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über die Kirchengemeinde in Möllbergen

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Weihnachtsgrüße

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Mit dem folgenden Bild, das unsere Möllberger Kirche in weihnachtlichem Glanz zeigt, grüße ich alle in Möllbergen und im weltweiten Web und wünsche:
Ein gesegnetes Weihnachtsfest!Bei Klick auf das Bild gibt es dassselbe auch in groß (2,5 MB)
Bei den "Photos" sind unter "Weihnachtliches" noch weitere Aufnahmen zu finden.

Predigt über EG 34 "Freuet euch, ihr Christen alle"

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Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Bemühen im Reden und Hören. Amen.
Liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Ganz kurz vor meinen beiden Lieblingsliedern von Paul Gerhardt zu Weihnachten „Fröhlich soll mein Herze springen“ und „Ich steh an deiner Krippen hier“ ist das Lied entstanden, um das es heute in der Predigt gehen soll: 1646 hat Christian Keimann in Zittau das Lied „Freuet euch, ihr Christen alle“ geschrieben. Im gleichen Jahr ist es von Andreas Hammerschmidt ebenfalls in Zittau vertont worden. Und es ist nicht nur die Zeit, die dieses Lied mit den Liedern Paul Gerhardt verwandt erscheinen lässt. In unserem Gesangbuch werden in der Liedgeschichte (Nummer 1007, ab Seite 1515) diese Zeit, die Mitte des 17. Jahrhunderts, die Lieder Paul Gerhardts so beschrieben: die Lieder spiegeln das Ich im „Wir“ der Gemeinde, die eigene Glaubenserfahrung im Horizont der Heilstat Gottes; eine seelsorgerlich-tröstende und ermutigende Ausrichtung ist spürbar. Was für Paul Gerhardt gilt, trifft auch auf viele andere Liederdichter zu; Christian Keimanns Lied gehört auch in diese Art und Zeit.

Trotzdem ist es ein Lied der ganz eigenen Art, denn es hat einen doppelten Kehrvers. Der erste und offensichtliche Kehrvers ist uns im Gottesdienst schon mehrfach begegnet: das zwölffache Halleluja, das am Anfang und am Ende des Liedes gesungen werden kann. So heißt es im Gesangbuch. Für mich ist dieses „es kann gesungen werden“ sehr problematisch. Denn wenn man es weglässt, nimmt man ihm die theologische und musikalische Tiefe, verkürzt die Aussage um einen ganz entscheidenden Punkt.

Das Gotteslob des 12-fachen Halleluja umrahmt die Gedanken des eigentlichen Liedes. Und es sind nicht nur wir, die da dieses Gotteslob singen. Denn wie beim Dreimal-Heilig in der Abendmahlsliturgie stimmen wir als Menschen ja nur – aber auf wunderbare Weise – in das himmlische Halleluja der Engel mit ein.

So ist das Lied auch von der Musik her in 2 Sphären geteilt: in die göttlich-himmlische Sphäre des Halleluja, die im 3/4-Takt komponiert ist, und in die irdisch-menschliche Sphäre der Strophen, die im 4/4-Takt gestaltet ist. Anders Hammerschmidt, der Komponist des Liedes, hat sich dabei der alten Zahlensymbolik und ihre Anwendung in der Musik bedient. Danach war der 3/4-Takt der vollkommene Takt, der die Trinität bezeichnete. Er wurde in der alten Notation durch einen Kreis dargestellt. Der 4/4-Takt dagegen war der Takt des Menschlichen und wurde als unvollständiger Kreis dargestellt; heute noch gibt es als Taktbezeichnung bei einem 4/4-Takt so etwas wie ein großes „C“, das aber ursprünglich nur ein unvollständiger Kreis war. Singen wir noch einmal das Halleluja und dann gleich hinterher die erste Strophe:

Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja.
1. Freuet euch, ihr Christen alle, freue sich, wer immer kann;
Gott hat viel an uns getan. Freuet euch mit großem Schalle,
dass er uns so hoch geacht’, sich mit uns befreund’t gemacht.
R: Freude, Freude über Freude: Christus wehret allem Leide.
Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne.

