren im Grunde eher Gespräche, es ging um alles, nur nicht um die Straftat. Angefangen über Erlebnisse im Kindergarten, über Schule, Urlaub, meine Interessen und meine Arbeit. Es kann sein daß der Vernehmer speziell auf mich abgestimmt war, oder ein Vernehmer passend zu mir ausgesucht wurde. Die einzigen Fragen zu meinem Fluchtversuch und die Umstände dazu waren etwas seltsam. Es kam dann jedes Mal ein anderer Mitarbeiter mitten in der Vernehmung, meist mit einer Akte oder ein paar Blättern in der Hand und sagte, da ist noch etwas, das müssten wir noch genauer wissen, können sie da etwas dazu sagen? Aber da ich schon gesagt habe daß ich zu meinen Taten stehe und niemanden außer mich selbst belasten konnte, habe ich dann freimütig geantwortet. In meinen Augen waren das aber auch immer irgendwelche Belanglosigkeiten nach denen dann gefragt wurde. Ich habe die Vernehmungen auch immer genutzt um meine Zigaretten zu sparen, ich durfte dort rauchen und hab sogar Karo bekommen, meine bevorzugte Zigarettenmarke. Auch Kaffee und Cola gab es, das bekam ich in der UHA nicht. Mehrmals ging die Vernehmung den ganzen Tag lang, nur unterbrochen durch das Mittagessen. Auf die Freistunde habe ich dann immer verzichtet, obwohl sie mir eigentlich zustand und man mir sagte dass ich zur Freistunde könne wenn ich das wollte. Abends hatte ich dann Zeit um mich mit meinem Mitgefangenen zu unterhalten. Er war glaube ich, Elektroingenieur, ich schätze mal so Mitte Dreißig, verheiratet. Er hatte mit seiner Frau zusammen einen Ausreiseantrag gestellt und um dem Nachdruck zu verleihen hatte er eben gegen den § 6 verstoßen. Auf Anraten seines Anwaltes, der der Meinung war, es ist einfacher eine Abschiebung aus der Haft zu bewirken. Ob das alles stimmte, oder er nur da war um mich auszuhorchen weiß ich nicht. Ich tendiere eher dazu daß es stimmte was er erzählte. Denn wozu hätte man mich aushorchen sollen. Ich machte kein Geheimnis aus meinem Fluchtversuch. Andere staatsgefährdende Sachen hatte ich nicht gemacht, so daß es auch keinen Grund dazu gab. Er versuchte mich auch nicht auszuhorchen, sondern erzählte mehr über sich selbst. Im Gegenzug dazu wurden mir bei meinen eigenen Vernehmungen aber auch keine Fragen über meinen Mitgefangenen gestellt. Ich nehme mal an, die haben mich als harmlosen Idioten eingestuft, anders kann ich mir diese ganze Behandlung, die doch in vielem anders war als das was ich später von anderen hörte, nicht erklären. Aber da es hier um meine eigenen Erlebnisse geht, will ich hier nichts verbreiten was ich nur vom Hörensagen kenne. Es kann auch sein, daß ich keine neuen und besonderen Erkenntnisse liefern konnte und daher von geringem Interesse für die Staatssicherheit war. Über das Essen dort kann ich mich nicht beklagen, vielleicht liegt es auch daran daß ich relativ genügsam bin. Und ich bin auch nicht mäkelig, ich esse fast alles. Meiner persönlichen Meinung nach war das Essen dort besser als in der UHA Stendal. In Magdeburg bekam ich auch immer Nachschlag wenn ich darum bat. Meine Einkaufsbestellung habe ich auch bekommen, es waren die bestellten Karo. Zum Duschen kam ich dann auch. ich wurde mit meinem Mitgefangenen aus dem Verwahrraum geholt und in einen Duschraum gebracht. Es war schade, daß mein Wäschepaket noch nicht da war, so daß ich anschließend wieder meine getragenen Sachen anziehen musste. Ich hatte wenigstens frische Unterwäsche bekommen, um die ich gebeten hatte. Die Duschen selber waren einigermaßen warm, ich hätte es gerne etwas wärmer gehabt aber es gab keine Möglichkeit der Temperaturregelung. Mein Mitgefangener meinte, das