Sich wohlig ins warme Bett kuscheln, Licht aus
und einer
Gutenachtgeschichte lauschen– himmlisch! Leider war’s damit vorbei, als
ich lesen lernte. Paradise Lost. Radiohörspiele, aufgenommen auf
Audiokassetten, kamen dem verlorenen Paradies für viele Jahre am
nächsten. Ich sage nur „Per Anhalter ins All“, „Professor Dr. Dr. van
Dusen“, „Der letzte Detektiv“, „Dickie Dick Dickens“…
Paradise Regained im Jahre 2002, dank Digitaltechnik: Mit Hörbuch
und MP3-Player ist es abends vor dem Einschlafen fast so gemütlich wie
ganz früher. Wenn sich denn der MP3-Player zum Anhören von
Hörbüchern eignet und sich im Dunkeln und im Halbschlaf bedienen lässt.
Um hörbuchgeeignete MP3-Player geht es in diesem Posting. Wie
brauchbar sind die Geräte für Hörbücher in Form von nicht
kopiergeschützte
MP3-Dateien? Andere Hörbuchformate (Audible, Ipod-Hörbuchformat) habe
ich nie benutzt.
Der ideale Hörbuch-Player
- Handlich, soll in die Hosentasche passen
- Genug Speicherplatz (1 Gigabyte für 1-2 Hörbücher ist Minimum.)
- Läuft mit Standard-Batterien, lange Laufzeit.
Geräte mit fest eingebauter Batterie haben eine Lebensdauer von 2-3
Jahren. Außerdem sind sie extrem unpraktisch auf Reisen, wo man bei
fehlenden Lademöglichkeiten nicht einfach mal eine Ersatzbatterie
kaufen/ mitnehmen kann.
-
Sekundengenaues Resume. Nach dem Abschalten
spielt er genau an der Stelle weiter, an der er aufgehört hat- auch
mitten im Track.
- Springen im Track (Study Mode), statt Springen
zum nächsten Track.
- Springen zum Ende des letzten Tracks, wenn man am Trackanfang
rückwärts springt
- Spielt die Tracks in der Reihenfolge der Dateinamen ab.
-
Bookmarks. Die sind nötig, wenn man abwechselnd
Hörbücher und Musik hören will.
-
Blind und einhändig bedienbar . Damit
entfallen viele IPods und alle anderen Geräte mit Touchscreen. Für
Gesunde ist das bequem, für Behinderte eine Notwendigkeit.
- Das Gerät sollte ein Display haben, um
zumindest den Dateinamen des Tracks anzuzeigen. Damit entfällt der IPod
Shuffle.
- Muß sich als USB-Massenspeicher beim Rechner
anmelden. Spezielle Software darf nicht nötig sein. Damit entfällt
Apple.
-
Ordnernavigation (Es muss möglich sein, Dateien
in der Reihenfolge der Dateinamen, nicht in von den MP3-Tags
vorgegebenen Reihenfolgen abzuspielen.
Leider gibt es einen solchen MP3-Player schlicht nicht (mehr) zu
kaufen. Viele für Hörbücher nützliche Optionen sind zum Anhören von
Musik überflüssig (Bookmarks, Ordnernavigation) oder störend (Springen
im Track statt zum nächsten Track). Umgekehrt gilt das gleiche–
Hörbücher hört man sich selten im Shuffle-Modus an. Ich vermute, die
Hersteller lassen Hörbuch-Optionen weg, weil sie die Bedienung
komplizierter und den Support teurer machen. Deshalb sind Geräte, mit
denen man vernünftig Hörbücher hören kann sehr dünn gesät.Der
Programmierer des Audioplayers MortPlayer für Android hat das Problem
einfach dadurch gelöst, dass er zwei spezialisierte Player, einen für
Hörbücher, einen für Musik anbietet.
