Die Pineas Diaries

The names have been changed to protect the innocent… As if there would be something like an innocent.

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At the Edge

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Mein Versuch, unsere finanzielle Situation mit Paula zu diskutieren, endete wie erwartet. Offensichtlich steht meine Weigerung, eins und eins zu drei zu addieren, symptomatisch für meine negative Einstellung zum Leben. Übrigens ist unsere Lage im Wesentlichen darauf zurück zu führen, dass ich mir keine Stelle mit höherem Einkommen oder doch wenigstens einen Nebenjob gesucht habe.

Ich erinnerte mich zwar in der letzten Zeit an eine fruchtlose und kurzlebige Tätigkeit als Industriereiniger, vier Bewerbungen um diverse Positionen als Aufsicht in Spielhallen und eine nicht minder erfolglose um eine Stelle als Pizza-Fahrer, diese Erinnerungen sind jedoch zweifellos irrig, Ausdruck vielleicht gar einer tief sitzenden Psychose, da sie von Paulas Sicht der Dinge abweichen. Ich hatte eh schon in Erwägung gezogen, möglicherweise psychiatrische Unterstützung zu benötigen, als meine Anmeldung eines Bedarfs von 40 Ecu für Benzin wegen Geldmangel fast abgelehnt wurde. Aus irgendeinem Grund hatte ich dem täglichen Versuch, zu meiner Arbeitsstelle zu gelangen, eine höhere Priorität zugeordnet.

Sollte ich mich an Ganesha um Einweisung in eine psychosomatische Einrichtung wenden, um meine Einstellung korrigieren zu lassen? Ich verschiebe das Richtung Januar, wenn uns voraussichtlich wieder das Heizöl ausgehen wird und ich dieser emotionalen Kälte entfliehen möchte.

46 - Das Empordringen

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Das I Ging ermahnt mich, dass nach oben zu streben, grossen Erfolg hat. Im ersten Moment lehnte ich mich dagegen auf. Wohin soll ich streben, woher die notwendige Selbstüberschätzung, woher die Tatkraft nehmen? Ich habe mich schliesslich nicht ohne recht überzeugende Gründe auf mich selbst zurück gezogen.

Ich tat, was man in solchen Fällen nun einmal tut, kochte also Kirschmarmelade aus rabenschwarzen prallen Früchten, die schon geplatzt waren, gab reichlich Gelierzucker hinein und klein gewürfelte Aprikosen. Dazu las ich Theodor Pliviers "Stalingrad" und verglich das Ende dieses Buches mit dem von Robert van Guliks ""Mord im Labyrinth". Denn Generalmajor Vilshofen und Unteroffizier Gnotke und Richter Di Jen-Dsiä sind sich über die halbe Welt und die Jahrtausende einig, die Erleuchtung im Leben und nicht in der Abgeschiedenheit von ihm zu suchen.

Das klingt nun aber eher nach Ganeshas zwanghaftem Optimismus und weniger nach mir, für den Athos nicht nur der Name eines Musketiers mit depressiver Persönlichkeitsstörung und Alkoholproblem ist. Und wichtiger als die Erleuchtung sind mir doch, da bin ich mit meinem Kater Freund und dem Freund, der ich mir selbst bin, ganz einig, drei bis sechs Mahlzeiten täglich sowie mein regelmässiger Schlaf. Aber da ist irgendwo auch ein Störenfried, der neugierig ist und sich dem Leben gerne mal auf Sichtweite nähert, der kleine Voyeur, der gerade dann wach wird, wenn Paula erst einmal ausser Sicht ist.

Auch beruflich winkt mir kein Aufstieg, keine Verbesserung von Status und Gehalt, das so gar nicht genügen will, um die 85 Liter Benzin zu zahlen, die der Ford im Monat braucht, war es doch vorher schon nicht genug. Wo ist da oben, wohin soll ich streben?


Serienkiller, Rattengift und gute Vorsätze

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Die Luft riecht winterlich-würzig nach Plastik, das in einem Ofen verbrannt wurde. Ich liege noch im Bett, höre dem Radio zu und umarme meinen Schmerz. Manchmal muss das sein.

