Tuesday, 24. November 2009, 14:11:09
mittelschicht, unterschicht, aristoteles, Logik
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Während ich den Rinnstein bei uns kehrte, arbeitete ich an meiner Theorie, was in unserer Gesellschaft die Unterschicht von der unteren Mittelschicht trenne. Kein einfaches Unterfangen, kaufen doch alle bei KiK und Aldi und beziehen oft genug die gleichen Sozialleistungen. Ich habe schon einige Punkte zusammengetragen, die zwar irgendwie auf der Hand zu liegen scheinen, allerdings alle den Nachteil haben, nicht quantifizierbar zu sein. Das Bemühen, sich so auszudrücken, dass man verstanden wird, gehört dazu ebenfalls wie die Fähigkeiten, mit Messer und Gabel zu essen und alle Informationen über sein Sexualleben für sich zu behalten, sofern nicht sehr besondere Umstände zutreffen.
Ein weiterer Punkt ist die Fähigkeit, häusliche Streitigkeiten dem Worte gemäss im Haus auszutragen. Daran gebricht es den Nachbarn gegenüber allerdings so gänzlich. Madame erklärte, während sie im Hauseingang stand und ich in ihrem Blickfeld Blätter zusammenfegte, ihrer Tochter in aller Ausführlichkeit, was sie über sie dächte. Ich habe ein sozusagen fast berufliches Interesse an solchen Vorträgen, ihrer Dramaturgie und ihrem Informationsgehalt. In dieser speziellen Rede ging es im Wesentlichen, wohl ohne dass es Madame bewusst war, darum, dass ihre Tochter kein Kind mehr war. Diese neu erworbene Eigenschaft äusserte sich zum einen darin, dass sie die Bedeutung eines aufgeräumten Zimmers als Untereinheit des Sinns des Lebens negierte, zum anderen daran, dass sie keine Zeit mehr hatte, mit ihrer Mutter abends auf dem Sofa zu kuscheln, weil sie sich mit ihrer Schulfreundin austauschen musste, einer jungen Dame mit einem jener Namen, die Aussenstehende spontan mit der Unterschicht verbinden.
Dann gab es natürlich noch jenes Thema, dem alle Menschen ein solches Interesse entgegen bringen. Hier wand die Tochter dann endlich ein, mit Jungs sei noch nichts gelaufen. Diesem Punkt war ihre Mutter bereit zuzustimmen, nicht ohne ihn sofort einzuschränken. Nur weil in der Schule für besondere Kinder, die das Fräulein Tochter besuche, stets Aufsicht sei, nur deshalb, habe die junge Dame sich von ihren Hormonen noch nicht übermannen lassen können. Mir schien diese Logik ein wenig wackelig und doch mehr auf Rechthaberei als auf den gesunden Menschenverstand gestützt, irgendwie un-aristotelisch.
Monday, 23. November 2009, 08:50:37
karen, crossbow, deutsch, pflock
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Sie steht vor unserere Türe. Klein, schmal, blond, Lederjacke, silbernes Kreuz am Hals, über der Schulter der Kolben von etwas, das eine Armbrust sein könnte. Wenn sie sich nicht gänzlich verfahren hat, sagt mir das einiges darüber, wieso Karen neuerdings immer so untot aussieht, warum Elvira immer schwarz trägt und Maniac Beleuchtung und Temperatur im Büro immer so
gruftmässig einrichtet.
Türkameras sind unglaublich praktisch, ich drücke auf dem Telefon eine Nummern-Kombination, und Anne, die nicht einmal ihre Eltern so nannten, wird hereinkommen. Ich gehe derweil schon einmal den Staubsauger holen, und alles andere sehen wir in Joss Whedons neuer
Internet-Serie. Gut, dass der PC zuhause wieder funktioniert.
Saturday, 21. November 2009, 23:50:30
paula, introjekte, die frau wie ein lancia, alice miler
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Munter surfenderweise blieb Paulas und mein PC einfach stehen und liess sich durch nichts wieder beleben. Auf der Suche nach Bootbarem produzierte er nur eine Zeile mit einem Y und dem Symbol der Unendlichkeit, der liegenden Acht, eine Information, die er gleich noch einmal in dieser Zeile wiederholte. Ein
Damn Small Linux auf CD startete er jedoch zwanglos, mich mit meiner Unkenntnis in allen Spielarten von Linux konfrontierend. Das erlaubt mir die Vermutung, dass das Motherboard der Pflicht noch nicht entsagt hat, und legt mir finstere Gedanken zur Festplatte nahe, die vielleicht nun doch samt Hunderten von Katzenfotos und diversen CDs und Filmen mit wehender Fahne untergegangen ist.