Fest verbaute Akkus haben nur einen einzigen Grund: Der Hersteller
kann alle 2-3 Jahre einen neuen MP3-Player verkaufen. Viele der Geräte
funktionieren während des Aufladens nicht- sie lassen sich also nicht
mal mit mehr an einer Steckdose weiterbetreiben, wenn die Batterie
kaputt ist. Die Umwelt dankt. Alternativen dazu gibt es nur noch bei
EBay. Man kann also nicht mal mehr mit den Füßen abstimmen als Kunde…
Ein weiteres Problem bei MP3-Player-Kauf ist der Mangel an
Information. Die Hersteller informieren weder in ihren Prospekten, auf
ihren Homepages oder auf E-Mail-Anfrage über hörbuchrelevante
Funktionen. Die ergiebigste Quelle sind die Gebrauchsanweisungen, die
manche Firmen zum Download bereitstellen. Die interessanten Geräte sind
üblicherweise auch nicht zum Ausprobieren im Laden zu finden. Da bleibt
oft nur Bestellen und zurückschicken- zum Schaden der Internet-Händler.
Seit 2002 habe ich 5 MP3-Player gekauft, teils für mich, teils als
Geschenk. Hier meine Erfahrungen mit den Geräten:
Meine MP3-Player
Riovolt SP-250
Gekauft 2002. Tragbarer CD-Player, der auch MP3-CDs
abspielen kann. Braucht 2 AA-Batterien. Sehr gute Klangqualität.
Sekundengenaues Resume, Study-Mode, blind bedienbar. Das Gerät hat
sogar eine Ladeelektronik. Man kann AA-Akkus zum Aufladen im Gerät
lassen.
Urteil: Als CD-MP3-Player nicht mehr zu verbessern.
Hat den besten Klang von allen Geräten in meinem Besitz.

Iriver IFP-899
Gekauft 2005 für 180€. 1 Gigabyte Speicher. 1 AA-Batterie. Study
Mode, sekundengenaues Resume, Ordnernavigation, keine Zusatzsoftware
nötig.
+ Gut blind bedienbar
+ Sehr lange
Laufzeit (um die 40 Stunden mit einem AA-Akku)
– Über Trackgrenzen kann nur gespult, nicht
gesprungen werden.
– Etwas klobig
– Spielt die Tracks in der Reihenfolge ab, in der sie
aufs Gerät überspielt werden. Ignoriert Dateinamen oder Id3-Tags.
- Keine Bookmarks
Urteil: Mein bester MP3-Player und das Gerät, das
ich täglich benutze.
Iriver T60
Gekauft 2007. 4 Gigabyte Speicher. 1 AAA-Batterie. Study-Mode,
sekundengenaues Resume. Ordnernavigation. Keine Zusatzsoftware nötig
+ Springen über Trackgrenzen möglich
– Start dauert ewig
– Beim ersten Tastendruck geht das Licht an, erst der
zweite Tastendruck hat den gewünschten Effekt. Macht die blinde
Bedienung unzuverlässig– man muss immer erst wissen, ob das Licht
gerade noch an, oder schon wieder aus ist
– Es ist schwierig, mit dem winzigen Steuerknüppel
exakt zu zielen
– Es können nur 1000 Dateien abgespielt werden. Je
nach Hörbuch und Komprimierung ist der Player damit nicht mal
halbvoll.
Urteil: Erfüllt seinen Zweck, ist aber nicht ideal.
XPeria X10/Android mit MortPlayer AudioBooks
Gekauft April 2010. Study Mode, sekundengenaues Resume, Bookmarks.
Ordnernavigation. Speicherplatz und Batterielaufzeit von Hardware
abhängig. Keine Zusatzsoftware nötig
+ Großes Display
+ Merkt sich bei jedem Track, wie weit man ihn gehört
hat
– XPeria: Nur mit Zusatzhardware
(Bluetooth-Empfänger) blind bedienbar. Bluetooth saugt die Batterie
leer und ist im Flugzeug nicht zugelassen.
– großes, empfindliches, unhandliches Gerät, zum
Sport ungeeignet
– Spulen oder Zurückspringen zum Ende des letzten
Tracks nicht möglich.
