Posts tagged with "chloé"
Monday, January 30, 2012 8:04:46 AM
e-bay, deutsch, wurstbrot, packstation
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Während ich das Dach der Garage abdichtete, dachte ich über meine Kollegen nach. Sie sind des Wahnsinns kesse Meute, aber sie teilen dann und wann auch indisches Essen, USB-Stick und Wissen mit mir. Und sie sind professionell genug, um mich über meine Defizite im Unklaren zu lassen. Besässe nur Paula soviel Zurückhaltung! Sie widmet aber jeden freien Samstag Morgen immer noch einer ausführlichen Information zu diesem Thema. Zu ihrer immerwährenden Überraschung mangelt es mir zum einen am rechte Interesse, zum anderen an der Dankbarkeit für ihre Mühe.
Ich bin aber durchaus bereit, ihr Engagement ebenso zu würdigen wie ihre Fähigkeit, Entscheidungen nachträglich umzudeuten. Sie hatte vor einigen Jahren beschlossen, ihre Abende im oberen Geschoss und damit in schätzenswertem Abstand zu verbringen und beklagt nun ihre Einsamkeit, an der ich erwartungsgemäss schuld bin, sowie meine Unfähigkeit in jeder Beziehung, mein Desinteresse an Sex und meine mangelnde Bereitschaft, anderen Menschen etwas zu schenken.
Meine fortgesetzte und schier vorsätzliche Erfolglosigkeit in den Bereichen Beruf, Strassenverkehr, Heimwerken und zwischenmenschliche Beziehungen ist so bekannt, dass sie inzwischen ins Trivial Pursuit aufgenommen wurde. Aber die Geschenke, die sie an Weihnachten und ihrem Geburtstag abgelehnt hat, stehen jetzt bei e-bay und Amazon.
Es scheint sie nicht wenig aufzubringen, dass ich mit ihrer Schwester Chloé gesprochen hatte. Nachdem im Januar zwei Abbuchungen zum Protest gingen, regte Paula sich hingebungsvoll darüber ebenso auf wie darüber, dass Chloé immer noch das Konto benutzt, das sie ihr dazu überlassen hat. Da nun aber etwas geschehen musste, was darüber hinaus ging, rief ich sie an und überraschte sie an ihrem 50. Geburtstag mit einigen klaren Vorstellungen wie es in dieser Beziehung weiter gehen sollte.
In der Ausführung hielt ich das Gespräch heiter und stellte es soweit möglich so dar, dass ich ihr eigentlich helfen wollte (das zu tun, was ich wollte). Wir einigten uns dann darauf, dass sie sich im Rahmen ihres geplanten Umzugs nach Colonia ein eigenes Konto bei der PSD-Bank dort besorgt. So sollte die Arbeitsagentur nichts bemerken und weder ihr noch uns Fragen stellen, die zu beantworten viel Kreativität bedürfte.
Fürs erste frische ich meine Erinnerungen über die kunstvolle Herstellung von Wurstbroten, Rührei und Salaten auf, bis Paula wieder beschliesst zu kochen. Ausserdem liegt in der Packstation bereits ein Buch für mich bereit. Unter diesen Voraussetzungen hat eine Versöhnung keine Eile.
Thursday, January 13, 2011 12:18:55 PM
festnetz-flate, hyazintha, handy, deutsch
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Es lohnt sich, intensiv über den richtigen Telefontarif nachzudenken. Es macht zum Beispiel keinen Sinn, für 1 Cent pro Minute zu anderen smobil-Kunden telefonieren zu können, wenn eine gründliche Kontrolle seiner versammelten Bekannten, Verwandten und Freunde ergibt, dass man gar keine kennt, oder sogar feststellen muss, dass man überhaupt keine Bekannten, Verwandten und Freunde hat und eh nur bei Ärzten, Ämtern und Schuldenberatern anruft. Da wäre dann eine Festnetz-Flat viel besser.