Bevor ich auf die Strophen einzeln eingehe, möchte ich zunächst noch den Strophen-Kehrvers des Liedes betrachten. Und auch hier spielen Zahlen ein große Rolle.

In der Zahl 12 ist das Irdische mit dem Menschlichen vereint: denn 12 ist drei mal vier. Im himmlischen Refrain am Anfang und am Schluss mit dem 12-fachen Halleluja ist das deutlich zu sehen. Aber auch im Refrain der Strophen kommt diese 12-Zahl vor: Dreimal pro Refrain singen wir von der Freude; bei vier Strophen macht das eine zwölffache Freude und bei der Wonne ist es ebenso: 12-fache Freude und Wonne, weil sich in dem Kind Jesus Himmel und Erde verbinden.

Inhaltlich macht der Refrain eine doppelte Aussage über Jesus Christus. Zuerst geht es darum, dass Christus allem Leide wehrt. Als Keimann das Lied dichtet, herrscht noch der 30-jährigen Krieg, in seiner Heimat in Böhmen ist die Gegenreformation in vollem Gang; wer evangelisch bleiben wollte, musste fliehen. Und so waren die Eltern von Christian Keimann ebenso wir die Familie von Andreas Hammerschmidt aus ihrer Heimat vertrieben worden und hatten in Zittau ein neues Zuhause gefunden. Es ist aber trotzdem weder Blauäugigkeit noch Verdrängung der Wirklichkeit, wenn Christian Keimann das so formuliert: „Christus wehrt allem Leide“.

Trotz aller einzelnen persönlichen Schicksalsschläge, die einen Menschen treffen können, sind Bewahrung und Rettung durch Jesu Christus nicht aufgehoben. Wie Paul Gerhardt singt Christian Keimann gegen Not und Tod, gegen Krieg und Vertreibung an, setzt der Realität menschlicher Erlebnisse die Realität der göttlichen Nähe entgegen. Trotz aller Finsternis in der Welt werden wir nach jeder Strophe immer wieder neu darauf hingewiesen, dass das Christenvolk zwar im Finstern wandelt, dass es aber ein großes Licht sieht, von dem es beschienen wird: die Gnadensonne Jesus Christus, wie es in der vierten Zeile des Refrains heißt.

Und wenn wir in dieses Lied und seinen Kehrvers einstimmen, bekennen wir diese göttliche Wirklichkeit, die durch die Finsternis auch unserer Zeit nicht aufgehoben wird. So wird die seelsorgerlich-tröstende und ermutigende Ausrichtung der Dichtung von Christian Keimann besonders sichtbar.

Auch die eigentlichen Strophen sind ganz kunstvoll komponiert. Immer wird jemand angesprochen: In den ersten beiden Strophen sind es diejenigen, die die Weihnachtsbotschaft hören und es wird zu ihnen etwas über Gott und Jesus, seinen Heiland gesagt. In den beiden letzten Strophen kehrt es sich um: Jesus wird angeredet und der Blick geht zu den Menschen. In den beiden Mittelstrophen zwei und drei geht es um die je einzelnen Christen, um das „Ich“ der Glaubenden; in den beiden Außenstrophen stehen die Christen als Gemeinschaft, als „Wir“ im Mittelpunkt. Auch so werden Jesus mit seinem Heilshandeln und die Gläubigen miteinander verbunden.

Die erste Strophe blickt auf die Gemeinschaft der Glaubenden und redet sie an. Wie im ganzen Lied ist das entscheidende Stichwort: Freude. Alle sollen sich freuen, wer immer kann und laut soll es dabei zugehen, mit großem Schalle.

Und warum? Christian Keimann sagt es zuerst ganz allgemein, es deutet noch nichts darauf hin, dass es sich um ein Weihnachtslied handelt. Es geht ihm um dieses wunderbare Geschehen, dass Gott uns nicht klein macht, wie das leider auch heute immer noch von manchen Menschen empfunden wird, sondern groß; dass wir nicht vor ihm im Staub liegen müssen als der letzte Dreck, den Gott dann irgendwann beiseite kehrt, wenn er mal Zeit hat, sondern dass er uns hoch achtet, dass Gott Hochachtung vor uns und für hat und uns zu seinen Freunden macht.

