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Afrika Ahead

News aus dem Kongo!

Ein Jahr staubige Füße!

Zeit diesen Blog abzuschließen :smile:!
Die Tage überschlagen sich jetzt und ich merke wie mir die Zeit ausgeht mich von einzelnen Menschen persönlich zu verabschieden. Die organisatorischen- und Packangelegenheiten nehmen Überhand (Ausreise Kongo, Einreise Uganda, Tagesreise nach Entebbe,…).

Zu meiner Kongobilanz… Es fällt mir schwer alle meine Erfahrungen hier im Kongo zusammenzufassen oder zu kategorisieren. Ich kann noch nicht mal genau sagen auf welche Weise mich die Zeit hier verändert hat. Diese Feststellung bedarf einer Fremdbeurteilung :wink:.
Die Kongolesen sind mir sehr ans Herz gewachsen. Auch wenn ich meine, ich hätte sie in gewisser Weise verstanden oder kennen gelernt – so gibt es immer wieder kleine Überraschungen. Letztens als unser einer Teamkongolese Denys ein rohes Ei aus dem Kühlschrank nahm und gegessen hat… oder als ich das Krankenhauspersonal eines nachts besuchte (in der Nachtschicht) und beobachtete wie sie die dicken Nachfalter, die sich kollektiv um jedes elektrische Licht sammeln, aus der Luft griffen, die Flügel abzupften und sie in den Mund stopften - wie fliegende Haribos!
Dann gibt es noch die Eigenschaften der Kongolesen, die jeden gestandenen Deutschen in den Wahnsinn treiben. Eine solche Geduldsprobe hatte ich jedes Mal durchzustehen, wenn ich zum Schneider meines Vertrauens radelte. Er hat sein Handwerk zwar verstanden, dafür fehlt ihm jedes Verständnis für Fristen und Arbeitseinteilung…
Wahrscheinlich ist es seine Afrikanisch-ergebnisorientierte Art nicht nach der Uhr zu arbeiten, sondern an der Anzahl wie oft ich ihn besucht habe, um meine Sachen abzuholen…

Ich muss hier zum Schluss auch erwähnen, dass ich mich nicht immer hundertprozentig angepasst habe. Etwas, das mir unter anderem sehr schwer gefallen ist, war die Beziehungspflege mit Nachbarn, Bekannten, etc.
Vielleicht kann man es sich so vorstellen: Du lebst in einem Dorf voller Rentner, die alle deine Verwandten sind und regelmäßige Besuche erwarten… Der Vergleich ist auch relativ passend, da man außer „Beziehungspflege“ (also sitzen, Tee trinken, und lockere Unterhaltungen führen) nicht viel zusammen unternimmt, bzw. unternehmen kann. Wenn du dich dann längere Zeit nicht gemeldet hast bekommst du das auch gleich in der Begrüßung zu hören „Mbote! Nsango na Mikolo mingi?“ (Hallo! Was gibt’s Neues aus den vielen Tagen deiner Abwesenheit?).
Man kommt in eine Zwickmühle, wenn man länger nichts von sich hat hören lassen, aber auch keine Lust hat sich dafür zu rechtfertigen und noch etwas länger wartet.
Es wird hier erwartet, dass du des Öfteren unangekündigt in den Hof deines Nachbarn spazierst und einfach ne Zeit lang mit ihm zusammensitzt. Wenn du es nicht tust, bist du unhöflich und respektierst deine Nachbarn nicht.
Ich kann als Deutsche nicht aus meiner Haut und habe dabei immer das Gefühl eventuell zu stören – wir hatten ja keine Verabredung. Außerdem gehen mir dann auch nach 15 min die Gesprächsthemen aus :smile:. Das einfache Zusammensitzen und sich an der Anwesenheit des anderen freuen ist eine Kunst, die ich noch nicht wirklich beherrsche.
Am Besten ist mir das vielleicht im Taubstummenheim gelungen. Da sie nicht davon ausgehen, dass ich die Gebärdensprache beherrsche, haben wir auch keinen Druck uns zu unterhalten und können einfach nur in der Sonne liegen und haareflechten, mir dem Fotoapparat rumspielen,…

Ich denke diese herzliche, absichtslose und ungeplante Gemeinschaft ist eine der Dinge, die mir fehlen werden.
Alle drei Adjektive in Kombination kommen im schnelllebigen Deutschland nicht so häufig vor.
Oder sagen wir so: Beziehungspflege sieht in Europa einfach anders aus.
Mein (noch leerer) Terminkalender wird in den nächsten Wochen wieder die Herrschaft meiner Zeit übernehmen.
Insgeheim freue ich mich auch schon wieder etwas rein schreiben zu können!
Ich freue mich auch schon darauf wieder 24/7 Stromzugang zu haben, verlässliches Internet (hier hat es mich besonders in den letzten Tagen im Stich gelassen), warme Dusche zu jeder Zeit, sowie Fleisch/Schokolade und Vanilleeis in unbegrenzten Massen!
Auch die ganzen Krabbelviecher kann ich mit gutem Gewissen hier im Kongo lassen! Letztens hatte ich wieder eine unangenehme „Feindberührung“ mit einer 7cm-Kakerlake… Entweder krabbeln sie im Geschirrschrank rum oder sie liegen auf einmal halbtot in meinem Zimmer auf dem Rücken (wahrscheinlich haben sie sich abgesprochen und mein Zimmer zu ihrem Friedhof erklärt). Eines Nachts ist sogar ein besonders großes Exemplar zum Sterben an meinem Moskitonetz hochgeklettert (leider war es die Innenseite) und hat mich aus meinem Tiefschlaf gerissen… der sich danach auch nicht wieder einstellen wollte… Dafür macht diese Kakerlake jetzt kein Auge mehr auf! Und ich habe gelernt das Moskitonetz fest in die Bettkante zu stopfen…

Also ihr merkt, so schnell kann mich nichts mehr schocken. Ich bin tropengeprüft.
Und dank göttlicher Bewahrung und Gebetsunterstützung nicht ein einziges Mal an Malaria, Amöben und anderen ekligen Sachen erkrankt!!
So kann ich an Grenze beruhigt sagen, dass ich keine Tiere ins Land importieren werde.


