Und immer wieder Karaoke
Saturday, October 7, 2006 2:25:39 PM
So trällerten wir dann ein Lied nach dem anderen – vornehmlich die männlichen Teilnehmer – tranken Bier und waren guter Dinge, bis sich ein Bierbecher verselbständigte und auch dem Computer etwas von dem erfrischenden Nass gönnen wollte. Der Computer funktioniert zwar noch, wurde aber vorsichtshalber ausgeschaltet. Glücklicherweise ist da ja noch meine Gitarre und so holte ich diese schnell aus dem Wohnheim und es ging mit Gitarrenunterstützung noch bis in die Morgenstunden weiter. (Besser gesagt ließ ich mich, nach der „Party“ bei Lukas noch in der Lobby von einigen Hartgesottenen zu einem weiteren Bier und etwas Musik überreden.) Lustig war, dass, nachdem die Koreanerinnen bereits kurz vor zwölf gegangen waren, Nadja, eine Freundin von Lukas, bei diesem ebenfalls in ihren Geburtstag hineinfeierte. Somit war auch das Programm für den nächsten Tag gegeben. Am Nachmittag waren wir bei Mimi (USA) und Ihrem chinesischen Vater zum Barbecue und danach dann auf Nadjas Geburtstagsparty eingeladen.
Das Barbacue war dann auch wirklich gut. Leckere Salate und gutes Fleisch und nachdem das Eis getaut war sehr interessante Gespräche mit Mimis Vater und dessen Kollegen, teils auf englisch, teils auf chinesisch. Das ganze geschah anlässlich des Mondfestes – einem wichtigen Fest in China. Es hat etwas mit den Mondphasen zu tun und findet bei Vollmond statt. Außerdem schenken sich die Chinesen dazu gegenseitig die so genannten Mondkuchen, Gebäck mit Füllung, das allerdings selten wirklich schmeckt. (Ich glaube, nicht einmal die Chinesen mögen es wirklich…
)Ein Nachteil dieser Party war, dass wir bereits seit vier Uhr Nachmittags mit Bier versorgt wurden. Es machte mich zwar nicht betrunken – da über einen langen Zeitraum genossen – dafür hatte ich aber irgendwann einen etwas aufgepumpten Magen. Dies gereichte mir wiederum zum Nachteil, als wir dann noch zu Nadjas Geburtstagsparty fuhren. Zunächst in Lukas Wohnung - wer hätte es gedacht – mit versammelter Mannschaft Karaoke singend, sollte es danach noch ins Window gehen. Wäre ich vernünftig gewesen und meiner Müdigkeit gefolgt, hätte ich einen schönen Abend gehabt. So aber landeten wir in einem der wohl schlimmsten Clubs, in dem ich seit langem war.(Dem "Window") Schlechte Musik, zu klein, zu voll, schon wieder mit Fernsehern bestückt, die Sportnachrichten zeigten und ich müde, nüchtern und ohne Ambitionen an diesem Zustand noch etwas zu ändern. Nach einigen weniger begeisterten Anläufen, auf die Musik doch zu tanzen und einer kleinen, amüsanten Schoweinlage einer halbnackten Chinesin, die meinte, auf einer kleinen Bühne mit Ihrem europäischen Freund eine kleine Erotikshow einlegen zu müssen ( - leider waren sie in Ihrem Aufzug einfach nur abturnend und bemitleidenswert - ) habe ich mich mit Vivian aus Hangzhou mit einem Wasser auf die Treppen vor dem Club zurückgezogen und den Rest der Zeit wenigstens mit angenehmer Konversation vertrieben. Endlich wieder zuhause war meine Stimmung dann Tiefenrekordverdächtig und ich fiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
Insgesamt die letzte Woche Revue passieren lassend, waren es jedoch wieder einmal sehr ereignisreiche und schöne Tage. Einzig, dass ich überhaupt nichts für die Sprachschule gelernt habe, wird langsam zum Problem. Es fällt mir mittlerweile immer schwerer, mich für das hohe Niveau meiner Kurse ausreichend zu motivieren und ich bekomme langsam etwas Angst, dass ich am Ende des Jahres zu denjenigen gehöre, deren Chinesisch schlechter ist, als zu dem Zeitpunkt, da man Deutschland verließ. Genug Möglichkeiten, auf Deutsch und Englisch auszuweichen, bestehen jedenfalls. Und die nächsten Tage versprechen nicht wirklich mehr Zeit zum Lernen.
Morgen gehe ich, nach dem Unterricht (Sonntag!) mit Lydia einen Anzug kaufen, weil ich am Montag gerne auf die Nachfeier des Tages der Deutschen Einheit in der Botschaft in Shanghai gehen würde und da Abendgaderobe vorgeschrieben ist. Hoffentlich klappt das noch…







