Thursday, 27. March 2008, 11:31:09
Das Haus das Verrückte macht steht in einem Comic irgendwo im alten Rom?
Weit gefehlt! Das Haus das Verrückte macht steht mit ziemlicher Sicherheit am neuen Graben und trägt die interne Gebäudenummer 41!
Wir schreiben das Jahr 2003, es ist fröhlicher Herbst und ich entschließe mich wagemutig dazu das Fach Sprachwissenschaften als zweites Nebenfach zu studieren. Die Einschreibung erfolgt in Gebäude 11, weswegen ich noch nicht in den Kontakt mit dem Haus das Verrückte macht komme und mich munter auf das Studium vorbereite.
Im Frühjahr 2004 erfahre ich zum ersten Mal, dass Leistungsnachweise, die vom Dozenten bei der Sekretärin angegeben und im Anschluss von Studenten abgeholt werden müssen auf mysteriöse Art und Weise einfach verschwinden. Nicht wenigen geht es so, in den folgenden Semestern kann man damit rechnen, dass ca. ein viertel aller geleisteten Arbeiten aus diesem Grund zweimal bestätigt werden müssen.
Im Herbst 2005 ist es dann soweit: Meine Leistungen für die Zwischenprüfung sind alle erbracht, ich sammle die entsprechenden Scheine ein und trage sie zum Prüfungsamt.

Überraschung! Ich muss noch eine Zwischenprüfungsarbeit schreiben, von der weder ich noch meine Mitstudierenden wussten. Nachdem auch diese Arbeit geleistet ist, gehe ich davon aus, dass ich ins Hauptstudium eintreten darf und belege munter meine Seminare.
Da ich mich voll in das Studium stürze, habe ich bereits im Winter 2006 alle Scheine gesammelt, um das Studium als abgeschlossen zu betrachten. In den letzten Semestern ist allerdings klar geworden, dass kein Studierender und auch kaum ein Professor die Studienordnung kennt, da diese während unseres Studiums geändert wurde um das Fach vor der Schließung zu bewahren. Da ich also unsicher bin, lege ich das Ganze erstmal auf Eis und warte ab.
Im Sommer 2007 unternehme ich den ersten Vorstoß

und frage beim Prüfungsamt nach, ob ich nicht vielleicht mein Zwischenprüfungszeugnis bekommen könnte, denn ich würde gern mein Studium abschließen und zwar in der richtigen Reihenfolge. Die Zuständige erklärt mir, dass ihr noch Unterlagen von mir fehlen. Und zwar der Nachweis über meine dritte Fremdsprache

und mein Lebenslauf. Nachdem ich protestiert habe, dass ich nur Nebenfach studiere und deswegen nur ZWEI Fremdsprachen nachweisen muss, was ich bereits mit meinem Abiturzeugnis und damit bei der Einschreibung in den Studiengang getan habe, werde ich aufgefordert, eben DIESE Unterlagen einzureichen. Ich betrachte den Fall danach als abgeschlossen und warte auf mein Zeugnis.
Im Winter 2007 beschließe ich, die Scheine aus meinem Hauptstudium zusammen zu suchen und besuche erneut das Sekretariat.

Auf Verdacht frage ich nich nur nach bestimmten Scheinen, sondern einfach alle Professoren ab, bei denen ich jemals Leistungen erbracht habe. Nach 10 Minuten stehe ich verdattert vor der Tür, halte sage und Schreibe NEUN Scheine in der Hand und bemerke, dass sogar mehrere Scheine doppelt sind. Die Geister der Verschollenen kehren also zurück!

Im Januar 2008 habe ich immer noch nichts vom Prüfungsamt gehört und unternehme einen neuen Vorstoß.

Es kann nicht festgestellt werden, dass mir noch Nachweise fehlen, weil stattdessen gleich MEINE GANZE AKTE fehlt!

Ich versuche eine andere Baustelle und trage meine gesammelten Scheinwerke zu einem Professor meines Vertrauens

und lasse feststellen, ob meine Leistungen vollständig sind. Nach viel Schweiß und Herzklopfen und ein bisschen Puzzeln steht fest: Sie sind es! Nur noch ein Schein ist im Sekretariat abzuholen und danach können die Unterlagen eingereicht werden.

Da das Sekretariat aber chronisch unbesetzt ist, komme ich nicht an den letzten Schein heran, stattdessen gehe ich dem Prüfungsamt auf die Nerven. Siehe da, meine Akte ist wieder aufgetaucht,

aber für meine Zwischenprüfung (!) FEHLT noch was.

Und zwar der Nachweis meiner dritten Fremdsprache und eine Zwischenprüfungsarbeit... (siehe oben...)

Nach neuerlichem Protest scheint dann alles ganz plötzlich in Ordnung zu sein und ich habe gelernt: Wer studiert hat, qualifiziert sich nicht durch die Kenntnisse in seinem Fachgebiet für seine Arbeit, sondern dadurch, dass er den Kampf gegen die Ämter überlebt hat...