Edición Especial: Brasileiros- die Emanzipation und unser Deutschlandbild
Sunday, October 15, 2006 9:39:54 PM
So, jetzt wird's mal inhaltlich etwas kontroverser!
Seit ich mit Eduardo zusammen wohne und auch so etwas mehr Kontakt zu den Brasilianern hatte, bin ich ein paar mal in heftige Diskussionen über einige Themen geraten, von denen ich eigentlich immer dachte, sie wären heute an sich geklärt und unumstritten. Aber so wie's aussieht sind sie das nur bei uns in Deutschland oder vielleicht auch in Mitteleuropa. In Brasilien und vermutlich auch anderswo sieht man einige Dinge wohl doch noch etwas anders. Was haltet ihr davon? Völlig rückständig oder unter Umständen verständliche Ansichten?
1. Die Emanzipation:
Eduardo ist ja seit ein paar Monaten mit meiner Mitbewohnerin Simone zusammen. Die deutsch-brasilianische Kombination bietet jedoch auch einiges Konfliktpotential.
Laut Eduardo ist ein Mann nicht dazu geboren, seine Zeit mit Hausarbeiten zu verschwenden.
Er kümmert sich eher um technische Aspekte und lässt seine Sachen so lange verdrecken (siehe Foto vom brasilianischen Nudelgericht), bis Simone oder sonstwer ihm lästiges Putzen und Spülen abnimmt. Zuhause hat er dafür zwar eine Haushälterin (wie wohl jeder Brasilianer), aber sowas ist auf jeden Fall Frauenarbeit. Simone wehrt sich tapfer, wenn das Chaos dann zu groß wird, räumt sie dann meist aber doch auf.
Letzte Woche wollte die Beiden mit einem Mietwagen, den allerdings wegen des Vertrages nur Simone fahren durfte, eine Tagestour machen. Um 10 Uhr wollten sie los fahren, um eins waren sie immer noch nicht weg, weil Eduardo meinte, er könne sich nicht als Beifahrer neben eine Frau setzen. Das sei mit seiner Ehre nicht vereinbar, er könne das an sich nicht ertragen. Zu guter Letzt haben sie sich dann auf meinen Vorschlag geeinigt, dass er doch auf der Rückbank schlafen soll, damit er das Elend nicht sehen muss. Das ging dann irgendwie. Allerdings hat er ihr dann auch keinen Meter geholfen, als sie sich verfahren hatte. Irgendwie sind sie dann doch angekommen und er durfte dann auch einparken. Dabei hat er dann natürlich erstmal eine Beule in den Wagen gefahren- war klar!
Weiter können Männer und Frauen keine Freunde sein, allerhöchstens Bekannte. Wären sie Freunde würde was laufen. Somit darf seine Freundin auch keine männlichen Freunde haben, außer sie sind ihr Friseur oder schwul oder beides. Er dagegen ist als Barmann im Rotlichtviertel tätig. Die Damen des horizontalen Gewerbes üben allerdings keinen Reiz auf ihn aus. Da ist er standhaft! (Sagt er jedenfalls)
Frauen in Führungspositionen gehen übrigens gar nicht, zumindest nicht als Kanzlerin, die im Verteidigungsfall auch die Truppen befehligt. Für sowas sind Frauen nun wirklich nicht gemacht!
Jetzt bekommt kein falsches Bild von Eduardo. Der ist echt super nett und auch eigentlich ganz normal. Seine Freunde denken auch alle so. Und die Frauen, wie man ihrem Verhalten entnehmen kann, finden das auch alles ganz normal.
Manchmal denke ich, es wäre vielleicht mal ganz gut Alice Schwarzer zwecks Aufklärung nach Brasilien zu schicken. Müsste sie auch nicht mehr nervend durch deutsche Talkshows tingeln.
Andererseits könnte man ja auch mal der Überlegung Aufmerksamkeit schenken, dass die deutschen Männer einfach verweichlicht sind und sich das Ruder völlig aus der Hand haben nehmen lassen. Sozusagen ein Matriarchat, von dem wir Männer nicht mal etwas merken und wenn wir es dennoch tun uns ohne Murren einfügen. So wurde es mir jedenfalls im Zusammenhang mit der Frage nahegelegt, welche Vorzüge es bei uns eigentlich noch hätte, ein Mann zu sein.
2. Unser Deutschlandbild
Nicht weniger aufgeregt, bzw. beschäftigt haben mich die Diskussionen über uns Deutsche und Selbstverständnis, sowie unseren Umgang mit der Vergangenheit. Ich kann natürlich nicht verallgemeinernd sprechen, dass viele Leute so denken, aber Eduardo und auch seine Freunde stehen mit ihren Meinungen wohl nicht allein da.
Sowohl durch die Schule, als auch durch die Medien aber auch durch persönliche Gespräche hat ja wahrscheinlich jeder von uns eine Meinung über die deutsche Gegenwart und Vergangenheit. Mir wäre nie in den Sinn gekommen, dass man darüber woanders auf der Welt so anders denken könnte.
