Claudio Naranjo nennt mich in seinem
Buch schizoid und habsüchtig. Das ist zum Einen nicht nett, zum Anderen wird sich Paula gekränkt fühlen, die sich selbst vorbehält, mich so und auch anders zu nennen. Dabei beruft er sich auf einen Herrn Sheldon, den gekannt zu haben ich mich nicht erinnern kann, der mich aber methodisch mit den folgenden 20 Punkten beschreibt:
Eine
Frau Horney, die Naranjo als seine Lehrerin bezeichnet und recht zu schätzen scheint, zitiert er ausführlich, wenn sie von mir sagt, ich lebte, als sässe ich in einem Theater, und von meiner mehr oder weniger unbewussten Weigerung spricht, aktiv am Leben teilzunehmen. Zugleich schmeichelt er mir dann aber auch, indem er an
Strindberg und
Hölderlin Ähnlichkeiten mit mir zu entdecken behauptet. War aber nicht eher
Kant mein Vorgänger als Meister der intelligent wirkenden, aber völlig unverständlichen Darstellung?
C. G. Jung, eine Art
Magelhaes der Psychotherapie, bescheinigt mir dann auch noch einen enormen Mangel an praktischer Fähigkeit und eine Abneigung gegen Reklame (sein Wort für RTL2) sowie eine beachtliche Bereitschaft, mich ausbeuten zu lassen, solange niemand dabei meine Kreise stört, etwas, das mir als Angestellter der Illinois Electro Door wie als Ehemann sehr entgegenkommt. Naranjo zitiert dann zwei weitere Kollegen namens
Keirsey und Bates, die ein System von 16 Persönlichkeitstypen erstellt haben, und von mir und allen potentiellen anderen ichs sagen: "
man kann gut mit ihnen auskommen, obwohl sie etwas vergeßlich sind, was Verabredungen, Geburtstage und die "Rituale" des täglichen Lebens angeht - ausser wenn man sie daran erinnert." Dieses Problem konnte ich mit der Hilfe des Termin-Kalenders in meinem Handy eingrenzen, obwohl ich immer noch an Aufgaben scheitere, denen ich wenig, Paula aber viel, oft überhaupt die einzige Bedeutung zuweist wie dem Schliessen eines Fensters oder dem Abwischen der Arbeitsfläche in der Küche.
Als einzige Möglichkeit einer Weiterentwicklung aus diesem Zustand heraus empfiehlt mir der Herr Naranjo im Hinblick auf ein gewisses, schwaches Misstrauen den Gefühlen anderer Menschen gegenüber, das er mir mit einiger Berechtigung unterstellt, auf meine eigene Fähigkeit zu setzen, zu lieben und mich auf Beziehungen einlassen zu können. Da fehlt es ihm eindeutig am rechten Misstrauen meinen eigenen Möglichkeiten gegenüber. C. G. Jung hingegen hat da ein Vertrauen, das mich geradezu rührt: "Ein solcher Typus kann einem leicht die Frage beibringen, wozu man überhaupt existiere, wozu überhaupt Objekte noch daseinsberechtigt seien,..."
Habe ich mich weiter entwickelt? Mir fehlt ein eindeutiger Bezugspunkt, um meinen Erfolg zu messen, denn Paulas Einstellung zu mir ist von jedem Erfolg in dieser Richtung unabhängig, zuverlässig schwingt sie die Streitaxt, um mir und dem Rest des Universums ihre Meinung mitzuteilen. Mit wechselndem Geschick versuche ich, meine Defizite mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts auszugleichen, indem ich dieses Blog betreibe, Rückgrat meines eigenen Mikrokosmos, Nucleus eines kleinen Netzes von Internet-Freundschaften, Jahrmarkt meiner zweifelhaften Ideen.