Einmal mehr erinnere ich mich, dass nicht auf jeden Absturz ein Aufstieg folgt, aber auf jeden Aufstieg ein Absturz. Ganesha versuchte mir die Idee von
Introjekten nahezubringen, die der Mensch sich in seiner Entwicklung erwerbe, in ihnen die Art spiegelnd, in der andere ihn behandeln, behandelt haben. Ich habe noch meine Zweifel, lehne den Gedanken aber auch nicht pauschal ab. Habe ich meines Vaters Traurigkeit so sehr verinnerlicht? Woher kommt mein Wunsch, mich einer starken Frau unterzuordnen? Ist er aus der Liebe zu meiner Mutter geboren?
Es gibt Frauen in meinem Leben,
Daisy, die Frau wie ein Lancia, denen ich immer wieder versuche, etwas Gutes und Angenehmes zu tun. Dabei fehlt es mir an jenem beim Mann unterschwellig immer vorhandenen Motiv, dem Wunsch, mit diesen Frauen zu schlafen. Die Erkenntnis dieses seines eigenen Motivs gab Freud die Idee der Libido als Triebfeder des Handelns, die Vorstellung eines gesunden Menschenverstandes, die es nur im Deutschen gibt, startete die Entwicklung der Psychoanalyse. Neben dem Motiv fehlt es mir ganz offensichtlich auch an der Gabe zu erkennen, wie sinnlos mein Handeln ist, werde ich doch bestenfalls von den Damen ignoriert.
Ich erinnere mich aber, dass ich als Kind versuchte, die Zuneigung meiner Mutter als Kind durch schulische Leistungen und den Erwerb von Wissen zu gewinnen. Paula liesse sich so nicht beeindrucken. Wann wechselte ich den Ansatz? Mit welcher Erkenntnis eigener Unzulaenglichkeit verletzte ich mich so sehr?
Ich habe eben Wells angemailt. Mal sehen, was er zur Festplatten-Frage sagt, der Techniker, der Tatmensch, der Bauernschlau-handelnde, der mir so ganz und gar entgegengesetzt ist.
Friday, 20. November 2009, 11:27:42
vögel, deutsch, persönlichkeitsstörung, baum
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Ich bin wie dieser Baum. Ich bin nicht so gewachsen, dass ich jedem gefiele, ich habe manche Narbe erhalten, ich stehe allein, aber ich wachse. Ich wachse immer noch. Ich stehe allein, aber ich bin mit dem Boden verbunden, ich empfange den Regen, ich empfange die Vögel mit offenen Ästen.
Thursday, 19. November 2009, 12:16:30
e-bay, deutsch, persönlichkeitsstörung, yahoo
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Ich habe ein Opera-Update gemacht. Irgendwie hatte ich die Hoffnung, ich könnte danach wieder meine Blog-Einträge bei Facebook einstellen.
Statt dessen bekomme ich aber folgende informative Mitteilung:
Welche Inhalte wurden denn da innerhalb von Milli-Sekunden als Missbrauch gemeldet? Oder handelt es sich um jene allgemeinde Missachtung meiner selbst, das ich meist als sicher voraussetze, wo immer ich längere Zeit war. Oder kürzere.
Aber der Schnell-Starter sieht nach dem Update extrem gut aus. Ich komme mit einem Klick zu Hood, Wikipedia und den anderen wirklich wichtigen Websites.
Thursday, 19. November 2009, 10:00:17
wlan, idou, english, sony-ericsson
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I have just learned that with a Sony-Ericsson Sation you have to activate bluetooth to get the wlan to work. This might be a bug in the Vodafone-software.
This mobile phone would not be my first choice (inspite I would get it for free of course): to much frills, to expensive, to much Sony-Ericsson on one side, but with the probably-soon-to-be-dropped Symbian-os on the other.
Wednesday, 18. November 2009, 12:03:00
federal, 327er, kebab, scooter
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Ich übe mich jeden Tag in Gelassenheit. Ich übe, wenn ich die e-mail eines Kunden durchgehe, der seinen Gartentorantrieb in äusserster Genauigkeit montiert hat, die Montagemasse mit dem Mikrometer aufgemessen hat, um dann den linken Antriebsarm auf der rechten Seite anzubringen und umgekehrt. Nun gilt bei diesen Antrieben, was auch bei Männern gilt: vorne ist, wo die Beule ist. Missverständnisse können da zu Beschädigungen führen.