dient dazu daß sich niemand in selbstmörderischer Absicht verbrühen konnte. Der folgende Tag war dann ein Samstag, es gab keine Vernehmungen und wir haben fast den ganzen Tag gelesen und Schach gespielt. Mein Mitgefangener war ein sehr guter Schachspieler der mich regelmäßig geschlagen hat. Er hat manchmal sogar aus dem Gedächtnis gespielt, er lag auf dem Bett, ich saß am Tisch mit dem Schachbrett und sagte den Zug an den ich gemacht habe. Darauf nannte er seinen Zug, ich setzte die Figur und so weiter. Aber auch da hat er mich geschlagen und bis dahin hielt ich mich selbst für einen einigermaßen guten Schachspieler. Am Samstag gab es auch ein Blatt, Größe DIN A4, für jeden und einen Briefumschlag. Man durfte einen Brief schreiben. Das Blatt durfte nur einseitig beschrieben werden, dann wurde es in den Umschlag gesteckt und mußte zum Abendessen herausgegeben werden. Zugeklebt durfte der Brief auch nicht werden, so wie man seine Briefe ebenfalls bereits geöffnet erhielt. Ach ja, einen Absender durfte man auch nicht auf den Umschlag schreiben. Meine Mutter erzählte mir später, sie habe alle meine Briefe nur mit dem Absender UHA Stendal erhalten. Nichts deutete darauf hin das ich mich in Magdeburg befand. Man durfte 4 Briefe im Monat schreiben, aber dazu kam es bei mir gar nicht, so lange war ich gar nicht dort.
In letzter Zeit hatte ich einige Erlebnisse die es nach sich brachten, das ich mich intensiver mit meiner Vergangenheit auseinander gesetzt habe. Und so ist mir vieles in den Sinn gekommen das ich lange vergessen hatte oder es zumindest in den Hintergrund verdrängt hatte. Ereignisse, die micht doch nach so langer Zeit immer noch prägen oder prägten, wie der Umgang mit Gefühlen und Emotionen, die ich lange Zeit unterdrückte oder versuchte sie mir nicht anmerken zu lassen. Aber ohne die Vergangenheit aufzuarbeiten und zu bewältigen wird sie dir immer wie ein unsichtbarer Schatten folgen und vielleicht auch beherrschen. Und das möchte ich nun nicht mehr, ich will sie hinter mir lassen und unbeschwehrter in die Zukunft gehen. Ich will jetzt hier über die Zeit meiner Inhaftierung in der ehemaligen DDR sprechen, ich war von Dezember 1977 bis Dezember 1979 wegen versuchter Republikflucht inhaftiert. Über die Gründe will ich jetzt nicht sprechen die waren vielfältig und die Summe vieler Unzufriedenheiten mit der DDR hatten mich letztendlich diesen Schritt gehen lassen. An die ersten Tage nach meiner Verhaftung kann ich mich kaum erinnern, sie sind wie in einem Nebel, es waren endlose Verhöre, ich weiß nicht einmal wer mich da alles verhört hat, mir kam es vor als wäre es Tag und Nacht hindurch gegangen, mit kurzen Unterbrechungen, ich weiß nicht einmal ob und wie ich geschlafen habe. Ich war schließlich fast erleichtert als der Haftrichter kam und mir den Haftbefehl verlas. Ach ja, man ließ mich unterschreiben das ich genügend zu Essen und Trinken erhalten hatte und auch genügend Ruhepausen hatte. Ob das stimmt weiß ich nicht, aber in dieser Situation hätte ich alles unterschrieben. Irgendwann später wurde ich in die UHA Stendal transportiert, in einem grauen Barkas mit Kastenaufbau. In diesem Kastenaufbau waren die Transportzellen gerade so groß das man darin sitzen konnte. Dabei war ich mit Handschellen gefesselt. Wie lange die Fahrt dauerte weiß ich nicht, ich hatte keinerlei Zeitgefühl. In der UHA (Untersuchungshaftanstalt) angekommen wurde ich zuerst einmal gründlich durchsucht, als wenn ich noch irgendeitwas bei mir hätte nach der Untersuchung nach meiner Verhaftung. Danach ging es in die Effektenkammer, dort wurden alle