Die Pineas Diaries

The names have been changed to protect the innocent… As if there would be something like an innocent.

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At the Edge

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Mein Versuch, unsere finanzielle Situation mit Paula zu diskutieren, endete wie erwartet. Offensichtlich steht meine Weigerung, eins und eins zu drei zu addieren, symptomatisch für meine negative Einstellung zum Leben. Übrigens ist unsere Lage im Wesentlichen darauf zurück zu führen, dass ich mir keine Stelle mit höherem Einkommen oder doch wenigstens einen Nebenjob gesucht habe.

Ich erinnerte mich zwar in der letzten Zeit an eine fruchtlose und kurzlebige Tätigkeit als Industriereiniger, vier Bewerbungen um diverse Positionen als Aufsicht in Spielhallen und eine nicht minder erfolglose um eine Stelle als Pizza-Fahrer, diese Erinnerungen sind jedoch zweifellos irrig, Ausdruck vielleicht gar einer tief sitzenden Psychose, da sie von Paulas Sicht der Dinge abweichen. Ich hatte eh schon in Erwägung gezogen, möglicherweise psychiatrische Unterstützung zu benötigen, als meine Anmeldung eines Bedarfs von 40 Ecu für Benzin wegen Geldmangel fast abgelehnt wurde. Aus irgendeinem Grund hatte ich dem täglichen Versuch, zu meiner Arbeitsstelle zu gelangen, eine höhere Priorität zugeordnet.

Sollte ich mich an Ganesha um Einweisung in eine psychosomatische Einrichtung wenden, um meine Einstellung korrigieren zu lassen? Ich verschiebe das Richtung Januar, wenn uns voraussichtlich wieder das Heizöl ausgehen wird und ich dieser emotionalen Kälte entfliehen möchte.

Hephaistion und die Kunst der Roller-Reparatur

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An der Tür der neuen Markenwerkstatt beschloss ich, den Kalabreser zu vermissen, der in der Vergangenheit meine zweirädrigen Personenbeförderer reparierte. Sein Hof war normalerweise mit einem wilden Sammelsurium von Rollern der verschiedensten Marken angefüllt.

Teure Vespas, Piaggios und Aprilias standen neben billigen chinesischen Rollern aus dem Baumarkt, alle einträchtig nach einem System und nach Methoden repariert, die nur er kannte und die er eines Tages einem Auserwählten beibringen würde, bevor er auf seiner eigenen rot-weissen Vespa in seine Heimat reist. Das war in Wirklichkeit dann aber wahrscheinlich nicht Kalabrien, sondern Hephaistion, die Dimension kurzgewachsener, allzu reichlich behaarter Techniker und Handwerker mit merkwürdigem Humor und einer langen Feindschaft mit dem Volk der Zwerge.

Die neue Werkstatt ist viel näher, viel schneller zu erreichen, eine kleine Halle, angefüllt mit Peugeot-Rollern, schnittigen Speedfight und Jetforce, Kisbee- und Vivacity-Arbeitspferden, zierlichen Ludix und einer zum Teil zerlegten V-Clic, der ersten Wahl des Unterschichtlers mit Niveau. Dazwischen steht eine einsame Keeway Matrix mit einem beachtlichen Kilometerstand, ein Einwanderer von den Ufern des Quian Tang, der auf ein Ersatzteil wartet, das sicher so wenig original sein wird wie das für meinen Roller. Der Mechaniker wandert zwischen den Gefährten herum, in Halbsätzen die Frage aufwerfend, warum dieses spezielle Teil an der Ludix defekt war, etwas, das ihm noch nie zu vor begegnet ist.

Paula widmete dem Zweck dieses Ausfluges und den damit verbundenen Kosten einen hingebungsvollen Wutanfall, bei dem sie auch darauf einging, dass ich kein Auto habe, eine Tatsache, die unbestreitbar ist, aber für mich nicht nur auf den geringen Enthusiasmus zurück zu führen ist, mit dem ich dieser Idee begegne, sondern auch auf einen gewissen Mangel an Geld. Unser Etat ist nach meinem Begreifen mit einem grossen Haus, ungefähr acht Katzen und einem Auto schon mehr als beansprucht. Da mich die örtliche Raiffeisenkasse in diesem Gedankenverbrechen bestärkt, mangelt es mir zugegebenermassen ebenso an der Einsicht in meine Schuld wie an der Bereitschaft, rituellen Selbstmord zu begehen, indem ich mich in meinen Kugelschreiber stürze.