Lässt man sich wie Chloé vorgestern vom Besitz einer Festnetz-Flat dann aber beflügeln, auf unserem hauseigenen Festnetz-Anschluss anzurufen, wo Paula ans Telefon geht, die ihr 10 Minuten lang und ohne im Wesentlichen Luft zu holen vorwirft, wie selten sie sich a) überhaupt melde und b) warum und c ) wie wenig ehrlich sie 1.) zu sich selbst, 2.) zu ihr und 3-) zu allen anderen sei, erlischt die Freude an dieser fantastischen Kommunikations-Möglichkeit aber verhältnismässig schnell wieder. Ich konnte Paula noch im Keller hören. In diesem Fall hätte sich der von T-Mobile nicht unzutreffend "Xtra Card" genannte, weil mit einer Xtra-Karte verbundene Prepaid-Tarif und die Investition von 5 bis 15 Centimes für ein Gespräch zwischen einer und drei Minuten empfohlen, um mich auf dem Handy zu erreichen. Schliesslich bin ich es am Ende ja doch immer, der die Kommunikation mit Banken und Mobilfunk-Providern für alle beteiligten abwickelt.
Das hätte Chloé eine Fülle von Informationen erspart, die sie so wohl nicht haben wollte. Und mir wäre erspart geblieben, in Paulas Wertschätzung wieder zu steigen, die nun, nachdem sie sich mit ihrer Schwester, ihrer Mutter und ihrer Freundin Nicotina in einem Zustand befindet, den jeder ausser einem deutschen Politiker Krieg nennen würde, niemand anderen hat, dem sie die Heldentaten schildern kann, die sie im Laufe eines Tages vollbringt, dabei die Defizite ihrer Kolleginnen in Motivation und Fähigkeit besonders ausführlich würdigend. Der damit einhergehende Rückgang ihrer sms von durchschnittlichen ungefähr 600 auf nur noch ca. 120 pro Monat machen den vorher mit Begeisterung genutzten und von Mobilcom-Debitel, dem Mobilfunk-Provider aus
Büdelsdorf grosszügig rabattierten T-Max einigermassen nutzlos.
Als Ersatz würde sich eine Xtra-Prepaid-Karte im Tarif Nonstop anbieten. Darin kosten bis zu 100 sms pro Tag ins D1-Netz pauschal 29 Centimes und jedes Telefongespräch ins Fest- oder ins D1-Netz ebenfalls 29 Centimes, ob sie es nun mit mir führen würde (ohne kränkende oder herabsetzende Äusserungen im Durchschnitt 44 Sekunden) oder mit ihrer Auszubildenden (ohne weiteres 2 Stunden). Diesen Tarif habe ich für mich selbst in jenen heiteren Momenten im Auge, in denen ich mich der Vorstellung hingebe, mich von all dem und Paula befreien zu können, um ein eigenes Leben zu führen. Er stellt einen so sympathischen Kompromiss aus der Freiheit dar, selbst entscheiden zu können, wann man Geld für Mobiltelefonie ausgibt (z. B. wenn mans mal hat) und der Möglichkeit, eine halbe Stunde lang in der Warteschleife eines Unternehmens auf einen freien Mitarbeiter zu warten, ohne danach selbst den Schuldnerberater anrufen zu müssen.
Monday, January 3, 2011 12:22:03 PM
hyazintha, deutsch, beziehungsprobleme, mp3
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Geschenke für Nicotina, den Poliziotto, Hyazintha, der ganze Schrank in meinem Zimmer steht voll mit Paketen und Päckchen. Wann und ob je etwas davon seinen Empfänger erreichen wird, ist mir im Augenblick alles andere als klar. Denn nachdem Paula mir mit einiger Hingabe und viel Übung dargestellt hat, was sie von mir hielt und den Vorsatz festhielt, sich von mir zu trennen, war sie danach tagelang wütend auf ihre Schwester Chloé, die ihren Lebensunterhalt immer noch zwischen Hartz IV und dem Einkommen der Leute teilt, bei denen sie untergekommen ist.
Vermutlich war das allerdings nur eine vorbereitende Übung, um für Weihnachten gerüstet zu sein, denn da widmete sie sich ihrer Abneigung gegen ihre Mutter Hyazintha, der sie vordergründig vorwirft, Chloé bei ihren Ausschweifungen zu unterstützen, und en passant denn auch, sie selbst nicht genug zu lieben. Mit der Leichtigkeit jahrelanger Übung wechselte sie dann zu einer immer noch andauernden Phase, in der sie auf ihre Freundin Nicotina vorwarf, sich nicht genug um sie zu kümmern. Das führte zwangsläufig dazu, dass wir weder Hyazintha noch Nicotina und den Poliziotto besuchten, um unsere Geschenke los zu werden.
