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Die Pineas Diaries

Ich bin alt, ich bin fett, ich bin depressiv... aber sonst gehts mir gut

Posts tagged with "persönlichkeitsstörung"

The Game of 30, the Game of 2

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Erst von plötzlichem Schneefall, dann von einem technischen Problem an der Paketstation behindert, gelang es mir gerade noch rechtzeitig, meine Lieferung abzuholen, um das Ende des einen und den Beginn des nächsten Jahres in der Gesellschaft von Herrn McShane zu verbringen, mit ihm in Täuschungen, Lügen, die Rätsel des Spiels von Dreissig vorzudringen. Aber auch McShane ist ein Täuscher, denn seine kostspielige 20er-Jahre-Büroeinrichtung hat eine längst verflossene Ex-Verlobte ausgesucht, und seine indische Sekretärin aus hoher Kaste arbeitet eigentlich für seine Nachbarin, die sexy Chiropraktikerin.

Paula und ich verbrachten den letzten Tag des alten Jahres damit, uns zu streiten, und den ersten des neuen Jahres mit der alten, schwarzen Katze beim Tierarzt, die uns das Tierheim als Pflegling angehängt hatte, eine Gelegenheit nutzend, die sich bei Paula oft einmal ergibt. Sie ist das ideale Opfer - tierlieb, fürsorglich, bezahlt Futter und medizinische Versorgung auch noch selbst.

Ich habe meine Unfähigkeit, sie von irgendetwas abzuhalten oder auch nur aufzuhalten längst eingesehen und verachte mich seitdem mit einiger Begeisterung für meine Schwäche. So versuche ich meinen Beitrag darauf zu beschränken, die Katzen zu füttern und nach Ablauf einer gewissen Zeit im Garten zu begraben.

Für die Alte, Schwarze war diese Zeit dann abgelaufen. Ein Tumor an der Leber.

That's how I survived Weihnachten

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Ich bin untüchtig, ungeschickt, unangenehm, unliebenswürdig, unwürdig der Liebe anderer Menschen.

Ich bin Teil jener grössten aller Nationen, der der Versager, der Verlierer. Es gibt keinen Ort, der so klein oder entlegen wäre, dass es dort keinen von uns gäbe. Sogar Tiere gibt es, die zu unserer Nation gehören. Kater etwa, die in ihrem ganzen Leben keine Maus fangen, sich nicht einmal dafür interessieren, sich dafür aber immer wieder mit anderen Katern anlegen, geradezu vorsätzlich ihren Mangel an Zähnen ignorierend.

Ich ziehe eine gewisse Resignation vor, ein wenig pfefferminzfarbene Tristesse vielleicht. Das spart mir die Antibiotika, die mir jemand zwischen die zahnlosen Kiefer schiebt. Statt dessen habe ich Zeit, Bücher zu lesen und La Corte Secreta degli Arcani zu sehen. That's how I survived Weihnachten!

Wenn ich nicht beim Tierarzt war, mal mit Freund, mal mit Captain, der sich mit wachsender Übung immer wieder seines Verbandes entledigt, brannte ich die CDs, die es als Folge unserer durch sein Missgeschick potenzierten Finanzkrise dieses Jahr fast als einziges Geschenk für Freunde und Verwandte gab.

Hyazintha beglückten wir allerdings mit einem Ordner voller Notenblätter, die ich im Web gesammelt hatte, Nicotinas Mutter mit einem von Deckblatt und Widmung befreiten Kochbuch, ringgebundenen und illustrierten Rezepten, die ich einmal für Paula zusammen gestellt hatte, die sich darüber pünktlich genauso sehr gefreute hatte wie ich über eine Dose Katzenfutter als Geschenk.

Hyazintha mit Sunrise bekannt gemacht zu haben, wird mir eines Tages unzweifelhaft als gute Tat angerechnet werden, gilt doch die Tatsache, dass in den schlimmsten Augenblicken im Radio oder über die Lautsprecheranlage eines Baumarktes stets eines ihrer Lieder läuft, je nach Denkschule als indirekter Gottes-Beweis oder doch als einer dafür, dass das philosophische Konzept Douglas Adams' richtig ist.

Ich bekam übrigens von Paula diesmal tatsächlich kein Geschenk. Und "Schmitz Katze" liegt immer noch auf dem Esstisch, gerade mal ausgepackt, und seitdem ignoriert.