Urteil: Brauchbar. Ist mit Bluetooth-Adapter
vielleicht sogar besser als der T60. MortPlayer Audiobooks ist als
Hörbuch-Player unter Android unbedingt zu empfehlen
Sandisk Sansa Clip +
Gekauft November 2010. 8 Gigabyte, erweiterbar mit 16GByte
Mikro-SD-Karte. Fest verlöteter Lithium-Ionen-Akku, Laufzeit laut
Hersteller 15h. Tasten blind bedienbar, kleines handliches Gerät. Keine
Zusatzsoftware nötig
Mit Originalbetriebssystem
Ordnernavigation (optional). Inhalte können per Explorer kopiert
werden, Sekundengenaues Resume
– Kein Study Mode. Im
Hörbuch-Modus kann man nur Spulen, nicht zwischen Tracks springen, so
daß man wenigstens nicht aus Versehen im letzten Track landet
– Startet langsamer als Rockbox
– Zurückspringen oder -spulen zum Ende des letzten
Tracks ist nicht möglich. Es ist äußerst umständlich, mittels
Ordnernavigation zum letzten Track zu kommen.
– Fest verlöteter Akku. Man kann das Gerät kann
man nach 2-3 Jahren wegwerfen.
Urteil: Für meine Hörgewohnheiten eine absolute
Notlösung.
Mit Rockbox
Ordnernavigation. Inhalte können per Explorer kopiert werden. Echtes
Resume, Study Mode, Bookmarks.
+ Weitestgehend konfigurierbar.
+ Startet sehr schnell
+ Sehr schnelles Spulen in langen Tracks
– Springen oder Spulen zum vom Anfang des aktuellen
zum Ende des letzten Tracks ist nicht möglich.
– Hoher Zeitaufwand für die Konfiguration– Rockbox
hat sehr viele Optionen. Eine Konfigurationsanleitung findet man hier.
– Fest verlöteter Akku. Man kann das Gerät kann man
nach 2-3 Jahren wegwerfen.
Urteil: Sansa Clip + mit Rockbox ist der beste
derzeit erhältliche MP3-Player für Hörbücher.
Samsung YP U6 MP3-Player
Gekauft im Januar 2011 bei Pixmania. Ausgeliefert mit französischer
Firmware. 4 GByte Speicherplatz, Ordnernavigation, Inhalte können per
Explorer kopiert werden. Sekundengenaues Resume. Schließt man das Gerät
an ein reines Ladegerät an, spielt es weiter. Schließt man es an einem
Computer an, spielt es nicht mehr. Blind bedienbar. Kalorienzähler/
Trainingslog (sehr rudimentär) als Zusatzfunktion. Laufzeit laut
Hersteller 20 Stunden.
+ Study Mode (Lernmodus), kann in Tracks springen, statt zwischen
den Tracks zu springen.
+ Man kann die Wiedergabegeschwindigkeit erhöhen oder vermindern– gut
für fremdsprachige Hörbücher oder zum Sprachenlernen.
+ Sehr gut blind bedienbar (Springen und Lautstärkeregelung), liegt gut
in der Hand, die Tasten haben einen deutlichen Druckpunkt.
+ Ausfahrbarer USB-Stecker. Man benötigt kein eigenes USB-Kabel
+ Man kann von Anfang des aktuellen zum Ende des letzten Tracks spulen,
aber nicht springen.
– Fest eingebauter Akku, also ein Wegwerfgerät, das nur 2-3
Jahre
hält
– Nur 4 GByte Speicherplatz
– Größer und schwerer als der Sansa Clip
– Keine Bookmark-Funktion
– Ein großer Teil des ohnehin kleinen Displays wird durch ein
Cover-Bild verschwendet. Fehlt ein Cover-Bild, kriegt man eine sinnlose
Animation zu sehen. Selbst kurze Dateinamen können nicht komplett
angezeigt werden. Es werden maximal 12 Zeichen ohne Scrollen
dargestellt.
– Beim ersten Tastendruck geht das Licht an, erst der
zweite Tastendruck hat den gewünschten Effekt. Macht die blinde
Bedienung unzuverlässig– man muss immer erst wissen, ob das Licht
gerade noch an, oder schon wieder aus ist
– Unterstützt maximal 3000 Dateien.
Fazit
Der Samsung YP U6 ist, soweit ich es überblicke, der einzige zur
Zeit verkaufte MP3-Player, der im Auslieferzustand auch nur entfernt
als Hörbuchplayer taugt. Der Sansa Clip + ist im Auslieferzustand
schlechter, mit Rockbox und auf Hörbücher optimierte Einstellungen
wesentlich besser. Keines der Geräte ist als Hörbuchplayer so gut wie
die nicht mehr erhältlichen Geräte IFP 899 von iRiver oder (der etwas
schlechtere) T60 von iRiver.