Vergnügungspark Verkehrsverbund
Sunday, 20. April 2008, 20:09:54
Mein Zug fährt 13:19 Uhr, also plane ich, einen Bus zu nehmen, der 12 min nach der vollen Stunde am Bahnhof ankommt. Dazu muss ich um 13:00 Uhr an der Bushhaltestelle sein und da ich 7 min laufe, gehe ich viertel vor los. Soweit so gut der Plan und eigentlich wasserdicht. Eigentlich.
Als ich vier Minuten vor 13 Uhr auf der anderen Straßenseite stehe, springt die Ampel auf rot und gegenüber kommt ein Bus und fährt ab. Ich denke mir, das wird ja wohl nicht meiner gewesen sein und bin beruhigt. Noch. Denn als ich auf dem Plan nachsehe, stelle ich fest, dass der letzte Bus zehn vor eins gefahren sein sollte. Hatte der Bus sechs Minuten Verspätung? Das wäre ein bisschen viel. Oder ist er vier Minuten zu früh abgefahren? Das wäre noch viel unverschämter.
Ein weiterer Bus soll fünf Minuten nach eins fahren und das wäre zwar knapp, würde aber immernoch reichen um den Zug zu bekommen, wenn ich schnellen Schrittes gehe. Also warte ich. Es kommt kein Bus um eins, keiner um fünf nach und ich werde zusehens nervöser. Immer wieder rechne ich im Kopf nach, wie es doch noch klappen könnte. Der Bus könnte die Verspätung noch rausfahren.
Mit drei Minuten Verspätung kommt tatsächlich der zweite Bus. Und ich rechne, dass ich dann immernoch eine ganze Minute habe um von der Haltestelle zum Bahnsteig zu sprinten. Eine Minute kann lang sein! Ich werd es doch noch schaffen denke ich mir und fange leise an mich zu freuen, die Uhr im Bus immer im Blick.
Plötzlich hält die Fahrerin an einer Ersatzhaltestelle. Wieso das, frage ich mich und werde argwöhnisch. Und an der nächsten Ampfel biegt sie rechts ab, Richtung Bahnhof, statt geradeaus zu fahren wie die Linie eigentlich sollte. Ich freue mir ein Loch in den Bauch, es ist erst 13 Minuten nach 13 Uhr und wir schaffen es sicher in zwei oder drei Minuten bis zum Bahnhof. Mein Zug ist gerettet! Ein Strahlen breitet sich über mein Gesicht aus und erstirbt im gleichen Moment wie meine Mundwinkel meine Ohren berühren wollen: Wir fahren nochmal links!
Die nächste Haltestelle die angesagt wird entspricht der ursprünglichen Route. Ich beginne böses zu ahnen und der Verdacht bestätigt sich: Wir umfahren eine Sperrung. Aber nicht, dass der Bus einfach die Haltestelle Neumarkt nicht bedienen würde, nein. Denn die ist ja der Knotenpunkt, an dem JEDER BESCHISSENE BUS hält. Die kann man also nicht auslassen!
Dazu muss gewendet werden und dann geht es fröhlich zurück, wieder zum Bahnhof, diesmal in echt. Doch vorher steigen ca. drei Milliarden Passagiere aus und natürlich lassen die sich ZEIIIIIIIT. Wer wird denn hetzen?
An jeder Ampel und mit jedem Passagier schiele ich auf die Uhr und die tickt erbarmungslos weiter. 13:17 bereits. Aber wenn sie jetzt durchziehen würde... Tut sie aber nicht. Moderne Busfahrer fahren defensiv, nervenschonend und sicher. Nur MEINE Nerven schont es nicht, sicher ist nur, dass ich den Zug jetzt nicht mehr bekomme.
Oder doch? Ich schaue auf meine eigene Uhr. Möglicherweise geht die Uhr im Bus vor? Tatsächlich, eine Differenz von zwei Minuten! Doch der leise Hoffnungsschimmer verblasst sofort: Neue Ampel, neues Pech.
Wir kommen aber jetzt wirklich am Bahnhof an, aber auch wirklich zu spät. Ich bin nicht der Typ aufzugeben, also sprinte ich, auf hohen Hacken, den Koffer hinter mir her schleifend, hechte die Treppe hoch zu Gleis, aber es ist leer.
Mit einem Wutschrei beginne ich ein Telefonat und lade den Frust ab. Wozu hat man liebe Menschen um sich herum? Der Vorteil ist, dass mich der Penner der die Dame neben mir grad anbettelt nicht mal ansatzweise wagt um Geld zu fragen.
Da ich jetzt 58 Minuten auf den nächsten Zug warten muss, beschliesse ich, auf einen Kaffee zu der Fastfoodkette nebenan zu gehen. Und das erweist sich als grandiose Idee, denn hier steht man schon 30 Min an, wartet dann 20 Minuten aufs Essen, ich muss also nur noch von "hier essen" auf "mitnehmen" umbestellen und es direkt mit in den Zug nehmen - perfekt.
Stress macht krank, habe ich immer wieder gelesen, deswegen versuche ich jetzt alles positiv zu sehen. Nicht dass es der ortsansässige Verkehrsverbund nötig hätte, Planänderungen anzugeben oder pünktlich zu sein. Nicht dass sie dafür schweinisch teuer sind. Aber hey, die Reisen stecken voller Überraschungen! Und das Auf und Ab, was man erlebt, kommt wahrscheinlich auch gut an die größte Achterbahn Europas ran. Und - kostet nicht jeder Spaß ne Menge Geld?








