Sunday, 24. August 2008, 13:52:15
Montag, Tag 1 meines schwedischen Abenteuers
Nicht wie geplant um sieben, sondern etwas verspätet, sagen wir halb 9 (schnittige eineinhalb Stunden Verspätung), sind Mama, Papa und ich aufgebrochen. Ohne Stau angelangt checkte ich ein und es gab einen kurzen, tränenreichen Abschied.
Der Flug war reibungslos und mein Koffer erreichte auch schwedischen Boden. Dann gings auf zur Bushaltestellensuche, die ich auch problemlos fand. Und was dann kam war zuviel für mein österreichisches Gemüt: die GERMANEN. Mindestens 15 Mann alle mit riesigen Koffern, Laptop umgeschnallt und leicht verwirrt. Na klar, auch Austauschstundenten auf den Weg nach Västeras. Toll, da fliegt man 2 Stunden und man ist sie immer noch nicht los.
Aber ich habe schon 4 echt nette Mädls aus Kassel kennengelernt.
Als ich dann endlich in meinen eigenen vier Wänden, welches ich für die nächsten 10 Monate bewohne, landete, kam das große ooooooooooooooooo.
Mein Zimmer, naja wie soll ich sagen, ich hätte mir die Zimmer in Moskau so vorgestellt aber nicht hier im zivilisierten Schweden. Krampfhaft versuchte ich den Koffer auszupacken ohne mich nebenbei über die Ausstattung und den Zustand aufzuregen. Ging gut!! Es war an der Zeit die Zimmer meiner eben erst kennengelernten deutschen Mädls zu inspizieren und ich musste feststellen, dass mein Zimmer im Vergleich zu deren echt in Ordnung ist zumindest „gleich schlecht“. Immer schön positiv bleiben – ich meine natürlich „gleich gut“.
Die 3 Kassler Damen und ich kochten uns noch gemeinsam Nudeln, klagten unser Leid und dann gings ab ins Bett.
Tag 1 auf Tag 2
Ich finde, dass diese kurze Nacht mit immerhin 6 Stunden äußerst schlechten Schlaf ein eigenes Kapitel bekommen sollte.
Erstens: Da ich noch keinen „Tuchend“ mithabe, schlief ich bei dezent kalten Verhältnissen mit dem Leintuch als Decke. Meine 2 Pullis die ich anhatte, trugen leider nicht bei, mich zu wärmen. Also Fazit – ARSCHKALT.
Zweitens: Schweden schlafen wohl gerne auf Lattenrost, da meine „Matratze“ aus einem 15 cm hohen Schaumstoffbelag besteht. Wenn man da drauf liegt spürt man jedes einzelne Sprossal. Fazit – LATTENROSTKUSCHELN. (Werde mir wohl eine neue Matratze kaufen müssen, falls ich mich in den nächsten Tagen nicht daran gewöhne)
Drittens: Aufgewachsen als Einzelkind in einer Waldlichtung, hab ich es nicht so mit unnötigem Lärm. Aber an den muss ich mich wohl oder übel gewöhnen, denn das Studentenheim liegt direkt an einer stark befahrenen Straße. Zusätzlich verständigen sich die Spanier in überdurchschnittlicher Lautstärke, der Aufzug geht genau an meinem Zimmer vorbei und der Kühlschrank neben dem Bett gibt auch unnötig viel Lärm von sich.
Dienstag, Tag 2
Kurzes Supermarkt-shopping am Vormittag. Hab mir lecker Brot gekauft, dacht ich mir zumindest, bis ich es probiert hatte. Brot mit Ribisellgeschmack ist halt dann doch eher ungewohnt und schmeckt nicht wirklich, vor allem dann nicht wenn man Käse drauf macht.
Ich muss noch viel, sehr viel lernen. Vor allem muss ich lernen die Verpackungen genauer zu lesen.