Ich werde am frühen Samstagnachmittag (13:45 glaub ich) am Hamburger Flughafen ankommen!
Darauf freue ich mich schon unglaublich und werde bestimmt 2 Tage nicht schlafen können vor Aufregung :smile:!
Wenn ihr Lust habt mich abzuholen könnt ihr das gerne tun (sorry, dass ich gerade keine genauen Daten parat habe... Vielleicht schaffe ich es noch, die später abzuschicken)! - es macht aber auch nichts, wenn ihr an dem Tag schon etwas anderes vorhabt, immerhin muss ich auch erst mal wieder ankommen.
In diesen Blog zu schreiben hat mir sehr viel Spaß gemacht - ich hoffe ihr habt die Zeit auch so genossen wie ich und einige Eindrücke über den Kongo bekommen!
In diesem Sinne - seid gesegnet und auf baldiges Wiedersehen!

Wie die Zeit rennt...

Menschenskinder!
Noch eine Woche! Und dies ist wahrscheinlich der vorletzte Blogeintrag.
Dabei kann ich objektiv gar nicht sagen, dass die Zeit schneller vergangen wäre. Sie schaukelt uns im selben Tempo von der Wiege bis ins Grab :smile:. Manchmal wünscht man, dass es schneller geht, manchmal eher nicht. Aber jetzt ist es wirklich nicht mehr lang.
Wir haben den Fernschulunterricht letzte Woche Freitag abgeschlossen und am letzten Tag ein Picknick im nahen Bambuswald gemacht. Jetzt fangen für die Kids die offiziellen Sommerferien an - 3 Monate lang! Wenn sie danach nicht alles vergessen haben, habe ich gute Arbeit geleistet...
Insgesamt hat es mir sehr viel Spaß gemacht den Kindern zu helfen und ihnen Sachen zu erklären! Manchmal war es auch anstrengend (immer dann wenn sie keinen Bock hatten…), aber meistens ganz locker und lustig. Ich habe viele wertvolle Lektionen in Sachen Erziehung gelernt. Und trotzdem werde ich nicht Lehramt studieren.
Hier ein paar Bilder vom Picknick:
Picknick im Bambuswald! Das Buschbaby Jolie Der kleine David genießt seine Schokomuffins!

Letzten Freitag gab es auch auf der Station eine Abschiedsveranstaltung: Der Leitungswechsel von Joe Haller auf Thorsten Buscher wurde mit einem kleinen Mittagsbuffet eingeleitet (zur Auswahl standen Fufu, Reis, Bohnen und Kuh ...).
Im Zuge des Leitungswechsels wurde auch ein paar Mitarbeiter verabschiedet – aber die Stimmung war hauptsächlich positiv (das lag an dem Essen). Es wird sich in der kommenden Zeit viel auf der Station verändern. Jeder Missionar prägt seine Arbeit zu einem Großteil nach seinem Charakter und seinem Leitungsstil. Thorsten ist Tischler, Joe ist Kfz-Mechaniker. Eine der ersten Maßnahmen wird das Entsorgen der ganzen Autoersatzteile sein, die hier auf der Station gelagert werden :smile:.
Diese Veränderung wird der Arbeit von Diguna im Kongo sehr gut tun – meiner Meinung nach kam das Geistliche im Alltagsgeschäft etwas zu kurz auf Kosten von der Autowerkstatt. Da wird es eine Schwerpunktverlagerung geben.
Letzten Freitag: Abschiedsessen und Leitungswechsel auf der Digunastation Aru. Joe (der alte Stationsleiter) hat eine kleine Abschiedsrede gehalten und feierlich den "Kuhschwanzwedel" überreicht.

Meine letzten Tage werde ich teilweise im Krankenhaus verbringen (als Besucher). Ich schaue mir noch ein wenig die Geburtstation an und assistiere Jule bei der Arbeit! So hautnah im kongolesischen Arbeitsalltag zu sein ist hochspannend!
Heute haben „wir“ ein paar Injektionen verteilt, ein meningitis-krankes Baby behandelt, schwangere Frauen untersucht,…
Und Jule hat sich im Labor auf Malaria testen lassen, weil es ihr am Tag davor schlecht ging und sie etwas Fieber hatte. Man kann hier einen Malaria-Schnelltest machen – der dauert 20 Minuten und ist sehr unzuverlässig. Es gibt auf einem kleinen Stäbchen (auf das Blut getupft wird) 1 bis 4 rote Striche an denen der Plasmodien-gehalt im Blut abzulesen ist (das sind die Malaria-erreger). Man hat bei jedem Test einen Strich – wenn man 2 hat ist die Diagnose unsicher, bei 3 schon sicherer und 4 ist sehr wahscheinlich Malaria (das hätte man in dem Stadium dann auch selbst bemerkt).
Hier wird jedem weißen bei der kleinsten Fieberwelle sofort stärkstes Malaria-Mittel empfohlen! Jedes Baby, das Fieber hat, bekommt Chinin (das besagte Malariagegenmittel) in die Muttermilch. Und Antibiotika gleich dazu (kann ja nicht schaden).
Sehr fraglich ob diese Methode ohne Folgen bleibt.
Aber Medikamente sind hier Pflicht und so etwas wie ein legalisiertes Wundermittel gegen Krankheit.

Ich werde mich demnächst noch einmal melden.
Hier im Blog steht noch ein kleiner Rückblick oder eine Bilanz über die Afrika-Zeit aus.
Der Vollständigkeit halber. Und bestimmt hilft es mir auch mich bewusst vom Kongo zu verabschieden. Auch wenn ich das lieber vor mir herschieben würde – ich denke in letzter Zeit schon oft genug darüber nach. Gestern habe ich mich von 3 der 4 FSJler Jungs verabschiedet – sie machen zusammen noch einen längeren Urlaub in Kenia bevor sie nach Deutschland fliegen.
Schlimmer noch wird der Abschied von den Kongolesen („Auf ungewisses Wiedersehen“). Aber der Abschiedsschmerz gehört dazu. Er ist sogar ein gutes Zeichen und eine Bestätigung der entstandenen Freundschaft. Und er ist nicht nur einseitig – ich werde vermisst und werde vermissen.
Es bleibt die schöne Erinnerung.
Und vielleicht ein Urlaub und ein Wiedersehen in der Zukunft.