Ist das noch zu fassen? Nein, eigentlich nicht. Und eben deshalb muss die Freude so laut ausfallen – weil das gänzlich Unwahrscheinliche geschieht: Dieser hohe und scheinbar so unnahbare Gott macht uns zu seinen Freunden. Welch eine Wertschätzung, um es mit diesem modernen Wort zu sagen, liegt in diesen beiden Versen der ersten Strophe. Ich denke an Paulus, wenn er an die Epheser schreibt: So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen; ja Gottes Freunde – Wir alle zusammen, wir zusammen als Kirche! Sogar über alle Konfessionsgrenzen hinweg: „Freuet euch, ihr Christen alle!“

Für die 2. Strophe möchte man am liebsten den 2. Vers von Psalm 103 neben das Lied legen, denn in dieser Strophe beschreibt Christian Keimann, was die Freundschaft Gottes und dieser Vers aus Psalm 103 auf Jesus Christus bezogen bedeutet: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Lasst uns die 2. Strophe singen:

2. Siehe, siehe, meine Seele, wie dein Heiland kommt zu dir,
brennt in Liebe für und für, dass er in der Krippen Höhle
harte lieget dir zugut, dich zu lösen durch sein Blut.
R: Freude, Freude über Freude: Christus wehret allem Leide.
Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne.

Ging es in der ersten Strophe um das „Wir“ der Gemeinde, rückt nun der oder die Einzelne in den Mittelpunkt. Das heißt aber nicht, dass dass die Gemeinde aus der ersten Strophe dadurch nicht mehr wichtig wäre oder nicht mehr gebraucht würde. Die Erlösung, von der wir hier singen, gilt jeder und jedem Einzelnen, aber zu denken ist sie nie ohne die Gemeinschaft der Glaubenden und der Getauften.

Nur – ohne dass der Heiland in jedem einzelnen Menschen Wohnung nimmt, kann auch das Ganze nicht funktionieren; in Kurzform: keine Kirche und keine tragfähige Gemeinschaft ohne den Glauben der Einzelnen. Und trotz aller Weihnachtsfreude und Weihnachtsseligkeit verlieren wir beim Singen das Kreuz nicht aus den Augen: Schon in der Krippe – so stellt es sich Christian Keimann vor – liegt das Jesuskind hart und unbequem. Und sein Weg wird nicht im weichen Bett, sondern am Kreuz enden.

Das zentrale Wort dieser Strophe ist das Wort „Liebe“. Denn nur die Liebe in ihrer Vollendung kann das leisten, was Jesus für uns tut: für uns Menschen, für unsere innere Zerrissenheit und für unseren Unfrieden, den wir in uns haben, und den wir untereinander nicht wegbekommen – für alles das sich zu opfern.

Das zu erfassen, das ist unsere Aufgabe und Christian Keimann betont die Dringlichkeit, indem er seine und unsere Seele gleich doppelt auffordert, doch genmau hinzusehen und wahrzunehmen, was da geschieht: in der Krippe und dann später am Kreuz – und nicht nur damals, sondern eben für dich und mich heute.
Auf der Mitte des Liedes wechselt die Sicht in doppelter Hinsicht: Nicht mehr die Aufforderung an uns steht im Mittelpunkt, jetzt ist es die Anrede an Jesus. In der dritten Strophe wird dabei vorausgesetzt, dass die Seele aus der 2. Strophe die erbetene Erkenntnis erlebt hat. Lasst uns die 3. Strophe singen:

3. Jesu, wie soll ich dir danken? Ich bekenne, dass von dir
meine Seligkeit herrühr, so lass mich von dir nicht wanken.
Nimm mich dir zu eigen hin, so empfindet Herz und Sinn
R: Freude, Freude über Freude: Christus wehret allem Leide.
Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne.

Die Wende ist geschafft! Die Seele hat die wunderbare Botschaft von Weihnachten aufgenommen und sie in ein Bekenntnis gewandelt: „Meine Seligkeit, mein Leben habe ich von Dir Christus!“ Aber wie geht es weiter? Schon in das Bekenntnis mischt sich die Unsicherheit – die Frage, ja sogar der Zweifel? – : Kann ich das überhaupt – aus eigener Kraft dieses Bekenntnis durchhalten?