Nach einer sentimentalen Phase machte ich mich gemeinsam mit den Kassler Mädls auf den Weg zu IKEA. Ein Großeinkauf stand vor der Tür, da ich ja weder Besteck, Töpfe, Pfannen, Gläser, Becher oder sonstiges in der Küche vorfand. Ich bin nun Besitzer von einem 3er Besteckset, einer Müslischüssel, einem großen und einem kleinen Teller, einer Pfanne und einem Topf – also immer noch sehr spärlich ausgerüstet, aber immerhin!
Ich probierte überall das billigste vom billigen zu ergattern, nur bei der Bettdecke gönnte ich mir Wärmestufe 5, von den möglichen 6 Stufen. Das Teil war zwar viel teurer als zB Wärmestufe 2 oder 3 aber wie die Meisten wissen ist mir ja immer kalt, darum leistete ich mir das gute Teil. Heimgekehrt bin ich mit einigen Kronen weniger in der Geldbörse, aber mit einem großen Sack voller IKEA Freude. Macht echt glücklich so ein Einkauf. Natürlich hab ich auch einigen Ramsch gekauft, aber dieser ist in diesem kahlen Zimmer sehr von Nöten. (Duftkerzen, ein Poster und eine Lampe)
Der Wettergott meinte es auch sehr gut mit mir heute. Nette 18 Grad sind eben doch besser als die 10 Grad kombiniert mit Nieselregen, vom Vortag.
Frage mich echt warum ich gerade ins kalte Schweden wollte und nicht in ein schön-Wetter-Land. Aber naja, wird alles so seinen Sinn haben.
An alle die es noch nicht Wissen. Simon, ein Freund von mir, plante mit dem Rad von Österreich aus nach Schweden zu fahren. Jedoch hat er mir heute ein SMS geschrieben, dass er wegen zu starken Knieschmerzen aufgeben musste. Leider, leider, aber Gesundheit geht vor, und wenn ein MaBlinger, halb Mensch halb Ablinger, wegen Schmerzen aufgibt, dann heißt das echt nichts Gutes. Auf diesem Weg gute Besserung.
Mittwoch, Tag 3 – Start of the Introduction days
Die Nacht von Tag 2 auf Tag 3 ist dank „Wärmegrad 5“ nicht der Rede wert.
Heute haben die Introduction days begonnen und die sind wohl die besste Erfindung seit es Exchange Students gibt. Von Morgens um 9 bis Abends um 6 bespaßten uns Leute mit den verschiedensten Sachen. Die Uni ist der Wahnsinn, alles super neu und durchgestylt. Die Mensa gleicht eher einem Nobelrestaurant und sogar einen Ruheraum gibt es, um bei morts viel Stress seine Mitte wieder zu finden. Mal schauen, hoffentlich brauch ich den nie.
Man lernt viele neue Leute kennen, doch die meisten mit denen ich bisher gequatscht habe sind aus Deutschland. Aber auch aus Finnland, dem Jordan, Pakistani, Chinesen, Thais, ...
Es sind alleine 40 Deutsche und 35 Spanier unter den 140 ERASMUS -Austauschstudenten. Leider habe ich noch keinen einzigen Österreicher entdeckt, aber das werde ich wohl hoffentlich auch noch.
Nach der Einführungsvorlesung am Vormittag hatte ich heute Nachmittag meine erste FIKA.
Mit dem Begriff FIKA handelt es sich nicht, wie das österreichische Ohr eventuell vermuten würde, um den Beischlaf, sondern FIKA ist wohl ein schwedischer Brauch, bei dem zusammengesessen wird – sozusagen gechillt – Kaffe getrunken wird und so typisch schwedische Zimtringe gegessen werden. Echt ne prickelnde Erfindung so ein Kaffepäuschen am Nachmittag – könnte eigentlich aus Österreich stammen.
Nach einer vierstündigen Uni- und Stadtführung bin ich dann ziemlich geschafft in meine vier Wände gekommen. Dann noch kurz zu den 3 Kassler Mädls um uns von Til Schweiger aufmuntern zu lassen – haben uns „Keinohrhasen“ via Laptop angekuckt.
