Ich war zwar bislang schon 6 mal auf dem Wacken Open Air, aber noch nie auf einem anderen Festival. Das Party.San in Bad Berka (nähe Erfurt) sollte das erste "Nicht-W:O:A"-Festival werden. Das liegt zwar 400 km von meiner Heimatstadt Hamburg entfernt, aber egal.
Also, es ging am Donnerstag ja ganz gut los. Mit dem VW-Passat von den Eltern eines Kumpels sind wir losgefahren. "Wir", das sind mein Kumpel, meine Freundin und ich.
Das Auto hat mehr Platz als der kleine Toyota von meiner Freundin und tankt außerdem Diesel. Ist ja billiger.
In Buchholz haben wir uns dann noch mit 3 Leuten getroffen (die Schwester meiner Freundin, deren Freund und noch ein Kumpel). Dann ging's in Kolonne Richtung Bad Berka.
Die 5 Stunden Fahrt verliefen recht ereignislos und wir kamen guter Dinge auf dem Party.San-Gelände an.
Kurz nachdem wir unser Camp aufgeschlagen hatten, kam einer der Ordner zu uns und meinte, die Autos würden zu weit hinten stehen, daß würde der Veranstalter so nicht abgenommen bekommen, weil wir direkt in der Einflugschneise stünden (direkt neben dem Campground ist ein Flugplatz für Segelflieger und kleinere Maschinen). Wir haben ihn dann gefragt, ob wir dann auf der anderen Seite des Weges unser Camp aufschlagen können, da meinte er sächselnderweise: "Nee, das geht nicht. Wir fangen doch nicht nur wegen euch ne neue Reihe an," und meinte dann mit Blick auf unseren Pavillon "Warum nehmt ihr auch so'n Einfamilienhaus mit?".
Hm, wir ziehen unsere Zelte also ein wenig enger Zusammen, da sehen wir, wie die ersten Autos gegenüber von uns parken (also wurde DOCH ne neue Reihe aufgemacht). Wir fragen also, ob wir unsere Autos dort parken dürfen. Dürfen wir, super.
Die erste Nacht war ganz gut, auch wenn es ne kleine Umgwewöhnung ist. Auf dem Wacken haben meine Freundin und ich ganz bonzig in einem VW-Bus gepennt, dieser wurde von den Eltern aber weggegeben. Immerhin hatten wir ne Luftmatratze im Zelt.
Scheiße war nur, daß ich so gegen 6 Uhr von irgendeiner komischen Nazi-Mucke geweckt wurde. In den Texten ging es um den "Toytschen Kämpfer", der niemals aufgibt und um einen alten Mann, der in seiner "schwarzen Uniform" marschierte und der nie vergessen werden soll. Das lustigste war ja, daß der Sänger gelispelt hat. Ich hab mir gedacht, der sollte vielleicht erstmal ne Sprachtherapie machen, bevor er so einen Müll singt.
Da ich mal auf's Toi Toi mußte hab ich mal geguckt, ob nicht irgendwo ein Security-Mensch rumsteht. Hab leider keinen gesehen, dafür ein paar Leute, die vor einem Auto saßen und diese Musik hörten.
Wieder zurück im Zelt bin ich dann recht schnell wieder eingepennt, wurde aber so gegen 7 von einem Handy geweckt. Entweder war da jemand ziemlich hartnäckig beim Anrufen oder der Handy-Wecker hat geklingelt. Auf jeden Fall tutete das Teil gefühlte 5 Stunden vor sich hin, bis jemand bei dem Typen ans Zelt klopfte und meinte, er solle mal das Handy ausmachen da einige gerne noch pennen würden.