Um Maris Kreizman zu zitieren, die David Mitchell zitiert: “Human beings need to watch out for reasonless niceness too. It’s never reasonless and its reason’s not usually nice.” Schopenhauer hätte ihr zugestimmt. Er vertrat stets die Ansicht, unglücklich zu sein, sei der Normalzustand des Menschen, ein Standpunkt, den er gewiss als zu optimistisch verworfen hätte, wäre er denn verheiratet gewesen. Allerdings pries er auch die nicht-eheliche Beziehung, die zu seiner Zeit weniger beliebt war, was er mit der Theologie der Reformation und der Gegenreformation begründete.

Tod den Elritzen!

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Paula ist extrem unentspannt, so wie es nur jemand sein kann, der begreift, dass die einzige Person, die sich auch nur im Ansatz dafür interessiert, wie es ihr geht, ihr notorischer Versagerschrägstrichehemann ist, und sich ihr ganzes Leben aufzulösen beginnt. Redet sie überhaupt mit mir, geschieht es in aller Regel in der Form eines Vortrages darüber, dass sie sich in absehbarer Zeit von mir trennen wird. Dazu führt sie einige unzusammenhängende Argumente an.

So machte ich am Freitag früher Schluss und nahm Platz auf meiner Lieblings-Bank im Jardin de Chine und sah dem Leben anderer Menschen zu. Sie taten, was man wohl “abhängen” nennt. Dazu muss man offensichtlich Bierflaschen in den kleinen Bach legen und die Füsse hinein stellen. Das erklärte mir den Mangel selbst an der kleinsten Elritze in diesem Gewässer.

Ich war einem Point of No Return nahe, im leeren Raum schwebend, frei von der Not, für Paula zu denken, über sie nachzudenken. Ich fühlte mich frei. Ich fühlte mich einsam. Wo ist der Unterschied? Das Leben würde auf jeden Fall weitergehen. Und ich würde leiden.

Vorläufig stand ich unter dem Eindruck, die Möglichkeit zu vermissen, jemandem zu helfen. Ich ging umgehend mit Cola und Pfefferminz-Schokolade dagegen vor.

Sankt Pineas

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Ich habe es mit äusserster Selbstbeherrschung 10 Tage lang vermieden, Paula meine Meinung über sie zu sagen, ihr den Mund zu verbieten, ihr zu sagen, dass sie mich in Ruhe lassen soll, nur in Ruhe lassen soll, einfach nur in Ruhe lassen soll. Die Kirche von Rom hat Menschen für weniger heilig gesprochen.
Es bedarf einer gewissen Geisteshaltung, um gleichzeitig mit ihr Urlaub zu machen, ohne danach Single zu sein. Ich stelle mir vor, dass es eine gewisse Ähnlichkeit damit hat, eine Wüste zu durchqueren. Man muss seinen Willen den Gegebenheiten unterordnen und immer im Auge behalten, wo man Wasser findet, und darf sich nicht die Frage stellen, ob es Sinn macht. Ich kenne die Antwort, und deshalb wird es jedes Mal schwieriger.

Kontraproduktiv war diesmal eindeutig, dass der Surf-PC mit gebröseltem Mainboard in der Werkstatt steht, und auch der Roller zwei Tage zur Inspektion war. Das I Ging rät nicht ohne Grund dazu, einen Ort zu haben, an den man gehen kann. Es mangelte mir in diesem Fall nur eben an den Mitteln dazu. Ich benutzte den alten Toshiba-Laptop zum Schreiben und Spielen und surfte auf dem Handy. Genau für diesen Fall hatte ich mir wohl schon einige Zeit vorher eine Sim-Karte von Netzclub samt kostenloser Internet-Flat besorgt.

Die Peugeot Ludix hat übrigens der Aprilia Sportcity gegenüber den Vorteil, dass eine Wartung an ihr viel einfacher durchzuführen ist. Die Verkleidung ist geschickt dort ausgeschnitten, wo es interessant ist, wie gewisse Damenkleider für gewisse Damen, die dann doch eher nicht dass sind, was ich Damen nenne. Die Technik ist also relativ einfach zugänglich, eine Inspektion schnell und preiswert zu machen. Wäre mir Vespa, die Muse der 2-Takt-Technik, wohl gesonnen, könnte ich mir selbst helfen. Aber wie alle anderen Frauen hatte sie auch schon in den Zeiten der Hercules Prima-Mofas nichts für mich übrig gehabt.

