Die Pineas Diaries

The names have been changed to protect the innocent… As if there would be something like an innocent.

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We are Citizens (or even not)

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“We are citizens. It’s a word that doesn’t just describe our nationality or legal status. It describes the way we’re made. It describes what we believe. It captures the enduring idea that this country only works when we accept certain obligations to one another and to future generations; that our rights are wrapped up in the rights of others; and that well into our third century as a nation, it remains the task of us all, as citizens of these United States, to be the authors of the next great chapter in our American story. 19”

Barak Obama ist ein Neo-Konservativer, ein Konterrevolutionär, ein ewig gestriger, der die Wiederherstellung des “Basic Bargain” verlangt, des Konzeptes, das jemand von seiner eigenen Arbeit leben kann, dass gar ein sozialer Aufstieg möglich ist. Dabei haben wir alle, wir Europäer, Afrikaner, Chinesen, Vietnamesen, seit 1989 von Amerika gelernt, dass die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen nicht ein Störfall des Systems ist, sondern das System selbst. Wir haben von Amerika gelernt, dass Gier gut ist, dass eine gesunde Wirtschaft eine kopfstarke Unterschicht und eine verarmende Mittelschicht braucht.

Und dann und genau deswegen rutschte diese Wirtschaft 2008 in die Krise. Die Demokraten versuchen nun, diese Krise zu überwinden, indem sie per Gesetz einen Zustand wieder einführen wollen, der ursprünglich dadurch entstand, dass es mehr Platz und Bedarf an Gütern und menschlicher Produktionsleistung gab, als zu jener Zeit und an diesem Ort zur Verfügung stand. Die Wahrscheinlichkeit spricht gegen den Erfolg, der Ansatz ist dem George W. Bushs jedoch vorzuziehen, der einen Krieg gegen die Taliban ausrief, weil der gegen die Deutschen und die Japaner in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts Vollbeschäftigung und Wohlstand brachte.

Wirtschaftlich wird die Freihandelszone mit der Europäischen Gemeinschaft da schon mehr bringen. Wir Europäer können immer noch von den Amerikanern lernen und sie jetzt auch wieder von uns, von unserem Schulsystem, unserem Rechtssystem, unseren Qualitätsstandards.

Vielleicht ist das der Beginn der “Western Union” wie H. Beam Piper in einer seiner Kurzgeschichten einen der Machtblöcke nannte. Diesen Organisationen stellte er Gruppen von Wissenschaftlern gegenüber, die als Söldner für wechselnde Auftraggeber agierten. Vielleicht sollten wir ihrem literarischen Vorbild folgen und uns als eigene Unternehmen oder Kooperativen organisieren.

In gewisser Weise sind wir heute aber auch alle Amerikaner, die wir den Glauben an die Demokratie und die Freiheit des Individuums teilen, die in die Kirche der Amerikanischen Revolution gehen, den Kanon der Französischen Revolution aufsagen. Der Basic Bargain (Barak Obama: “If you work full-time, you shouldn’t be in poverty…”), der Glaube an “The Land of the Free”, das Ideal einer gerechten und freien Gesellschaft wie Dworkin sie definiert, ist wohl verloren, unrettbar im Strudel des selbstgeschaffenen Maelstromes untergegangen und mit ihm der Citoyen, der Bürger, von dem Obama sprach.

Die neue Welt wird nicht besser werden als die alte, sie iwird nur ... neu... sein.

Aufstieg und Fall Europas

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Unter anderen Umständen würde ich gerne reisen. Wieviel habe ich von Europa noch nicht gesehen? Nie stand ich auf der Brücke von Buda nach Pest, nie auf der Spanischen Treppe, um den Frauen, die sie hinauf steigen, in den Ausschnitt zu schauen, nie auf dem Achterdeck der “Goldenen Hirschkuh”, nie vor der Mona Lisa im Louvre.

Dabei bräuchte ich von den Vulkanen Islands bis zu den Bergen Kurdistans und von den Küsten des Schwarzen Meeres bis zu denen der Hundemenschen-Inseln keinen Reisepass und keine Visa, nur einen Personalausweis. Ich könnte auf mein hypothetisches Guthaben von jedem Geldautomaten aus zugreifen und mein Mobiltelefon würde sich in jedem Land in ein Netz einloggen.