Da wir am Donnerstag schon die ersten beiden Jever-Fässchen geleert und das dritte bereits angebrochen war (insgesamt hatten wir 4 Fässchen dabei), mußten wir ins Dorf und für Ersatz sorgen. Die Entfernung zum Rewe war ca. so weit wie beim W:O:A vom Festivalgelände zum Edeka. Im dortigen Getränkemarkt hatten wir dann die Wahl zwischen "Hafferöder" (*kotz*) und Köstritzer Schwarzbier (weil wegen Glasverbot und so. Und wir hatten keine Lust auf Dosen). Wir entschieden uns dann für Köstritzer.
Als wir zurückkamen wollten wir den direkten Weg zum Camp antreten, aber der nette Herr "Endlich-hab-ich-mal-was-zu-sagen" Ordner meinte, wir sollten den anderen Weg nehmen. Dieser führt nämlich am Eingang vorbei und ist ein ziemlicher Umweg. Auf meine Frage, warum die Leute direkt vor uns den anderen Weg nehmen dürfen, wir aber nicht konnte er mir auch nix sagen. Arschloch.
Nun denn, endlich beim Camp angekommen testeten wir natürlich unser Fässchen aus... und wurde bitter enttäuscht. Das Köstritzer an sich schmeckt eigentlich nach nix, aber es hat einen derb malzigen Nachgeschmack. Nicht wirklich gut.
Aber egal, wir wollten die ersten Bands sehen und außerdem auch mal bei den Merchandise-Ständen vorbeigucken.
Das Festivalgelände ist recht klein (ist ja auch ein kleines Festival) und die Bühne kommt von der Größe her an die Party Stage des W:O:A ran.
Der Sound war sehr gut und man hatte auch einen sehr guten Blick auf die Bühne. Diese Stand nämlich am Fuße eines Hügels, so daß man auch von hinten gut über die Köpfe der anderen Leute weggucken konnte. Auf dem W:O:A stehen die Bühnen ja auf einem kleinen Hügel drauf, so daß ständig jemand ins Blickfeld läuft.
Als erstes haben wir uns Enslaved angeschaut, die waren auch ganz gut.
Dann kamen Kataklysm, die noch besser waren. Aber irgendwie haben die überzogen (oder hatten die später angefangen? Weiß ich nicht mehr). Auf jeden Fall waren sie erst 0:20 Uhr fertig, eigentlich sollten Hypocrisy um 0:00 Uhr anfangen. Hypocrisy fingen dann um 0:50 an, als wir alle schon gut durchgefroren und verdammt müde waren. Das was ich von Hypo gesehen hab war sehr gut, aber die Müdigkeit hat dann doch gesiegt und wir sind vor Ende des Konzerts zum Camp zurück.
Die zweite Nacht war nicht mehr ganz so gut, es wurde nämlich verdammt kalt!
Zwar wurde ich nicht mehr von Nazi-Mucke geweckt (diese Leute wurden wohl vom Gelände geschmissen, auf jeden Fall hab ich deren Auto nicht mehr gesehen), aber dafür von irgendwem, der derbe laut geschnarcht hat. Und etwas später fing dann ein anderer Handy-Wecker an rumzututen...
Für den Samstag hatten sich die Fahrer der Autos vorgenommen, nicht mehr so viel zu trinken. Wir haben noch das zweite Köstritzer-Fässchen leer gemacht (geht mit mehreren Personen ja recht schnell). Lustig/traurig war nur, daß ein paar Leute, die mit uns gecampt hatten meinten, wir hätten jetzt ja gar keinen Spaß mehr und es wäre ja albern, jetzt schon aufzuhören, etc. . Naja, die waren ja noch jung (18), die lernen sowas dann auch noch

