Es ist nicht deine Schuld dass die Welt ist wie sie ist; es wär nur deine Schuld wenn sie so bleibt.

(Die Ärzte - Deine Schuld)

Gedanken zum neuen Jahr - Teil 1: Schule

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Servus!

Ich hoffe, ihr seid alle gut im neuen Jahr 2008 gelandet.

Im Rahmen meiner "Gedanken zum neuen Jahr" möchte ich gerne über einige Dinge schreiben, die mich gerade beschäftigen (ein neues Jahr ist da ja ein guter Ansatz, oder?).

Den Anfang macht klassisch die Schule. In meiner Funktion als Schulsprecher schreibe ich dies jetzt selbstverständlich NICHT (Vorbildwirkung und so); ich schreibe dies als frustrierter 15 Jähriger.

Was mir im Moment schwer zu denken gibt ist die Sinnhaftigkeit von Noten und manchen Aspekten des Unterrichts.
Wer mich kennt, weiß dass ich bisher immer einen ausgezeichneten Erfolg hatte. Doch langsam frage ich mich, was mir das bringt? Das interessiert in meinem Umfeld keinen, und in der späteren Arbeitswelt ist es den Leuten glaube ich auch herzlich wurscht was für Noten ich in der 6. Klasse hatte. Es zählt nur die Matura und vielleicht auch das Zeugnis der achten klasse. mehr nicht, auf mehr schaut keiner (vielleicht kann mich ja jemand hier eines besseren belehren?). aber so gesehen war es eigentlich komplett sinnlos, sich die letzten jahre für gute noten zu bemühen. es hat mir nichts gebracht, ich war eigentlich wegen nichts stolz auf mich. es hätte mich eigentlich mehr gefreut, wenn ich stattdessen weggegangen wäre und spaß gehabt hätte. dieser silvester abend war wirklich geil, dennoch finde ich es scheiße, dass das eigentlich das erste mal war, wo ich wirklich wirklich wirklich einfach jede sekunde des abends genossen habe.

mit diesen noten hängt natürlich auch der unterricht zusammen. ziel ist ja, uns möglichst viel möglichst gut beizubringen. aber da frage ich mich, hat es für mein englisch niveau tatsächlich sinn, wenn ich eine travel brouchure throughout the world of my book mache? sicher, das regt die kreativität an, aber das kann man auch sinnvoller und vielleicht auch weniger zeitaufwändig machen. man kann auch aspekte abdecken, die sinnlos sind, aber das muss dann in relation zu den dingen stehen, die wichtig sind.

was zum beispiel viele dinge im englischen fördern würde wäre, wenn wir über mehrere monate hinweg einen blog auf englisch aufziehen sollten. portale dafür gibt es ja genug (wem sag ich das?). den fortschritt könnte die lehrerin problemlos überwachen. geht natürlich auch in deutsch und anderen sprachen. ein anderes beispiel, welches zT eh schon angewandt wird: ein lehrer gibt uns ein thema vor, und wir sollen in einer stunde möglichst viel darüber herausfinden. das braucht man zB im wirklichen leben.

wieviele frei und samstag abende habe ich schon mit lernen verbracht? und wofür? dafür dass ich in einer verstaubten mappe zeugnisse mit „guten noten“ (ist ja auch relativ; was ist schon gut?) liegen habe, die aber nichts über mich als menschen aussagen. ein einser oder zweier oder dreier in mathe sagt NICHTS über das mathematische können eines menschen aus, sondern nur was und wieviel er gelernt hat und wie sehr er mit dem lehrer „kompatibel“ war. wenn man das system „schule“ einmal durchschaut hat, kommt man ohnehin durch. wer von uns weiß zB noch wie das verdauungssystem des menschen funktioniert? oder was der unterschied zwischen einem meteor, einem meteorit und einem meteorid ist? zum test haben wir das alle gekonnt. aber weiß das jetzt noch einer? wir lernen im moment nur auf punkte hin, können es dort und vergessen es dann wieder. ist das wirklich das ziel unseres schulsystems? eigentlich müsste man hier komplett umdenken bzw einiges tun. noten braucht man eigentlich wirklich nicht, man braucht nur eine andere möglichkeit, um nachher zu zeigen, was man kann. noten sagen so unglaublich wenig aus. ein beispiel: der xaver hätte eigentlich einen einser in mathe, bekommt aber wegen seiner hausübungen einen dreier oder mit glück einen zweier. tja, heißt das jetzt, dass der xaver nicht super in mathe ist? nein, es heißt nur das er ein faulsack ist. genauso wenig sagen noten in anderen fächern aus. wieso sollte ich dieses system jetzt unterstützen wollen?