In diesem Raum leben bei weitem mehr Menschen als in den USA oder Russland, werden mehr Güter hergestellt und umgeschlagen als in beiden Ländern und gibt es mehr Wohlstand als dort. Ich zögere auch keinen Augenblick, für meine amerikanischen Leser hinzuzufügen, dass dieses Europa die Heimat von Diane Kruger, Penelope Cruz, Kirsten Dunst, Antonio Banderas und Sandra Bullock ist und manche unserer Einwanderer ausehen wie Salma Pinault. Und die Sklaverei wurde nicht 1863 abgeschafft, sondern bereits 1794, in Grossbritannien 1833.

Aber so ideal das alles klingt, so weit ist Europa vom Ideal auch entfernt. Gerade in diesem Augenblick wird es vom politischen Extremismus in Griechenland und Ungarn bedroht, von der politischen und wirtschaftlichen Instabilität von Italien, Griechenland und Belgien, von der Arroganz der Mächtigen, der Gier gewisser Investmentbanker und dem Verlust an Kaufkraft der breiten Masse. Die grösste Bedrohung aber ist der Mangel an Europäern. Fast alle Bewohner dieses geografischen Raumes fühlen sich nicht als Europäer, sondern immer noch als Angehörige einer Nation, als Dänen etwa, als Tschechen oder Portugiesen, als Venezianer oder Sizilianer.

In dieser Situation bleibt uns eigentlich nur, auf die Weisheit des alten Amerika zurück zu greifen. Wir sollten George W. Bush fragen, jenen herausragenden Denker, der die USA in zwei Amtszeiten führte, den Befreier des Iraks und Afghanistans - und dann das genaue Gegenteil von dem tun, was er uns als Lösung unserer Probleme empfiehlt. Die Autoren des I Ging, deren Beziehungen zu amerikanischen Konzernen weniger klar sind als die seinen, raten im Bild 16 zum Enthusiasmus und dazu Helfer zu installieren und in Gemeinschaft aktiv zu werden.

Enthusiasmus liegt den meisten Menschen im Hinblick auf die Situation in Griechenland denkbar fern. Der Gedanke, diesen Staat aus der Eurozone auszuschliessen, ist der Versuch, einem neuen Problem nicht mit einer neuen Lösung zu begegnen, sondern das Problem so zu definieren, dass die alten Lösungen wieder passen. In der Theorie ist das nicht einmal ein schlechter Plan, berücksichtigt er doch die Beschränkungen, die die Kreativität und Anpassungsfähigkeit von Politiker in aller Regel haben.

Praktisch gibt es jedoch keine Möglichkeit, die Griechen davon zu überzeugen, dass sie ihre im Wert steigenden Euros rausrücken und sich dafür fast wertlose Drachmen oder “G-Euros” andrehen lassen. Sollte das aber nicht gelingen, bricht die Wirtschaft verhältnismässig schnell völlig zusammen, weil die Hellenen das neue Geld nur verwenden werden, um ihre Steuern zu bezahlen, oder für einen Zweck, bei dem die Banknoten am Ende in die Kanalisation gelangt.

Einige Menschen werden daraus ihren Vorteil ziehen, und es sind kaum die, die in den letzten beiden Jahren bereits 25% ihres Einkommens eingebüsst haben. Am Ende kann eine Diktatur stehen, das wäre nicht ganz ohne Beispiel. Aber es könnte ebenso ein Zerfall Griechenlands und vielleicht auch Italiens zu einem Konglomerat von Staaten sein, grösseren und kleineren, an deren Spitze Menschen ständen, die ihre Macht auf eine Kombination aus der Zustimmung eines Teiles der Bevölkerung, Geld und Feuerkraft stützten, nicht unbedingt die nettesten Menschen.

Hail to the Chief!

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Dieses Bild zeigt ein Verhalten, das sicher auf einer Verwechslung von George Bush und George W. Bush basiert, jenes Mannes, der das moderne Amerika mit geformt hat:

"Zu den wirtschaftlichen Hintergründen der Schuldenkrise zählen strukturelle Veränderungen der Weltwirtschaft, welche die Wettbewerbswähigkeit der USA reduzieren und die Außenhandelsbilanz schwächen. Weiterhin haben die Militärausgaben seit dem 11. September 2001 maßgeblich zum Haushaltsdifizit beigetragen." Wikipedia, Haushaltskrise in den Vereinigten Staaten 2011

des Befreiers der geknechteten Völker des Irak und Afghanistans:

"Der damalige argentinische Präsident Néstor Kirchner sagte, Bush habe in einem Gespräch mit ihm über weltwirtschaftliche Probleme auf seinen Vorschlag der Auflage eines neuen Marshallplans ärgerlich reagiert und geantwortet, das beste Mittel, die Wirtschaft wiederzubeleben, sei der Krieg, und dass die Vereinigten Staaten durch Krieg stärker geworden seien.[9] Bush wurde von der deutschen Bundesregierung als „intellektuell äußerst niederschwellig“ eingeschätzt." Wikipedia, George W. Bush

des Vaters des Vaterlandes:

"Das Informationsfreiheitsgesetz ist in den Vereinigten Staaten seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 stark beschnitten worden. Immer mehr Regierungsakten werden mit dem Vermerk „Geheim“ oder einfach „Nur für den Dienstgebrauch“ versehen und damit umfassender Transparenz entzogen." Wikipedia, George W. Bush

des Retters des Staates:

In den Haushaltsprojektionen im Jahr 2001 ging das Congressional Budget Office, die Haushaltsbehörde des Kongresses, von anhaltenden Haushaltsüberschüssen von jährlich 850 Mrd. US-Dollar bis mindestens 2012 aus. Damit hätte die Gesamtverschuldung nach etwa acht Jahren komplett abgetragen werden können. Tatsächlich kam es jedoch bis 2009 zu Haushaltsdefiziten von durchschnittlich 1,2 Billionen US-Dollar pro Jahr. Nach Analysen der New York Times lässt sich diese Diskrepanz auf die wesentlich schlechter als erwartete Wirtschaftsleistung und damit verbundene Steuerausfälle (37 %), die unter Präsident Bush beschlossenen Maßnahmen (33 %), darunter insbesondere Steuersenkungen, eine Ausweitung der Medikamentenversicherung im Rahmen von Medicare sowie die Kriege in Afghanistan und dem Irak, die davon unter Präsident Obama verlängerten Maßnahmen (20 %) sowie seine neuen Maßnahmen (10 %) zurückführen. Wikipedia, Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten

und geistigen Vater John Boehners:

"Boehner has been highly critical of several recent initiatives by the Democratic Congress and President Barack Obama, including the "cap and trade" plan that Boehner says would hurt job growth in his congressional district and elsewhere. He opposed the Patient Protection and Affordable Care Act and said that, if Republicans took control of the House of Representatives in the 2010 elections, they would do whatever it takes to stop the act. One option would be to defund the administrative aspect of the Act, not paying "one dime" to pay the salaries of the workers who would administer the plan. He also led an opposition to the 2009 stimulus and to Obama's first budget proposal, promoting instead an alternative economic recovery plan and a Republican budget (authored by Ranking Rep. Paul Ryan, R-WI). He has advocated for an across-the-board spending freeze, including entitlement programs.
Boehner favors making changes in Social Security, such as by raising the retirement age to 70 for people who have at least 20 years until retirement, as well as tying cost-of-living increases to the consumer price index rather than wage inflation, and limiting payments to those who need them."
Wikipedia, John Boehner

eines Mannes, dem das Wohl aller Amerikaner am Herzen liegt:

"According to the Washington Post: "From illegal immigration to sanctions on China to an overhaul of the pension system, Boehner, as chairman of the House Committee on Education and the Workforce, took ardently pro-business positions that were contrary to those of many in his party." Wikipedia, John Boehner

und der als Präsident schon bald die USA in eine bessere Zukunft führen könnte:

"Boehner has received a "0" rating from the Human Rights Campaign in the last three congressional sessions, voting against the Don't Ask, Don't Tell Repeal Act of 2010, the Early Treatment for HIV Act, the Employment Non-Discrimination Act, and the Hate Crimes Prevention Act. Boehner voted for a Federal Marriage Amendment. In a letter to the Rights Campaign, Boehner stated, "I oppose any legislation that would provide special rights for homosexuals... Please be assured that I will continue to work to protect the idea of the traditional family as one of the fundamental tenets of western civilization." Wikipedia, John Boehner

"Beyond the $22 billion in 2012 fiscal year cuts, the Boehner bill would require Congress to draft proposals that cut at least $1.8 trillion from Medicare and Social Security. It would also make major cuts to Pell Grants, which help students attend college, and establish caps on discretionary spending until 2021." Huffington Post, 27.07.2011, John Boehner Debt Plan Cuts $915 Billion From Deficit: CBO

(Hervorhebungen von mir. Dieses Blog stellt mit der Unterstützung von Wikipedia, der Huffington Post und den Capitol Hillbillies natürlich auch nur meine eigenen Ansichten dar. Und nach denen können Bush und Böhner denn auch nicht deutscher, sondern höchstens österreichischer Abstammung sein.)