Wie wenig wusste ich damals, wie glücklich ich war.

Positive Misogynie

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Die chinesischen Weisen raten im Bild 33 zum Rückzug, zugleich aber auch zur Beharrlichkeit in kleinen Dingen Das bestärkt mich darin, mich aller Versuche zu enthalten, Paula bei ihrer Stellensuche oder irgendetwas anderem zu helfen. So nützlich ihr das auch sein möge, wird sie es nur als Eingriff in ihre Privatsphäre empfinden, eine Störung in der wellenförmigen Ausdehnung ihres Selbst.

Gelegentlich beauftragt sie mich, eine Kündigung für sie zu schreiben, ein Formular oder einen Film für sie zu besorgen. Da sie in aller Regel alles, was ich ihr am Ende bringe, in einen Schrank legt und vergisst, konzentriere ich mich auf die Ausführung jener Aufträge, die Auswirkungen auf mein eigenes Wohlergehen haben. Was führt dazu, dass ich Kosten vermeide, was bringt mir Vergnügen?

Alles andere ist Verschwendung, landet günstigstensfalls als Altpapier im Recycling, belastet die Umwelt ebenso wie mich. Für den Stellenteil der Samstagszeitung hat die Amazone jedoch Bedarf angemeldet, die sich ganz ungeniert an ihrem Arbeitsplatz um einen anderen bewirbt, nachdem sie ihr Einkommen mit ihren Ausgaben verglichen hat und das Ergebnis insgesamt unbefriedigend befand, gar eine Tendenz zur Unterdeckung feststellte.

Mir selbst ist diese Situation nicht völlig unbekannt und gerade sie lässt mich an La Roux’ Vermutung zweifeln, dass die Gesundheitsprobleme ihrer Kollegin Karen an deren hingebungsvoller Unterstützung der kolumbianischen Bauern läge. Kaum einer der Mitarbeiter der Illinois Electro Door kann sich mehr als dann und wann einen gemässigten Vollrausch leisten, die meisten gar müssen sich sogar mit einer Flasche Energy-Drink bescheiden.


Hamster im Glas

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Für den nächsten Monat plane ich einen Krankenschein, eine Grippe, die mich pünktlich befallen wird, wenn mir das Geld für das Benzin ausgeht. Unser Kontostand hat einen neuen Tiefpunkt erreicht, der mich nicht optimistisch stimmt. Ich zog sogar in Erwägung, mit Paula darüber zu sprechen, jedoch bedeutete sie mir umgehend, dass mir einfach die positive Einstellung fehle. Das war dann die Ouverture zu einer Reihe von Angeboten, in denen es um Schläge ebenso ging wie darum, mich raus zu schmeissen.

Ihre Einstellung scheint mir umgekehrt so realistisch wie die Küche mit den weichen Wänden, von der ich nachts geträumt habe. Oder wie diese chice Villa mit Flachdach, Garten und Swimming-Pool aus einem anderen Traum. In dem hatten wir dann auch noch einen Rechtsstreit mit den Verkäufern, zwei Männern, in dem es um ein Haustier ging, eine Art Hamster in einer Glaskugel. Bin ich dieser Hamster, der träumt, Pineas zu sein, oder träumt Pineas von einem Hamster in einer Glaskugel und der Suche nach dem richtigen Platz für eine Mikrowelle in einem Bungalow?

Das I Ging ist wenig hilfreich, spricht es doch von Enthusiasmus, von Begeisterung gar, verschweigt aber, wofür ich mich begeistern sollte. Nützlicher ist da schon der Hinweis, Helfer anzuwerben und eine Armee bereit zu stellen.

Bad Santa's Revenge

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Santa Claus ist irgendwie ein bisschen nachtragend. Nachdem mir sein Rücken aufs Messer gerutscht war, hatte ich ganz fest mit der Rute gerechnet. Statt dessen gabs nur ein Taschenbuch von Jeff Somers, und darum musste ich mich auch noch selbst kümmern. Paulas Weihnachtsgeschenke liegen auch noch drüben auf dem Esstisch, drei einigermassen ordentlich verpackte Pakete, die sie seit Heiligabend standhaft ignoriert. Wahrscheinlich hat Santa sie auf irgendeine Weise beleidigt - wie jeder andere, dem sie in ihrem Leben begegnet ist.