Und unsere zu bekommen... ich konnte selbst noch kein einziges Paket mit bedröhnt grinsenden Rentieren und Weihnachtsmännern aussen und einem mehr oder weniger sinnvollen Geschenk darin für mich öffnen. Paula versagte es sich nämlich mit einer gewissen Logik, mir etwas zu schenken, und plante umgehend die Weiterverwendung des einen Gutscheines, kaum dass sie ihn ausgepackt hatte, als Geburtstagsgeschenk für den Poliziotto. Den anderen ignorierte sie, da sie nicht weiss, was iTunes ist oder wozu man es braucht, ebenso wie die Geschenke ihrer Schwester, die sich als ein höherpreisiger Kalender mit Katzenfotos und ein Vogelhäuschen entpuppten.
Ich werde beides der Mutter des Poliziotto schenken, auf die Paula ja ebenfalls wütend ist, seit sie zart, ganz zart angedeutet hat, ich wäre doch nicht in jeder Weise und völlig unsympathisch. Soviel Engagement verdient meinen Dank.
Monday, August 30, 2010 6:58:37 AM
deutsch, arsen, america ferrera, chloé
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Auf der Suche nach einer positiven Erinnerung an das Wochenende schwanke ich zwischen der an eine Doppelfolge "
Ugly Betty - Allein unter Models" und der an ein besonders zartes Wiener Schnitzel in dem Gasthof, in dem Hyzinthas augenblicklicher seinen Geburtstag feierte. Vorher hatte ich ein achtstündiges Briefing über die Defizite in meiner Persönlichkeit und meines Verhaltens, eine offenbar notwendige Vorbereitung aller Veranstaltungen dieser Art. So eingestimmt verbrachte ich den ersten Teil des Abends mir vorzustellen, dass ich den ersten Gang, la prima piatta, gerne übersprungen hätte, wäre er nur mit Arsen versetzt gewesen.
Während des restlichen Abends verglich ich die vier Kinder des Augenblicklichen miteinander. Die eine Tochter, die selbst ein Kind hat, hatte eine ausgesprochen asexuelle Ausstrahlung, die andere war die obligatorische Frau, die es auf jeder Feier gibt, die Absätze ein wenig zu hoch, der Ausschnitt etwas zu tief, das Lachen etwas zu laut. Der eine Sohn war seinem Vater ähnlich und ging auch einem ganz ähnlichen Beruf nach, beim anderen hatte ich den Briefträger in Verdacht, denn er glich keinem anderen in seiner Familie.
Am Sonntag mutierte ich dann von Paulas Gegner zu ihrem Verbündeten, als sie nach einem Missverständnis, wie es zwischen Menschen passiert, die es nicht gewohnt sind, sich in Frage zu stellen, ihre Schwester Chloé zum Feind erklärte. Die ernährt sich inzwischen von Hartz IV und hat ein älteres Ehepaar gefunden, bei dem sie als Mieterin mit Kühlschrankbenutzung untergeschlüpft ist. Gewiss könnte man zufrieden sein, dass sie krankenversichert ist, Geld in der Tasche, eine kleine Wohnung und einen vollen Teller hat. Für Chloé wird wahrscheinlich nur das zählen. Für Paula hingegen ist das alles bei weitem nicht genug. Nichts weniger als die vollständige Wieder-Eingliederung in die Gesellschaft mit eigenem Konto, Job, Wohnung zählt da, auf eigenen Füssen zu stehen, ein Leben ohne Unterstützungsstruktur. Ich kann beide verstehen und beide nicht ausstehen.
Tuesday, February 16, 2010 10:35:04 AM
devi, deutsch, brillenland, chloé
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Ganesha interpretiert den "Grossen Mann" im Hexagramm 6 als meine eigene Grösse, die ich noch entdecken müsse, bevor ich Paula verlassen könnte. Ich bin so daran gewöhnt, mich ihr unterlegen zu fühlen, dass ich manchmal überrascht bin, dass sie kleiner ist als ich. Ich bin so daran gewöhnt, mich jeder Frau unterlegen zu fühlen. Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn sie mir einmal gesagt hätte, dass sie mich liebt. Ich wollte mich immer nur geliebt fühlen und habe mich darum klein gemacht.