persönlichen Dinge aufbewahrt, und dort erhielt man alle Dinge die man so im Gefängnisalltag braucht. In meinem Fall waren das Hausschuhe, so eine Art Lederpantoffeln, Decken, Bettwäsche (blaukariert) Eßbesteck aus Aluminium, eine Plastiktasse, eine Art Tupperdose, Seife mit Seifendose, Rasierzeug, Zahnbürste mit Zahnpasta (Chlorodont, nicht schäumend, damit konnte man dübeln)sowie Seiflappen und Handtücher. Das ganze Zeugs wurde in eine Decke gelegt, die Vier Enden miteinander verknotet und weiter ging es. In der Anstalt sah es aus wie man so etwas aus Filmen kennt, ein hoher mehrstöckiger Bau, Rundumlaufende eiserne Galerien, zwischen jeder Etage Maschendrahtgitter so daß sich niemand in die Tiefe stürzen konnte. Es ging mehrere Treppen hinauf,dann wurde eine Zelle, dort Verwahrraum genannt, aufgeschlossen und ich musste hinein. Der Erste Eindruck war, ein länglicher Raum, rechts neben der Tür ein Heizkörper, darüber ein brauner Wandschrank. Weiter in Richtung Fenster ein Tisch mit 4 Hockern, dann ein Doppelstockbett. Links von der Tür fiel der Blick auf ein normales WC mit Druckspühlung, weiter in Richtung Fenster ein Waschbecken mit darüber befindlicher Konsole und einem Spiegel, dahinter ein weiteres Doppelstockbett. Im Raum befanden sich drei Leute, ebenfalls Inhaftierte. Ich stellte mich vor, sagte kurz warum ich da war und wo ich herkam. Ich durfte das rechte obere Bett beziehen und ich bekam ein Fach in dem braunen Wandschrank. Zu essen bekam ich an diesem Abend nichts mehr, Abendbrotzeit war vorbei. Zum Glück hatten die anderen noch etwas Brot, Margarine und Marmelade so das ich noch etwas essen konnte. Danach unterhielt ich mich mit den Anderen, die waren froh daß jemand Neues da war und etwas anderes erzählen konnte als die Geschichten die man schon kannte. Zu meinem Glück waren die anderen Raucher und konnten mir etwas zu rauchen geben, ich hatte ja nichts mehr. Ich erhielt von den anderen auch eine Unterweisung in die Hausordnung und den Tagesablauf in der UHA. Nachdem ich dann mein Bett bezogen hatte, wurde dann auch das Licht gelöscht und die Nachtruhe begann. Der nächste Morgen Am nächsten Morgen wurde meiner Meinung nach, relativ früh geweckt, Uhrzeit weiß ich nicht, es hatte ja niemand eine Uhr. Wie ich schon berichtet habe, befand sich die Toilette in dem selben Raum, es gab keinerlei Abtrennung zum restlichen Raum, und wie das Morgens ist, mussten natürlich erst mal alle ihre Notdurft verrichten. Es ist schon etwas ungewohnt wenn da jemand auf dem Klo hockt und daneben steht jemand am Waschbecken und wäscht sich und der Rest macht das Bett. Menschen mit übersteigertem Schamgefühl haben es dort schwer gehabt denke ich. Nachdem alle ihre Morgentoilette beendet hatten war der sogenannte "Aufschluß" was eigentlich Blödsinn ist, da ja gleich danach wieder abgeschlossen wird. Jedenfalls mussten sich alle mit dem Gesicht zum Fenster aufstellen, also der Tür den Rücken kehren. Nur der sogenannte Verwahrraumälteste (Wobei Älteste nicht wortwörtlich zu nehmen ist) stand mit dem Gesicht zur Tür und mußte Meldung erstatten :"Herr Hauptwachtmeister( oder entsprechender Dienstgrad des aufschließenden Beamten), Verwahrraum 55 mit 4 Inhaftierten belegt, es meldet Inhaftierter...Müller, Meier, Schulze, Schmitt" oder wie der Meldende gerade hieß. Danach wurde abgeschlossen und man wartete aufs Frühstück. Das kam dann auch irgendwann, die Tür wurde wieder aufgeschlossen, alle mit Gesicht zur Wand, und die Kalfaktoren (auch Gefangene, sogenannte Hausarbeiter) gaben das Essen aus, für jeden ein kleines Stück Butter, ich glaub 20g, ein doppelt