Die Pineas Diaries

The names have been changed to protect the innocent… As if there would be something like an innocent.

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Begegnungen mit mir selbst auf dem Möbiusband

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Ich lebe in einer Endlosschleife. Jeden Tag stehe ich zur gleichen Zeit auf, beantworte die gleichen Fragen, esse das Gleiche, sehe das Gleiche im Fernsehen und erlebe irgendein neues Desaster, das sich vom vorigen vielleicht in Art und Umfang unterscheidet, jedoch nicht in der Wirkung, die es auf mich hat. Nach Weihnachten war der Öltank leer, heute morgen blieb der Motorroller am Ortsausgang stehen.

Ein Vorteil der Kopfgeburt Piaggios dem Auto gegenüber ist es, dass eine Person allein sie mit einer Mühe im Schweisse seines Übergewichtes schieben kann. Ich war nass geschwitzt, als ich wieder zuhause ankam. Immer noch schulde ich Wells 150 Ecu für die Maschine, eine Schuld, die ich mit dem Erlös einer e-bay-Auktion abzutragen gehofft hatte. Es schweigt der Kunde jedoch seit Abschluss der Auktion, und mein Kontostand hat sich nicht nach oben bewegt. Das lässt mich an seinen Absichten zweifeln und an meiner Fähigkeit, mich in diesem Monat dieser Verbindlichkeit zu entledigen.

Es gibt Augenblicke, in denen ich mir erlaube, Wünsche zu haben, von einem neuen Motorola Wilder zu träumen, das Speicherplatz für eine ganze Bibliothek und alle Songs von Katie Melua bietet, von einer Reise nach London, wo alle so sprechen wie die Kunden, die ich heute hatte, aber keiner von 'garage door openers', 'key fobs' und 'problems'. Baker Street, Westminster, Trafalgar Square, die Themse, ich habe eine Liste, die ich update, sinnloser Hoffnung sinnlos Vorschub leistend, nur um nicht unterzugehen, um weiter zu atmen. In meinem Fall ist das schon ein Triumph des Willens.

Auf dieser Liste stehen auch Paris, New York, Berlin, Brügge, Brüssel, Lüttich, Buenos Aires, Genua, Florenz, Köln und die neue Honda Vision 50. Aber nicht einmal meine Phantasie reicht nicht weit genug, um mir vorstellen zu können, mich eines Tages zu etwas wie einem gebrauchten Lada Nova zu verbessern oder Sex mit jemandem zu haben, der ein bisschen so aussieht wie Alyson Hannigan. Am Ende eines Tages sind wir dann wieder zu dritt, ich , der Kater Freund und die Stimme von Katie Melua.


Sherlock Holmes und Buffy Summers

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Mein Leben holt mich wieder ein, das Leben, dem ich auch mit einem Escort nicht davon fahren konnte. Das hat schon am Tag nach dem Unfall angefangen, als ich in Trockenburg auf einem winzigen Flohmarkt genau den Film fand, den ich seit zwei Jahren gesucht hatte. Die zweifache Oscar-Preisträgerin Hilary Swank, David Arquette, Donald Sutherland, Rutger Hauer, Ben Affleck, Kirsty Swanson und Luke Perry in jenem Klassiker von 1992, der die Legende der Auserwählten begründete, der Jägerin, jenes Mädchens, das das Schicksal den Mächten der Finsternis entgegenstellt.

Manchmal ist es ein alter Film oder eine neue Sherlock-Holmes-Verfilmung, ein Gedanke, eine Erinnerung, manchmal ein Song von Katie Melua aus den Lautsprechern eines Baumarktes, der Paulas obligatorischen Wutausbruch unterbricht, der mir hilft, den Kontakt zu mir selbst nicht zu verlieren. Ihr aktueller Wutausbruch dauert schon eine Woche und wenn sie etwas anderes artikuliert als eine allgemeine Abneigung gegen mich, hat es etwas mit dem Verlust von 2.000 Ecu zu tun, die wir mit dem Auto verloren haben.