was bringen denn die noten jetzt wirklich? ich versteh das nicht. eigentlich sind noten nur der versuch, individuelles zu vereinheitlichen. und das kann man dann nicht mehr differenzieren. ein zweier ist überall dasselbe, egal wieso man diesen zweier hat, von welchem lehrer des ausgeht und so weiter.
und wenn man vieles eh nicht braucht, ist es dann überhaupt erstrebenswert, einser zu schreiben?
ich denke mir oft, dass ich lieber jeden tag weggehn würde, als zuhause zu sein, früh schlafen zu gehen (mehr oder weniger) um mich dann in der früh wieder in die schule zu schleppen, wo mir 60% der fächer eh keinen spaß machen bzw langweilig sind, nur um dann zuhause für diese fächer zu lernen und wieder schlafen zu gehen etc....
dieser sinnlose ehrgeiz, einser zu schreiben, kommt mir immer dümmer vor. das einzige, wofür man jetzt wirklich lernen muss, ist das durchkommen, der rest ist eigentlich nur noch luxus. das klingt jetzt sicher undankbar und ich bin auch dankbar für diese gabe, aber ich müsste eig kaum etwas für die schule lernen und würd trotzdem als durchschnittlicher schüler durchkommen. es kann mir niemand sagen, was es mir bringt, gute noten zu schreiben. und ich werde jetzt auch versuchen, mich dazu durchzuringen, für die schule so wenig wie möglich zu machen. ich will mich darauf konzentriern, ein guter schulsprecher zu sein und spaß zu haben.
ich will weggehn, trinken, spaß haben, leute kennen lernen
und nicht angst haben, nervös sein, lernen.

So, erster Teil ist fertig. Der zweite kommt heute oder morgen.

Ich hoffe, ich habe niemanden vor den Kopf gestoßen und bedanke mich, dass sich jemand die Mühe macht, meine paar Zeilen zu lesen.

LG

Julian

Möge es uns nie schlechter gehn als heutGedanken zum neuen Jahr - Teil 2: Jugendschutz

Comments

gyurigyuri77 Thursday, January 3, 2008 5:24:50 PM

interessante gedanken, denen ich zum großteil zustimmen muß.

noten haben verschiedene aspekte: zum einen bedeuten sie, daß ein lehrer deine leistung in seinem fach für sehr gut, gut, befriedigend, ausreichend oder aber ungenügend hält, was natürlich in sehr vielen fällen stark subjektiv gefärbt ist. du kannst mir glauben, es ist auch nicht leicht, die leistung einer individuellen person über 10 monate hinweg in eine von fünf noten zu packen.

andererseits sind die noten doch auch für euch schüler da: ok, vielleicht ist es in 4-5 jahren komplett wurscht, welche note du in GWK hattest, aber hier und jetzt ist sie eine möglichkeit für dich, dich innerhalb eines spektrums zurechtzufinden und dich, sofern es dir beliebt, in die eine oder andere richtung von der masse abzuheben. deswegen finde ich die praxis, einer klasse in einem nebenfach pauschal einser zu geben, einigermaßen lasch, weil sich dadurch manche, die berechtigterweise der meinung sind, ihre motivation und ihr engagement müßte mehr belohnt werden als die bloße anwesenheit von anderen, benachteiligt fühlen können. wie würde es dir gefallen, wenn ihr euer vermutlich sehr gelungenes ME-projekt gar nicht bewerte und es damit auch nicht von einem potentiell mißlungenen anderen projekt unterscheide?

außerdem sind noten teil der kommunikation zwischen lehrer und schüler. wenn herr X in mathe so super ist, aber null hausübungen macht, dann sagt er damit: "ich bin gut genug, um ohne viel anstrengung eine gute note zu bekommen, und cool genug, um mich noch weniger anzustrengen.". verständlicherweise kommt das bei einem lehrer als provokation an, und ich muß sagen, auch ich beurteile schüler, die mehr könnten, aber dazu nicht bereit sind, eher strenger als andere, die sich anstrengen, um auf ein ähnliches level zu kommen.