Mir steht der Vater des besessenen Knaben vor Augen, als Jesus ihm sagt, dass alle Dinge dem möglich sind, der glaubt. Und der verängstigte Mann – die schreckliche Krankheit seines Sohnes vor Augen – ruft: „Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ Da wird ausgesprochen, was wir von uns doch auch so oft kennen: Unser „Glauben wollen“ und „unser doch nicht immer Glauben können“, unser auf Hilfe beim Glauben angewiesen sein. Und wie der Vater in der biblischen Geschichte bittet Christian Keimann und wir mit ihm: „Nimm mich dir zu eigen hin“, denn ohne dich können wir nichts tun.

In der Anrede an Jesus geht der Blick in der vierten Strophe wieder von dem Einzelnen zurück auf die Gemeinschaft: Was für die Einzelnen eben erbeten wurde, muss auch für die Kirche, die Gemeinschaft aller gelten, um die Zukunft zu sichern. Nicht ohne Jesus und seine Nähe in die Zukunft gehen – anders kann sich Christian Keimann das Leben nicht vorstellen.

Woran und wie man die Nähe Jesu im Leben erfahren kann? Kraft und Lebensmut gibt es besonders in der Gemeinschaft der Christenschar, die die Einzelnen schützend umschließt. So wie die Strophen, die von dieser Gemeinschaft handeln die anderen beiden Strophen schützend umrahmen, die von dem Einzelnen erzählen. Darüber hinaus ist es für mich besonders das Abendmahl, das uns Wegzehrung auf dem Weg durch das Leben schenkt: Jesus Christus greifbar und fassbar.

Was für die Menschen vor 363 Jahren, noch während des 30-jährigen Krieges, der ja offiziell als Glaubenskrieg geführt wurde, auf den ersten Blick noch viel dringender war als für uns heute, steht am Schluss: die Bitte um den Frieden, den Frieden der ganzen Christenheit. Wenn wir aber die Konfliktlinien in unserer Gesellschaft und auf unserem Erdenball sehen, werden auch wir aus tiefster Seele in diese Bitte einstimmen können. Dabei unsere Augen vor der Not von Menschen verschließen, das dürfen wir nur auch nicht. Beides gehört zusammen: das unbedingte Hoffen auf den Frieden Christi und das Tun des Gerechten. So wie der Freudengesang der Menschen zusammengehört mit dem Lobgesang des Himmels. Lasst uns die vierte Strophe und das abschließende Halleluja singen. Amen.

4. Jesu, nimm dich deiner Glieder ferner noch in Gnaden an;
schenke, was man bitten kann, und erquick uns alle wieder;
gib der ganzen Christenschar Frieden und ein seligs Jahr.
R: Freude, Freude über Freude: Christus wehret allem Leide.
Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne.

Predigt am 4. Advent (20. Dezember 2009)

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Die Liturgie folgte dem in http://www.evangelische-liturgie.de vorgestellten Entwurf eines Gottesdienst nach dem Vorbild des Carol-Service. Die ausführliche Darstellung dieser Liturgie ist hier zu finden.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Bemühen im Reden und Hören. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!
Freut euch! Nun macht schon: Freut euch! Hallo: Freut euch! Nun freut euch doch! Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid und vor wem ihr steht: Ihr sollt euch freuen! – So könnte es Stunden lang weiter gehen in der Karikatur des Apostels Paulus. Und es wäre wahrscheinlich so etwas wie eine mehr oder weniger lustige Comedy-Sendung. Aber das würde Paulus und seiner Vorstellung von Gott nicht gerecht. Was uns diese immer dramatischer werdende Aufforderung zur Freude deutlich macht, ist, dass es eben gar nicht möglich ist, das Sich-zu-freuen zu befehlen. Alle, denen aus welchen Gründen auch immer nicht nach Freude zumute ist, werden das bestätigen. Heraus käme allerhöchstens ein gequältes Lächeln.