Natürlich hätten wir den Wagen auf keinen Fall zu diesem Preis verkaufen können. Natürlich hätten uns die Kosten für seinen Unterhalt ruiniert, bis wir uns das eingestanden hätten. Die Realität ist mehr als ein Dollar, den wir uns selbst drucken. Der amerikanische Philosoph Geithner arbeitet gerade an einer Studie zu diesem Thema. Er analysiert das wohl an der Obergrenze der amerikanische Staats-Verschuldung, die innerhalb von zehn Jahren verdreifacht wurde und eben wieder nicht ausreicht. Das erinnert an den Saldo unseres Girokontos.

Wirtschaftliche Unsicherheit gehört heute zu den Alltags-Risiken wie Viren-Befall am PC oder die Möglichkeit, einem Attentat zum Opfer zu fallen, ein Vorrecht, das in meiner Jugend nur die Wohlhabenden und Prominenten genossen. Diese spezielle Form des Leides ist durch die Skrupellosigkeit religiöser Fundamentalisten und den Idealismus beschränkter Faschisten heute so vielen zugänglich geworden. Kirchen, Moscheen und Synagogen sind vor der bewaffneten Verwechslung von Persönlichkeitsstörung und Realität so wenig sicher wie Diskotheken, Bürogebäude und Jugendlager.

Mein Mitleid gehört den Opfern und ihren Hinterbliebenen der Anschläge von Oslo.

Captain Ahab und die Walfang-Gegner

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Für einige Zeit war es mir gut gegangen. Ich war zufrieden, hatte mässig, aber nicht übermässig gegessen, die Wohnung war sauber gewesen, ich hatte eine neue Kurzgeschichte begonnen, ich zog sogar in Erwägung, über den Tag hinaus zu planen. mir ein anderes Leben vorstellen zu dürfen.

Dann diagnostizierte der Pneumologe bei Paula als Folge von zwei schlecht ausgeheilten Lungenentzündungen Asthma und eine Atem-Kapazität von gerade noch 39%. Sie beflügelte das umgehend zu einem ihrer Höhenflüge, worauf sie begann, Teile ihrer antiken Stereo-Anlage auszusortieren. Sie begründete das mit der eigenwilligen Vermutung, das Zeitalter der Musik-Cassetten sei vorbei, und zwang mich dann in den Elektrofachmarkt des Grauens, um neue Boxen zu kaufen, die unvermeidlich ihren Ansprüchen nicht genügen würden und daher umzutauschen waren. Gott gab uns Katie Melua; diese Mega-Dolby-Surround-Anlagen hingegen kommen von einem Ort, den Dante so ausführlich beschrieben hat.

Gutgelaunt verbrachte sie dann den Rest des Wochenendes damit, mich einmal mehr über meine Defizite und ihre Einstellung zu mir zu informieren unter besonderer Berücksichtigung der Tatsache, dass sie mich vor zwanzig Jahren nicht gebeten hatte, zu ihr zu ziehen, sondern dass ich entschieden hatte, bei ihr sein zu wollen. Für sie gibt ihr das Recht, darüber zu entscheiden, ob und wie lange es noch weitergehen soll, eine Entscheidung, der sie sich dann zu meiner Enttäuschung postwendend verweigerte, um dann auch gleich in aller Ausführlichkeit darzustellen, welche Änderungen sie ("wir") für die nächsten Monate an der Wohnungseinrichtung plant. Sie scheint von mir wenigstens so abhängig zu sein wie ich von ihr.

Ihre Bereitwilligkeit zu leiden erinnert mich an meinen Vater, der sich von meiner Mutter so sehr abhängig machte, dass es nach ihrem Tod nicht mehr viel brauchte, um ihm den Lebenswillen zu rauben. Würde jemand Watzlawiks "Anleitung zum Unglücklichsein" fürs Regionalprogramm verfilmen wollen, wäre das Ergebnis ihr Leben.

Das I Ging liefert dazu das Bild 27, das ermahnt, auf die Motiven eines Menschen zu achten, auf die Nahrung, die ein Mensch zu sich nimmt. Die Prognose ist Bild 41, die Minderung, die keine Schande bringt, wenn man ehrlich ist, Standhaftigkeit zeigt und etwas unternimmt. Manchmal muss man den Göttern sein Opfer statt mit einer reichverzierten Bronze-Schale eben mit zwei popeligen Plastik-Schälchen darbringen.