Donnerstag, Tag 4 – und alles schon viel besser
Wieder mal einer von den berühmten Introduction Days was heute so viel hieß wie waaaaaaaaaaaaarten. Bei einer Schlange ca. ne Stunde anstehen, kurz was klären und weiter zur nächsten Schlange. Traumhaft. Aber ne gute Möglichkeit neue Leute kennenzulernen. In jeder Schlange lernt man wieder neue Leute kennen, oder trifft Leute mit denen man schon in einer anderen Schlange mal geredet hat. Heute Abend wartet dann noch das Introduction Dinner auf uns – mit anschließender „Disco“. Zumindest nennen die es hier so. Mal schauen ob ich da in einem UftaUfta-Tempel landen werde.
Unter anderem habe ich heute zwei Österreicherinnen kennen gelernt. Zwei Mädls aus der Steiermark die mit dem Auto hier hochgefahren sind, die zufällig auch noch im selben Stock meines Studentenheimes wohnen.
Heute hab ich auch noch meine Kurse für das 1. Semester fixiert: “Schwedish for Foreign Students”, “Nordic Perspectives on Marketing and Management” und “International Marketing”. Wenn ich Glück habe, kann ich kurz vor Weihnachten meine letzte Prüfung schreiben. Mach zwar mehr Credits als ich benötigen würde, aber kann ja nicht schaden, bin ja nicht zum Urlaub machen hier nicht wahr. Habe am 19. September meine erste fünfstündige Prüfung, also NEIN, es wird hier eventuell kein chilliges, relaxing-Jahr für mich.
Freitag, Tag 5 hier in Västeras
Endlich mal ausschlafen und dann noch ein paar mal Schlange stehen und dann ne Vorlesung über die schwedische Kultur. Erneut stand ein Trip zu IKEA auf dem Plan. Man kann sich vorstellen wie es dort zugeht wenn 300 Austauschstudenten einlaufen. CHAOS. Von der Schlange bei der Kasse mal ganz abgesehen, gings dort zu wie in einem Basar, da der Ikea hier doch recht klein ist. Erneut habe ich einige Krönchen dort gelassen, aber echt nur NOTWENDIGES Zeugs gekauft, sofern ich das als Frau mit weiblichen Sammlerinstinkt behaupten kann. Am Abend war noch ne Pub Tour am Programm und wir genossen einen super Ausblick von der Sky Bar. Anschließend gings noch in nen Club, indem ein Bier lächerliche 5,20 Euro kostet und ein Vodka Bull schlappe 12 Euro. Was will man mehr. Da sind wir dann gleich mal wieder abgebogen. Kann sich ja kein Mensch leisten.
Best of des Tages: Ein Iraner fragt mich von wo ich bin. Brav antworte ich mit: „I am from Austria.“ Der Iraner darauf hin: „Ohhhh Austria, how is the political situation right now in Austria, as it is the country Hitler comes from.”
Additional Information:
Schwedische Sitten und Gebräuche die ich schon mitbekommen habe
1. Frostige 10 Grad und eisiger Wind: FlipFlops, Mini Röcke, Shorties und luftige T-Shirts gehören zur Grundausstattung einiger Schweden. Ich wiederum weiß nicht was ich alles anziehen soll um nicht zu frieren.
2. Habe mir die Margarine „Lätta“ gekauft, allerdings gleich ein halbes Kilo davon, denn kleinere Packungen gibt es anscheinend nicht. (nur 500g oder 900g – was die Schweden wohl mit fast einem Kilo Margarine machen????)
3. Der Ruf, dass in Schweden die Geschlechterrollen ein bisschen anders verteilt sind, trifft zumindest auf den ersten Blick zu. Denn der Großteil der Busfahrer ist weiblich und in den Supermärkten arbeiten fast nur Männer.
Schwedisches Wetter
Regen – Sonnenschein – Wind – Niesel – Sonnenschein ... und das innerhalb einer Stunde. Also krasses April-Wetter eben.