Die Wurzel meines Schmerzes ist mein Narzissmus, der meine Stärke ist und meine Krankheit. Er hat mich zum Blogger gemacht, er hat mich fähig gemacht, so lange mit Paula zu leben und er wird der Grund dafür sein, dass wir uns trennen. Der amerikanische Fernseh-Psychologe Zack Nichols sprach vor kurzem noch davon wie gut sich diese Persönlichkeitsstörung und Paulas Borderline-Störung ergänzen.

Dass er eine Figur in “Criminal Intent“ ist und über ein Serienkiller-Pärchen sprach, war meinem Seelenfrieden in keiner Weise zuträglich.

Paulas aktueller guter Vorsatz für das neue Jahr ist es, mich zu verlassen. Sie hat sich sogar einige Gedanken gemacht, wie sie mich los werden kann. Da darin kein Rattengift vorkam, erlaubte ich mir, sie grundsätzlich gut zu finden, zweifle jedoch zugleich an Paulas Fähigkeit, sie auch umzusetzen. Es ist ziemlich lange her, dass sie selbst etwas in die Hand genommen hat, eine Sache anders angegangen ist, als darüber in Andeutungen zu mir zu sprechen und sich irgendwann viel später darüber zu beschweren, dass es nicht erledigt worden ist.

Mit einer gewissen Logik wurde mein Weihnachtsgeschenk gestrichen, mit einem gewissen Hang zum Absurden habe ich ihr umgekehrt trotzdem eines gegeben. Sie kann sich jetzt für 25 Ecu Musik bei iTunes herunterladen, sofern sie herausfindet, wie es geht, und sich für 25 Ecu etwas in ihrer Lieblingsboutique kaufen, die nur deshalb ihre Liebslingsboutique ist, weil sie in der Passage des Mondo-Kaufhauses ist, von dem sie denkt, dass man allein dort einkaufen kann.

Oh, und wir haben drei zusätzliche Flaschen Duschgel, die ich benutzt habe, um zwei Gutscheine zu einem Paket aufzuwerten, so einmal mehr eines der Probleme des 21. Jahrhunderts lösend, dem nämlich wie man vermeidet, mit einem Bon auf schlechtem Papier von Kik oder einer C&A-Guthabenkarte in der Hand wie der Geizkragen auszusehen, selbst wenn man einer ist.

Think Big!

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Ich hasste die Frau am Tisch hinter mir bei McDonald's, die ihrem kleinen Sohn eine Weihnachtsgeschichte erzählte. Nicht weil sie damit so früh dran war, sondern einfach und aus Prinzip, weil sie hatte, was ich nie haben würde. Manche Menschen werden geliebt, manche Menschen kommen gerne nach Hause. Ich hatte mich verdrückt, als Paula anfing, mich zu schlagen, schwächlich zwar, aber ich erkenne hier die Absicht an.

Sie fühlte sich beleidigt, weil ich sie nicht begrüsst hatte, als ich durch die Tür gekommen war, ich war ihrer zum Lebensprinzip ausgerufenen Verdrossenheit überdrüssig. Am Ende erkaufte ich mir um den Preis eines Hamburgers Zeit in einem gut gewärmten Schnell-Restaurant, um sie mit Odysseus zu verbringen, den inzwischen die Phäaken an der Küste Ithakas absetzten. Während ich mich noch fragte, wieso sie die Küste Ithakas kannten, er dem Volk des Antinoos vorher aber noch nicht begegnet war, besuchte er den Schweinehirten seines Vertrauens, um die Lage vor Ort auszuloten.

Paula, der Penelope so unähnlich, dass mich nichts zu ihr zurücktrieb, bestand übrigens darauf, dass ihr Verhalten normal sei. Ich habe da, ohne erklären zu können warum, meine Zweifel. Alles lehnt sich in mir dagegen auf, das zu akzeptieren. Ich habe meine Therapie, diese Therapie, mit der Frage begonnen, ob ich sie verlassen sollte. Nun habe ich einiges in den Sitzungen mit Ganesha gelernt, was ich als nützlich empfinde, aber vielleicht haben wir doch am Ende das Thema verfehlt. Vielleicht hätte ich statt dessen lernen sollen, meine eigene Toleranz, mein Verständnis, meine Konfliktvermeidungsstrategien zurück zu stellen, um mich von ihr zu trennen.

