Cruising MindSpace
Monday, March 26, 2012 11:34:45 AM

Das Weltbild, das Scarlett Thomas in “Troposphere” entwirft, ist bis zum Exzess anthropozentrisch. Waren wir einst Geschöpfe Gottes und dann Teil einer durch Evolution entstandenen Welt, sind wir bei ihr selbst die Schöpfer der Welt, sind es wenigstens einige von uns, geniale Wissenschaftler wie Einstein. Begabt mit der Fähigkeit, in der Sprache der Schöpfung zu denken, lassen sie die Welt entstehen, ändern sie die Regeln der Physik, definieren Materie und Energie als Materie und Energie mit bestimmten Eigenschaften. Die Welt war also eine Scheibe, die auf einem Ozean aus Hühnersuppe schwamm, bis Aristoteles wissenschaftlich belegte, dass sie eine Kugel sein müsse und Raum und Zeit krümmen sich erst, seit Einstein die Allgemeine Relativitätstheorie 1915 vorgelegt hat. Arthur Eddington hätte also bei einer Sonnenfinsternis vor diesem Jahr nur eine Lichtablenkung messen können, die der Theorie Newtons entsprochen hätte, dafür wäre vielleicht eine grössere Geschwindigkeit als die des Lichtes möglich gewesen, hatte Herr Einstein sie doch mathematisch noch nicht ausgeschlossen. So können wir auch nicht sicher sein, wie die Welt ausgesehen hatte, bevor der deutsche Entdecker Artur Schopenhauer sie nach 1816 in der uns heute bekannten Form kartographierte.
Scarlett Thomas’ Buch leidet ein wenig unter der Darstellung der Beziehungen der Protagonistin Ariel Manto zu ihren Sexualpartnern, die nicht wirklich überzeugend sind, und am geringen Verständnis der Autorin für Religion und Mythologie. An ihre Stelle setzt sie die Quantenphysik, die sich aber tatsächlich in ihrem heutigen Zustand (und in ihrer Darstellung) nur für ihre eingeweihtesten Adepten von einer Form der Theologie und/oder Metaphysik unterscheiden lässt. Umgekehrt lässt sich die Beschreibung, die Gjellerup in seinem Text über die Upanischaden über Brahman gibt, den grossen, alles umfassenden, alles durchdringenden Geist, ebenso leicht in den Begriffen von Theologie und Philosophie wie in denen von Energie und Wellen erklären.
Die Reise durch den MindSpace, die namengebende Troposphere, ist eine Reise durch Raum und Zeit, durch eine von der individuellen Vorstellung geschaffene Metapher, die die Innenwelten von Menschen, Mäusen und Katzen verbindet, die wahren Welten, die sich so sehr von der durch unsere Vorstellung gefilterten Aussenwelt unterscheiden, dass die meisten von uns ihr Leben in einem Krieg zwischen innerer und äusserer Welt verbringen. Am Ende will Ariel Manto diesen Kosmos nicht mehr verlassen und stirbt in der physischen Welt.