Ich warte

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Ich warte. Ich warte darauf, dass ich mich endlich wieder vor dem Mittagessen wach fühle. Ich warte darauf, dass Captain aus der Tierklinik nach Hause kommt. Ich warte darauf, dass drei Lieferungen, eine mit Reserve-Akkus für Siemens-Handys, zwei mit Kassetten mit Volksmusik, an der Packstation ankommen. Welches Jahrtausend haben wir noch mal?

Ich warte darauf, wieder ins Bett gehen zu können und zu schlafen, neben mir Freund , zwischen meinen Füssen vielleicht diese graue Katze, die Paula jetzt Bootsmann nennt. Sie schleicht sich immer öfter ins Haus, in mein Bett. Ich werde es ihr vergelten, indem ich sie bei erster Gelegenheit kastrieren lasse und sie unter die Menschen bringe.

Pastellfarbene Gedankenblasen

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Es gibt eine ganze Reihe von Massnahmen, um mit Paula umzugehen. Die effizienteste ist meiner Ansicht nach immer noch, sich weg zu denken, eine pastellfarbene Gedankenblase steigen zu lassen, einzusteigen, die Tür hinter sich zu schliessen, mit ihr Kurs aus dieser Welt heraus zu nehmen. Anschreien funktioniert nicht, mit dem gesunden Menschenverstand oder gar der Logik argumentieren auch nicht.

So etwas empfindet sie als offene Provokation, ebenso wie jenes kaum zu kontrollierende Bedürfnis nach Schlaf, das mir am Wochenende die Zeit verkürzt, bis ich wieder unter Menschen bin, die zu gut erzogen oder zu professionell sind, um mir meine Minderwertigkeit in der Ausführlichkeit zu erklären, die ich von Paula gewohnt bin. Vielleicht haben sie ja auch nur einfach etwas anderes zu tun, oder es mangelt ihnen an der Kreativität diesem einfachen Thema soviele Aspekte abzugewinnen wie sie.

In diesem Zusammenhang zähle ich dieser Tage viel. 6 Stunden, bis sie sich nach meiner Erfahrung in ihr Schlafzimmer verzieht, um nur noch gelegentlich nach dem Auffüllen von Katzenfutter oder ähnlichem zu verlangen, 30 Stunden, bis ich am Sonntag abend ins Bett gehe und sicher bin...

Freund schätzt das im Übrigen sehr; er hat sich gerade den Winterschlaf zur Aufgabe erklärt und begrüsst meine Gesellschaft in diesem Zusammenhang. Kritik von Paula an seinen sozialen Defiziten, einem permanent gesteigerten Appetit und seiner Zuneigung zu mir nimmt er mit einer Gelassenheit, neben der ein buddhistischer Mönch wirkt, als hätte er zum Frühstück seine acht Espressi gehabt.

Was Paula für mich ist, ist die Dicke für ihn. Ich kann nie sagen, wer von beiden angefangen hat, aber er ist normalerweise der, der am Ende den Kürzeren zieht. Dafür scheint einer von Misters Freunden, jungen Streunern, die mit ihm herein kommen, um mit ihm zu spielen und sich gerade noch aufzuwärmen und satt zu essen, ihn sympathisch zu finden. Er selbst hat sich mit diesem Gedanken noch nicht angefreundet.



Katz und Gott

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Die Figur von Ganesha hat mir übrigens Devi geschenkt.

Go, Pirates!

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Eine Übung des Skillstrainings hat auf mich die gleiche Wirkung wie das Autogene Training, das Paula und ich vor etlichen Jahren mal zusammen versucht haben. Bei dieser Übung, die Recorder heisst, soll man zehn Minuten lang vorurteilsfrei lauschen, mit geschlossenen Augen die Geräusche seiner Umwelt aufnehmen.

Zehn Minuten sind dann allerdings neun Minuten, nachdem ich eingeschlafen bin. Im Augenblick habe ich eh oft das Gefühl, das ich ausser acht Stunden Schlaf noch ein Mittagsschläfchen von sechs oder sieben Stunden bräuchte. Am Samstag konnte ich mich schliesslich nur noch zum Aufstehen motivieren, indem ich mir eine Stunde Pirates! versprach.