Im Augenblick bin ich aber einmal mehr bereit, meinen Widerwillen gegen sie auf alle Menschen auszudehnen. Warum auch nicht? Wäre alles andere nicht kleinlich?

Verschwendung

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Meine Kollegen würzten sich am Freitag das Mittagessen mit Reminiszenzen an Erlebnisse in Aufzügen und Pferdeställen und auf Hochsitzen, ein Thema zu dem ich schwieg. Meine Erziehung verbietet mir die Beteiligung an solchen Gesprächen ebenso, wie es mir mein Mangel an erzählenswerten Erlebnissen verbietet.

Ich habe mein Leben verschwendet, misst man es nun an diesem Mangel oder misst man die Zeit, die ich darauf verschwendete, diesen Mangel zu bedauern. In solchen Situationen empfinde ich die Achtsamkeits-Übungen, die mir Ganesha nahe gebracht hat, als ausgesprochen nützlich. Ich habe sie in letzter Zeit vernachlässigt, ich darf mich aber auf keinen Fall vernachlässigen. Noch fünf oder sechs Termine, und die Therapie ist zuende.

Dann stehe ich allein da, nur auf das gestellt, was ich gelernt habe, allein mit Freund, an dem Unterschied zwischen innerer und äusserer Welt umso mehr leidend, als Paula ein Monopol auf diese äussere Welt erhebt, unberechtigt, wie ich vermute, ihre eigene innere Welt mit der anderen verwechselnd. Jeder Mensch aber ist eine einzigartige Welt. In einigen sind die physikalischen Bedingungen sehr verschieden von den üblichen. So verstehe ich Paulas Aufforderung, mich um "360 Grad zu drehen", um mich zu verändern, die in meinem eigenen Bezugssystem überhaupt keinen Sinn macht.

Philip José Farmer hat in seiner World of Tiers-Reihe einige sehr interessante Überlegungenzu diesem Thema angestellt. Seine Helden geraten immer wieder in die Welten anderer, gezwungen sich mit den seltsamsten Bedrohungen auseinander zu setzen, von denen der Besitzer dieser Welt nicht die geringste oder die am wenigsten seltsame ist. Auf seine kernige und erdige Art gibt Farmer in diesen Büchern den Erkenntnissen des Talmud und der Psychoanalyse Form und viel Farbe.

Das Fräulein Devi hielt sich bei diesem Tischgespräch ebenfalls zurück. Ich wage die Vermutung, dass es nicht das Fehlen von Erfahrung war, sondern dass ihre Erziehung der meinen ähnelt, zur Zurückhaltung in solchen Situationen mahnend, eine Erziehung, die geeignet ist, in kleinen Gemeinschaften Konflikte zu vermeiden.


Qualifiziert

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Es gibt der deutsche Schriftsteller Jost Nolte auf seiner Website als Beruf "Leser" an. Das ist ein schöner Beruf, ein erstrebenswerter Beruf, einer, der auch kein Abitur erfordert und ohne geregelte Arbeitszeiten auskommt. Aber er wird von Banken, Gerichtsvollziehern und Ehefrauen nicht recht gewürdigt und schon deshalb nur selten von jungen Männern gewählt.

Ich bin Kundenbetreuer mit vielen Jahren Erfahrung, übergewichtig, unterbezahlt, viersprachig. Mein Chef Ambros hat mich gestern abend beim Essen gefragt, warum ich mit meinen Qualifikationen diesen Job mache. Was sagt man auf solche Fragen, die auf das mühsam erreichte eigene Gleichgewicht abzielen? Erklärt man weitschweifig die Kombination aus diversen Rückschlägen, eigener Feigheit und Trägheit und Paulas nützlichen Informationen über meine Unfähigkeit, die mich dazu gebracht hat, mich an eine Tätigkeit zu klammern, die vernünftige Menschen hinter sich lassen so schnell es nur eben geht, üblicherweise schreiend und mit allen Zeichen eines Nervenzusammenbruchs? Ich versuchte es mit dem Verweis auf meine Kollegen, die um uns herum sassen, zweisprachig, viersprachig, fünfsprachig, Quereinsteiger, Veteranen, überqualifiziert durch abgebrochene Studien, jahrelange Erfahrung, viele nur noch da, weil sie für andere Jobs noch überqualifizierter waren. Es verfing nicht.