Zur derzeitigen Lage in Deutschland würde ich sagen, dass sie wirtschaftlich nicht wirklich gut ist, dass wir aber politisch sehr gut in die Europäische Gemeinschaft und auch Weltgemeinschaft integriert sind. Viele andere Deutsche und auch ich sehen viele wirtschaftliche und soziale Probleme im Land ungelöst, das Bild im Ausland darüber ist allerdings das genaue Gegenteil. Hier in Spanien vergeht kaum eine Vorlesung, in der Deutschland nicht irgendwie für seine Produkte, Wirtschaft, politische Stellung etc. lobend erwähnt wird. Auch für die Brasilianer ist Deutschland wirtschaftlich ein Musterbeispiel. Auf der anderen Seite wurde ich schon mehrmals gefragt, warum wir in Europa nicht auch politisch eine größere Führungsrolle übernehmen und unsere Interessen stärker wahrnehmen. Laut Eduardo lassen wir uns von den Franzosen und Engländern, die ja eigentlich doch nichts draufhaben ("und ja auch fast alle Kriege gegen Deutschland verloren haben"; "Polen gehört doch eigentlich Deutschland") viel zu oft unterbuttern.
Da gehen einige Aussagen der Herren Brasilianer, wenn man einmal diskutiert natürlich noch etwas weiter, was dann teilweise auch radikale Züge annimmt. Vielleicht kann man das dann einfach damit erklären, dass es wohl schwer fällt an Demokratie zu glauben, wenn sie im eigenen Heimatland nicht funktioniert. Wenn Korruption herrscht und laufend jemand umgebracht wird ist einem die Freiheit wohl weniger Wert, als Ordnung und geregelte Verhältnisse- mit welchen Mitteln auch immer. Auf jeden Fall scherzen die Jungs dann auch häufig über Dinge, über die wir Deutschen überhaupt nicht lachen können und wollen. Ich denke, das muss man nicht weiter ausführen... .
Aber genauso lachen sie darüber, wenn ihr Nachbar umgebracht wird, weil es nicht sie selber erwischt hat.
Insgesamt ist es aber auf jeden Fall einfach mal interessant, sich mit Leuten anderer Nationalitäten, auch Polen, Italienern etc. über sowas zu diskutieren. Die Sichtweisen sind da doch sehr unterschiedlich.
Wie immer: Ich bitte um Stellungnahme! Soll ich Alice Schwarzer einladen? Wie reagiert man auf Begrüßungen mit gestreckter rechter Hand?
Seit ich mit Eduardo zusammen wohne und auch so etwas mehr Kontakt zu den Brasilianern hatte, bin ich ein paar mal in heftige Diskussionen über einige Themen geraten, von denen ich eigentlich immer dachte, sie wären heute an sich geklärt und unumstritten. Aber so wie's aussieht sind sie das nur bei uns in Deutschland oder vielleicht auch in Mitteleuropa. In Brasilien und vermutlich auch anderswo sieht man einige Dinge wohl doch noch etwas anders. Was haltet ihr davon? Völlig rückständig oder unter Umständen verständliche Ansichten?
1. Die Emanzipation:
Eduardo ist ja seit ein paar Monaten mit meiner Mitbewohnerin Simone zusammen. Die deutsch-brasilianische Kombination bietet jedoch auch einiges Konfliktpotential.
Laut Eduardo ist ein Mann nicht dazu geboren, seine Zeit mit Hausarbeiten zu verschwenden.
Er kümmert sich eher um technische Aspekte und lässt seine Sachen so lange verdrecken (siehe Foto vom brasilianischen Nudelgericht), bis Simone oder sonstwer ihm lästiges Putzen und Spülen abnimmt. Zuhause hat er dafür zwar eine Haushälterin (wie wohl jeder Brasilianer), aber sowas ist auf jeden Fall Frauenarbeit. Simone wehrt sich tapfer, wenn das Chaos dann zu groß wird, räumt sie dann meist aber doch auf.
Letzte Woche wollte die Beiden mit einem Mietwagen, den allerdings wegen des Vertrages nur Simone fahren durfte, eine Tagestour machen. Um 10 Uhr wollten sie los fahren, um eins waren sie immer noch nicht weg, weil Eduardo meinte, er könne sich nicht als Beifahrer neben eine Frau setzen. Das sei mit seiner Ehre nicht vereinbar, er könne das an sich nicht ertragen. Zu guter Letzt haben sie sich dann auf meinen Vorschlag geeinigt, dass er doch auf der Rückbank schlafen soll, damit er das Elend nicht sehen muss. Das ging dann irgendwie. Allerdings hat er ihr dann auch keinen Meter geholfen, als sie sich verfahren hatte. Irgendwie sind sie dann doch angekommen und er durfte dann auch einparken. Dabei hat er dann natürlich erstmal eine Beule in den Wagen gefahren- war klar!