man kann noten also so oder so und nochmal ganz anders sehen. im prizip ist es aber deine entscheidung, ob du für die schule, sprich für die noten lernst, oder für dich. ich war zb. in GWK normalerweise notentechnisch eher mittelmäßig (klassischer konflikt mit dem lehrer, der über die noten ausgetragen wurde), habe aber damals alle hauptstädte der welt mit begeisterung auswendig gelernt (alle weiß ich nicht mehr, bitte auch nicht unbedingt testen), weil ich das irgendwie spannend fand (nicht lerntechnisch, sondern global). wenn du in einem fach mit einem dreier glücklich bist, dann bekomm halt einen.

die ganze problematik hat allerdings einen wesentlich tieferliegenden kern. ich bin ja ein fan antiautoritärer methoden und von intrinsischer motivation, aber... ihr seid in der schule, um euch jetzt einen grundstein für später zu bilden, erstens weil es gerade gut in eure lebensentwicklung paßt und zweitens weil ihr jetzt auch viel leichter lernen könnt als in 5-10 jahren. natürlich könnte man sagen: "na wenn du jetzt nix lernen magst, wirst du halt in ein paar jahren draufkommen, daß du es brauchst, und dann mußt du alles nachlernen, und dann hast du wenigstens auch was daraus gelernt!", aber das ist in diesem fall nicht ganz so super, weil ihr eben nur diese eine chance habt, zwischen 10 und 18 acht jahre lang ins gymnasium zu gehen. die verantwortung und die gefahr, die mit dieser entscheidung einhergeht, nimmt euch die schulpflicht ab.

abhilfe schaffen alternative schulmodelle, in denen intrinsische motivation als fundament angelegt ist (montessori-pädagogik zb.), oder ein leider nicht vorhandenes hypothetisches schulfach über das wahre leben, in dem unter anderem auch die notwendigkeit von bildung vermittelt wird. für einen zukünftigen politiker gibt es da also einiges zu tun. was nix bringt: an der oberfläche eines systems zu kratzen, in dem ihr schüler gleichermaßen gefangen seid wie eure lehrer und eltern.

ein kleines experiment: beobachte mal deine mitschüler bis zum semesterzeugnis, und versuche ihnen ein zeugnis nach deinen maßstäben auszustellen. und dann schau, wie zufrieden sie damit sind, natürlich auch im vergleich mit ihren mitschülern.

JulianJuli_4000 Thursday, January 3, 2008 10:22:26 PM

@ gyuri
das mit dem beobachten kann ich mal versuchen, ist sicher interessant.

was diese gute lernzeit betrifft:
da haben sie schon recht, allerdings finde ich, dass man zumindest in den späteren jahren viel mehr individualisierung betreiben sollte und uns, zumindest teilweise, lernen lässt, was wir gerne lernen bzw was wir wirklich brauchen. in den ersten jahren des gymnasiums vielleicht eher nicht, da ist die persönlichkeit uU wirklich nicht ausgeprägt genug.

im moment denke ich mir in sehr vielen fächern "wofür brauchen wir den scheiß schon wieder?" (hauptsächlich natürlich in mathe). ich bin wirklich fed up mit der schule und freue mich überhaupt nicht wieder so viel dreck zu lernen....

JulianJuli_4000 Thursday, January 3, 2008 10:31:13 PM

@ kevin
was das beispiel xaver betrifft gebe ich dir nicht recht:
im beruf macht man dinge die man braucht, dinge die sinnvoll sind. aber da der xaver die mathematik offensichtlich so gut beherrscht, dass er keine hausübungen machen muss, ist es meiner meinung nach sein gutes recht, keine zu machen. insofern sind hausübungen für ihn unnötig. später in der arbeitswelt macht man aber kaum unnötige dinge, sondern kriegt sie entweder beauftragt (was dann geld reinbringt) oder macht sie von sich aus um weiter zu kommen(auch eine art der pers. motivation, wie es gyuri vorher angesprochen hat).

es stimmt anscheinend iwie wirklich dass die noten von der 1-7 klasse scheißegal sind (es sei denn, man will schule wechseln).
dass die matura nicht egal ist, habe ich nie behauptet, und die schule abzubrechen würde ich niemandem empfehlen. aber auch bei deinem cousin wurde nur darauf geschaut, ob er matura hat...