Gerne würde ich das Thema jetzt mit Ganesha oder dem Fräulein Devi diskutieren, die aber ausgerechnet beide im Urlaub sind, alternativ mich damit, einer Erkältung und einem Buch im Rahmen eines Krankenscheines auf meiner Couch auseinandersetzen, aber diese Stelle ist schon von Paula besetzt, der Lasse und eine Lungenentzündung Gesellschaft leisten. Ich kauf mir jetzt eine Tafel billige Vollmilch-Schokolade. Vielleicht hilft das ja.

Das I Ging meinte im Bild 26 übrigens, es sei gut, nicht zuhause zu essen. Also war es wohl wichtig, dass mir diese Frage gestellt wurde.

Schizoid

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Claudio Naranjo nennt mich in seinem Buch schizoid und habsüchtig. Das ist zum Einen nicht nett, zum Anderen wird sich Paula gekränkt fühlen, die sich selbst vorbehält, mich so und auch anders zu nennen. Dabei beruft er sich auf einen Herrn Sheldon, den gekannt zu haben ich mich nicht erinnern kann, der mich aber methodisch mit den folgenden 20 Punkten beschreibt:



Eine Frau Horney, die Naranjo als seine Lehrerin bezeichnet und recht zu schätzen scheint, zitiert er ausführlich, wenn sie von mir sagt, ich lebte, als sässe ich in einem Theater, und von meiner mehr oder weniger unbewussten Weigerung spricht, aktiv am Leben teilzunehmen. Zugleich schmeichelt er mir dann aber auch, indem er an Strindberg und Hölderlin Ähnlichkeiten mit mir zu entdecken behauptet. War aber nicht eher Kant mein Vorgänger als Meister der intelligent wirkenden, aber völlig unverständlichen Darstellung?

C. G. Jung, eine Art Magelhaes der Psychotherapie, bescheinigt mir dann auch noch einen enormen Mangel an praktischer Fähigkeit und eine Abneigung gegen Reklame (sein Wort für RTL2) sowie eine beachtliche Bereitschaft, mich ausbeuten zu lassen, solange niemand dabei meine Kreise stört, etwas, das mir als Angestellter der Illinois Electro Door wie als Ehemann sehr entgegenkommt. Naranjo zitiert dann zwei weitere Kollegen namens Keirsey und Bates, die ein System von 16 Persönlichkeitstypen erstellt haben, und von mir und allen potentiellen anderen ichs sagen: "man kann gut mit ihnen auskommen, obwohl sie etwas vergeßlich sind, was Verabredungen, Geburtstage und die "Rituale" des täglichen Lebens angeht - ausser wenn man sie daran erinnert." Dieses Problem konnte ich mit der Hilfe des Termin-Kalenders in meinem Handy eingrenzen, obwohl ich immer noch an Aufgaben scheitere, denen ich wenig, Paula aber viel, oft überhaupt die einzige Bedeutung zuweist wie dem Schliessen eines Fensters oder dem Abwischen der Arbeitsfläche in der Küche.

Als einzige Möglichkeit einer Weiterentwicklung aus diesem Zustand heraus empfiehlt mir der Herr Naranjo im Hinblick auf ein gewisses, schwaches Misstrauen den Gefühlen anderer Menschen gegenüber, das er mir mit einiger Berechtigung unterstellt, auf meine eigene Fähigkeit zu setzen, zu lieben und mich auf Beziehungen einlassen zu können. Da fehlt es ihm eindeutig am rechten Misstrauen meinen eigenen Möglichkeiten gegenüber. C. G. Jung hingegen hat da ein Vertrauen, das mich geradezu rührt: "Ein solcher Typus kann einem leicht die Frage beibringen, wozu man überhaupt existiere, wozu überhaupt Objekte noch daseinsberechtigt seien,..."