Ein paar Fotos


Hier kommen nun also die Frisurenbilder. Es hat den Mädels viel Spaß gemacht - und mir natürlich auch (das gelegentliche Ziepen mal ausgenommen, die afrikanischen Friseure müssen die kleinen lockigen haare erst mal langziehen und diese technik haben sie bei mir auch angewendet.) Hier werden fleißig neue Gebärden-Zeichen gelernt. Der Typ mit der großen Brille im Vordergrund ist einer der Lehrer an der Schule. Er redet nicht mehr ohne seine Hände dabei zu bewegen. Sehr eindrücklich :smile: Vielleicht werde ich nächste Woche mal im Unterricht dabeisein. Wir haben nur noch eine Diese Woche Schule (die Kids freuen sich auch schon sehr auf die "Ferien"- Bei ihnen dauert es dann 3 Monate bis die Schule wieder anfängt. Mal sehen was sie bis dahin noch alles können...) Das Ergebnis: eine Mischung aus Bauernzopf und afrikanischem Flechtmuster. Weiteres Zeichen-Lernen. Ein paar kleine Jungs, die gerne fotografiert werden :smile:. Jule hat mich begleitet und kam gleich als Nächste dran. Das war gestern: Wir waren bei zwei bekannten Krankenschwestern aus der Geburtsstation zum Essen eingeladen. Letzte Woche waren sie bei uns zu Gast. Es ist echt ein schönes Gefühl freundschaftliche Gemeinschaft mit Einheimischen zu haben! Solche vertrauten Beziehungen sind selten und kostbar! Jakob und ich können uns mittlerweile locker auf Lingala verständigen (was einen Großteil zur Beziehungspflege mit Einheimischen beiträgt), Lars und Jule sind noch fleißig am Lernen. Es ist wahrscheinlich auch sehr schwierig für die Einheimischen am Anfang die Geduld aufzubringen und immer wieder neu anzufangen mit den Weißen, die jedes Jahr neu ankommen. Da ist es umso schöner, wenn man Menschen findet, die sich auf dich einlassen wollen! Und umso schwerer sich dann wieder von ihnen zu verabschieden, wenn man gerade eine gute Basis für eine Freundschaft aufgebaut hat. Sehr blöd auch, dass die Post hier im Kongo nicht funktioniert und man ihnen auch keine emails schreiben kann. Aber da wird sich auch ein Weg finden.

Der Frust der Missionare

Bei dem allgemein verbreiteten Bild eines Missionars gibt es hauptsächlich zwei Extremvorstellungen: Entweder er ist der schlimmste Verbrecher, der den armen Einheimischen seine Moralvorstellungen aufzwingt und sie nebenbei ausbeutet oder als minderwertig behandelt – Oder er ist der starke Gottesmann, der durch seinen starken Glauben eine Erweckungspredigt nach der anderen hinlegt. Dazwischen ist dann ein dunkles Loch der Ungewissheit.
Was diese Vorurteile angeht habe ich in den 10 Monaten hier festgestellt:
- Unser Glauben ist klein, aber unser Gott ist groß. Und er hebt Berge hinweg, wenn wir ihm nur dieses kleine Vertrauen entgegenbringen (in Sandkorngröße). Es ist nicht unser Glaube, sondern seine Stärke, die Gemeindewachstum bewirkt.
- Die Aufgabe des Missionars ist es sich zur Verfügung zu stellen. Daran steht und fällt die Qualität und Wirksamkeit der missionarischen Arbeit: An der Frage ob ich sie selbst vollbringen will oder ob ich Gott den Platz überlasse, sie durch mich zu vollbringen. Ob ich meine Ehre und mein Recht suche oder sie aufgebe, um Gottes Ehre Willen.

Missionare sind nicht perfekt und das sollen sie auch gar nicht sein. Meine Mangelhaftigkeit habe ich hier sehr deutlich gemerkt, als eine „Missionshelferin“. Man stößt schnell an die Grenzen seiner Nächstenliebe.
Du bist ungeduldig mit den Menschen, du verurteilst sie, du verstehst sie nicht, du wirst frustriert und resigniert und schließlich gibst du sie auf (im schlimmsten Fall, spätestens dann sollte man ganz schnell wieder ausreisen.).
Es gibt so viele Missionare, die eine resignierte und negative Einstellung gegenüber der Einheimischen haben! In ihren Erzählungen klingt immer ein bisschen Bitterkeit mit – Enttäuschungen, die zu Frust und zu einer inneren Verachtung geworden sind.
„Die sind alle gleich! Es kann ja nicht anders laufen. Sie beißen in die Hand, die sie füttert!“

Es müssen nicht mal große Enttäuschungen sein, die solche Kommentare nach sich ziehen. Es ist eher der stete Tropfen auf eine bestimmte Stelle – daraus wird ein wunder Punkt und später eine Wunde.
Zum Beispiel die Tatsache, dass es immer wieder Diebstähle gibt (der eigenen Mitarbeiter). Oder das ständige Betteln „Hey Weißer, gib mir Geld/Bonbons/ein Handy! Du bist doch hier, um uns zu helfen!“
Diese Erwartungs- und Vorwurfshaltung gibt es ja in jeder (norddeutschen:)) Gemeinde. Menschen sind einfach oft selbstsüchtig und undankbar.
Aber wir müssen unglaublich aufpassen, dass wir nicht in diese stille Resignation hineinrutschen, aus der solche verallgemeinernden Kommentare kommen!

Ich muss meine Motivation stark hinterfragen: Warum arbeite ich hier? Für wen? Was wird mein Lohn sein?
Wir sind nicht hier um bedient zu werden, sondern um zu dienen. (Es gibt glaube ich keine Haltung, die mehr der menschlichen Natur wiederspricht, als diese.)
Und das schaffen wir nicht aus unserer Kraft, sondern allein aus der Kraft Christi, der in uns lebt.
Aus der Liebe Jesu kann ich die Menschen lieben, obwohl ich bestohlen, verspottet oder verachtet werde.
Das ist ein großes Geheimnis, vielleicht der Schlüssel zum Verständnis christlicher Märtyrer. Es ist nicht ihre Kraft, die in ihrem Leben sichtbar wird, sondern Jesus selbst, der durch sie wirkt.