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An Bands haben wir folgendes gesehen:
Thyrfing: gut
Illdisposed: Sehr gut, auch wenn man die Zwischenansagen des Sängers nicht verstanden hat. Er versuchte deutsch zu reden und da kam ab und an unverständliches Zeug bei rum. Immerhin wissen wir jetzt, daß er seine Eier rasiert.

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Six Feet Under: Waren auch gut. Blöd nur, daß mittendrin der Strom ausfiel. Aber Band und Publikum konnte das nicht schocken

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Scheiße war nur, daß plötzlich irgendso ein komischer Kerl ankam und irgendwen zusammengeschlagen hat und auch noch auf die umstehenden Leute losgehen wollte. Ich hoffe, die Security hat ihn geschnappt, allzugroß ist das Gelände ja nicht.
Am Sonntag war "äbfaaht" angesagt. Wir sind extra früher aufgestanden, damit wir nicht in einen Stau reinkommen. Außerdem ist es mein Geburtstag und ich würde gern noch ne Torte essen

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Hat auch alles sehr gut geklappt. Die Autobahn war wie leergefegt und wir konnten locker mit 120 Richtung Heimat fahren.
Mein Kumpel meinte: "Laaaangweilig". Das ließ sich das Auto nicht zweimal sagen: Die Batterielampe fing an zu leuchten, der Drehzahlmesser funktionierte nicht mehr und die Temperaturanzeige des Kühlers ging rasant in die Höhe. Zum Glück war in 500 Meter Entfernung ein Parkplatz Names "Wilroder Forst". Der liegt kurz hinter Weimar an der A4 ^^.
Ein kurzer Blick in den Motorraum bestätigte unsere schlimmsten Befürchtungen: Der Flachrimen hatte sich aufgelöst. An dem Teil hängt die Lichtmaschine und die Kühlwasserpumpe. Ohne Batterie hätten wir zwar fahren können (Diesel ist ja ein Selbstzünder), aber ohne Kühlwasser kommen wir keine 5 Meter weit.
Also beim ADAC angerufen, ADAC-Mitglied geworden und einen von den "gelben Engeln" bestellt.
Nach knapp 45 Minuten war er dann auch da, guckt sich den Motor an, meint "Da kann ich auch nix machen".
Shit. Wie kommen wir denn jetzt nach Hamburg zurück? Der ADAC schleppt uns nur zur nächsten Werkstatt, denn erstens in der Fahrer erst vor ein paar Minuten Mitglied geworden und außerdem müßte man ADAC-Plus Mitglied sein, damit die einen nach Hause schleppen.
Der ADAC-Mensch meinte dann noch, wir wüßten ja, daß es den ADAC gibt und wir wären ja alle alt genug und warum wir denn noch nicht Plus Mitglied wären. Danke, so ne Moralpredigt brauchen wir jetzt echt, du Idiot!
Wir haben uns dann vom ADAC für läppische 105,50€ zur nächsten Werkstatt (ATU) schleppen lassen. Zum Glück war in der Nähe ein McD, wir hatten nämlich noch nix gegessen.
Also rein und erstmal die Eltern angerufen. Nach einer kurzen Beratung stand fest, daß wir die Nacht in Erfurt verbringen müssen. Wir fragten also an der Kasse, wo man denn nächtigen könne, da uns das Auto verreckt ist. Der Geschäftsführer (glaube zumindest, daß er es war. Auf jeden Fall hatte er nicht die "Kassenkluft" an

) fragte, ob er uns helfen könne und ob er wen anrufen solle. Nunja, sehr nettes Angebot, nur leider kennen wir in Erfurt niemanden. Wo ist denn der Hauptbahnhof (wir wollten zur Touristeninformation, die ist ja meist am Hbf). - ca. 30 bis 45 Gehminuten von hier entfernt, er würde uns vorbeifahren nur leider ist er mit dem Motorrad da, dann kann er natürlich keine 3 Leute mitnehmen.
Nun denn, Zeit genug haben wir ja, also per Pedes auf zum Hauptbahnhof.
Am Hbf sahen wir ein Hotel und dachten "Fragen kostet nix". Also rein und nach einem Einzelzimmer für drei Personen gefragt. Die Frau an der Rezeption guckte ziemlich verdattert. Ob das nun an unserer Frage, an unserem Aussehen oder an unserem Mief lag (Duschen ist kein Heavy Metal!), werden wir wohl nie erfahren. Wahrscheinlich eine Mischung aus allen 3.
Auf jeden Fall meinte sie, daß nicht 3 Personen in einem Einzelzimmer schlafen können und pro Person würde ein Einzelzimmer 60€, ein Doppelzimmer 80€ kosten.
Das lag ganz klar über unserem Budget, also sind wir schnell wieder raus.
Leider war auch die Touriinfo nicht am Hbf, aber im DB-Kundenzentrum konnten wir erfahren, wo die denn ist. Nochmal 10 Minuten zu Fuß, an einigen Erfurter Sehenswürdigkeiten vorbei (und über einen Fluß, der verdächtig nach Muscheln und Hamburger Hafen roch...) und rein in die Touriinfo.
"Wir brauchen ein Zimmer für eine Nacht, möglichst billig." - "Billig? Moment, da hab ich was."
Die Frau in der Info-Stelle gab uns eine Broschüre eines Jugendhostels, dem re4. Das war eine alte Polizeistation, die in ein Hostel umgebaut wurde.
Auch der Name "RE 4" klang sehr vertrauenserweckend...