so großes Stück Margarine, ein kleines Stück Wurst, und jetzt kommt die Tupperdose ins Spiel die ich in der Effektenkammer erhalten habe, die wurde mit Marmelade gefüllt. Marmelade war so neben Brot das einzige das man im Überfluss hatte. Es gab je 2 Mann eine Alukanne Malzkaffee. Was ich noch erwähnen muss ist, daß beim Aufschluss und Essensempfang immer der Tisch an der Tür stehen musste, so daß er den Raum und die Gefangenen von der Tür trennte. Danach war Frühstück, man aß und trank den Malzkaffee aus der Plastiktasse die jeder hatte. Nach dem Frühstück war Stuben- und Revierreinigen angesagt, in Ermangelung eines Reviers reinigten wir den Verwahrraum, sprich wir fegten aus. Im weiteren Verlauf des Vormittags war dann Freistunde (Hofgang, Bewegung im Freien, oder Aufenthalt im Freien) was in meinen Augen eine blödsinnige Bezeichnung war, man war ja trotzdem eingesperrt. Das Ganze lief folgendermaßen ab, nachdem man den Verwahrraum verlassen hatte ging es hintereinander die Treppe hinunter bis die Tür zum Hof erreicht war, dort wurde in Reihe gewartet bis alle Beteiligten die Warteschlange erreicht hatten, danach hinaus in den Hof. Es wurde hintereinander gegangen, es durfte nicht gesprochen, gegessen oder geraucht werden während man im Kreis um den Hof ging. Irgendwann wurde dann "Halt" befohlen und alle blieben stehen, Gesicht zur Hofmitte. Dort stand ein Hausarbeiter oder auch Kalfaktor und betätigte sich als Vorturner, er machte gymnastische Übungen vor die wir nachmachen mussten. Nach einer Weile ging es weiter mit der Rundwanderung um den Hof und nach einer halben Stunde zurück. Wärend der Freistunde wurden die Verwahrräume durchsucht ob nicht irgendwelche verbotenen Dinge im Besitz der Inhaftierten waren. Nachdem alle Gefangenen an ihrem Verwahrraum angekommen waren musste man sich mit dem Gesicht zur Wand aufstellen und warten bis man wieder eingeschlossen wurde. Danach war sogenannte Freizeitgestaltung, also jeder machte was er will, auf dem Bett liegen war tagsüber verboten, aber es wurde trotzdem gemacht. Es passierte auch nichts, ausser das ein Schließer vielleicht mal durch den Spion in der Tür schaute und dann brüllte das man vom Bett runter sollte. Wir haben viel gespielt. In jedem Verwahrraum befanden sich Gesellschaftsspiele wie "Mensch ärger dich nicht" Dame, Mühle, Halma, Schach etc. Wir hatten auch ein Rommee-Spiel und spielten viel Karten. Jetzt möchte ich noch etwas zur Bekleidung der Inhaftierten sagen. Ich selbst wie der größte Teil der Inhaftierten trugen ihre eigene Bekleidung einschließlich Schuhe. Wäsche zum wechseln konnte man sich schicken lassen. Ich habe das regelmäßig in Anspruch genommen. In diesen Paketen durfte aber wirklich nur Bekleidung sein, nichts weiter, nicht einmal ein Brief. Einige, die ihre Kleidung schonen wollten, oder niemanden hatten der ihnen Wäschepakete schicken konnte trugen anstaltseigene Kleidung. Zu der Zeit als ich dort war, also Ende 1977, Anfang 1978 waren das ehemalige NVA-Kampfanzüge in Flecktarn. Als Fußbekleidung hatten die entweder Stiefel oder Schnürstiefel. Es wurde niemand gezwungen Anstaltskleidung zu tragen und es haben auch nur wenige gemacht. Das soll es für Heute gewesen sein, ich werde diesen Bericht fortsetzen. Wenn es jemanden interessiert, kann man mir ja konkrete Fragen stellen, ich werde diese alle beantworten. Einfach mit einem Kommentar Fragen stellen und ich werde mich bemühen alle Fragen zu beantworten. Ich würde mich auch freuen wenn ihr sagt wie euch mein Bericht gefällt oder ob er überhaupt jemand interessiert. Ich freue mich über jedes Feedback.