Nun ist es aber nicht so, dass wir unter Barbaren leben!
Bis jetzt kenne ich kein angenehmeres Missionsfeld als den Kongo (noch vor Deutschland)! Die Menschen sind generell freundlich, herzlich, offen und einladend. Ich habe sie schon längst ins Herz geschlossen!
Auch, wenn ich sie manchmal nicht verstehe und auch ich „wunde Punkte“ habe, an denen ich taub geworden bin – so sind sie doch grundsätzlich einfach liebenswerte Menschen, die mich Fremden dankbar und ohne Bedingung angenommen haben.
Dass es also unter dieser guten Vorraussetzung noch frustrierte Missionare gibt, ist unter anderem ein Zeichen dafür, dass sie noch versuchen die Arbeit aus ihrer eigenen Kraft zu vollbringen; dass sie sich nicht ganz in ihren Enttäuschungen auf Gottes Kraft stützen.
Außerdem ist es ein Zeichen für klassische Misskommunikation wie sie in psychologischen Büchern steht: Ich verstehe etwas anderes, als mein Empfänger mir sagen möchte.
Aus der fehlenden Bereitschaft die andere Kultur verstehen zu lernen und Interesse für die Menschen zu haben, resultiert dann der Frust.
Übrigens auf beiden Seiten. Unsere Kongolesischen Teammitglieder sind mindestens genauso resignierend und verzweifeln an dem Verhalten der Weißen!
„Diese unhöflichen, ruppigen Deutschen! Haben keinen Sinn für Beziehungen und Anstand!“

Aber ich bin sicher, das ist nicht das einzige Zeugnis, das wir hier hinterlassen werden!
Bei ein paar wenigen und wertvollen Freundschaften überwiegt die Liebe und Annahme und die Missverständnisse und Fehler des anderen werden von ihr getragen.
Der nahestehende Abschied wird kein leichter, das steht fest.

Hier ein paar Fotos bei Freunden:
(ich war letztes WE bei den Kinder aus dem Taubstummenheim zu Besuch)
Die Mädels bei ESMA (dem Taubstummenheim um die Ecke) stampfen "Pondu" (Maniokblätter), um es später als eine Art Spinat zu essen. Kochen ist im Kongo reine Frauensache. Im Schlafraum/Unterrichtszimmer werden die Maniokblätter kleingezupft.
Da ich gerade um die Mittagszeit gekommen bin habe ich auch gleich lernen können wie man Fufu kocht! Das Maniok-mehl wird dem kochenden Wasser hinzugefügt, danach muss man so lange rühren bis sich eine feste Masse bildet. Ich durfte das Mittagessen als erste probieren: Fufu und Erbsen-/Tomatensoße Vor und nach dem Essen wird dem Gast immer eine Schüssel Wasser zum Händewaschen gereicht (man isst ja mit den Händen) Die Mädels haben, wie in Deutschland, unglaublichen Spaß daran sich Frisuren zu flechten! Auch wenn das Haar kurz ist - kleine Zöpfe kann man trotzdem machen. Nächstes Wochenende wollen sie es mal bei mir versuchen :smile:...

Frikadellen!

Wir haben vorgestern zur Abwechslung wieder etwas Fleisch zum Essen bekommen!
Ein halbes Schwein, dass wir dann in einem aufwändigen Prozess in ssbare und nicht essbare Teile zerlegt haben.
Am Anfang sieht es noch so aus wie bei der Löwenfütterung... Dann wird die Haut vom Muskelfleisch getrennt. Jakob hat freundlicherweise sein Skalpel aus dem OP zur Verfügung gestellt :smile: Für leckere Frikadellen muss man schon mal einen ganzen Nachmittag arbeiten. Ich habe dann die Rippenpartie übernommen.
Wir hatten am Abend so viel Fleisch wie schon lange nicht mehr (die ganze Dosenwurst im Depot mal ausgenommen... die darf nur am Wochenende gegessen werden).
Aber ich denke aus das verliert in Deutschland schnell wieder seinen Reiz. Man will nur das haben, was man gerade nicht hat.
Das sind auch die aktuellsten Fotos, die ich momentan habe :smile:.
Mittlerweile sind die Wochen auch schon gezählt, bis ich wieder in Deutschland bin. Ein komisches Gefühl, einerseits voller Vorfreude andererseits auch ein paar Abschiedsschmerzen. Darüber werde ich vielleicht später noch etwas schreiben, wenn die Abfahrt näher rückt.
Jetzt wünsch ich euch noch eine schöne Restwoche und viel Frühlingssonne!

Die Hohen Tiere

Gestern im Gottesdienst hatten wir Staatsbesuch. Der Gouverneur der Province Orientale (unser „Bundesland“ im Kongo, über dem Nord-Kivu) hat uns mit seiner Anwesenheit beehrt und gleich seine ganze Sippe mitgebracht.
Sie kamen alle, inklusive ihrer bewaffneten Leibwächter, eine Stunde zu spät (wie es sich für ranghohe Personen in der Regierung gehört, um zu zeigen, dass sie es sich leisten können).
Aber man konnte schon ahnen, dass noch jemand kommen würde. Vorher wurde nämlich in der ersten Reihe ein kleiner „Thron“ (zwei Plastikstühle übereinander mit kleinen Polstern) aufgebaut.
Je höher eine Person im staatlichen Dienst aufsteigt, desto mehr wird ihr gehuldigt. Es stellt hier keiner in Frage, dass der Präsident der reichste Mann im Land ist – er ist ja auch auf der höchsten Position. Hier im ländlichen Umfeld ist der Gouverneur die ranghöchste Person, die die Leute mal zu sehen bekommen. Dementsprechend groß ist auch der Aufstand, den sie deshalb machen.
Kaum hatte sich die Truppe auf ihre Ehrenplätze gesetzt, kündigte der Moderator in den blumigsten Worten die folgende Vorstellung der besonderen Gäste an. In Afrika gilt unter anderem die Regel: je höher deine Soziale Stellung, desto mehr Redezeit hast du in öffentlichen Veranstaltungen und desto mehr Zeit lässt du dir auch um deine Wichtigkeit zu betonen. Nachdem der Moderator also mit seiner kleinen Lobrede geendet hatte, folgte eine halbstündige, rein selbst verherrlichende und absolut aussagelose Rede des Gouverneurs.
Erst forderte er einen spontanen Auftritt des Bläserorchesters, dann stellte er jeden seiner Sippe vor, redete über die wohltätigen Reise in ärmere Gebiete, die er hinter sich hatte und endete schließlich mit einer kleinen „Predigt“ über die Verpflichtung jedes einzelnen neben Gott auch den Regierenden Lob zu zollen!
Man darf sich afrikanische Politiker auf keinen Fall wie deutsche Politiker vorstellen – sie haben fast nichts gemeinsam. Schon die Wählerschaft ist eine ganz andere! Die Menschen stellen Authoritätspersonen nicht in Frage. Es gibt also keine Kritik aus der Bevölkerung und Selbstkritik der Politiker ist (u.a. aus Schamgründen) sowieso undenkbar! Welcher Politiker hat in Afrika jemals seine Fehler öffentlich zugegeben? Es sind immer zuerst alle anderen Schuld.
Es zählt auch viel mehr das Charisma des Politikers, mit der er die Sympathie der Bevölkerung gewinnen will, als seine politischen Fähigkeiten und seine Kompetenz. Natürlich sind die Leute verärgert, dass nichts passiert. Aber wenn die Unzufriedenheit zu laut wird, schickt Kabila dem Gouverneur ein bisschen Geld für eine kleine Parade mit bezahltem Bläserorchester und die Leute sind wieder zufrieden und haben wegen eines kurzen Besuchs alle ihre Einwände vergessen. „Ja, wirklich ein netter Mensch! Ob er hier die Straßen verbessert hat? Naja…, bestimmt muss er sich auch viel um seine Familie kümmern, außerdem habe ich gehört, dass seine Frau doch wieder schwanger ist – …“
Da haben wir also diesen Gouverneur in einem Sonntagsgottesdienst, der auf eine selbstverliebte Art mit tiefer, schmatzender Stimme – das Mikro viel zu nah an den Mund haltend – den alten Mamas seine Frau und Kinder vorstellt, ein paar Witze reißt, sich dabei unendlich viel Zeit lässt, für nichts und wieder nichts die Aufmerksamkeit der Gemeinde fordert – die sie ihm bereitwillig und begeistert darbringt!
Das alles in einem Gottesdienst!
Ironischerweise behandelte die nachfolgende Predigt einen Bibeltext, in dem Paulus von der Dummheit des Eigenlobes spricht (der Prediger hat ganze Arbeit geleistet ihn irgendwie anders auszulegen…).