Oder sie hat heraus gefunden, dass er eigentlich Mithra ist, der alt-iranische Gott der Vertragstreue und der Freundschaft, der jetzt die Einhaltung des Contrat sociale überwacht und Geschenke für Wohlverhalten verteilt. Von alt-iranisch ist der Bogen schnell zum Iran und der Unterdrückung der Frau dort geschlagen. Immerhin hat sie ausser dem Blauen Kochbuch ja auch einmal 'Nicht ohne meine Tochter' gelesen.

Mithra ist mit einigen anderen nach dem 1. Weltkrieg eingewandert, um das Weltbild der Amerikaner wieder zu ergänzen, das im Trommelfeuer und unter den U-Boot-Angriffen gelitten hatte. Damals durfte er zwar seine phrygische Mütze, die gezipfelte, behalten und seinen Ehrentag, den 25.12., musste aber den Namen ebenso ändern wie sein Fortbewegungsmittel. Statt eines vierspännigen Pferdewagens benutzt er inzwischen einen Rentier-Schlitten.

Damit ist er immer noch besser weg gekommen als Herakles, der seitdem in einem hautengen Bodysuit mit kurzem Mantel steckt. Clark Kent hat andererseits Lois Lane, die er anschmachten darf, und als Grieche, der er ist, für die einsamen Abende Jimmy Olsen.

Ob ich die Weihnachtsgeschenke zurück holen und bei den Amazon Marketplaces verkaufen kann? Das könnte mir helfen, meinen exorbitanten Lebensstil mit billigem Tee und gebrauchten Taschenbüchern zu finanzieren.

Desaster Area

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Dieses Jahr gibt sich wirklich Mühe, eines der schlechtesten in meinem Leben zu werden. Paula bestand auf der Gleichzeitigkeit unseres Urlaubs, darüber vernachlässigend, dass wir dann auch gleichzeitig zuhause sein würden.

Es fiel ihr pünktlich am Dienstag gleich nach dem Aufstehen auf. Mittwoch nachmittag setzte ich mich nach Hagen ab, begleitet von dem Hinweis, ich bräuchte an diesem Tag nicht zurück zu kommen. Ich tat es trotzdem und sitze in Konsequenz dieser Fehlentscheidung wie der Unzuverlässigkeit unseres Busnetzes jetzt mit Blasen an den Füssen in einem dieser sogenannten Casinos, in denen sich Spielautomaten aneinander reihen.

Dort muss ich mich bei minimalen Kosten jetzt noch wach und beschäftigt halten, bis ich den ersten Bus nach Hause nehmen kann, um mich mit etwas Glück zu einer Zeit zu Freund ins Bett zu schleichen, in der Paula selbst noch schnarcht, dass es kanadischen Holzfällern Angst und Bange wird.

Ich zögere, mich für eine Trennung zu entscheiden. Zwar macht mir die Aussicht auf weitere Zweisamkeit in jener Art, wie ich sie die letzten zwanzig Jahre genoss, noch mehr Angst, als selbst die darauf, ein Leben lang allein zu sein. Aber in diesem Jahr war bisher jede Entscheidung falsch, alles, was ich tat ein Fehler.

11.81 Uhr - Die Vorhersehbarkeit der Ereignisse

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Das I Ging beschreibt im Bild 52 wie jemand so lang stillhält, dass er seinen Leib nicht mehr spüren kann, dass er sich sogar von seinen Angehörigen zurückzieht. Frida Gold formuliert es etwas anders: "Wovon sollen wir träumen - so wie wir sind"[/url]. Was bleibt da noch?

Die Vorhersehbarkeit der Ereignisse beschränkt unsere Möglichkeiten. Wie Paula sich als Fachfrau inszenieren wird, wenn wir einen Gebrauchtwagen für mich kaufen, sich dabei auf ihren verkommenen Vater berufend, ist ebenso vorhersebar wie die defekten Stossdämpfer und Querlenker, die ihr Chefmechaniker Kugelbauch, ihr Äquivalent zu meinem Kalabreser, an ihm diagnostizieren wird. Er addierte freihändig die Materialpreise auf 350 Ecu und deutete erwartungsgemäss an, für seine Arbeit ebenfalls bezahlt werden zu wollen.