FORTSETZUNG Nach der Freistunde mußte ich zur medizinischen Untersuchung, bei den Inhaftierten auch "Sackrattenkontrolle" genannt, weil dabei unter anderem die Schambehaarung auf Filzläuse durchsucht wurde. Bei mir ohne Befund, wie die ganze medizinische Untersuchung. Es war ja auch kein Wunder, ich war damals gerade 18 Jahre alt, jung und gesund. Danach noch ein Gespräch mit dem für mich zuständigen Strafvollzugsbeamten mit Hinweisen auf die Hausordnung und allgemeine Verhaltensregeln. Wieder zurück im Verwahrraum stellte ich dann Anträge, auf Genehmigung des Einkaufes, Genehmigung für Wäschepaket, Genehmigung zum Briefe schreiben etc. Für alles musste man schriftliche Anträge stellen. Ich hatte bei meiner Verhaftung Geld bei mir, so konnte ich beantragen das ich von diesem Geld Dinge des persönlichen Bedarfs einkaufen durfte. Die Höhe des monatlichen Einkaufes betrug 30 Mark, aber ganz sicher bin ich mir da nicht mehr, nagelt mich also deswegen nicht fest. War dann der Einkauf genehmigt, erhielt man Wertgutscheine, also Anstaltsgeld, die gab es in verschiedenen Werten die dann verschiedenfarbig waren. Der Wert ging vom Pfennigbetrag bis hin zu 50 Mark. Aufbewahrt hat man das Anstaltsgeld in einem Brustbeutel den man mitsamt den anderen Utensilien beim Zugang in der Effektenkammer bekam. Von der Antragstellung bis zur Genehmigung des Einkaufes vergingen etwa 1 bis zwei Wochen, ich hatte Glück das ich schon in der nächsten Woche einkaufen durfte. Wer kein Eigengeld bei sich hatte, konnte sich auch Geld in die UHA überweisen lassen. Einkaufen konnte man einmal in der Woche, dann wurden die Inhaftierten aus dem Verwahrraum geholt und es ging hinunter ins Erdgeschoss. Dort befand sich eine Art Kiosk. Als Verkäufer fungierte ein Strafgefangener, einer der Hausarbeiter. Die ganze Einkaufprozedur muss man sich vorstellen wie in einem normalen Kiosk oder "Tante-Emma Laden". Man sagte was man wollte, bekam es und bezahlte danach mit den Wertgutscheinen. Wechselgeld wurde auch wieder in Wertgutscheinen herausgegeben. Tabakwaren waren begrenzt erhältlich, man durfte entweder 6 Schachteln Zigaretten oder 3 Päckchen Tabak kaufen. Da man wenig Geld zur Verfügung hatte kaufte man natürlich Tabak, "Schwarzen Krauser" oder "Shag", jeweils zu 1,75 Mark, ein Päckchen Blättchen zum Drehen kostete 50 Pfennig. Viel mehr wurde nicht gekauft, die 30 Mark mussten den ganzen Monat reichen. Manchmal kaufte man noch eine Dose Wurst, meist Blutwurst oder Leberwurst, das war am billigsten. Eine zusätzliche Möglichkeit in den Besitz der begehrten Tabakwaren war der Besuch, man durfte einmal im Monat Besuch von Angehörigen empfangen die dabei kleine Geschenke im Wert von 15 Mark mitbringen durften. Beim Besuch war immer ein Vollzugsbeamter dabei, es durfte nicht über die Straftat, über Angelegenheiten der UHA und ähnliches gesprochen werden, also im Klartext nur sozusagen Smalltalk. Eine weitere Möglichkeit des Kontaktes zu Angehörigen waren Briefe, man durfte 4 Briefe im Monat schreiben, empfangen durfte man mehr. Es war vorher konkret anzugeben an welche Personen man schreiben wollte, es durften zwei unterschiedliche Adressaten angegeben werden. Wollte man zusätzlich an jemand anderen schreiben so konnte man das beantragen, natürlich mit schriftlichen Antrag. Ich habe das in meiner gesamten Haftzeit zwei oder dreimal gemacht und jedes Mal wurde es genehmigt. Pakete konnte man auch empfangen, hier liegt der Punkt auf "konnte", man mußte nicht. Ich hatte in der UHA einmal einen Paketschein und damit die