Ich bin am Freitag dann noch zur Brillenland-Filiale nach Contiomagus gefahren. Den Bedarf an einer neuen Brille mir gegenüber vielfach entschuldigend, die Verantwortung dafür dann Paula geistig zuschiebend, weil sie sie mir ja aus dem Gesicht geschlagen hatte, und im Hinterkopf die Möglichkeit, mit Devi als Entscheidungshilfe mittwochs noch einmal zu kommen, liess ich mir verschiedene Gestelle zwischen 5 und 98 Ecu zeigen und die Unterschiede der beiden Qualitäten an Kunststoffgläsern noch einmal erklären.
Ich schickte dann Devi ein Foto der drei möglichen Kandidaten, mit dem sie allerdings nicht viel anfangen konnte, lagen die Brillen doch neben einander auf einem Schrank statt eine um die andere auf meinem Gesicht zu stecken, so gewiss ästhetisch ansprechender, aber aus dem Gesamtbild genommen. Ich drehte eine Runde durch einen der beiden Parks in Contiomagus, den langweiligeren, der sich aber gerade darum besser für meinen Zweck eignete.
Dass Devi in ihrer Antwort-sms schrieb, für sie sähen alle Brillen auf dem Foto recht ähnlich aus, bedeutete logisch gesehen, dass sie alle innerhalb einer bestimmten Bandbreite ästhetischer Erträglichkeit lagen. In diesem Fall konnte ich also ohne wesentliche Einschränkungen des Ergebnisses auch die preiswerteste Variante wählen... die meinen Vermögensverhältnissen weitaus mehr entsprach.
Völlig erschlagen davon, dass ich gerade selbst eine Entscheidung getroffen hatte, bestellte ich also das preiswerteste Gestell und Gläser. So bald ich wieder auf meinen eigenen Rädern unterwegs bin, hole ich meine neue Brille ab.
Tuesday, February 16, 2010 10:35:04 AM
devi, deutsch, brillenland, chloé
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Ganesha interpretiert den "Grossen Mann" im Hexagramm 6 als meine eigene Grösse, die ich noch entdecken müsse, bevor ich Paula verlassen könnte. Ich bin so daran gewöhnt, mich ihr unterlegen zu fühlen, dass ich manchmal überrascht bin, dass sie kleiner ist als ich. Ich bin so daran gewöhnt, mich jeder Frau unterlegen zu fühlen. Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn sie mir einmal gesagt hätte, dass sie mich liebt. Ich wollte mich immer nur geliebt fühlen und habe mich darum klein gemacht.
Ich bin am Freitag dann noch zur Brillenland-Filiale nach Contiomagus gefahren. Den Bedarf an einer neuen Brille mir gegenüber vielfach entschuldigend, die Verantwortung dafür dann Paula geistig zuschiebend, weil sie sie mir ja aus dem Gesicht geschlagen hatte, und im Hinterkopf die Möglichkeit, mit Devi als Entscheidungshilfe mittwochs noch einmal zu kommen, liess ich mir verschiedene Gestelle zwischen 5 und 98 Ecu zeigen und die Unterschiede der beiden Qualitäten an Kunststoffgläsern noch einmal erklären.
Ich schickte dann Devi ein Foto der drei möglichen Kandidaten, mit dem sie allerdings nicht viel anfangen konnte, lagen die Brillen doch neben einander auf einem Schrank statt eine um die andere auf meinem Gesicht zu stecken, so gewiss ästhetisch ansprechender, aber aus dem Gesamtbild genommen. Ich drehte eine Runde durch einen der beiden Parks in Contiomagus, den langweiligeren, der sich aber gerade darum besser für meinen Zweck eignete.
Dass Devi in ihrer Antwort-sms schrieb, für sie sähen alle Brillen auf dem Foto recht ähnlich aus, bedeutete logisch gesehen, dass sie alle innerhalb einer bestimmten Bandbreite ästhetischer Erträglichkeit lagen. In diesem Fall konnte ich also ohne wesentliche Einschränkungen des Ergebnisses auch die preiswerteste Variante wählen... die meinen Vermögensverhältnissen weitaus mehr entsprach.