Viel überraschender war die Nachricht vom Ableben Osama bin Ladens denn auch nicht. Zwei Dutzend Kampfschwimmer, die völlig unauffällig in Militärhubschraubern über Abottabad knattern, jeder ausgebildet in 26 Arten lautlosen Tötens, die sich in einem pakistanischen OK-Corral eine wilde Schiesserei mit ein paar wuschelbärtigen Al Kaida-Kämpfern liefern und sich am Ende samt allen Gefangenen, erbeuteten Videos und Festplatten und einer frischen Leiche in den einen Helikopter zu quetschen, der noch flugtauglich ist.

Und das alles ganz pünktlich, bevor der CIA-Chef Leon Panetta Verteidigungsminister und Generial David Petraeus, der Oberbefehlshaber in Afghanistan, sein Nachfolger wird, vielleicht sogar noch rechtzeitig genug, um Barak Obamas politische Karriere zu retten, die sonst mit dem Wert des US-Dollars zusammen erodierte. Die pakistanische Regierung protestiert erwartungsgemäss recht höflich, so die Grundlage für die erneuerte Sicherheitspartnerschaft legend, die ihr Einfluss in Afghanistan einräumen wird.

Im Gegenzug wird sie die amerikanischen Unternehmen beschützen, die die Bodenschätze dieses Landes ausbeuten wird. Für die Afghanen werden dabei Jobs abfallen, und die Al Kaida hat den Märtyrer, den sie braucht, um ihr "Geschäft" wieder in Schwung zu bringen, das in den letzten Monaten ein wenig eingeschlafen ist. So etwas nennt man eine Win-win-Situation, bei der alle Vorteile davon haben, dass bin Laden jetzt ganz offiziell tot ist. Sogar die Rüstungsindustrie wird mit dieser Lösung zufrieden sein - ihre Manager waren eh frustriert, weil dieser Krieg belegte, dass man jemanden genauso mit einer handgemachten Lee-Enfield für 45 Dollar töten kann wie mit einer Hightech-Waffe für 3.000 Dollar.

Sehr nett war die Twitter-Meldung, in der sich ein Bürger von Abottabad über den Lärm der Hubschrauber beschwert. Das gibt der Sache etwas so realistisches. Ich hätte ja noch ein paar Matrosen der USS Carl Vinson bei Twitter, Facebook und my opera Informationen über die Seebestattung des Erzterroristen posten lassen.

Statt eines Pressesprechers des Weissen Hauses im Anzug hätte ich allerdings einen Chief Warrant Officer mit hinlänglich vertrauenswürdig zerknittertem Gesicht und Erfahrung in C-movies die eilige Beisetzung des Erzterroristen erklären lassen. Ein hinlänglich zuverlässiger Journalist hätte die Frage stellen müssen, wieso man den Leichnam nicht a la mode de Jeffrey Dahmer in die Heimat speditiert hat. CWO William Schuman hätte entrüstet angedeutet, man habe Herrn bin Laden in Notwehr getötet und nur um den Tod von Tausenden zu verhindern, und ihn selbstverständlich würdig und gemäss den Gesetzen seines Glaubens beigesetzt. Seine vorgebliche Rechtschaffenheit könnte einige Zweifel zerstreuen, die bei dieser dünnen Geschichte zwangsläufig sind. Eine Aussage einer Frau bin Laden (einer von ihnen) könnte ebenfalls nützlich sein.

Einfache Benimm-Regeln

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Ich überquerte die Bundesstrasse natürlich allein aus Neugier, nicht aber um dem jungen Mann zu helfen, der dort auf dem Boden neben dem Auto lag. Drei Freunde, zwei Männer und eine Frau, standen neben ihm. "Kanns fahren, alles in Ordnung," Seiner Sprache war unmoduliert, er offensichtlich nicht nüchtern, so wenig wie sein Freund am Boden, der dann schnell, aber unsicher mit allen Zeichen eines Tobsuchtsanfalls auf die Füsse kam. Hier war eindeutig nicht alles in Ordnung, aber da war nichts, was ich hätte tun können. Der Hinweis, dass ein solches Verhalten nur im Zusammenhang mit einer Ehefrau angemessen ist, wäre, fürchte ich, verschwendet gewesen.