Genehmigung ein Paket zu bekommen. Das war zum Glück gleich zu Anfang meiner Haftzeit, es war das Weihnachtspaket. Ob das alle bekamen entzieht sich meiner Kenntnis, ich denke aber schon da die anderen im Verwahrraum ebenfalls einen Paketschein bekamen. Wenn dann ein Paket da war, so war es wie ein Feiertag. Man bekam Dinge die man sich normalerweise nicht leisten konnte, natürlich Zigaretten, Kuchen, Süßigkeiten und gute Kosmetik. Und zumindest in den Verwahrräumen in denen ich war, wurde das auch mit den anderen Insassen geteilt. Es war daher immer ein besonderes Ereignis wenn jemand im Verwahrraum ein Paket oder Besuch erhielt. Überhaupt habe ich dort einen guten Zusammenhalt der Insassen untereinander erlebt, das trifft natürlich nur auf die zu mit denen ich zusammen im gleichen Verwahrraum war. Ich bekam in den ersten paar Tagen von den anderen zu rauchen und anderes, während ich später auch anderen Mitgefangenen Tabak und andere Dinge abgab die keinen Einkauf hatten. Es mag sein das andere in den verschiedensten UHAs der DDR andere Erfahrungen gemacht haben, aber ich kann nur das wiedergeben was ich selbst erlebt habe. Die einzige Informationsquelle von außerhalb der Anstalt waren Tageszeitungen. Man konnte sich selbst Tageszeitungen kaufen wenn man Geld hatte. Das waren dann verschiedene Regionalzeitungen, was es an Zeitschriften gab weiß ich nicht, auch nicht, ob es überhaupt welche gab. Es hat mich damals nicht interessiert. Es gab eine Zeitung pro Verwahrraum von der Anstalt, das war das "Neue Deutschland", das Zentralorgan der SED. Das hat mir persönlich genügt, in den anderen Zeitungen stand auch nichts anderes drin. Einer meiner Mitgefangenen hatte das "Sportecho" so daß wir mit Sportnachrichten auf dem Laufenden waren. Radio und Fernsehen gab es nicht. Es gab die Möglichkeit als Auszeichnung mal fernzusehen, aber in der ganzen Zeit habe ich niemanden erlebt der in Besitz dieser Auszeichnung gekommen ist. Daher kann ich auch nicht sagen was man denn außergewöhnliches leisten musste um das zu bekommen. Radio konnte man ab und zu mal hören, je nachdem welcher Vollzugsbeamter Dienst hatte. Manche Beamte spielten ein Radioprogramm in die Lautsprecher im Verwahrraum ein. Das ganze meist in den Abendstunden und selbstverständlich nur Radiosender aus der DDR. Zu lesen gab es eigentlich genug, man bekam Bücher aus der Anstaltsbibliothek. Büchertausch war alle 14 Tage, da erhielt jeder zwei Bücher. Und bei 4 Mann auf einem Verwahrraum waren das dann 8 Bücher die man theoretisch lesen konnte. Wie die Auswahl der Bücher von statten ging weiß der Geier, warscheinlich hat der Bücherkalfaktor einfach acht beliebige Bücher gegriffen und die kamen dann in den entsprechenden Verwahrraum. Wie sonst soll man es erklären das ein dicker Wälzer mit Titel :"Wir beobachten Vögel" den Weg in unserem Verwahrraum gefunden haben. Es handelte sich um eine Art Fachbuch für Ornithologie, ein Interessengebiet das wohl nicht so häufig verbreitet ist. Es gab allerdings die Möglichkeit, bestimmte Bücher zu bestellen. Es gab eine Bücherliste die man sich in den Verwahrraum geben lassen konnte und suchte sich dann das entsprechende Buch oder Bücher aus. Wenn man dann noch viel Glück hatte oder Bücher bestellte die keine Sau ausser dich selbst interessieren, bekam man diese sogar beim nächsten Büchertausch. Das war es erst einmal für Heute, Fortsetzung folgt. Ein Bitte noch, wenn jemand anonym einen Kommentar hinterlässt kann man doch einen Namen angeben, das macht das etwas persönlicher. Vielen Dank.
