Schlussspurt nach Hause + Reisestatistik
Wednesday, September 7, 2011 11:44:57 PM
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Aus die Maus - Tour vorbei: So sind wir gefahren
Dies ist nun schon der letzte Beitrag auf unserem LeckerLakritz-Tour-Blog. Wohlbehalten sind wir letzten Sonntag wieder zu Hause in Dresden angekommen.
Kurz zu den letzten Wochen der Reise:
Auf den letzten reichlich 1000km von Budapest nach Dresden fuhren wir gemeinsam mit Robins Bruder Claudius. In Budapest, wo wir ihn vom Bahnhof abholten, blieben wir noch einen Tag länger als wir uns gedacht hatten, denn am 20.08. war ungarischer Nationalfeiertag. Da war ganz schön was los in der Hauptstadt und abends das traditionelle Feuerwerk hoch über der Donau, das sich über eine halbe Stunde hinzog und recht eindrucksvoll war.
Am nächsten Morgen wurde nach vier Tagen Pause der Tourradler-Betrieb wieder aufgenommen und los ging's auf dem Donauradweg Richtung Norden. Am gleichen Tag bogen wir jedoch schon von der Donau ab nach Osten, denn in Wien und Bratislava waren wir ja schon am Anfang der Reise gewesen.
Einen Tag später waren wir dann schon in der Slowakei. Dort war's meist sehr warm und bergig. In Banská Bystrica besuchten wir Michal Krajčik, gegen den Philipp viele Jahre chancenlos bei diversen EM's und WM's und anderen internationalen Events im Orientierungslauf gelaufen war. Er zeigte uns seine Heimatstadt und den für Robin schönsten Übernachtungsplatz unserer Tour, wo wir drei bei fantastischer Aussicht in den Hängematten einschlummern konnten.
Auch beim zweiten Mal Polen stellten wir fest, dass die Menschen dort total nett sind, es war wunderschön! In der letzten Nacht außerhalb Deutschlands passierte es uns zum ersten Mal überhaupt, dass wir von Bauarbeitern geweckt wurden - pünktlich um 6 Uhr früh. Wir haben ja sehr oft in nicht fertig gebauten Häusern geschlafen, aber bisher kam am Morgen nie jemand. Sie begrüßten uns freundlich und begannen den Arbeitstag erst mal mit 'nem Bier...
Für uns stand da nur noch eine kurze 85km-Etappe zur Neißefähre an, die die Arbeiter der Kulturinsel Einsiedel am östlichsten Punkt Deutschlands, gleich neben ihrem Abenteuer-Spielplatz-Gelände voller unterirdischer Röhren und Baumhäuser, gebaut haben. Genau dort wollten wir den Grenzübertritt von Polen nach Deutschland stattfinden lassen. Aber als wir ankamen: schockschwerenot, die Fähre war kurzerhand von beiden Ufern aus mit einem Holzsteg festgenagelt worden, um den tausenden Besuchern des Folklorums die Neißequerung zu erleichtern! Denn das Festival wird auf beiden Seiten, in Deutschland und Polen, gefeiert. So wurde es nix mit Fähre fahren, aber so schlimm war es auch nicht, die schwer bepackten Kling und Klang über die Brücke zu schieben. Da waren die Enttäuschungen den Bajkalsee nicht näher als aus dem Zugfenster erleben zu können, den Himalaya nicht mit Fahrrad überqueren zu dürfen und kein Schiff über den Indischen Ozean zu finden, bedeutend größer.
Wir haben uns extra beeilt, um ein paar Tage vor dem Wochenende da zu sein, denn in der Zeit vorm Folklorum werden viele Helfer gebraucht. Es hat riesigen Spaß gemacht, die verschiedensten Sachen aufzubauen oder zu erledigen und nebenbei verdienten wir uns gleich noch die Eintrittskarte und 'ne Menge Essensmarken, die wir beim Festival verfressen und versaufen konnten. Auf der Homepage des Folklorums schrob man:
"Achja und übrigends: Wir haben in diesem Jahr ganz besondere Helfer:
Philipp und Robin aus Dresden sind die Helfer und auch Gäste mit
1. der weitesten Anfahrt (DD-Balkan-Arab.Emirate-Indien-Nepal-China-Russland-Baltikum-Polen-Ukraine-Rumänien-Polen-NeißeZollhausFähre-Kulturinsel)
2. dem frühsten Abfahrtstermin zum Folklorum (16. Oktober 2010)
3. und den knackigsten Fahrradwaden die Ihr Euch vorstellen könnt
"Ja, da wisst ihr bescheid. ;-)
Auf dem schönsten Festivalgelände Europas wurde auch ein Lokalreporter der Sächsischen Zeitung auf uns aufmerksam und es entstand dieser Zeitungsartikel.