Flohmarkt der Wünsche

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Auf dem Flohmarkt am Sonntag nachmittag suchte ich nach trashigen Science-Fiction-Romanen und bildungsbürgerlichen Diogenes-Taschenbüchern und fand nur Stapel mit VHS-Cassetten mit Filmen, die wahrscheinlich schon auf dem 4ten laufen. So die beiden Wünsche unbefriedigt lassend, die ich mir eingestand, machte ich noch einige Fotos, bei deren Durchsicht ich mir später einen dritten eingestehen musste.



Den werde ich aber fleissig ignorieren, fehlt mir zum Einen jede Möglichkeit ihm nachzugeben, ein mir geneigter Mensch etwa, während es mir zum Anderen schon aus Gewohnheit vor den Menschen graut. Wohl wissend wie merkwürdig ich bin, gruselt es mich denn auch ein wenig, wenn die Kollegin La Roux die Vorbereitungen von Judokas auf einen Wettkampf als Raum splitternackter junger Frauen beschreibt. Nachdem ich die neue CD von Katie Melua gehört habe, zöge ich allerdings eine über diesen mühsam erreichten Punkt hinausgehende Entwicklung in Erwägung, ginge es dabei um Sex mit ihr.

Leider weist schon allein dieser Gedanke, wenn von mir in Betracht gezogen, darauf hin, dass sie über ihre von mir räumlich und sozial entfernte Existenz hinaus unerreichbar ist, weil sie ein Poster von Jodie Foster über dem Bett hat.

That's how I survived Weihnachten

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Ich bin untüchtig, ungeschickt, unangenehm, unliebenswürdig, unwürdig der Liebe anderer Menschen.

Ich bin Teil jener grössten aller Nationen, der der Versager, der Verlierer. Es gibt keinen Ort, der so klein oder entlegen wäre, dass es dort keinen von uns gäbe. Sogar Tiere gibt es, die zu unserer Nation gehören. Kater etwa, die in ihrem ganzen Leben keine Maus fangen, sich nicht einmal dafür interessieren, sich dafür aber immer wieder mit anderen Katern anlegen, geradezu vorsätzlich ihren Mangel an Zähnen ignorierend.

Ich ziehe eine gewisse Resignation vor, ein wenig pfefferminzfarbene Tristesse vielleicht. Das spart mir die Antibiotika, die mir jemand zwischen die zahnlosen Kiefer schiebt. Statt dessen habe ich Zeit, Bücher zu lesen und La Corte Secreta degli Arcani zu sehen. That's how I survived Weihnachten!

Wenn ich nicht beim Tierarzt war, mal mit Freund, mal mit Captain, der sich mit wachsender Übung immer wieder seines Verbandes entledigt, brannte ich die CDs, die es als Folge unserer durch sein Missgeschick potenzierten Finanzkrise dieses Jahr fast als einziges Geschenk für Freunde und Verwandte gab.

Hyazintha beglückten wir allerdings mit einem Ordner voller Notenblätter, die ich im Web gesammelt hatte, Nicotinas Mutter mit einem von Deckblatt und Widmung befreiten Kochbuch, ringgebundenen und illustrierten Rezepten, die ich einmal für Paula zusammen gestellt hatte, die sich darüber pünktlich genauso sehr gefreute hatte wie ich über eine Dose Katzenfutter als Geschenk.

Hyazintha mit Sunrise bekannt gemacht zu haben, wird mir eines Tages unzweifelhaft als gute Tat angerechnet werden, gilt doch die Tatsache, dass in den schlimmsten Augenblicken im Radio oder über die Lautsprecheranlage eines Baumarktes stets eines ihrer Lieder läuft, je nach Denkschule als indirekter Gottes-Beweis oder doch als einer dafür, dass das philosophische Konzept Douglas Adams' richtig ist.

Ich bekam übrigens von Paula diesmal tatsächlich kein Geschenk. Und "Schmitz Katze" liegt immer noch auf dem Esstisch, gerade mal ausgepackt, und seitdem ignoriert.