The Perils of the American Empire
Tuesday, March 1, 2011 3:00:19 PM
Immer mehr Staaten des Mittleren Ostens entledigen sich ihrer Führer. Volk und Senat Nordamerikas bejubeln das, als ginge es nicht um loyale Vasallen des amerikanischen Imperiums, Garanten jederzeit verfügbaren Öls, der Freiheit der Wasserstrassen, auf denen dieses Öl transportiert wird, und der Sicherheit anderer Satellitenstaaten, die da wegrevolutioniert werden. Denkt Herr Obama nicht darüber nach, ob die Regierungen, die ihnen nachfolgen, die gleichen Positionen einnehmen werden, lässt er nicht darüber nachdenken, wer auch immer für ihn denkt? Oder setzen die Amerikaner einfach voraus, dass eine vom Volk getragene Regierung auch immer eine Regierung zum Wohlgefallen Nordamerikas sein müsste, beglückt verfolgend, was für ihr Imperium ein Äquivalent der Deutschen Revolution von 1989/90 sein könnte, an deren Ende das Sowjetimperium auseinander bröselte.
Diese spezielle Revolution begann sehr genau einen Monat, bevor General Boris Gromow die letzten sowjetischen Truppen aus Afghanistan über die Grenze zurück führte. Dieser Rückzug begann nach 10 Jahren Krieg im Tal des Flusses Pech, dessen Verteidigung die US-Army jetzt ihren heldenhaften afghanischen Allierten überlassen will, um sich selbst in jenen 80 von General McCrystal und seinem Stab vor zwei Jahren definierten Verteidigungszonen ("key terrain districts") neu zuformieren, wo die Streitkräfte eine dichtere Bevölkerung vor weniger Taliban in einem Gelände schützen kann, das weniger gebirgig ist und so der Taktik entgegenkommt, in der die amerikanischen Offiziere und Soldaten ausgebildet sind. Es ist wahrscheinlich, dass sie bald weitere Panzerverbände anfordern werden. General Campbell, der zuständige amerikanische Kommandeur, nennt das ein realigning, ein Begriff, den er gerne gerade nicht als einen Rückzug verstanden will, sondern als einen ökonomischeren Einsatz von Truppen und Material, der nach 10 Jahren Krieg, des Einsatzes von Söldnern (Contractors, Pilagers) Inflation und ein bis zwei Finanzkrisen einfach notwendig ist.
Es mangelt dem Englischen an Begriffen wie "Frontbegradigung" oder "Verkürzung der Nachschubwege". Diese militärischen Operationen, deren Unterricht an den Kriegsschulen der Welt so schmählich vernachlässigt wird, gehen mit einem Rückgang von Verlusten und Kosten einher, einer Befriedung weiter Regionen (jener, aus denen man sich zurück gezogen hat), und eröffnen einem General, der sie umsichtig und erfolgreich durchführt, eine gut dotierte Zukunft als Berater von Waffenfabriken oder fremden Regierungen, während ein Verweilen dort, wo geschossen wird, schon mancher glänzenden militärischen Laufbahn ein frühes Ende bereitet hat, für das wir im Deutschen in der Vergangenheit denn gerne den Euphemismus "Heldentod" bemüht haben. Der Begriff der Asymetrischen Kriegsführung beschreibt übrigens nichts anderes als das Missverhältnis zwischen Einfallsreichtum und Feuerkraft.
Für die Vorgänge in Wisconsin, wo Gouverneur Walker sich bemüht, die Gewerkschaften zu zerschlagen, um die Löhne der Öffentlich-Bediensteten soweit zu senken, dass die Einsparung sowohl die Folgen der Finanzkrise als auch der Steuerentlastungen auffängt, die seine Regierung den Besserverdienern gewährt hat, und in Arizona, wo man die US-Staatsbürgerschaft nur jenen im Lande geborenen Kindern gewähren will, deren Eltern Amerikaner waren oder doch wenigstens eine Aufenthaltsgenehmigung haben, empföhle sich der Begriff einer "gesellschaftlichen Neuordnung." So sprachlich gerüstet könnte man dann auch gleich den Weg logisch weiterbeschreiten und Wahlrecht wie Staatsbürgerschaft einkommensabhängig neu gestalten, vielleicht auch in diesem Zusammenhang ein Wahlrecht für Kapitalgesellschaften als juristische Personen einführen.
Ein Kundenbetreuer hätte dann bestenfalls eine 64tel-Stimme, ein Sozialhilfe-Empfänger gar keine und Bill Gates 100, sofern er nicht wegen galoppierender Philantrophie gleich ganz entmündigt würde. Das sparte denn auch die Kosten für die Lobbyisten, indem das Verhältnis zwischen den Reichen und Mächtigen und den Politikern drastisch rationalisiert würde. Wer in zweiter oder gar dritter Generation von staatlicher Unterstützung lebt, verlöre sein Bürgerrecht, und wer einwandert oder Nachfahre eines Einwanderers wäre, erlangte es gar nicht erst.