Damit halte ich mich jetzt also über Wasser. Damit, hin und wieder einer Folge Veronica Mars auf DVD und einem Entwurf für eine Conan-Pastiche, an dem ich gelegentlich spiele. Zu diesem Piraten ist für mich definitiv noch nicht alles gesagt.

Metro-Ticket

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Mein Vater sprach oft von einem Film, den er einmal gesehen hatte. Darin erledigte eine bunt zusammengewürfelte Gruppe einen gefährlichen Auftrag. Einer von ihnen begründete einen Zustand vorübergehender Unsterblichkeit damit, dass er ein noch nicht verwendetes Ticket der Pariser Metro in der Tasche habe. Niemals könne er sterben, bevor er diesen Fahrschein benutzt habe. Er hatte am Ende zwar unrecht, war bis dahin aber verhältnismässig glücklich gewesen.

Jeden Samstag morgen informiert mich Paula in aller Ausführlichkeit, zu der sie fähig ist, über meine charakterlichen und persönlichen Defizite und mein langjähriges, wahrscheinlich sogar lebenslanges Fehlverhalten. Ein paar Mal hat sie mir so überzeugend erklärt, dass sie sich an meiner Stelle umbringen würde - ich glaube, sie propagierte das Aufhängen - dass ich es für einen Moment in Erwägung zog.

Sofern man nicht zu den gefestigteren Charakteren gehört, die die buddhistische Aufforderung, das Klatschen einer Hand zu hören, als Aufforderung zur Ohrfeige verstehen, sollte man ein Haustier haben, einen stattlichen, aber etwas trägen Kater mit Defiziten in sozialer Kompetenz etwa, und ein Hobby, vielleicht das Bloggen. Denn man kann sich nicht umbringen, wenn man die Verantwortung für jemanden hat, dessen einziger Freund man ist wie er meiner, und noch zwei halb-fertige Blog-Einträge und einen Entwurf für ein kurzes Essay über die pluralistische Gesellschaft.


Der Metro-Fahrschein in meiner Tasche ist abgestempelt, aber ich bin es noch lange nicht.

Ich steh im Wald

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Ich bin wie dieser Baum. Ich bin nicht so gewachsen, dass ich jedem gefiele, ich habe manche Narbe erhalten, ich stehe allein, aber ich wachse. Ich wachse immer noch. Ich stehe allein, aber ich bin mit dem Boden verbunden, ich empfange den Regen, ich empfange die Vögel mit offenen Ästen.

Bekenntnisse

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Ich habe ein Opera-Update gemacht. Irgendwie hatte ich die Hoffnung, ich könnte danach wieder meine Blog-Einträge bei Facebook einstellen.



Statt dessen bekomme ich aber folgende informative Mitteilung:



Welche Inhalte wurden denn da innerhalb von Milli-Sekunden als Missbrauch gemeldet? Oder handelt es sich um jene allgemeinde Missachtung meiner selbst, das ich meist als sicher voraussetze, wo immer ich längere Zeit war. Oder kürzere.

Aber der Schnell-Starter sieht nach dem Update extrem gut aus. Ich komme mit einem Klick zu Hood, Wikipedia und den anderen wirklich wichtigen Websites.

No. 49

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Ich starre auf das Display meines treuen Motorola L6. Ich könnte kaum überraschter sein, hätte mir eine anziehende junge Dame ein ausgezogenes Foto gemailt. Das I Ging spricht von Revolution, von Umwälzung! Wo sonst von Beharrlichkeit und Mässigung die Rede ist, heisst es heute:

Am eigenen Tag, da findest du Glauben.Erhabenes Gelingen, fördernd durch Beharrlichkeit. Die Reue schwindet.

Die Perspektive, deutete mir das älteste Buch der Welt an, stehe auf Freude, aufs Heitere. Das widerspricht in keiner Weise dem mir so vertrauten Konzept, dass das Leben schön sei. Zwar nicht meines, aber doch das eines Anderen, so irgendwie, ganz allgemein...

Welchen Grund hatte Tom Pynchon auf die 49 für den Titel seines Buches über das WASTE-System zu verwenden?



Das Urheberrecht für dieses Bild liegt bei Cille85 und ein Klick aufs Bild führt zu seinem Blog.