Ein Jahr staubige Füße!
Wednesday, 10. June 2009, 09:26:30
Die Tage überschlagen sich jetzt und ich merke wie mir die Zeit ausgeht mich von einzelnen Menschen persönlich zu verabschieden. Die organisatorischen- und Packangelegenheiten nehmen Überhand (Ausreise Kongo, Einreise Uganda, Tagesreise nach Entebbe,…).
Zu meiner Kongobilanz… Es fällt mir schwer alle meine Erfahrungen hier im Kongo zusammenzufassen oder zu kategorisieren. Ich kann noch nicht mal genau sagen auf welche Weise mich die Zeit hier verändert hat. Diese Feststellung bedarf einer Fremdbeurteilung
Die Kongolesen sind mir sehr ans Herz gewachsen. Auch wenn ich meine, ich hätte sie in gewisser Weise verstanden oder kennen gelernt – so gibt es immer wieder kleine Überraschungen. Letztens als unser einer Teamkongolese Denys ein rohes Ei aus dem Kühlschrank nahm und gegessen hat… oder als ich das Krankenhauspersonal eines nachts besuchte (in der Nachtschicht) und beobachtete wie sie die dicken Nachfalter, die sich kollektiv um jedes elektrische Licht sammeln, aus der Luft griffen, die Flügel abzupften und sie in den Mund stopften - wie fliegende Haribos!
Dann gibt es noch die Eigenschaften der Kongolesen, die jeden gestandenen Deutschen in den Wahnsinn treiben. Eine solche Geduldsprobe hatte ich jedes Mal durchzustehen, wenn ich zum Schneider meines Vertrauens radelte. Er hat sein Handwerk zwar verstanden, dafür fehlt ihm jedes Verständnis für Fristen und Arbeitseinteilung…
Wahrscheinlich ist es seine Afrikanisch-ergebnisorientierte Art nicht nach der Uhr zu arbeiten, sondern an der Anzahl wie oft ich ihn besucht habe, um meine Sachen abzuholen…
Ich muss hier zum Schluss auch erwähnen, dass ich mich nicht immer hundertprozentig angepasst habe. Etwas, das mir unter anderem sehr schwer gefallen ist, war die Beziehungspflege mit Nachbarn, Bekannten, etc.
Vielleicht kann man es sich so vorstellen: Du lebst in einem Dorf voller Rentner, die alle deine Verwandten sind und regelmäßige Besuche erwarten… Der Vergleich ist auch relativ passend, da man außer „Beziehungspflege“ (also sitzen, Tee trinken, und lockere Unterhaltungen führen) nicht viel zusammen unternimmt, bzw. unternehmen kann. Wenn du dich dann längere Zeit nicht gemeldet hast bekommst du das auch gleich in der Begrüßung zu hören „Mbote! Nsango na Mikolo mingi?“ (Hallo! Was gibt’s Neues aus den vielen Tagen deiner Abwesenheit?).
Man kommt in eine Zwickmühle, wenn man länger nichts von sich hat hören lassen, aber auch keine Lust hat sich dafür zu rechtfertigen und noch etwas länger wartet.
Es wird hier erwartet, dass du des Öfteren unangekündigt in den Hof deines Nachbarn spazierst und einfach ne Zeit lang mit ihm zusammensitzt. Wenn du es nicht tust, bist du unhöflich und respektierst deine Nachbarn nicht.
Ich kann als Deutsche nicht aus meiner Haut und habe dabei immer das Gefühl eventuell zu stören – wir hatten ja keine Verabredung. Außerdem gehen mir dann auch nach 15 min die Gesprächsthemen aus
Am Besten ist mir das vielleicht im Taubstummenheim gelungen. Da sie nicht davon ausgehen, dass ich die Gebärdensprache beherrsche, haben wir auch keinen Druck uns zu unterhalten und können einfach nur in der Sonne liegen und haareflechten, mir dem Fotoapparat rumspielen,…
Ich denke diese herzliche, absichtslose und ungeplante Gemeinschaft ist eine der Dinge, die mir fehlen werden.
Alle drei Adjektive in Kombination kommen im schnelllebigen Deutschland nicht so häufig vor.
Oder sagen wir so: Beziehungspflege sieht in Europa einfach anders aus.
Mein (noch leerer) Terminkalender wird in den nächsten Wochen wieder die Herrschaft meiner Zeit übernehmen.
Insgeheim freue ich mich auch schon wieder etwas rein schreiben zu können!
Ich freue mich auch schon darauf wieder 24/7 Stromzugang zu haben, verlässliches Internet (hier hat es mich besonders in den letzten Tagen im Stich gelassen), warme Dusche zu jeder Zeit, sowie Fleisch/Schokolade und Vanilleeis in unbegrenzten Massen!
Auch die ganzen Krabbelviecher kann ich mit gutem Gewissen hier im Kongo lassen! Letztens hatte ich wieder eine unangenehme „Feindberührung“ mit einer 7cm-Kakerlake… Entweder krabbeln sie im Geschirrschrank rum oder sie liegen auf einmal halbtot in meinem Zimmer auf dem Rücken (wahrscheinlich haben sie sich abgesprochen und mein Zimmer zu ihrem Friedhof erklärt). Eines Nachts ist sogar ein besonders großes Exemplar zum Sterben an meinem Moskitonetz hochgeklettert (leider war es die Innenseite) und hat mich aus meinem Tiefschlaf gerissen… der sich danach auch nicht wieder einstellen wollte… Dafür macht diese Kakerlake jetzt kein Auge mehr auf! Und ich habe gelernt das Moskitonetz fest in die Bettkante zu stopfen…
Also ihr merkt, so schnell kann mich nichts mehr schocken. Ich bin tropengeprüft.
Und dank göttlicher Bewahrung und Gebetsunterstützung nicht ein einziges Mal an Malaria, Amöben und anderen ekligen Sachen erkrankt!!
So kann ich an Grenze beruhigt sagen, dass ich keine Tiere ins Land importieren werde.
Ich werde am frühen Samstagnachmittag (13:45 glaub ich) am Hamburger Flughafen ankommen!
Darauf freue ich mich schon unglaublich und werde bestimmt 2 Tage nicht schlafen können vor Aufregung
Wenn ihr Lust habt mich abzuholen könnt ihr das gerne tun (sorry, dass ich gerade keine genauen Daten parat habe... Vielleicht schaffe ich es noch, die später abzuschicken)! - es macht aber auch nichts, wenn ihr an dem Tag schon etwas anderes vorhabt, immerhin muss ich auch erst mal wieder ankommen.
In diesen Blog zu schreiben hat mir sehr viel Spaß gemacht - ich hoffe ihr habt die Zeit auch so genossen wie ich und einige Eindrücke über den Kongo bekommen!
In diesem Sinne - seid gesegnet und auf baldiges Wiedersehen!