Der Wecker, der den amerikanischen Traum schöde abkürzt, hat die Stimme von Sarah Palin. Optimismus aber ist die Fähigkeit, sich etwas furchtbares vorzustellen und zu glauben, es könne dann nicht noch schlimmer kommen.
Abbildung: New York Times, www.nytimes.com
Diese spezielle Revolution begann sehr genau einen Monat, bevor General Boris Gromow die letzten sowjetischen Truppen aus Afghanistan über die Grenze zurück führte. Dieser Rückzug begann nach 10 Jahren Krieg im Tal des Flusses Pech, dessen Verteidigung die US-Army jetzt ihren heldenhaften afghanischen Allierten überlassen will, um sich selbst in jenen 80 von General McCrystal und seinem Stab vor zwei Jahren definierten Verteidigungszonen ("key terrain districts") neu zuformieren, wo die Streitkräfte eine dichtere Bevölkerung vor weniger Taliban in einem Gelände schützen kann, das weniger gebirgig ist und so der Taktik entgegenkommt, in der die amerikanischen Offiziere und Soldaten ausgebildet sind. Es ist wahrscheinlich, dass sie bald weitere Panzerverbände anfordern werden. General Campbell, der zuständige amerikanische Kommandeur, nennt das ein realigning, ein Begriff, den er gerne gerade nicht als einen Rückzug verstanden will, sondern als einen ökonomischeren Einsatz von Truppen und Material, der nach 10 Jahren Krieg, des Einsatzes von Söldnern (Contractors, Pilagers) Inflation und ein bis zwei Finanzkrisen einfach notwendig ist.
Es mangelt dem Englischen an Begriffen wie "Frontbegradigung" oder "Verkürzung der Nachschubwege". Diese militärischen Operationen, deren Unterricht an den Kriegsschulen der Welt so schmählich vernachlässigt wird, gehen mit einem Rückgang von Verlusten und Kosten einher, einer Befriedung weiter Regionen (jener, aus denen man sich zurück gezogen hat), und eröffnen einem General, der sie umsichtig und erfolgreich durchführt, eine gut dotierte Zukunft als Berater von Waffenfabriken oder fremden Regierungen, während ein Verweilen dort, wo geschossen wird, schon mancher glänzenden militärischen Laufbahn ein frühes Ende bereitet hat, für das wir im Deutschen in der Vergangenheit denn gerne den Euphemismus "Heldentod" bemüht haben. Der Begriff der Asymetrischen Kriegsführung beschreibt übrigens nichts anderes als das Missverhältnis zwischen Einfallsreichtum und Feuerkraft.
Für die Vorgänge in Wisconsin, wo Gouverneur Walker sich bemüht, die Gewerkschaften zu zerschlagen, um die Löhne der Öffentlich-Bediensteten soweit zu senken, dass die Einsparung sowohl die Folgen der Finanzkrise als auch der Steuerentlastungen auffängt, die seine Regierung den Besserverdienern gewährt hat, und in Arizona, wo man die US-Staatsbürgerschaft nur jenen im Lande geborenen Kindern gewähren will, deren Eltern Amerikaner waren oder doch wenigstens eine Aufenthaltsgenehmigung haben, empföhle sich der Begriff einer "gesellschaftlichen Neuordnung." So sprachlich gerüstet könnte man dann auch gleich den Weg logisch weiterbeschreiten und Wahlrecht wie Staatsbürgerschaft einkommensabhängig neu gestalten, vielleicht auch in diesem Zusammenhang ein Wahlrecht für Kapitalgesellschaften als juristische Personen einführen.
Ein Kundenbetreuer hätte dann bestenfalls eine 64tel-Stimme, ein Sozialhilfe-Empfänger gar keine und Bill Gates 100, sofern er nicht wegen galoppierender Philantrophie gleich ganz entmündigt würde. Das sparte denn auch die Kosten für die Lobbyisten, indem das Verhältnis zwischen den Reichen und Mächtigen und den Politikern drastisch rationalisiert würde. Wer in zweiter oder gar dritter Generation von staatlicher Unterstützung lebt, verlöre sein Bürgerrecht, und wer einwandert oder Nachfahre eines Einwanderers wäre, erlangte es gar nicht erst.
Der Wecker, der den amerikanischen Traum schöde abkürzt, hat die Stimme von Sarah Palin. Optimismus aber ist die Fähigkeit, sich etwas furchtbares vorzustellen und zu glauben, es könne dann nicht noch schlimmer kommen.
Abbildung: New York Times, www.nytimes.com