Es lebe die Inquisition!

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Irgendwie fehlt es den Menschen in ihrer Mehrheit an den rechten moralischen Massstäben. So gilt es in vielen, vor allem philosophisch noch nicht so weit entwickelten Gegenden der Welt als Sünde, wenn sich zwei Herren so nahe kommen, dass Kleidung dabei nur stören würde. Aber was ist mit den Schurken, die die führende Website über klassische Revolver mit Malware verseucht haben? Wo bleibt hier der Ruf nach angespitzten Pfählen, Autobatterien, Daumenschrauben, der Papageienschaukel, water boarding und exzessiver Verwendung von Streckbänken, die Drohung ewiger Versammnis in einer Hölle, die je nach Geschmack von Dante, tibetischen Buddhisten, Taoisten oder Quentin Tarantino entworfen wurde?

Bei diesen Halunken gibt es nicht einmal jenen Zweifel, den man bei Politikern und Unternehmern oft hat, den Gedanken, dass nicht böse Absicht, sondern nur grenzenlose Dummheit sie in ihren Taten beflügelt. In dieser Beziehung verbindet George W. Bush und Barak Obama so viel. Beide kennen kaum mehr als eine Lösung für ein Problem und oft auch für alle Probleme. Bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist das normalerweise die Vermehrung der Geldmenge, die im Umlauf ist. Aktuell sind wir nach meiner Zählung bei der dritten Geldschwemme seit elf oder zwölf Jahren, von denen die letzten beiden auch die Folgen der ersten beheben sollten. Der Unterschied zwischen krimineller Intelligenz und krimineller Dummheit ist beträchtlich.

Das Beste an dieser Malware-Infektion ist, dass ich eine neue Version von Opera installiert habe und jetzt wieder mit Skins und der Konfiguration der Schnellwahl herum spielen kann. Und vielleicht endlich lerne, wie man Zertifikate installiert.


Nachrichten aus einer Parallelgesellschaft

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Aus der Parallelgesellschaft des Regierungsviertels in Berlin höre ich Wort von einem Krieg, den wir führen würden, und zwar in einem exotischen Land namens Afghanistan. Das kann natürlich gar nicht sein, da uns seit 2001 immer noch keine Kriegserklärung der afghanischen Regierung vorliegt, wir auch von dieser Regierung und ihrer Armee und Marine nicht angegriffen worden sind. Uns ist es umgekehrt grundgesetzlich aber strengstens verboten, andere Länder anzugreifen. Es kann sich also nur um den Bau von öffentlichen Bedürfnisanstalten unter Gefechtsfeldbedingungen handeln, etwas, dass die Bundeswehr auch ohne bessere Ausrüstung, ein kriegsmässiges Training oder Hubschrauber leisten kann.

Wo es keinen Krieg gibt, gibt es keine Bedarf an diesen Dingen. Die Kampfhandlungen, über die nur im Worst Case berichtet wird, sind nur Missverständnisse zwischen den Allierten und den Taliban über diese Punkt. Da wird ein Mediator helfen können, der psychologisch geschult ist, im Gespräch einen Konsens erreicht, der uns erlaubt, mit Tausenden von Sozialpädagogen, Kontaktbeamten und Mitarbeitern der Arbeitsagentur, geführt von Peter Zwegat und Katharina Saalfrank, die Afghanen auf den rechten Weg zu bringen.

Mit den gleichen Mitteln und dem gleichen Leugnen der Realität hat man uns die Arbeitslosenzahlen klein gerechnet und die mangelnde Integration von Einwanderern und das Auseinanderbrechen der Gesellschaft in Schichten zu bedauerlichen Einzelschicksalen verklärt. Die Erkenntnis, einen Krieg zu führen, überkommt uns denn auch nach der, ihn verloren zu haben.



