Befrage ich das I Ging zur Zukunft der Europäischen Gemeinschaft, erhalte ich mit beunruhigender Zuverlässigkeit den Hinweis auf
Anfangsschwierigkeiten. Ein Grieche, dem gerade die Felle davon schwimmen und der mit einer Panik-Attacke aufwacht, weil er seine Heizung nicht hört und Angst hat, dass ihm das Öl ausgegangen ist, wird sicher einen anderen Standpunkt einnehmen als die seit langer Zeit toten Chinesen.
Es gibt Fragen, die nicht einmal
Conan Edogawa beantworten kann. Die
griechische Frage gehört z. B. dazu, von der ich sicher bin, dass sie nicht heisst: "Wie konnte ein Land in ein solches Schlamassel geraten?" und auch nicht "Wer soll das bezahlen?" Im einen Fall ist die Antwort komplex, und manche Argumentationskette geht mindestens bis in die Tage der
Diktatur zurück, im anderen Fall ist die Antwort so naheliegend, dass sie sich jeder Europäer, sei er Grieche oder nicht sie mit Hilfe eines Spiegels beantworten kann.
Die griechische Frage, die, die gewählte griechische Regierung den Griechen nicht stellt und ihnen schon gar nicht beantwortet, ist die, was für die Menschen in Griechenland der am wenigsten schmerzliche Weg durch den erforderlichen, radikalen Umbau der Gesellschaft ist. Ist es die mit Milliarden aus den anderen Ländern der EU-unterfütterte Notlandung oder der Staatsbankrott als Absturz? Kein Europäer, sei er Grieche oder nicht, will einen Staat mit
zusammengebrochener Wirtschaft und Gesellschaft, dessen verarmte Bewohner auf Dauer von der Gemeinschaft abhängig sind.
Ausserhalb der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Harvard und ähnlicher Bildungsstätten gilt, dass ein Konzept, das nach
Schwachsinn klingt, vermutlich auch
Schwachsinn ist. Das galt für die Immobilien-Blase in den USA, das gilt dann wohl auch für die Idee, die griechische Wirtschaft aus einer solchen tiefen Krise heraus zu holen, indem man die Kaufkraft ihrer Konsumenten um 20 - 50% reduziert. Selbst vor 1990 war die
Theorie bereits umstritten, dass niedrige Löhne automatisch neue
Arbeitsplätze generieren; seit 1990 gibt es aber immer irgendwo ein Land, in dem die Löhne
noch niedriger sind.