Am Sonntag war es dann so weit: Mit suboptimaler Vorbereitung (kurze Nächte aufgrund ausgiebigen Feierns...) stand die letzte Etappe an, die wir im Dutzend absolvierten: Eltern, Geschwister, böhse Onkelz und Freunde radelten mit uns gemeinsam zum Goldenen Reiter, um den Kreis zu schließen.
Wir waren überrascht über den tollen Empfang mit Ehrenkränzen aus Fahrradreifen – bestückt natürlich auch mit Lakritz :-) – und froh, dass bei der Ankunft am Goldenen Reiter kein Zeitungsmensch oder ähnliches da war. Es fühlte sich auch so etwas unangemessen an, unsere Radtour zu einer so besonderen Leistung verklärt zu sehen. Es ist heutzutage nichts besonderes mehr, sehr viele machen das gleiche, gehäuft natürlich von der Abenteurerstadt Dresden aus. Und sehr schwierige, anstrengende oder gefährliche Situationen hatten wir auch nicht zu meistern. Nur immer diese kleinen Probleme; auf der letzten Etappe zum Beispiel musste die Halterung einer Fahrradtasche natürlich noch abbrechen, worauf wir die Tasche am Rahmen festgebunden haben. Jetzt haben wir endlich genug Zeit zum Reparieren und Mensch und Material können sich erholen...
Weil es anscheinend einige von euch wissen wollen, hier noch ein bisschen Reisestatistik:
- Wir sind reichlich 21'000km geradelt in zehneinhalb Monaten, genauer vom 16. Oktober 2010 bis zum 04. September 2011. Durch 32 Länder, bzw. 33 wenn wir Tibet aus Prinzip als eigenes Land zählen.
- Wir waren also 324 Tage unterwegs; davon sind aber nur ca. 200 Tage Radetappen, also wo wir von einem Ort zum nächsten gefahren sind. Das liegt an den vielen Pausen, die wir gemacht haben. Je 2 Wochen blieben wir zum Beispiel in Istanbul, in Dubai und an den Stränden Goas. 1 Woche war's jeweils in Bakhtapur/Kathmandu, Ulaanbaatar, Trabzon, Tbilisi, Tehran, dem Mädchen-Waisenhaus Sukritham in Kerala, auf der Kulturinsel Einsiedel und bei der „Jeep-Tour“ durch Tibet. Um nur die langen "Aufenthalte" zu nennen.
- 12x haben wir mit dem Schiff größere oder kleinere Gewässer überquert, an 17 Tagen im Zug gesessen (ganztägig oder auch nur kurz) und 14x die Fahrräder ein kurzes Stück mit Auto transportieren müssen (gezwungenermaßen auf Polizei-Pick-ups o.ä.). Dass wir einmal fliegen mussten, von Sharjah nach Südindien, weiß der geneigte Blogleser sicherlich noch. Bus und Straßenbahn hat nur Philipp als Transportmittel genutzt, nämlich als in der Ukraine der Freilaufkörper in der Hinterradnabe den Geist aufgegeben hatte.
- 323 Nächte waren's also. Davon waren wir 124x zum Übernachten eingeladen (haben davon 117x im Haus geschlafen). Gastgeber von Warm Showers, also gesucht im Internet, hatten wir aber längst nicht so oft, wie es manchmal klingt, wenn wir die Sache gelobt und empfohlen haben. Aber alle zwei Wochen mal 'ne Waschmaschine, das ist schon super. 53x haben wir Geld für Übernachtung ausgegeben. Etwa 1/4 davon wurde von den Eltern bezahlt beim Urlaub mit ihnen; Philipps Eltern + kleine Schwester kamen ja nach Istanbul und Robins Eltern + kleiner Bruder nach Goa. Übrig bleiben also 146 Nächte, in denen wir einfach so irgendwo das Nachtlager aufgeschlagen haben, 37x in Form der Hängematten, die wir seit dem Urlaub in Indien (Goa) dabei hatten. (Elternbesuche waren immer sehr praktisch zum Nachbestellen von Ausrüstung und Rückgabe nicht mehr benötigten Materials.)
- Ein paar Defekte hatten wir schon an den Fahrrädern:
ca. 20 Speichenbrüche (etwa 80% bei Robin),
ca. 25 Platten (gleiches Verhältnis),
je einen gebrochenen Ständer pro Fahrrad - Philipps schon am allerersten Tag!;
eine gebrochene Gabel,
einen angebrochenen Rahmen,
ein Tretlager, das im Iran ausgetauscht werden musste, und
einen im Prozess der Auflösung ziemlich weit fortgeschrittenen Sattel bei Robin sowie
einen kaputten Freilaufkörper (Hinterradnabe ausgetauscht in der Ukraine),
ein gebrochenes Lenkertaschenskelett,
Abnutzungsprobleme bei den Ortlieb-Fahrradtaschen(-Halterungen) und
einen gleich an mehreren Stellen gebrochenen Gepäckträger bei Philipp.
Ließ sich aber alles reparieren und wir waren nicht böse darüber, denn jedes Problem bedeutete eine weitere wertvolle Erfahrung.