Diese öffentliche Selbstverherrlichung der Politiker ist hier vollkommen akzeptiert. Mich hat sie nur wütend gemacht. Ich kann nicht verstehen, warum sich die ärmsten Menschen so gutgläubig von einer Regierungsperson beeindrucken lassen, obwohl sie keine Veränderung ihrer Lebensverhältnisse zu erwarten haben. Vielleicht ist ihnen das sogar bewusst, jedoch ändert es nichts an ihrer zelebrierten Unterordnung, im Falle eines Staatsbesuchs.
Eines der vielen kulturellen Rätsel, die ich nicht verstehen werde.
Immerhin hat Ulama mir zugestimmt, dass das Ganze eine einzige Theatershow war und keinem geholfen hat.
Ich habe über die politischen Verhältnisse im Kongo ein interessantes Buch gelesen („Die Stunde der Rebellen“ von Lieve Joris). Sehr empfehlenswert, für alle Interessierten!

Und ein paar neue Fotos:

Ein älteres Foto, irgendwann Samstagabend. Wir haben meinen Käse für einen fantastischen Nudelauflauf geopfert und es hat sich gelohnt! :smile: Käse macht doch einen riesen Unterschied!

Jules neuer Arbeitsplatz! Sie lernt fleißig Lingala um mit den Krankenschwestern besser reden zu können. Die praktische Arbeit geht aber schon sehr gut, wie man sieht. Besuch im Krankenhaus. Manchmal in der Schulpause schau ich bei den Schwestern vorbei. Links neben mir sitzt Hanna aus Arua, die uns für einen Tag besucht hat. Waschtag in der Entbindungsstation. Ein Nahportrait der kleinen Stefanie. Die Krankenschwestern bringen ihren Nachwuchs immer mit zur Arbeit. Ein amerikanischer Chirurg hat unser Krankenhaus besucht und für 2 Tage alle nötigen OP's erledigt. (Die Krankenhaus-fotos sind übrigens alle von Jakob.)
Und noch eine wundervolle Nachricht: Im letzten Container wurde ein Kicker mitgeschickt (für die Fußball- und Jugendarbeit hier in der Gemeinde). Wir haben ihn schon mal ausgepackt und eingeweiht! :smile: Ein großer Spaß für alle Kinder und für mich auch! :wink: Da komme ich wenigstens nicht aus der Übung.

„Sie hören Radio R-T-K“

Radio ist das Fernsehen Afrikas.
Während in Deutschland die meisten unbeschäftigten Leute vor dem Fernseher hocken und sich mit Nachmittagsgerichtsshows die Zeit vertreiben, sitzen in Afrika die Leute um ihr Radio. Sie sitzen und hören. Mit voller Aufmerksamkeit, es wird nicht geredet. Oft einen ganzen Tag lang.
Jeder der ein bisschen Geld zusammenbekommt kauft sich ein Radio. Es ist ein kleines Statussymbol, ein Luxus, wie eine eigene Armbanduhr oder eine Matratze.
Man kennt sowieso alle Senderfrequenzen auswendig und hat meistens auch einen Lieblingssender.
Der Empfang reicht in die entlegensten Buschgegenden, wobei das Rauschen ohnehin akzeptiert wird. Etwa, wenn die Batterie langsam ihren Geist aufgibt, man sich aber gerade keine neue kaufen kann.
Ein Radio bedeutet, teilzuhaben an der Welt draußen. Informiert zu sein über entscheidende Neuigkeiten, was in Anbetracht der schnell wechselnden Verhältnisse unglaublich wichtig ist.
Neben dem Radio als Kommunikationsmedium ist noch die Mund-zu-Mund-Kommunikation eine wichtige Informationsquelle: „Was hast du gehört? Wo sind die Rebellen jetzt? Wo gibt es Aufruhr? Muss man Angst haben?“ Jeder hat irgendwo einen Verwandten, der ihm übers Handy das wichtigste mitteilt. Dabei entstehen natürlich mindestens genauso viele Gerüchte. Aber entscheidend ist die unglaubliche Schnelligkeit mit der sich solche Nachrichten verbreiten. Ein lebenswichtiges Kommunikationsnetz, wo die nicht vorhandene Infrastruktur eigentlich keinen Austausch ermöglicht.

Wer also in Afrika die Menschen mit der Guten Nachricht erreichen will, errichtet sich am Besten einen christlichen Radiosender.
So auch Diguna.
Vor 15 Jahren entstand durch Diguna-Unterstützung der Sender RTK (Radio Tangazeni Kristo = Radio, der Verkündung Christus).
Hier in der Gegend werden noch einige andere Sender empfangen, inklusive dem UN-Sender Okapi und ein paar ugandischen Sendern.
Aber RTK hat sich etabliert und ist in der einheimischen Bevölkerung sehr beliebt.