(für die Nicht-Zocker: Das ist die Abkürzung des Spiels Resident Evil 4

).
Nach weiteren 15 Minuten kamen wir auch beim Hostel an. 15€ würde die Nacht pro Person in einem 3-Bett-Zimmer kosten, aber wir könnten auch ein 4-Bett-Zimmer nehmen, das kostet nur 12€ pro Person und Nacht. Es könnte zwar passieren, daß dann noch jemand in das Zimmer gesteckt wird, aber am Sonntag sei nie sehr viel los.
Wir nehmen also das 4-Bett-Zimmer und gehen gleich hoch. Nach der ganzen Rennerei müssen wir uns erstmal ein wenig ausruhen. Beim ausruhen stell ich dann fest, daß ich ne Blase am Fuß hab.
Genug ausgeruht, wir müssen noch einige Sachen aus dem Auto holen (unter anderem die Schlafsäcke, das Geld für die Bettwäsche haben wir uns gespart).
Also wieder zurückrennen. Ich kann mit dem rechten Fuß nur noch seitlich auftreten, da die Blase unter dem großen Zeh schmerzt. Nach knapp 3 Kilometern tut dann auch noch mein Knöchel weh...
Nach 4 Kilometern sind wir endlich wieder bei ATU und laden ein paar Sachen aus.
Wieder 4 Kilometer zurück, denn ein Bus fährt am Sonntag natürlich nicht (oder nur alle zwei Stunden).
Bei der ganzen Rennerei sehen wir dann auch, wie sich der "Aufschwung Ost" bemerkbar macht: Die Straßen sind 1A, nur leider bekommt das kaum einer mit, denn sehr viele Häuser stehen leer und verrotten vor sich hin.
Die Nacht im Hostel ist sehr angenehm: Endlich wieder in einem richtigen Bett pennen!
Leider klingelt schon um 6:00 Uhr der Wecker, denn wir wollen pünktlich bei ATU sein.
Leider bedeutet dies, daß wir nochmal 4 Kilometer laufen müssen, aber wir sind ja noch jung und schaffen das.
Bei ATU angekommen dann die erste gute Nachricht seit knapp 24 Stunden: Einen Flachriemen haben sie vorrätig.
Der Meister sagt dann, daß die Reperatur ca. 30€ + 24€ für den Riemen + Kühlwasser mit Frostschutz kostet.
Ist ja recht billig. Wir warten also, daß die Karre wieder fahrtüchtig gemacht wird. Nur leider haben wir uns zu früh gefreut. Eine Umlenkrolle ist auch hin. Deshalb ist wohl auch der Riemen schief gelaufen und hat sich nach und nach abgewickelt. Eine neue Rolle kostet 45€. Naja, ist ja immer noch günstig.
Aber dann der Hammer: Der Zahnkranz vom Zahnriemen eiert. Dadurch eiert auch die Kurbelwelle = Der Motor ist hin!
Nun sitzen wieder da und wissen nicht, wie wir nach Hause kommen sollen. Erstmal wieder Kriesensitzung. Nochmal beim ADAC angerufen. Wie teuer ist das denn für ein einfaches Mitglied, den Wagen von Erfurt nach Hamburg schleppen zu lassen? 200€-300€ und dauert 4-7 Tage. Erst muß der LKW voll gemacht werden, dann werden die Autos verteilt.
Ne, so lange wollten wir aber nicht in Erfurt bleiben. Meine Freundin ruft also ihre Eltern an, ob die uns nicht abholen können. Würde schon gehen, aber dem Opa geht's nicht so gut, der muß ins Krankenhaus. Sie könnten erst gegen Nachmittag losfahren.
Tja, wenn das Schicksal zuschlägt, dann aber so richtig!
Dann fällt uns noch ein Kumpel ein, dessen Vater eine Autowerkstatt hat. Der Kumpel könnte den PWK-Anhänger bekommen und erklärt sich auch bereit, die Strecke von Ramelsloh (das liegt in Niedersachsen) bis Erfurt zu fahren. Nur leider ist der Wagen, der den Anhänger zieht als LKW zugelassen. Die Rückbank ist ausgebaut und neben dem Fahrer findet nur noch einer Platz.
Also bleibt uns nichts anderes übrig, daß zwei von uns mit der Bahn fahren. Das muß erstmal verdaut werden, also gehen wir wieder zum McD. Der nette Geschäftsführer (oder was auch immer der war

), gibt uns sogar einen Kaffee aus und wünscht uns trotz allem eine gute Heimreise.
Nachdem wir aufgegessen hatten, machten meine Freundin und ich uns auf dem Weg zum Bahnhof. Unserem Kumpel liehen wir ein Buch (Duddits von Stephen King), damit er die Wartezeit überbrücken konnte ^^.
Zum Bahnhof fuhren wir diesmal mit dem Bus, auf laufen hatten wir keinen Bock mehr.
Am Bahnhof gingen wir dann zum Schalter und kauften ein Ticket nach Hamburg, natürlich in der günstigsten Variante. 93€ für zwei Personen, 6 Stunden Fahrtzeit.
Aber immerhin ging es endlich in Richtung Heimat.
Fazit: Wenn ich irgendwann mal meinen Führerschein mache, werde ich garantiert ADAC-Plus Mitglied, Erfurt ist eine Scheißstadt (auch wenn sie nix dafür kann

) und sächsichen Dialekt will ich die nächsten 200 Jahre nicht mehr hören!