I can't touch the clouds for you, I'll never reach the sun for you I've never done the things that you need done for you I've stretched as high as I can reach, I guess I'm not the one for you 'Cause I can't touch the clouds or reach the sun for you No I can't reach the clouds or touch the sun
I can't turn back time for you, and make you sweet sixteen again I can't turn your barren fields to green again And I won't sit around and talk of how things might have been again No I can't turn back time and make you young again I can't turn back time and make you young
I hope you find somebody who can do the things I didn't do And find the road I didn't find, and build a brighter world for you I hope you find somebody old enough to reach and take a hold And guide your ever changing mind, and free your ever risin' soul But I can't, No I can't
I can't look inside your mind, and see the things you're hopin' for And I can't help you chase the dream you're gropin' for You say your arms are open wide, but Lord knows who they're open for No I can't know your mind or chase your dreams with you No I can't chase your dreams or know your mind
So say goodbye and don't look back, I've had some happy days with you Sorry I can't be the one who stays with you And when they ask about me, you can say I was the one with you Who never touched the clouds or reached the sun with you No I can't reach the clouds or touch the sun
I guess it's done, I can't touch the sun for you, ooh, ooh, ooh I can't touch the sun, I can't no I can't, ooh, no, ooh, no I can't touch the sun, no lord, no, hmm, hmm
Es ist eigenartig, manchmal gibt es Momente im Leben, in denen man gegen seine Gefühle handeln muss,auch wenn es wehtut. Sei es, das man selbstauferlegte Prinzipien folgt, den Gesellschaftlichen Normen, oder einfach nur um ehrlich zu bleiben. Es ist auf jeden Fall schwer, so etwas zu tun wenn man dem Verstand folgen muss, das Gefühl aber anders will. Was bleiben wird ist eine Erinnerung, mag sie auch noch so flüchtig gewesen sein so ist sie doch bleibend.
Heute wäre mein Bruder Jan 42 Jahre alt geworden. Aber leider verstarb er am 20.06.2009. Dieses Lied ist für ihn und alle die ihn kannten und liebten........... Das Bild ist eines der letzten von ihm, es zeigt ihn einige Stunden vor seinem Tod.....Jan, du bist nicht tot, du bist nur weit weg und lebst in unseren Herzen weiter. Tot ist man nur, wenn man vergessen wird
In meinem Photoalbum "Sciene Fiction" sind jetzt ein paar neue Bilder dazugekommen.
Traum Nachts in meinen Träumen Kann ich fliegen! Grenzenlos, überall hin….. Schwerelos gleite ich dahin Und unter mir Städte, Dörfer, Wälder , Felder Flüsse, Seen und Meere. Gebirge, deren Gipfel bis in die Wolken reichen Die wie Wattebäusche über den blauen Himmel segeln. Die Tiere in dieser Welt haben Platz zum Leben Der ihnen nicht streitig gemacht wird Von den glücklichen Menschen Dieser Welt. Eine schöne und friedliche Welt. Und morgens, wenn ich erwache Hinaustrete in die laute, hektische Welt In der jeder nur strebt Mehr und besseres zu besitzen Als die anderen Sehne ich mich zurück In meinen Traum!