Habe ich mich weiter entwickelt? Mir fehlt ein eindeutiger Bezugspunkt, um meinen Erfolg zu messen, denn Paulas Einstellung zu mir ist von jedem Erfolg in dieser Richtung unabhängig, zuverlässig schwingt sie die Streitaxt, um mir und dem Rest des Universums ihre Meinung mitzuteilen. Mit wechselndem Geschick versuche ich, meine Defizite mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts auszugleichen, indem ich dieses Blog betreibe, Rückgrat meines eigenen Mikrokosmos, Nucleus eines kleinen Netzes von Internet-Freundschaften, Jahrmarkt meiner zweifelhaften Ideen.

Wer ist was und wie?

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Ich habe mich in den letzten Tagen noch einmal mit Taibi Kahlers "Personal Communication Model" und auf einen Vorschlag Ganeshas hin auch mit dem Enneagramm beschäftigt. Kahlers System ist zu sehr auf die Nutzbarkeit in einem Unternehmen ausgelegt, das Enneagramm bei der Beurteilung der Persönlichkeitstypen zu einfach. Besser schiene mir eine Kombination der verschiedenen Elemente. Der Ansatz des Enneagramms, das eine Hilfe für Menschen sein soll, um sich selbst und andere besser zu verstehen, und seine flexibleren Beschreibungen, verbunden mit der Idee, das die meisten Menschen nicht nur einem Typ angehören, sondern auch im Laufe ihres Lebens verschiedene Phasen durchlaufen.



Um das Modell funktionell zu halten, muss man es dann allerdings auf sechs statt neun Persönlichkeitstypen begrenzen. Mit den verschiedenen Phasen kommt man immerhin auf 36 mögliche Varianten. Die beste Darstellungsmöglichkeit wären also zwei konzentrische Räder mit jeweils 6 Zahlen. Die Kombination aus Typ und Phase ergäbe eine zweistellige Zahl zwischen 11 und 66, die über eine Tabelle nicht nur diesen beiden Faktoren sondern auch einem Stressverhalten, Bedürfnissen und Prioritäten zugeordnet werden könnte.



Ein Faktor, den beide Systeme nicht berücksichtigen, sind die Ansprüche, mit denen uns unser Umfeld konfrontiert. Ein Friedliebender-Empathiker, der ein Unternehmen erbt, mag in einer Denker-Beobachter-Logiker-Phase sein, aber man wird von ihm die Eigenschaften eines Macher-Anführers erwarten. Für eine Tätigkeit im Vertrieb ist ein Optimist-Rebell sicher die erste Wahl, ein arbeitsloser Beharrer-Perfektionist wird ein solches Stellenangebot deshalb aber noch lange nicht ausschlagen. Im besten Fall können beide die benötigten Fähigkeiten entwickeln oder vortäuschen, der Unternehmer durch ein geschickt aufgestelltes Team ausgleichen, was er nicht von Natur aus hat.

Um das Modell darzustellen, bräuchten wir also drei runde Papier-Scheiben verschiedenen Durchmessers, die sich um ihren gemeinsamen Mittelpunkt drehen liessen. In einer Tabelle fänden wir zu der zweistellige Zahl, die sich aus den beiden inneren Kreisen ergäbe, die entsprechenden Eigenschaften, die uns über uns selbst informieren, im dritten, äusseren Kreis eine weitere Zahl zwischen 1 und 6, die einem Persönlichkeitstyp entspricht, der wir eigentlich sein müssten, um dieser Situation unseres Lebens gewachsen zu sein. Wir könnten dann entscheiden, ob wir die entsprechenden Eigenschaften haben, welche Möglichkeiten wir sonst haben, sie zu üben, oder ob wir besser das tun, wofür der Hase und die italienische Armee so bekannt sind.

Allein diese Idee verrät allerdings schon meinen Persönlichkeitstyp und meinen Flügel bzw. meine Phase. Ein Vorteil des Enneagramms ist natürlich, dass es sogar ein Plätzchen für Maniac gibt, dessen Charakter der PCM-Software seinerzeit einen mittelschweren Zusammenbruch bescherte. Meine eigene Einstufung als Denker/Beobachter finde ich sehr charmant. Am Beobachten hatte ich dann und wann schon einige Freude.

