Die neue Sicht auf Natur und Kultur. Eine Rezension.
Friday, 1. February 2008, 18:04:00
Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa. Von der Eiszeit bis zur Gegenwart. C. H. Beck 1999.
Der Biologe Hansjörg Küster erläutert anhand einer Vielzahl von Darstellungen, wie geologische Prozesse und klimatische Einflüsse, wie Tiere, Pflanzen und nicht zuletzt der Mensch die mitteleuropäische Landschaft seit dem Ende der letzten Eiszeit nachhaltig verändert und in unterschiedlicher Weise geformt haben. Das Werk ist zugleich eine konzise Abhandlung mitteleuropäischer Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte. Diese Publikation scheint mir die beste Darstellung des Zusammenwirkens von natürlichen und anthropogenen Faktoren auf die Landschaftsgestalt seit langer Zeit zu sein. Jüngere Forschungsergebnisse sind hervorragend eingearbeitet und werden kritisch beleuchtet. Mit diesem Buch sollte der Interessierte beginnen.
Geschichte des Waldes. Von der Urzeit bis zur Gegenwart.
C. H. Beck 2003.
Der Wald ist für die meisten von uns Inbegriff der Natur. Rauschende Wälder und bunte Blätter, idyllische Lichtungen und undurchdringliches Geheimnis, grüne Lunge und spirituelle Oase - wie in einem Brennglas versammelt der Wald unsere Hoffnungen und Ängste, symbolisiert Sehnsüchte und Ideologien. Scheinbar unwandelbar ist er die wilde Gegenwelt zur Zivilisation, markiert er die äußere Begrenzung der Kultur. Die Geschichte des Waldes setzt den vielen Mythen, Ansichten und Vermutungen über das einmalige Naturphänomen "Wald" eine anschauliche Darstellung seiner ständigen Entwicklung und Veränderungen entgegen. Hansjörg Küster hat damit nicht nur eine Geschichte des Waldes geschrieben, sondern gleichzeitig auch eine Geschichte unseres Umgangs mit der Natur.
Die Ostsee. Eine Natur- und Kulturgeschichte. C. H. Beck 2002.
Die Ostsee ist nicht nur wegen ihrer erdgeschichtlichen Entwicklung ein ungewöhnliches und zugleich junges Meer. Die natürliche Vielfalt der Küstenlandschaften, die Geschichte der Besiedlung sowie nicht zuletzt die Entwicklung des Handels zwischen den Ackerbaugebieten im Süden und dem rohstoffreichen Norden haben dem Ostseeraum ein besonderes Gepräge gegeben. Das Ausbreiten der Agrarwirtschaft im Ostseeraum, das Entstehen und der Niedergang der Hanse, die Entwicklung der skandinavischen, slawischen und baltischen Anrainernationen dieses Meeres finden eine detailreiche und zugleich fundierte Würdigung.
Dieses Buch stellt die überaus facettenreiche Geschichte eines weltweit einzigartigen Kultur- und Naturraumes, seiner Pflanzen und Tiere, seiner Menschen, Städte und Staaten dar.
Die Elbe. Landschaft und Geschichte. C. H. Beck 2007.
Die Elbe ist beides - Natur- und Kulturraum. Hansjörg Küster erzählt in diesem reichillustrierten Buch von der Elbe als einem Produkt vieler natürlicher Faktoren und zahlreicher Veränderungen, die vom Menschen ausgingen. Dabei ist nicht nur an Städte und Baudenkmale zu denken, sondern auch an Schleusen, Veränderungen des Flusslaufs, Häfen und Mühlenwehre. "Elbe", so sagen uns die Linguisten, bedeutet schlechthin "Fluß". Als Bach kommt der Fluss aus dem höchsten Mittelgebirge Mitteleuropas, dem Riesengebirge; er schwillt rasch an und verläßt das Gebirge schon als Strom. Um von Böhmen nach Sachsen zu gelangen, durchbricht er eine seltsame Gebirgsformation, das Elbsandsteingebirge, welches immer wieder die Künstler inspirierte. In der Elbe spiegeln sich bekannte Burgen und Städte, der Schreckenstein und die Bastei, Dresden, Meißen und Wittenberg. Es gibt bemerkenswerte Parklandschaften an ihren Ufern, in Sachsen und Anhalt, bei Pillnitz, Wörlitz und Dessau. Unterhalb von Magdeburg fand die Elbe im Lauf der Zeiten sehr verschiedene Flußverläufe. Nachdem sie schließlich Hamburg passiert hat, geht sie, fließend und ohne sichtbares "Ende", in die Nordsee über ...
Landschaft und Historie dieses Flusses vereint dieses Buch. Ein "Muss" für jeden Elbe-Liebhaber.
Das ist Ökologie. Die biologischen Grundlagen unserer Existenz. C. H. Beck 2005.
Die Ökologie untersucht den Wandel der Natur und der Lebewesen. Doch viele wünschen sich von ihr etwas anderes: etwa Argumentationshilfen für die Bewahrung der Natur in ihrem jetzigen oder einem idealen Zustand, aber auch mathematische Modelle, die sie berechenbar für die Zukunft machen. Gegen diese erklärten Liebhaber der Ökologie, die von der Utopie eines Gleichgewichts ausgehen, welches der Dynamik der Natur völlig widerspricht, verteidigt Küster die Ökologie als Wissenschaft: Wie in der Biologie macht in ihr nichts Sinn, was die Veränderung der Lebewesen durch Evolution außer acht läßt.
Küsters pointierte und gut lesbare Grundlegung der Ökologie gewinnt ihre Überzeugungskraft dadurch, daß sie ihren Gegenstand organisch, aus seinen inneren Zusammenhängen erschließt. Dabei ist das Spektrum der Fragestellungen, auf welche die Ökologie originäre Antworten gibt, wahrhaftig breit: Es reicht von der Frage des Standorts, die bereits für Mikroorganismen von elementarer Bedeutung ist, bis hin zum Stellenwert des Landschaftsschutzes für eine Entwicklung zur Nachhaltigkeit. Angesichts der gegenwärtigen Probleme und Katastrophen sind wir dringender denn je auf die Denkweise und das Wissen der Ökologie angewiesen. Für ökologische Utopien hingegen ist in der modernen Welt kein Platz.
Biografie:
Hansjörg Küster ist Professor für Pflanzenökologie am Institut für Geobotanik der Universität Hannover.
Die vorgestellten Bücher sind bei C. H. Beck erschienen.