Das Senderprogramm ist so bunt wie das Tagesprogramm eines Fernsehsenders.
Neben der obligatorischen christlichen Musik (es gibt hier eine starke Trennung zwischen christlicher und weltlicher Musik), den Predigten und Ansprachen gibt es noch einheimische Soaps als Hörspiel, Kinderprogramm, Evangeliumshörspiele (Matthäus-Evangelium mit Erzähler und Rollenverteilung), verschiedene Zeugnisse (inkl. von ehem. Hexenmeistern), Aufklärungsunterricht (Umgang mit Sexualität, Krankheiten, Aids) und die beliebte Stunde der Grüße und Bekanntgaben. Dort erfährt man wer demnächst wen und wo heiratet, wer eine Trauerfeier veranstaltet, wer seine dicke Ziege verkaufen will, etc…
Vor kurzem kam die Bekanntgabe „…der kleine Mosika hat sich verlaufen und sucht seine Eltern. Er weiß nicht wo er wohnt und wie seine Eltern heißen. Seine Verwandten können ihn hier auf der Radiostation finden.“ Bis zum Abend wurde diese Durchsage wiederholt. Ich bin mir nicht sicher ob er überhaupt irgendwann abgeholt wurde…

Das gesamte Programm findet dann noch in mind. 4 verschiedenen Sprachen statt (Lugbara, Lingala, Suaheli, Französisch) nicht synchron, aber wechselnd.
Zwischendurch ertönt dann der Hauptjingle als Überleitung zum anderen Programmpunkt: wahlweise ein bisschen Volksmusik oder der Düdelklingelton von „How Deep is your Love“.
Hier muss ich erwähnen, dass Diguna das Programm in keinster Weise vorschreibt oder beeinflusst, die Leitung und Verantwortung ist vollständig abgegeben.

RTK läuft bei uns im Teamhaus den ganzen Nachmittag durch, während Ulama in der Küche abwäscht und kocht. Seit ich Lingala verstehe interessiert mich das Programm umso mehr.
Da lernt man die kongolesischen No.1 Hits kennen, hört ein bisschen kongolesische Daily-Soap und lässt sich das Matthäusevangelium vorlesen.
Und am Abend hat man noch etwas Gesprächsstoff über das Predigtthema „Wie die Mädchen durch ihren Kleidungsstil die Jungen zur Sünde verführen“…

Radio ist eine tolle Sache in Afrika. Man gewöhnt sich auch schnell an die Düdelmusik, bestimmt werde ich mir noch ein paar kongolesische Hits auf Kassette kaufen (CDs gibt’s hier noch nicht). Und irgendwann gehe ich auch mal in die Radiostation um die Ecke und grüße „Ulama und alle anderen die mich kennen und gerade Radio hören!“.

Anbei folgen noch einige aktuelle Bilder: (wie versprochen)

Das ist die dunkle Stube, in der ich immer meine neusten Klamotten abhole. Leonard, der Jungesellenschneider, ist voll und ganz Künstler, der sein Chaos braucht. Dementsprechend sieht auch seine Hütte aus. Auch er hört den ganzen Tag Radio (Okapi), sonst unterhält er sich bei der Arbeit mit Freunden, die gerade vorbei kommen. Meine Sachen sind übrigens noch nicht fertig. Wie jeder Künstler hat Leonard absolut keine Planung und Organisation. Wenn er "morgen" sagt meint er "irgendwann nächste Woche".
Mein neues Nachtlager im Gästehaus. Dieses Mal habe ich neben Kerzen sogar eine Öllampe. Es ist trotzdem jedesmal wieder abenteuerlich, wenn ich wieder die Taschenlampe vergessen habe und im stockfinsteren Zimmer die Streichhölzer suche...

Ein konzentrierter Moment festgehalten! Das war heute in unserem Schulzimmer. Hinten an der Wand seht ihr meine Pädagogik-Strategie der "Fröhlichen + traurigen Smileys" (sie hat den positiven Namen: Ruhmeswand) :smile: Also: Belohnung bei guter Arbeit, Vermerkt bis zu Strafe bei schlechter Arbeit. Und das ist mein Strafgesicht :smile: inklusive neuer Brille!
Auch heute auf dem Weg in die Optik: ein weiterer sonniger Tag!
Die Stationsoptikerin Ilka biegt mir die Brille zurecht.
Jetzt sitzt sie wieder :smile:! Obwohl es doch noch ungewohnt ist, macht das Brillentragen mittlerweile Spaß. Man gewöhnt sich auch schnell die üblichen Gesten an, wie Brille hochschieben, Gläser putzen, über den Brillenrand gucken,...Nervig ist es dann, wenn die Gläser beim Teetrinken beschlagen und man gar nichts mehr sehen kann. Insgesamt ist es ein interessanter Selbstversuch! Zur Not nehme ich sie dann ab und finde immer noch den Weg zum Gästehaus.
Das sind sie also: Lars und Jule! Hier gerade beim Fußballspiel der "Deutschen gegen die Kongolesen". Eifriges Kicken bei über 25 Grad. Trotz der hohen Niederlage (1:4) hat es allen Spaß gemacht. Wo was los ist sind immer auch ne Menge Kinder. Eine kleine Zuschauerin. Ein schöner Sonnenuntergang zum Schluss. Im dunklen Vordergrund erkennt man noch ein paar Mamas mit Körben auf dem Kopf, vielleicht kommen sie vom Markt und machen sich langsam auf den Heimweg.