Weiter können Männer und Frauen keine Freunde sein, allerhöchstens Bekannte. Wären sie Freunde würde was laufen. Somit darf seine Freundin auch keine männlichen Freunde haben, außer sie sind ihr Friseur oder schwul oder beides. Er dagegen ist als Barmann im Rotlichtviertel tätig. Die Damen des horizontalen Gewerbes üben allerdings keinen Reiz auf ihn aus. Da ist er standhaft! (Sagt er jedenfalls)
Frauen in Führungspositionen gehen übrigens gar nicht, zumindest nicht als Kanzlerin, die im Verteidigungsfall auch die Truppen befehligt. Für sowas sind Frauen nun wirklich nicht gemacht!
Jetzt bekommt kein falsches Bild von Eduardo. Der ist echt super nett und auch eigentlich ganz normal. Seine Freunde denken auch alle so. Und die Frauen, wie man ihrem Verhalten entnehmen kann, finden das auch alles ganz normal.
Manchmal denke ich, es wäre vielleicht mal ganz gut Alice Schwarzer zwecks Aufklärung nach Brasilien zu schicken. Müsste sie auch nicht mehr nervend durch deutsche Talkshows tingeln.
Andererseits könnte man ja auch mal der Überlegung Aufmerksamkeit schenken, dass die deutschen Männer einfach verweichlicht sind und sich das Ruder völlig aus der Hand haben nehmen lassen. Sozusagen ein Matriarchat, von dem wir Männer nicht mal etwas merken und wenn wir es dennoch tun uns ohne Murren einfügen. So wurde es mir jedenfalls im Zusammenhang mit der Frage nahegelegt, welche Vorzüge es bei uns eigentlich noch hätte, ein Mann zu sein.
2. Unser Deutschlandbild
Nicht weniger aufgeregt, bzw. beschäftigt haben mich die Diskussionen über uns Deutsche und Selbstverständnis, sowie unseren Umgang mit der Vergangenheit. Ich kann natürlich nicht verallgemeinernd sprechen, dass viele Leute so denken, aber Eduardo und auch seine Freunde stehen mit ihren Meinungen wohl nicht allein da.
Sowohl durch die Schule, als auch durch die Medien aber auch durch persönliche Gespräche hat ja wahrscheinlich jeder von uns eine Meinung über die deutsche Gegenwart und Vergangenheit. Mir wäre nie in den Sinn gekommen, dass man darüber woanders auf der Welt so anders denken könnte.
Zur derzeitigen Lage in Deutschland würde ich sagen, dass sie wirtschaftlich nicht wirklich gut ist, dass wir aber politisch sehr gut in die Europäische Gemeinschaft und auch Weltgemeinschaft integriert sind. Viele andere Deutsche und auch ich sehen viele wirtschaftliche und soziale Probleme im Land ungelöst, das Bild im Ausland darüber ist allerdings das genaue Gegenteil. Hier in Spanien vergeht kaum eine Vorlesung, in der Deutschland nicht irgendwie für seine Produkte, Wirtschaft, politische Stellung etc. lobend erwähnt wird. Auch für die Brasilianer ist Deutschland wirtschaftlich ein Musterbeispiel. Auf der anderen Seite wurde ich schon mehrmals gefragt, warum wir in Europa nicht auch politisch eine größere Führungsrolle übernehmen und unsere Interessen stärker wahrnehmen. Laut Eduardo lassen wir uns von den Franzosen und Engländern, die ja eigentlich doch nichts draufhaben ("und ja auch fast alle Kriege gegen Deutschland verloren haben"; "Polen gehört doch eigentlich Deutschland") viel zu oft unterbuttern.
Da gehen einige Aussagen der Herren Brasilianer, wenn man einmal diskutiert natürlich noch etwas weiter, was dann teilweise auch radikale Züge annimmt. Vielleicht kann man das dann einfach damit erklären, dass es wohl schwer fällt an Demokratie zu glauben, wenn sie im eigenen Heimatland nicht funktioniert. Wenn Korruption herrscht und laufend jemand umgebracht wird ist einem die Freiheit wohl weniger Wert, als Ordnung und geregelte Verhältnisse- mit welchen Mitteln auch immer. Auf jeden Fall scherzen die Jungs dann auch häufig über Dinge, über die wir Deutschen überhaupt nicht lachen können und wollen. Ich denke, das muss man nicht weiter ausführen... .
Aber genauso lachen sie darüber, wenn ihr Nachbar umgebracht wird, weil es nicht sie selber erwischt hat.
Insgesamt ist es aber auf jeden Fall einfach mal interessant, sich mit Leuten anderer Nationalitäten, auch Polen, Italienern etc. über sowas zu diskutieren. Die Sichtweisen sind da doch sehr unterschiedlich.
Wie immer: Ich bitte um Stellungnahme! Soll ich Alice Schwarzer einladen? Wie reagiert man auf Begrüßungen mit gestreckter rechter Hand?


Unregistered user # Monday, October 16, 2006 5:30:09 PM
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