Polaroid - das Ende einer Legende
Saturday, July 9, 2011 9:11:35 AM
Reinhard Mey
Beim Sortieren alter Photographien (oder sollte man besser neudeutsch Fotografien schreiben?) fielen mir auch einige alte Polaroids aus den Jahren 1968-1970 in die Hände; farbstichig, sepiafarben und nachgedunkelt. Sic transit gloria mundi, dachte ich, und das bezog sich nicht nur auf die Bilder des flotten, schlanken Jünglings, welcher auf den abgegriffenen Photos zu betrachten war.
Die Polaroidfilmtechnik entwickelte 1948 der amerikanische Techniker Edwin Herbert Land. Anstoss zu dieser Erfindung gab seine quengelnde Tochter, die gleich nach dem Schnappschuss ein fertiges Bild sehen wollte. Die neue Technik verbreitete sich schnell weltweit; Kriminalisten, Modelscouts, Filmcrews, Touristen und Künstler (Andy Warhol) zeigten sich sofort begeistert. Leider waren die Bildqualität, die Farbtreue und der Preis nie wirklich überzeugend. Auch ein weitverbreiteter Irrglaube hielt sich hartnäckig: Frisch aus der Kamera entnommene Bilder wurden von Profis wie Amateuren oft heftig durch die Luft gewedelt, um damit die Filmentwicklung zu beschleunigen. Das allerdings schadete eher, als dass es nutzte: Allzu heftige Bewegungen konnten sogar zu einer Trennung der Chemikalien und zur Blasenbildung führen. Am besten, so der Rat des Herstellers, legte man das Photo flach auf einen Tisch, wo es sich dann ganz ungestört optimal entwickeln konnte. Der Anbruch des Digitalzeitalters in der Photographie hat den exklusiven Vorteil der Polaroids zunichte gemacht. 2008 hat der Hersteller die Produktion des Sofortbild-Filmes eingestellt. Pfiffige französische Softwareentwickler haben jedoch ein Programm - Poladroid - ausgetüftelt, mit dem unverbesserliche Nostalgiker ihre digitalen Snapshots in schöne altmodische, fehlfarbene, vignettierte Polaroids umwandeln können; auch der unvermeidliche Papprahmen der Polaroids fehlt nicht (das Bild oben ist ein Beispiel).

