Sunday, 19. March 2006, 23:15:49
"A Big Book of Ghost and Mystery Stories" / "Großes Grusel-Lesebuch"
Edgar Allan Poe
Ambrose Bierce
Bram Stoker
Saki
Mary Cholmondeley
Montague Rhodes James
Rudyard Kipling
Geoffrey Palmer & Noel Lloyd
E. G. Swain
Edward Morgan Fosterdtv zweisprachig, herausgegeben von A. Nohl.
In
The Man of the Crowd / Der Mann in der Menge von
Edgar Allan Poe versucht der Erzähler etwas näheres über einen geheimnisvollen alten Mann herauszufinden, den er beobachtet und dem er quer durch das nächtliche London folgt. Nach einer ganzen Nacht und dem folgenden Tag muß der Erzähler erschöpft einsehen, dass seine Bemühungen vergeblich sind. Rastlos und unermüdlich bewegt sich der Alte in der Anonymität der Menschenmengen, gibt durch sein Verhalten aber nichts wirklich über sich preis. Für den Erzähler ist er wie das Verbrechen- immer flüchtig, nicht zu greifen und inmitten der Gesellschaft.
Ambrose Bierce schildert in
The Boarded Window / Das zugenagelte Fenster die Geschichte eines Siedlers, dessen Frau erkrankt und schließlich unter seiner Pflege stirbt. Als er später bei der Leiche erschöpft einschläft, springt nachts ein großer Puma durch das Fenster in den Raum und stürzt sich auf die Tote. Der Mann wacht durch den Lärm auf, feuert mit seinem Gewehr im stockfinsteren Raum umher und verliert dann das Bewustsein. Als er am folgenden Tag wieder zu sich kommt, ist der Puma verschwunden und die Tote liegt am Fenster- zwischen ihren Zähnen ein Fetzen vom Ohr des Tieres.
The Judge's House / Das Haus des Richters von
Bram Stoker erzählt von dem Studenten Malcolm Malcolmson, der sich zur Vorbereitung auf sein Examen in eine kleine englische Stadt begibt und sich trotz Warnungen ausgerechnet alleine in einem Haus einmietet, in dem der Geist des ehemaligen Besitzers spukt. Letzten Endes wird er von den Anwohnern, an einem Glockenseil erhängt, aufgefunden.
Saki erzählt in
Laura eine Geschichte über Seelenwanderung. Kurz vor ihrem Tod redet Laura mit Amanda darüber, dass sie sich vorstellen könnte, als Otter wiedergeboren zu werden. Nach ihrem Tod geschehen dann seltsame Dinge mit einem räuberischen Otter. Das Tier wird schließlich erlegt. Aber später scheint Laura schon wieder in neuer Gestalt- jetzt als frecher Nubierjunge in Ägypten- gegenwärtig zu sein. Auch darüber hatte Laura mit Amanda vor ihrem Tod gesprochen.
Let Loose / Losgelassen von
Mary Cholmondeley ist eine Erzählung über den jungen Architekten Blake, der bei der Vorbereitung zu einem Vortrag über britische Fresken auf die Skizze eines Freskos in einer Krypta stößt. Er macht sich auf den Weg in das abgelegene Wet Waste-on-the-Wolds und bittet den dortigen Pfarrer um die Schlüssel für die Krypta. Der Pfarrer gibt Blake die Schlüssel erst nach mehrmaligen Bitten.
Seit 30 Jahren hatte niemand mehr die Krypta betreten- seit der Beisetzung von Sir Roger Despard, der sich auf dem Totenbett mit einem Messer die eigene Hand abtrennte und einen Schwur tat, dass, während er in der Hölle schmoren würde, diese, seine Hand, auf Erden bliebe und ihn rächen würde. Als Blake dann die Krypta für seine Studien geöffnet hat, scheint die Hand nun auch ihrer Bestimmung folgen zu können. Es ereignen sich mysteriöse Todesfälle.
In
The Mezzotint / Das Schabkunstblatt von
Montague Rhodes James geht es um ein Bild, das nicht nur Abbildung ist, sondern eine sich merkwürdigerweise verändernde Szenerie darstellt, also gleichsam zu leben scheint. Die Betrachtenden werden entsetzte Zeugen eines grauenvollen Verbrechens, das sich, wie sie dann herausfinden, in der Vergangenheit auch tatsächlich zugetragen hat.
Rudyard Kipling hat mit
The Return of Imray / Imrays Rückkehr eher eine Kriminal- als eine Gruselgeschichte geschrieben. Von einem Tag auf den anderen ist Imray spurlos verschwunden. Der Polizist Strickland mietet nach einer Zeit von etwa 4 Monaten dessen Bungalow. Als Strickland zwei Schlangen entdeckt, die sich unter dem Dach hinter einem an der Raumdecke gespannten Tuch verstecken, reißt er die Deckentücher herunter und mit dem Tuch fällt auch die Leiche Imrays von der Decke herunter. Sein Diener hatte ihn umgebracht und die Leiche dort versteckt.
Geoffrey Palmer und Noel Lloyd schreiben in
Huw über den dreizehnjährigen Huw, der mit dem Fahrrad tödlich auf einer Landstrasse verunglückt und seitdem dort als Geist erscheint. Huw verhindert, dass der Ich-Erzähler seine nächtliche Autofahrt in das walisische Bala fortsetzt und rettet ihm so das Leben, da zur gleichen Zeit ein gigantischer Erdrutsch einen Teil der Strasse nach Bala mit sich in die Tiefe reißt.
The Eastern Window / Das Ostfenster von
E.G. Swain handelt davon, dass Mr. Batchel nach einer Chorprobe im Mondschein alleine einer mysteriösen Gespenstergestalt von der Kirche zu einem nahegelegenem, ehemals abgebrannten, Herrenhaus folgt und dort später einen Geldfund macht. Es ist der vor 200 Jahren gestohlene Opferstock der Kirche, der noch die Aufschrift "for ye poore" ("Für die Nothleydenden") trägt. Mr. Batchel spendet das Geld an eine Stiftung und somit geht das Geld letztendlich doch noch an seinen eigentlichen Empfänger.
In
The Celestial Omnibus / Der Himmels-Omnibus von
Edward Morgan Foster geht es um einen Jungen, der einem alten Schild mit der Aufschrift "Zum Himmel" folgt und dann den Hinweis auf einen Bus liest. Zur angekündigten Abfahrtszeit, bei Sonnenaufgang, macht er sich wieder auf den Weg dorthin und trifft auf eine von zwei Pferden gezogene Kutsche und den Kutscher Sir Thomas Browne. Der Junge weiß natürlich nicht, das es sich hier um den bekannten Schriftsteller aus dem Barock handelt.
Das Gefährt erhebt sich in die Lüfte und die beiden machen eine phantastische Reise, auf der sie über einen Regenbogen fahren und allerlei Gestalten der Weltliteratur begegnen. Später stellt sich heraus, dass dies alles keine Fantasterei des Jungen darstellt, sondern dass es ganz im Gegenteil der Phantasie, des Mutes und der ehrlichen Zuwendung des Jungen bedarf, um ihn auf diese Weise an einer Realität von lebendiger Kunst, Philosophie und Mythologie teilhaben lassen zu können. Und will man diese andere reale Welt ohne die notwendige Herzensbildung betreten, kann dies sogar tödlich enden. | ©
Elmar Driver