Völlig erschlagen davon, dass ich gerade selbst eine Entscheidung getroffen hatte, bestellte ich also das preiswerteste Gestell und Gläser. So bald ich wieder auf meinen eigenen Rädern unterwegs bin, hole ich meine neue Brille ab.
Tuesday, February 16, 2010 10:35:04 AM
devi, deutsch, brillenland, chloé
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Ganesha interpretiert den "Grossen Mann" im Hexagramm 6 als meine eigene Grösse, die ich noch entdecken müsse, bevor ich Paula verlassen könnte. Ich bin so daran gewöhnt, mich ihr unterlegen zu fühlen, dass ich manchmal überrascht bin, dass sie kleiner ist als ich. Ich bin so daran gewöhnt, mich jeder Frau unterlegen zu fühlen. Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn sie mir einmal gesagt hätte, dass sie mich liebt. Ich wollte mich immer nur geliebt fühlen und habe mich darum klein gemacht.
Ich bin am Freitag dann noch zur Brillenland-Filiale nach Contiomagus gefahren. Den Bedarf an einer neuen Brille mir gegenüber vielfach entschuldigend, die Verantwortung dafür dann Paula geistig zuschiebend, weil sie sie mir ja aus dem Gesicht geschlagen hatte, und im Hinterkopf die Möglichkeit, mit Devi als Entscheidungshilfe mittwochs noch einmal zu kommen, liess ich mir verschiedene Gestelle zwischen 5 und 98 Ecu zeigen und die Unterschiede der beiden Qualitäten an Kunststoffgläsern noch einmal erklären.
Ich schickte dann Devi ein Foto der drei möglichen Kandidaten, mit dem sie allerdings nicht viel anfangen konnte, lagen die Brillen doch neben einander auf einem Schrank statt eine um die andere auf meinem Gesicht zu stecken, so gewiss ästhetisch ansprechender, aber aus dem Gesamtbild genommen. Ich drehte eine Runde durch einen der beiden Parks in Contiomagus, den langweiligeren, der sich aber gerade darum besser für meinen Zweck eignete.
Dass Devi in ihrer Antwort-sms schrieb, für sie sähen alle Brillen auf dem Foto recht ähnlich aus, bedeutete logisch gesehen, dass sie alle innerhalb einer bestimmten Bandbreite ästhetischer Erträglichkeit lagen. In diesem Fall konnte ich also ohne wesentliche Einschränkungen des Ergebnisses auch die preiswerteste Variante wählen... die meinen Vermögensverhältnissen weitaus mehr entsprach.
Völlig erschlagen davon, dass ich gerade selbst eine Entscheidung getroffen hatte, bestellte ich also das preiswerteste Gestell und Gläser. So bald ich wieder auf meinen eigenen Rädern unterwegs bin, hole ich meine neue Brille ab.
Friday, January 29, 2010 8:56:53 AM
deutsch, persönlichkeitsstörung, krankenkasse, beziehung
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Unfähig zu entscheiden, ob die Menschen, die die Filme fürs Nachmittagsprogramm machen, nun chauvinistisch oder realistisch sind, wenn sie einer breiten Mehrheit ihrer Zuschauer unterstellen, dass sie sozial und intellektuell gefordert sind, unfähig zu entscheiden, ob ich mit Paula zusammen bleiben möchte, bin ich doch durchaus in der Lage zu beschliessen, dass Chloé diesen Monat zum letzten Mal von meinem Geld Geschenke bekommt.
Weihnachten, Geburtstag, selbstgebrannte CDs im Wert von 10 Centimes pro Stück, Taschenbücher aus der Remittenden-Kiste zu exorbitanten 2,99 Ecu, Zigaretten, Kaffee, hin und wieder eine Aufladung für ihr Handy. Paula ist nicht wirklich grosszügig zu ihrer Schwester. Sie hält von ihr so wenig wie von den meisten anderen Menschen und begründet es in diesem Fall damit, dass sie ohne Krankenversicherung und Arbeit an ihrem Lebensabschnittsgefährten schmarotzt. Mit der Betonung auf Lebensabschnittsgefährten, denn sie geht mit relativer Sicherheit davon aus, dass Chloé ihn ersetzen wird, wenn sein Nutzen erschöpft ist. Und sie hat ein paar recht pittureske Vorstellungen, was ihn an ihrer Schwester reizt.