Ein paar Neuigkeiten

Hallo aus Aru!
Wir sind wieder mitten im missionarischen Alltagsgeschäft!
Es gibt auch ein paar Neuigkeiten, die euch vielleicht interessieren:
- Wir haben, seitdem ich aus dem Urlaub wieder zurück bin, zwei neue Mitarbeiter im Aru-Team. Das junge Ehepaar (sie sind beide 22) Jule und Lars aus dem Osten! Sie arbeitet jetzt als Krankenschwester im Krankenhaus nebenan und er als Elektriker auf der Station. Sehr nette und offene Menschen! Außerdem bringen sie mit ihrem sächsischen Akzent eine nette Ergänzung zu unserer deutschen Sprachmischung!
In Deutschland haben sie zusammen einen kleinen Jugendkreis als JesusFreaks aufgebaut. Echt interessant wen man hier im Kongo so trifft, und welche Menschen in die Mission gehen.
Fotos folgen noch!
Sie sind beide in das alte Appartment gezogen, in dem ich vorher gewohnt habe. Jetzt wohne ich im Gästehaus und habe seeehr viel Platz für mich alleine... Das Gästehaus hat nachts leider keinen Strom und nur eine Kaltwasser-Dusche. Aber dadurch lasse ich mich unterkriegen. Kerzenlicht ist ja auch ganz gemütlich :wink:.
- Dann hatten wir in den letzten Tagen noch Besuch aus Deutschland: Die gesamte Familien/Freundes-Sippe von dem FSJler Sven ist angerückt. Mama, Papa, Bruder, Schwester, Tante, Onkel und 3 Freunde! Full House.
Sie haben aber absolut keine Umstände gemacht und selber mitabgespült und gekocht. Eine sehr nette Gesellschaft! Kurz vor Abreise haben Svens Freunde, die in Deutschland allesamt im selben Fußballteam spielen, in einem Freundschaftsspiel gegen die Kongolesen mitgemacht. - Und 4:1 verloren... war bestimmt das Klima!
Dafür haben sie eine gesamte Reisetasche deutsches Essen hier gelassen! Soviel Dosenwurst werde ich selbst in Deutschland nie mehr in der Speisekammer haben! Von zig Maggi-Fertigsoßen bis zu 3 Packungen FixButte-Tee war alles dabei (auch Schokolade!). Ich bezweifle allerdings, dass wir das alles in den restlichen 2 Monaten schaffen werden. Aber die Freude war dementsprechend groß :smile:. Da die Jungs auch keinen Tee trinken, kann ich mich jetzt täglich zwischen 7-10 Sorten entscheiden.
- Vielleicht erinnert ihr euch noch: Ich wollte mir eine eigene Brill produzieren lassen! Nun ist sie also fertig und auf einmal sehe ich alles haarscharf :smile: komisches Gefühl. Als sehe man in eine andere klarere Realität hinein. Wobei es auch noch nicht so schlimm war, alles noch unter 1 Dioptrin!
Auch hier kommt noch ein Foto!
Ich habe mir heute auch wieder die Haare schneiden lassen. Langsam festigt sich meine Überzeugung, dass man das auch sonst selbst machen kann und nicht unbedingt zum Friseur gehen muss.
Vielleicht nehme ich da mal an einem Kurs teil. :smile: Wobei das Aussehen in Deutschland doch wieder wichtiger genommen wird als hier in Afrika.
Apropos Aussehen: Ich habe mir wieder kuriose Kleidungsstücke schneidern lassen. Aber bevor ich euch das auch noch zeige, muss ich sie erst einmal zur Änderung zurückgeben... Der Schneider hat meine Zeichnungen etwas anders interpretiert.
Jetzt gibt es erst mal wieder einen kleinen Kartenspiel-Abend mit den Sachsen. Seit neuestem haben wir hier eine kleine Doppelkopf-Spielrunde (mein Vater hat es geschafft die Jungs von dem Spiel zu überzeugen und es ihnen beizubringen!).
So verkürzt man sich die lange tropische Nacht.

Ich wünsche euch sonnige Frühlingstage! (Hier fängt die Regenzeit gerade wieder an)
Liebe Grüße,
Teresa

Vater-Tochter-Tour

Es wird Zeit, dass ich ein paar Zeilen über den Urlaub schreibe.
Die zwei Wochen waren wirklich einer der schönsten Urlaube, die ich hatte. Eine perfekte Kombination aus Entspannung, Abenteuer, wunderschönen Orten und familiärer Gemeinschaft.
Unsere Reiseroute ging, grob gehalten, vom Vikoriasee (Entebbe, Jinja) in die südöstliche Hochebene um den Berg Mount Elgon (4000m) zurück nach Kampala und von dort in den Nordwesten, Nationalpark und Kongo/Aru.
In der letzten Nacht vor Beginn der Tour – ich habe mit den Hallers und Raija im Backpackers in Entebbe übernachtet – wurde mir noch aufgrund eines Fehlers meinerseits all mein Geld gestohlen… Ich habe mein Portemonnaie im Dormitory (Schlafsaal) vergessen, als wir eine längere Zeit draußen saßen, während ein paar ältere afrikanische Damen vom Land dort ihr Quartier einrichteten.
Als wir wiederkamen fanden wir sie barbusig, Fufu essend und auf dem Fußboden sitzend – mein Geld war weg und sie wussten von nichts.
Darauf folgte eine längere Verhandlungsprozedur bis 2 Uhr nachts (in Afrika gibt es aufgrund der Schamkultur keine „Schuldigen“, man darf niemanden öffentlich verklagen, es gibt nur ein Problem, das es zu lösen gilt), teils auf der örtlichen Polizeistation, teils im Schlafsaal mit den Frauen.
Eine beispielhafte Erfahrung was afrikanische Konfliktlösung betrifft. In Fällen, die für Europäer glasklar und ohne Umschweife zur Sprache gebracht und nach dem Gesetz gelöst werden, wird in Afrika noch eine ganze Weile „um den heißen Brei“ geredet, man hängt sich an irrelevanten kleinen Details auf. Im Prinzip geht es gar nicht um die Bestrafung des Schuldigen oder eine andere gesetzesmäßige Lösung, sondern um die Frage: „Wie kommen wir da alle wieder raus, ohne dass einer sein Gesicht verliert, so dass alle glücklich sind?“
Am Ende hat mir der „Reiseverantwortliche“ der Frauentruppe unter Aufsicht des Hotelbesitzers und des Polizeichefs mein Geld zurückerstattet (es war zum Glück nicht viel, um die 50 Euro) – so waren alle wieder zufrieden und ich habe schriftliche auf weitere Anklagen verzichtet.
So bin dann – wieder zahlungsfähig – mit den Hallers und Raija zuerst in den Entebber Zoo, danach zum Flughafen gefahren, an dem ich meinen Vater und unsere Fahrer Edward getroffen habe.
So sind wir drei dann auch gleich mit einem Minibus (sie hatten kein kleineres Auto…) zum ersten Reiseziel, Jinja, Stadt am Nildelta in den Viktoriasee, gefahren.
Erste Unterkunft: kleines überdachtes Safarizelt auf einem Steilhang mit beeindruckendem Ausblick auf den Nil und die Bujagaly Falls (Stromschnellen) inklusive Hängematte!