Auch die nächste e-mail ist eine gute Gelegenheit zur Übung, führt der Kunde doch berechtigte Klage gegen
Herrn Archimedes, der - gewiss in böser Absicht - die Hebelgesetze so erlassen hat, dass sein Antrieb sein Tor ohne tiefgreifende Änderungen an den Beschlägen innerhalb von vier Wochen zu einer Origami-Chrysamtheme falten wird.
Ich hatte sogar einigen Erfolg dabei, ruhig zu bleiben, als eine Kebab-Buden-Besitzerin, Spross einer Kebab-Buden-Besitzers-Dynastie (es gibt, glaube ich, ein schwarzes Schaf, das in der Nähe von Bruchköbel eine
Gyros-Bude betreibt) beim Ausparken meinen Roller umwarf. Schwieriger wurde es allerdings, als sie ad hoc einen neuen juristischen Lehrsatz entwickelte, der sich darauf stützte, dass a) der Roller nicht beschädigt sein kann, weil sie ihn nicht gesehen hatte, und b) sie ihn gar nicht hätte sehen müssen, weil er ja nicht hätte da sein dürfen. Woraus sich folgerichtig ergab, dass ich zumindest eine Teilschuld hätte. Nach meiner Erfahrung nutzen die besten Argumente nichts gegen Blödheit.
Einige schwören für solche Fälle auf eine
327er. Ich merkte mir ihr Autokennzeichen, um ihre Versicherung zu informieren. Auch dort gibt es Mitarbeiter, die sich noch in Gelassenheit üben müssen. Ich habe nun einmal lieber Bargeld, um neues Plastik aus
Noale zu kaufen, als ein Wortgefecht auf offener Strasse gewonnen.
Wednesday, 18. November 2009, 08:07:06
deutsch, tiger, grau, mister
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Ich versuche mich daran zu erinnern, wann wir uns eine graue Katze angeschafft haben. Wir hatten mal eine, aber die ist seit Jahren tot. Jetzt steht aber eine im Wohnzimmer, schnurrt und reibt sich an den Möbeln:
Ich glaube, Mister hat eine Freundin von draussen mitgebracht. Die Graue ist jedenfalls immer hinter ihm her. Den Fernseher kennt sie noch nicht, findet ihn aber so wenig bedrohlich wie mich:
Monday, 16. November 2009, 15:02:10
schweden, deutsch, vivamare, stockholm
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Ein Saab 92, gebaut zwischen 1949 und 1956
Nicht schlecht, wird aber von diesem Stück schwedischen Engineerings übertroffen:
1948 in Dienst gestellt, nach dem Untergang der
Andrea Doria mit einem neuen Bug ausgestattet, hat das Ende der DDR um 20 Jahre überlebt und ist jetzt für Vivamare unterwegs.
Monday, 16. November 2009, 12:47:31
deutsch, mr. moto, einheit 731, tokyos
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Irgendwie hatte ich nach einigen Filmen mit
Peter Lorre andere Erwartungen an "Guter Rat, Mr. Moto" von J. P. Marquand gehabt, das ich vor kurzem auf dem Flohmarkt für 50 Cent gekauft hatte.
Gleich am Anfang stellt mir der Autor das Bankhaus Hitchings in Shanghai vor, eines dieser Unternehmen, dessen Geschäftshaus noch heute am
Bund steht. Nach einer gehörigen Dosis des zeit- und ortsüblichen Rassismus und Kolonialismus schwenkt die Handlung zu einem Spiel-Casino auf Hawaii. Dort pfeift man weitgehend auf die feinen ethnischen Unterschiede, wäscht aber eifrig für gewisse Banditen Geld.
Mr. Moto gibt den Zahlungsempfängern jedenfalls diese uncharmante Bezeichnung, allerdings ist der stets höfliche, stets freundliche
Mr. Moto auch ein Mitarbeiter des
kaiserlichen Geheimdienstes und von daher der
Kuo-Min-Tang gegenüber ein wenig voreingenommen. Wahrscheinlich wird er auch, sobald er den Beauftragten der KMT durch dessen eigene kriminelle Handlanger hat umbringen lassen, noch ein paar Erinnerungsfotos vom Marinehafen Pearl Harbor für die lieben Freunde und Kollegen in der Heimat schiessen.
Als der Roman 1936 erschien, standen viele Amerikaner wie
J. P. Marquand den Japanern und der Ausdehnung ihres Einflussbereiches in Asien noch nicht so ablehnend wie nach dem
Panay-Vorfall 1937 oder gar am
Morgen des 8. Dezember 1941.
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