Die Rechte für die erste Abbildung liegen bei Eva Derendinger und für die Tabelle bei Elisabeth Feuersenger, aus deren Buch ich sie scannte. Die Abbildung des Doppelrades entnahm ich Wikipedia, wo sie den Extraktor eines Trommelrevolvers zeigt, der amerikanischsten aller Erfindungen.

Plan B

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Ich näherte mich dem Sonntag mit einigem Vorbehalt, gab Hurakan, vormals Sturmgott der Mayas, doch ganz eindeutig ein Heavy Metal-Konzert vor unserer Haustür. Statt dessen dachte ich an das halbe Dutzend Frauen, die irgendwann einmal an mir ein Interesse gezeigt hatten. Mit jenem Zartgefühl, das ausser mir nur Dschingis Khan hat, und einer Fähigkeit, eine Situation richtig einzuschätzen, die mich, hätte ich Neigung zum Militär gehabt, zum General gemacht hätte, habe ich sie reihum enttäuscht oder gekränkt.

Für einen Moment zog ich in Erwägung zu bedauern, dass ich mit DeeDee keinen Sex gehabt hatte. Sie hatte mir ein so freundliches Angebot gemacht. Ich hätte es annehmen und mich einfach darauf verlassen sollen, dass sie mich danach garantiert nicht hätte wieder sehen wollen. Ich litt damals eindeutig an einer ganz falschen Einschätzung meiner selbst. Ganesha versuchte am Samstag, mit mir die Möglichkeit zu diskutieren, mir eine Freundin zu suchen. Sein Hang zu einem dialektischen Optimismus ist so reizend wie seine völlig falsche Einschätzung meiner Möglichkeiten. Ein gewisser Mangel an Angeboten in den letzten zehn Jahren steht in guter Balance zu einem an menschlichen Qualitäten.



Am Tag vorher habe ich mir das Städtchen Hagen so angesehen, als wäre ich noch nie da gewesen. Ich habe mir eine Karte gezeichnet, mit der Fussgängerzone, dem Jardin de Chine, den Parkdecks, Durchgänge, Passagen, Treppen, die die verschiedenen Teile der Stadt mit einander verbinden, mit Einkaufszentrum, Möbelhaus, Evangelischer Kirchengemeinde, Marktplatz und Bahnhof. Diese Karte mit einem Einkaufszettel, der Telefonnummer eines Tierarztes und der Abfahrtszeit eines Zuges auf der Rückseite ist mein Plan B. Denn mit einem Plan B ist man den meisten Generälen und Paula nicht nur im Alphabet immer ein ganzes Stück voraus.

Zahlt eigentlich die Gebäudeversicherung auch Zaunelemente? Ich habe irgendwie so meine Zweifel.


Wer manipuliert hier wen?

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Ich stelle mir gerade die Frage, ob ich noch einmal eine Beziehung eingehen möchte. Kann ich es? Will ich es? Will mich überhaupt jemand? Bringt mir die Therapie in dieser Hinsicht etwas? Die Leute, die im Fernsehen Therapie-Sitzungen haben, sprechen immer über Sex. Das scheint eine Art Konvention zu sein. Oder es ist anderen Leuten viel wichtiger als mir. Ich habe fast nie über Sex gesprochen. In diesem Zyklus von Gesprächen sogar nie. Gut, ich habe ja auch keinen, aber trotzdem... Irgendwie scheint mir klar zu sein, dass Paula seit Jahren nicht mehr mit mir zusammen sein will. Wie sehr habe ich sie auf die eine oder andere Weise in dieser Richtung manipuliert? Hätte ich sie trotz der so ausgezeichneten Voraussetzungen, die ich dazu habe, jemanden zu enttäuschen, auch in die andere Richtung manipulieren können? Wie wenig konnte ich doch den Ansprüchen ihrer Familie genügen - wie sehr hat sie mich durch Informationen darüber manipuliert?