Und: Wer könnte sich schon immer freuen, wie es gleich im nächsten Teil des Satzes heißt: zu allen Zeiten, immer und überall, allewege, wie Martin Luther es übersetzt hat. Und dann wiederholt es Paulus doch noch einmal: Freut euch. Gibt es nicht immer wieder Abschnitte im Leben, in denen einem nicht nach Freude zumute ist, in denen sich zu freuen einer Zumutung gleichkäme? Und ist Freude nicht auch etwas anderes als so eine Jubel-Trubel-Heiterkeit-Sause? Manchmal denke ich, dass die Ostwestfalen den Rheinländern doch etwas voraus haben, denn sie wissen, dass man sich auch nach innen freuen kann: eher still und zufrieden, mit einer ernsten Freude und einem freudigen Ernst. – Ein Befehl, eine Aufforderung kann es nicht sein, was Paulus da formuliert.

Also meint er es anders, muss er es anders meinen, und für mich kommt nichts anderes in Frage, als dass er es als Segen meint: für die Gemeinde in Philippi und so auch für uns. Eine sehr grundlegende Freude soll das Leben der Gemeinde und der Menschen in ihr bestimmen: Eine Freude soll es sein, die nicht von den Stimmungen des jeweils eigenen aktuellen Lebens abhängig ist, weil sie nicht von mir gemacht, sondern von außen her bestimmt und geschenkt wird.

Wenn Paulus der Gemeinde den Segen der Freude zuspricht, bleibt es nicht dabei. Der nächste Segen kommt bestimmt: „Eure Güte lasst kund sein allen Menschen.“ So hat es Silke Siekmeier eben vorgelesen. Aber was heißt das? Was bedeutet dieser Satz in dem etwas altertümlichen Deutsch? Dass die Güte, mit der die Christen untereinander umgehen, von allen Menschen bemerkt, erkannt und anerkannt werden soll. Gütig miteinander umzugehen, ist wahrscheinlich schon schwierig genug. Aber so gütig zueinander zu sein, dass es auch ganz anderen auffällt, das heißt schon einiges; wir können ja einmal unser Leben überschlagen und eine vorläufige Bilanz machen. Aber es geht sogar noch weiter: Wenn alle Menschen die Güte der Christen erfahren, dann können sie zunächst davon hören oder sie sehen; sie können die Güte aber auch am eigenen Leib erfahren, sie können die Erfahrung machen, dass Christen zu allen Menschen, also auch zu ihnen gütig sind.

So sind es schon zwei Verhaltensweisen, die Paulus den Philippern nahe legt: die Freude und die Güte, beides soll zusammengehören und hat ein und dieselbe Begründung: Der Herr ist nahe! Jetzt werden wir alle denken: Klar – am 4. Advent macht es Sinn, davon zu reden, dass Jesus Christus nahe ist; in vier Tagen ist Heiliger Abend, in 5 Tagen Weihnachten – näher geht es schon fast gar nicht mehr. Aber auch das wäre zu kurz gedacht. Paulus hatte sicher zweierlei vor Augen, aber Weihnachten war nicht dabei, denn das hat er so gar nicht gekannt.

Das eine, was für Paulus wichtig war, wenn er sagt, „der Herr ist nahe“, ist: Die Wiederkunft Christi ist für ihn nicht mehr weit weg. Sein Blick ging nicht 2000 Jahre zurück, sondern in die nahe Zukunft – hin zu dem, was den Menschen von Gott her zukommt. Eine Grundhaltung, die auch uns gut täte: uns auf das auszurichten, was von Gott her auf uns zu kommt und deshalb unsere Zukunft ist.

Das andere, was für Paulus wichtig war, wenn er sagt, „der Herr ist nahe“, ist: Christus ist auch im Alltag nahe; in der Zeit, bis er wieder kommt, ist Christus da, ist er gegenwärtig. Und das ist für die Menschen damals wie für uns heute etwas ganz Wichtiges: Jesus ist eben nicht nur zu Weihnachten da, wenn die Menschen sich in den Heilig-Abend-Gottesdiensten drängen und auf etwas religiöses Gefühl hoffen – er ist immer nahe und da. Gerade und vor allem dann, wenn wir gar nicht mit ihm rechnen, obwohl wir ihn ganz dringend brauchen.