Mir, der ich soviel bescheidener in meinem Ansprüchen bin, dass ein Kater ihnen genügen könnte, reicht es, dass sie mich ignoriert, mit mir nicht redet und ein wenig allzu deutlich heraus hängen lässt, wie sehr sie mir überlegen ist. Einige Zeit lang benutzte sie ein Girokonto auf meinen Namen.
Gestützt auf andere Erfahrungen gehe ich davon aus, dass sie in den zehn Jahren ohne Job und andere Einkünfte als die der Bank unterschlagene Miete aus einer inzwischen versteigerten Eigentumswohnung, alle Entscheidungen richtig getroffen und die entsprechenden Anweisungen erteilt hat, aber niemand da war, um sie umzusetzen. Allein penetrante Insubordination führte also zu den Schulden, die sie nun hat.
Aber vielleicht sind es nur meine Vorurteile, die mich zu diesen Gedanken bringen. Ich gestehe den Besitz einiger Vorurteile über Frauen, diese Familie und die Frauen dieser Familie. Paula hat im Gegensatz zu mir keine Vorurteile, nur feste Überzeugungen, die sich zunehmend immer weniger von der in Holz geschnittenen Moral des Nachmittagsprogrammes unterscheiden.
Monday, January 19, 2009 12:17:19 PM
guerilla, deutsch, loiterers resistance movement, sprunz und schlimmbeck
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Feuchtgebiete wirkt fast beruhigend, wenn Charlotte Roche, der Erzengel des tätowierten Anarchismus, es vorliest. Ich vergleiche das Hörbuch gerade mit jenem Zusammenschnitt der explizitesten Stellen, den mir Giacomo, Elviras dubioser Sekretär als PDF-Datei auf den USB-Stick kopiert hatte. In dieser Form wird viel klarer, dass es nicht nur um Sex von der schnellen, schmutzigen Sorte geht, als um Bedürfnisse und darum, zu ihnen zu stehen und sie sich zu erfüllen. Und das ist vor allem das Bedürfnis nach Liebe.
Ich habe das Hörbuch als Geburtstagsgeschenk für meine Schwägerin Chloé heruntergeladen; Roche wird es mir verzeihen. Es ist eine Aktion in meinem Kampf um meine eigenen Bedürfnisse. Denn ich habe Paula natürlich auf den saftigen, salzigen, Flecken machenden Aspekt dieses Buches hingewiesen, aber sie hat mir wie üblich entschieden und unbehindert von allem Wissen widersprochen. Damit ist die Bahn frei, die CDs zu brennen, kunstvoll zu verpacken und per DPD in Bewegung zu setzen.

Das ist eigentlich kaum mehr als eine harmlose Fingerübung, vergleicht man sie damit, dass ich insgeheim jeden Monat ihre Konto-Auszüge lese oder Paula eben ein Handy „gekauft“ habe, das mir schon gehörte und das Geld auf mein Postsparbuch verschoben habe.
Überhaupt, mein Postsparbuch, die einzige Möglichkeit, der Anwaltskanzlei Sprunz und Schlimmbeck den Vorschuss zu zahlen, auf den sie Anspruch haben, weil sie mich in meiner Erbsache gegen meine Schwester vertreten. Aber wie kann ich den Vorschuss, von dem Paula weiss, mit Geld bezahlen, von dem sie nicht weiss? Das könnte Fragen aufwerfen und das Ende jener winzigen Freiheit bedeuten, die ich mir dort geschaffen habe. So wie es mit meinem e-bay-Konto bei der PSD-Bank ging, das sie irgendwann für Chloé annektierte, weil deren eigenes Girokonto endgültig gesperrt worden war.
Ich bin zwar noch neu im Guerilla-Geschäft, aber ich habe in meiner Jugend einige Kurse an der Militär-Schule der preussisch-anarchistischen Gesellschaft belegt. Ausgehend von diesem Wissen will ich nun behaupten, einen privaten Montage-Auftrag übernommen zu haben. Das sollte mir nicht nur ein Alibi für den Besitz des Geldes (oder eines Teiles davon – der kleinere Rest muss dann leider, leider aus unserem regulären Einkommen bezahlt werden) verschaffen sondern auch dafür, für einige Stunden wieder ich selbst zu sein, ein
Loiterer, Flaneur, Beobachter, Besucher von Museen und Antiquariaten und frei.