In der Böschung kletterten die Affen, nisteten tropische Vögel und krabbelten Riesenechsen.
Erster neuer Urlaubseindruck: die überrumpelnde tropische Nacht mit ihrem großartigen Sternenhimmel und dem ohrenbetäubenden Lärm der Insekten/Frösche/Vögel…
An diesem schönen Ort haben wir dann auch die Nilquelle im Viktoriasee besichtigt und gleich eine gratis Vogelschau bekommen (absoluter Tipp für alle interessierten Ontologen: Bootstour auf dem Viktoriasee), Kommorane, Eisvögel, diverse Storcharten,…

[Fischer auf dem Viktoriasee]
Nächste Station Mbale und die Sipi Falls in der Mount Elgon Hochebene.
Wir hatten weder eine der schönsten Aussichten Ugandas: auf die mit Bergen umrandete Ebene gleich neben einem der Sipi Wasserfälle.
(Blick aus unserer Hütte)
In dieser Gegend haben wir einige Wanderungen gemacht, unter anderem eine Tagestour im Urwald des Mt. Elgon Nationalparks zu der großen Tutum Höhle mitten im Wald.
Obwohl es dort kleine Trampelpfade gab, hat man sich wie einer der ersten kolonialen Entdecker gefühlt. Dieses abenteuerliche Gefühl wurde noch durch die Tatsache verstärkt, dass unser einheimische Guide ein Gewehr bei sich trug (falls uns mal ein Leopard oder Rebell über den Weg läuft :smile:). Aber er versicherte uns, dass es in dem Wald keine größeren Tiere mehr gab, nur Affen. Die Waffe sei obligatorische Schutzmaßnahme (ich bin mir nicht mal sicher, ob er sie überhaupt geladen hatten, dafür hat er umso stolzer damit für Fotos posiert).

Die andere Wanderung ging durch zivilisiertere Gebiete zu den Sipi Wasserfällen. Bei dieser Gelegenheit konnten wir uns gut mit dem einheimischen, 20jährigen Joel, unserem Führer, unterhalten. Wie viele Kühe man hier in der Gegend für eine Frau bezahlen muss (4-5, in Europa gleichwertig mit einem neuen Computer), und warum es so viele unverheiratete Männer gibt, die den ganzen Tag rumhängen (sie haben keine Kühe oder schlicht kein Interesse ein verantwortliches Leben zu führen; so versorgen sie sich selbst mit Gelegenheitsjobs und sitzen gleich nach Feierabend in der Bar).
Er jedenfalls will erst mal die Schule beenden, sich Kühe verdienen und viel Zeit lassen bis er heiratet. Am Besten sei es sowieso eine Weiße zu heiraten, aber das wäre gar nicht so einfach…

Nachdem wir also den „unentdeckten“, verwurzelten Urwald sowie die Sipi Wasserfälle (siehe Foto oben) und ihre Anwohner kennen gelernt hatten, ging es wieder zurück nach Kampala.
Großstadtchaos, Touristenmarkt und am Abend im besten indischen Restaurant des Landes (viele Inder sind nach Ostafrika immigriert und kontrollieren hier mit kaufmännischem Talent den Kleinhandel)!
Am nächsten Morgen, sehr früh, ging’s schon wieder weiter, Richtung Nordwesten am Lake Albert vorbei in den Murchison Nationalpark.
Eine weitere wunderschöne Unterkunft am Nil mit Blick auf die Elefanten, Hippos und Krokodile am gegenüberliegenden Ufer.
(Unser Ausblick beim Abendlichen Dinner)
Die Meerkatzen-Äffchen hausten Seite an Seite mit uns und lärmten auf dem Wellblechdach unserer Safarihütte.
Im Park selbst gab es das normale Programm: Bootstour auf dem Nil zum Murchison Wasserfall mit Wanderung auf die Spitze des Wasserfalls (hier lernten wir eine nervtötende Gruppe junger Amerikaner der You-tube-Generation kennen, die sich bei jeder Gelegenheit mit jeder Kamera mehrmals fotografieren ließen und sich selbst filmten – denn nur das ist am Ende wichtig: schöne Fotos von sich zu haben.) und der Game Drive früh morgens.
Unser Fahrer Edward übernahm die Führung und wir konnten uns dieses Mal viel Zeit lassen.
So wurden wir unter anderem Zeugen eines Impala-Konkurrenzkampfes und einer den Weg kreuzenden Wasserbüffelherde. Auch Elefanten und zig Giraffen durften wir aus nächster Nähe betrachten – Giraffen sind wirklich verblüffende Tiere. Ihr graziler, schwingender Gang lässt sie eher wie große, fleckige Blumen wirken, als wie wilde Tiere.
Wenn sie etwas aufschreckt galoppieren sie plötzlich los, jedoch immer mit der ihr eigenen Gelassenheit und Ruhe.
Am Tag der Ausreise aus dem Nationalpark und aus Uganda hatten wir dann noch unsere obligatorische „Autopanne“. Es gab am Abend zuvor einen großen Sturm und wir sind mit unserem Minibus im Schlamm stecken geblieben.
Zum Glück konnten wir mit Hilfe der amüsierten Zuschauermenge und den Schulkindern das Auto rechtzeitig noch auf festen Boden bringen, um unsere Fähre über den Nil nicht zu verpassen.
Auch so eine matschige Angelegenheit gehört zu den typischen Erlebnissen auf einer Afrika-Reise.
Nach der improvisierten Einreise in den Kongo hat mein Vater, dann auch die Diguna-Station und Aru kennen gelernt.
Insgesamt ein wunderbarer Urlaub! Ihr könnt euch noch ein paar Fotos in dem neuen Album angucken (noch habe ich nicht alle hochgeladen).
Ich hoffe ihr hattet auch alle schöne Osterferien! In knapp 9 Wochen sehen wir uns wieder, dann dürft ihr euch "live" meine restlichen Bilder angucken und meinen endlosen Erlebnisausführungen lauschen :smile:!

Urlaub Ahead!

Nächsten Sonntag fängt die zweiwöchige Urlaubstour mit meinem Vater an!
Ohja, ihr habt richtig gehört :smile:.
Ich werde mit der Familie Haller und Raija zum Flughafen nach Entebbe fahren, Raija verabschieden, dann gleich am selben Tag meinen Papa abholen - und dann geht's los!! Die Familie Haller macht parallel auch zwei Wochen Urlaub.

Wir machen einen Uganda-Trip im Halbkreis um den Viktoriasee, dann nördlich in den Murchinson-Nationalpark und dann noch einen kleinen Abstecher in den Kongo.
Es wird sicherlich sehr spannend werden - gerade weil man in Afrika nie genau weiß was auf einen zu kommt. Und weil ich endlich jemandem diese neue Welt zeigen kann, die sich so schlecht in Worten beschreiben lässt.

In zwei Wochen bringe ich euch dann viele interessante Geschichten und schöne Fotos mit :smile:.
So lange müsst ihr euch aber gedulden.
Es grüßt euch herzlichst,
eure Teresa.
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