Darum geht es im nächsten Vers: „Sorgt euch um nichts!“ – „Danke Paulus“, werden viele denken, „aber wir haben doch mehr als genug Sorgen: Gesundheit, Arbeit, Wirtschaft, Klima, Schule und, und, und!“ Und Paulus antwortet: Ja, gerade deshalb; lasst euch nicht von Euren Sorgen auffressen. Lasst nicht zu, dass die Sorgen euch in ihren Klauen haben.

Was sollen wir also tun? Paulus sagt: Das Nächstliegende, wenn Gott euch doch schon nahe ist: Beten. Unsere Anliegen sollen wir vor Gott bringen; alles, was ich eben aufgezählt habe, alles, was uns wichtig ist und uns bewegt. Und es ist gleich, ob wir in freien Worten Gott bestürmen oder ganz einfach die Worte des Vaterunsers nehmen, in denen alles zusammengefasst ist, was unser Leben ausmacht. Wir können auch einen Psalm nehmen und nachsprechen, der unsere Situation beschreibt, oder wir beten mit einem einfachen Seufzer, mit dem dann alles gesagt ist, weil der Heilige Geist uns mit einem unaussprechlichen Seufzen vor Gott vertritt. Denn eines ist immer gewiss: Er, Gott, ist nahe. Daran hatte Paulus uns eben noch erinnert. Dabei sollen wir trotz aller Not und Klage die Eucharistie, die Danksagung nicht vergessen. Denn es tut so gut, sich an das zu erinnern, was auch in unserem Leben gut ist.

Paulus weiß auf der anderen Seite auch, dass sich durch das Gebet nicht alle Sorgen in Luft auflösen lassen, als ob es sie nie gegeben hätte. Aber er weiß aus eigener Erfahrung, dass die Sorgen durch das Beten in einem anderen Licht da stehen. Denn die Menschen, die beten, bekommen zumindest eine Distanz zu ihren Sorgen. Dann haben die Sorgen nicht mehr den Menschen in ihren Klauen, sondern dann hat nur noch der Mensch Sorgen, die er angehen und lösen kann. Das ist ein großer Unterschied. Ganz abgesehen davon, dass es so viele Möglichkeiten gibt, mit denen Gott uns helfen kann.

Verstehen können wir Menschen das nicht – nicht immer jedenfalls. Deshalb gibt es zum Abschluss dieses Abschnittes noch einmal einen Segen. Paulus spricht uns den Frieden Christi zu: den Frieden, der über der Geburt Jesu im Stall von den Engeln verkündet und proklamiert wurde, den Frieden, den der Auferstandene seinen Jüngern zugesprochen hat, als sie total verängstigt in dem Raum mit den verschlossenen Türen waren, den Frieden, der eben alle Vernunft, alles historische Bewusstsein und allen kritischen Rationalismus übersteigt.

Mögen wir diesen Frieden immer wieder neu erfahren: an Weihnachten und immer; diesen Frieden, in dem alle unsere Sorgen und Nöte, unsere Wünsche und Träume, unsere Freude und unsere fröhliche Erwartung umschlossen ist. Amen.

Gottesdienst am 4. Advent: Lesungen und Lieder

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Am Sonntag (20.12.2009):
Gottesdienst
am 4. Advent
mit Lesungen und Liedern

Die besondere Form des Gottesdienstes ist angelehnt an den Brauch des „Carol Service“, wie er in englisch-sprachigen Kirchen vor Weihnachten gefeiert wird.
Die Gemeinde antwortet mit Adventsliedern auf die gehörten Verheißungen aus dem Alten und Neuen Testament.
Der Gottedienst beginnt um 09.30 Uhr in der Möllberger Kirche.