Einer der schärfsten Kritiker der US-Strategie in Afghanistan sagt: " Kenne dich selbst und kenne deine Feinde, so wirst du in hundert Schlachten nicht in Gefahr geraten. " Die US-Regierung, die diesen Krieg begonnen hat, kannte weder die Möglichkeiten ihrer Armee noch deren Grenzen, nicht ihre Verbündeten und schon gar nicht den Feind. Er sagt auch, die höchste Form der Kriegsführung sei es den Willen der Taliban zu brechen, die die Allierten immer noch eher motivieren. Taktiken zu haben, aber keine Strategie nennt er übrigens eine teure Variante der Selbsttäuschung. Im Augenblick scheinen nur die Taliban zu entscheiden, wann und wo gekämpft wird, und auch nur sie scheinen einen funktionierenden Geheimdienst und klar definierte Kriegsziele zu haben, etwas ohne das meines Wissens noch nie ein Krieg gewonnen wurde.

Hätte man Sun-Tze an Stelle von General McCrystal den Befehl in Afghanistan angeboten, hätte dieser abgeklärte Meister militärischer und anderer Weisheit, sicher dankend abgelehnt. Oder wie auch immer man es höflich umschreiben will, dass ein netter, älterer Herr schreiend aus einem Büro läuft.



Das Foto der Soldaten in Afghanistan stammt aus dem Archiv der Welt.de. Alle Rechte liegen.

Der Psalm des Weltbürgers

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Kann man die Auseinandersetzungen zwischen den Islamisten und der westlichen Zivilisation nicht einfach Taliban-Krieg nennen, jenen sprachlich so alles in die Schuhe schieben, was so schwierig zu erklären ist, sie so vom netten muslimischen Obsthändler um die Ecke scheidend? Ich lese gerade eine sehr frühe, das Geschehen quasi vorweg nehmende Darstellung dieses Krieges. Allerdings verlegt sie der Autor mit bissiger Ironie weit in der Zeit zurück.

Aus der "Allianz" wird bei ihm ein Imperium, für dessen weitreichende Interessen ein kleiner Staat im Mittleren Osten von strategischer Bedeutung ist. Gerade dessen Bevölkerung aber ist durchdrungen von tiefem Glauben, viele sind fanatisch davon überzeugt, dass schon die Anwesenheit der Ungläubigem auf Heiligem Land ein Frevel ist, der den Zorn Gottes erregen muss. Als der Führer des Imperiums, der sich nicht wirklich zur Politik berufen fühlt, von einem Aufstand und der Zerstörung bedeutender Kunstwerke erfährt, setzt er seine Armee in Bewegung.

Lion Feuchtwanger beschränkt sich in seinem Buch "Der jüdische Krieg" aber nicht darauf, 1932 die Welt von 2002 so präzise vorher zu sehen, dass ich bei diesem und jenem Mitglied von Neros Ratpack sofort den einen oder anderen bekannten Namen aus dem Dunstkreis der Füsse George W. Bushs gerufen habe, er stellt uns mit Flavius Josephus auch einen Menschen dar, der von starken und oft gegensätzlichen Wünschen getrieben wird. Er will glauben, will ein Gerechter sein, aber auch ein erfolgreicher Schriftsteller, ein bedeutender Führer der Aufständischen, er will Anerkennung, will sozialen Aufstieg, will diese Frau und diese auch. Er ist zugleich von der Lebensart des Imperium Romanum angezogen wie von der jüdischen Kultur, steht so zwischen den Kulturen, nicht unähnlich manchem Einwanderer heute.

Viel einfacher in seiner Art ist Titus Flavius Vespasianus, ehemaliger Konsul, ehemaliger Statthalter, ein oft gescheiterter General, der im Umfeld Neros auf eine letzte Möglichkeit wartet, wieder nach oben zu kommen. Er ist ein den Spott gewohnter Mann, kurz vor dem Absprung in die Bedeutungslosigkeit eines Lebens als Gutsbesitzer, einer der keine Schwierigkeiten hätte, seine Überzeugungen umgehend zu verraten, hätte er denn nur welche. Seine Devise ist aber: "Wenn das Unanständige nützlich ist, muß man es tun, und hernach muß man sich Skrupel machen", ein Satz, der heute in goldener Schrift über dem Eingang der Frankfurter Börse steht.

Ein anderer Satz aus diesem Buch sollte an vielen Stellen stehen, tut es aber nicht:



Ich könnte mir diesen Satz sehr gut im Foyer einer Schule oder Universität vorstellen, auch bei Bibliotheken und an anderen Orten. Er ist eine Art Weiterentwicklung des Psalms 104 über die Herrlichkeit der Natur, zu der er den Menschen in eine Beziehung stellt. Ich habe dieser Vorgabe so wenig entsprochen, so wenig entsprechen können, wie jeder anderen. In diesem Fall bereue ich es allerdings.