gyurigyuri77 Friday, January 4, 2008 9:26:55 AM

wer weiß schon mit 15, was er später wirklich braucht? mathe ist ein gutes beispiel: ein haufen studienrichtungen haben mathe in der einen oder anderen form (statistik, wahrscheinlichkeitsrechnung, buchhaltung bzw. rechnungswesen, statik, ...) integriert, und zwar keineswegs auf trivialem niveau. latein wiederum brauchst du für das studium nahezu jeder sprache, aber auch als mediziner, jurist usw., und physik und/oder chemie hast du auch bei medizin, pharmazie und dergleichen.

was meines erachtens viel früher und viel stärker vorhanden sein müßte, ist eben nicht die spezialisierung, sondern im gegenteil die vernetzung der inhalte. man müßte die lehrpläne aufeinander abstimmen und den unterricht wesentlich stärker fächerübergreifend gestalten, damit man eben erkennt, wie mathe mit geographie oder musik, wie chemie mit psychologie, wie kunst mit geschichte, religion und philosophie zusammenhängt. ich behaupte, daß man nahezu jeden lerninhalt von mindestens zwei seiten betrachten kann. wer weiß, vielleicht gefällt dir ja nur die eine seite nicht, und du wärst von der anderen plötzlich fasziniert? außerdem gäbe es dann die problematik nicht, daß ein einzelner lehrer einem ein fach komplett vermiesen kann.

gyurigyuri77 Friday, January 4, 2008 4:16:27 PM

theoretisch sicher, aber ich war noch nie beim ausarbeiten der lehrpläne dabei, das ist ja angelegenheit des zuständigen ministeriums. praktisch ist fächerübergreifender unterricht in den lehrplänen als anregung vorhanden, aber nicht unbedingt als hilfestellung.

bernadette_098 Sunday, January 13, 2008 11:40:17 AM

die noten der oberstufe sind schon wichtig, julian...
wenn du zb irgendwo im ausland auf einer halbwegsguten uni studieren willst, werden deine zeugnisse der oberstufe genommen, und dann wird der notendurchschnitt aus allen vier jahren ausgerechnet und wenn dieser nicht einem vorgegebenen entspricht wirst du nicht aufgenommen....
also ich würd dir raten, bleib bei deinen einsern, weil es bringt dir was, falls du vor hast außerhalb von österreich zu studieren...
und ja, das hab ich mir nicht ausgedacht sondern ich habs von einer freundin die jetzt in kanada studiert...

chrischris91 Sunday, January 13, 2008 4:49:47 PM

warum sollte er wo anders studieren
ich versteh allgemein nicht warum einige nicht in wien studieren wollen

JulianJuli_4000 Sunday, January 13, 2008 4:59:07 PM

naja ich würde gerne woanders studieren aber nur mit stipendium weil ich ja ned so gstopft bin aus folgenden gründen:
es ist immer eine tolle erfahrung, andere kulturen kennen lernen. und sogar deutschland ist schon anders als österreich. dadurch erweitert man wie man so schön sagt seinen horizont ungemein und man lernt wirklich, dinge mal aus einem anderen blickwinkel heraus zu betrachten. ich denke, dass man dann aus diesem land als anderer mensch zurückkehrt. auch für sprachen ist es natürlich ungemein hilfreich im ausland zu studiern. außerdem haben wir dank der EU auch die chance, gleich dort zu bleiben und uns eine existenz aufzubauen (zumindest innerhalb der EU staaten). weiters kann man sicherlich nützliche kontakt knüpfen, sei es geschäftlicher oder freundschaftlicher natur.
nur zu sagen "ich will im ausland studiern weils besser ist" ist mir allerdings zu wenig. wer so nicht informiert ist soll gleich da bleiben.

was die noten betrifft muss ich dir tlw. widersprechen berni.
1) wenn man genug springen lässt wird man überall aufgenommen, egal wie blöd man ist.

2) sind noten nicht das wichtigste. noch viel wichtiger sind nachweise von besonderen leistungen, wie in meinem fall chemie, latein olympiade; schulsprecherei, etc...ganz egal was: englischwettbewerb, rhetorik, zusätzliche sprachen, musikalische erfolge....das zählt.
auf sowas wird am allermeisten geschaut. letztes jahr hatte ein schüler ausm SC das glück, sich auf oxford aufgrund eines solchen nachweises durchzusetzen. ist auch verständlich, denn die noten sagen ja nichts über einen menschen aus.

aja ich weiß ned ob das eh stimmt was ich da sag, wenn sich einer besser auskennt bitte ich um korrektur.

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