Predigt von PC Jansen über 1. Korinther 4,1-5

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Lesung: 1. Korinther 4,1-5
Liebe Gemeinde!
Advent, das ist nach unserem Verständnis Durchgangszeit: Warten auf Weihnachten. Vier Wochen lang müssen die Kinder es aushalten, daß Weihnachten bald kommt, aber eben noch nicht da ist. Wir Erwachsenen denken bei Weihnachten hoffentlich eher an Jesus Christus. Er ist ja schon geboren, aber da kommt doch noch etwas - zwischen Christus und mir. Wir müssen aushalten, daß er einerseits schon da ist und andererseits zu mir wohl noch im Kommen.

Advent - Er kommt. Bis dahin schärfen wir unsere Erwartung. - Wenn ich auf den Abend zum Essen eingeladen bin, dann halte ich mich den ganzen Tag zurück, damit ich zum Abend gehörigen Appetit mitbringe. - In dieser dunklen Jahrszeit lassen wir bewußt das elektrische Licht aus und begnügen uns mit ein paar Kerzen, damit wir die Dunkelheit wirklich als Dunkelheit erleben, bevor wir uns am weihnachtlichen Lichterglanz freuen. Aber ein paar Kerzen sind es eben doch, als Vorboten für das Licht der Heiligen Nacht.

Schon - und noch nicht; Dunkelheit noch - und doch schon ein bißchen hell; Christus schon bei mir - und Christus noch zu mir im Kommen: Das ist der Grundcharakter der Adventszeit. Aber auch unseres Christseins überhaupt.

In Bethlehem wurde ein Mensch geboren, aber das war der lebendige Gott -verstehe das, wer kann. Jesus wiederum heute auf seinem Thron hat mit Gott das Geschehen in der Welt fest in seiner Hand - aber auf der Welt geht es unübersehbar drunter und drüber.

Es ist nicht so, daß die eine von diesen beiden Feststellungen richtig ist und die andere falsch, sondern da stimmt beides zugleich. Verstehe das, wer kann. Wie Gott das sieht, wie Gott es macht, es bleibt sein Geheimnis.

Geheimnis - davon spricht Paulus ja auch. Das Wort "Heim" steht dahinter, von dem ja auch "Heimat" kommt und "Eigenheim". Heim, das ist die Intim-Sphäre. Was bei mir in meinen vier Wänden passiert, geht niemanden etwas an. Da lasse ich auch niemanden ganz hineingucken. Das Heim - dahin ziehe ich mich zurück, da komme ich wieder zu mir, da bin ich ganz ich selber. Im Heim hat meine Wirksamkeit ihren Ursprung.

Gottes Geheimnis: Wir spüren, was Gott bewirkt, aber wir werden nie begreifen, wo es herkommt. Nur den Namen haben wir: Gott. Der sagt alles. Aber der besagt nicht viel. So ist es auch mit Jesus: Eine Stimme vom Himmel hatte ihn Gottes Sohn genannt. Wer sich auf Jesus einließ, hat ihn als Gottes Sohn auch erlebt. Aber wieso das so ist, das bleibt Gottes Geheimnis.

Das griechische Wort für Geheimnis, Mysterium, kann helfen, das besser zu verstehen. Mysterium, das kommt vom griechischen mueiv, das heißt "Die Augen schließen". Was mit Gott zusammenhängt und mit Jesus, das sehen wir nicht, wenn wir bei den Dingen bleiben, die man sehen kann und anfassen. Wenn wir aber die Augen schließen, lenkt uns das alles nicht mehr ab und wir bekommen mehr mit von dem, was sich innen in uns abspielt. Dann gucken wir nicht mit den Augen, sondern mit dem Herzen. Und werden gewahr, was es in uns bewirkt, wenn wir mit Gott Verbindung aufnehmen und wenn wir uns auf Jesus freuen: Daß er geboren ist und daß er zu mir kommt.

Auf geheimnisvolle Weise bewirkt Gott in uns etwas. Etwa dies, daß wir in Jesus Christus Gott erkennen können. Das ist nichts selbstverständliches, wir wissen es, denn wir kennen viele Menschen, bei denen Gott anscheinend gar nichts bewirkt. Aber bei uns hat er etwas bewirkt: Wir erkennen Gott in Jesus. Und nun lassen wir uns von Jesus in seinen Dienst nehmen.

So werden wir zu Haushaltern über Gottes Geheimnisse.

Pardon, das geht nicht. Geheimnisse müssen wir lassen wie sie sind. Wir können ihnen nachsinnen, wir können sie bestaunen, aber umgehen können wir mit ihnen nicht. Das Wort "Haushalter" stört hier, es paßt nicht zu dem, worum es hier geht. Ich muß meinen Haushalt in den Griff bekommen, sonst klappt nachher nichts mehr und alles geht drunter und drüber. Aber ein Geheimnis, das ich in den Griff bekomme, ist es am Ende kein Geheimnis mehr.

Aber genau so vertraut Gott doch seine Geheimnisse uns an. Er überläßt sie uns, er legt sie uns in die Hand, damit wir mit ihnen umgehen. Er selber, der Inbegriff allen Geheimnisses, ist Mensch geworden. Mit Jesus konnte man umgehen. Jesus ließ sich anfassen, er ließ sich streicheln und umarmen, er ließ sich mißhandeln und umbringen. Dabei war er doch Gott selber.

Jesus sitzt jetzt zur Rechten Gottes. Aber noch immer gibt Gott sich uns in die Hand. Er bindet sich an das, was wir in seinem Namen tun, wenn wir taufen, wenn wir Sünden vergeben, wenn wir segnen. Er bindet sich an das, was wir in seinem Namen sagen. Gottes Wort, das sind alles Menschenworte. Wir können zumeist rekonstruieren, wann und unter welchen Umständen sie gesagt worden sind. Und wir gehen damit um. Das für sich schon ist ein Geheimnis.

Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als daß sie für treu befunden werden. In Treue umgehen mit Gottes Geheimnissen - was ist das?

Ich meine, treu umgehen, das heißt vor allem: Wirklich umgehen mit ihnen. Keinen Gebrauch von ihnen zu machen, das wäre kein gutes Haushalten.

Also: Das Angebot, daß Gott uns nahe ist und sich um uns kümmert, bewußt annehmen und damit bewußt nun auch leben. - Die Wendungen, die unser Leben im großen wie im alltäglichen nimmt, bewußt nicht dem Zufall zuschreiben, nicht dem Glück oder dem Unglück, nicht ausschließlich dem eigenen Können oder Versagen, sondern dem Zugriff Gottes. - Die Angelegenheiten, die mich beschäftigen, bewußt vor Gott beim Namen nennen und dabei um Gottes Beistand bitten.

Bequemer wird das Leben dadurch allerdings nicht. Die Verantwortung für das, was ich zu verantworten habe, muß ich immer noch tragen. Die Prügel, die mir zustehen, werde ich trotzdem beziehen. Und wenn es sich als nötig erweist, daß ich mich verändere, dann muß ich in der Tat da herangehen.

Aber ich erlebe mit Staunen, daß Gott Wege findet, wie es weitergeht. Ich erlebe, daß Wege, die ich bis dahin überhaupt nicht ernstgenommen, sondern für großen Unsinn gehalten hatte, sich schließlich doch als gangbar erweisen. Und danke Gott für das, was sich da ereignet hat.

Irgendwann wird Gott mich schon fragen, was es war mit meiner Treue. Wie ich umgegangen bin mit dem Geheimnis, daß er die ganze Zeit sich um mich gekümmert hat. Er wird mich fragen: Hast du es haben wollen? Hast du dich mir anvertraut? Hast du dir die Mühe gemacht, in deinem Schicksal meinen Weg mit dir zu erkennen? Hast du das wahrhaben wollen? Und hast du dich bei mir bedankt?

Pardon, es sind natürlich meine Fragen, die ich jetzt dem Herrn, wenn er kommt, in den Mund lege. Aber mich selber frage ich das. So lese ich die Fragen heraus aus den Gedanken, die Paulus an die Korinther schreibt.

Aber dies ist nun wirklich noch nicht so weit. Noch ist es dran, daß wir unsern Herrn und Heiland jetzt bei uns erwarten und willkommen heißen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lieber Peter!
Vielen Dank für Deine Predigt, den gemeinsam gefeierten Gottesdienst und das schöne gemeinsame Wochenende! PaToWi