Tuesday, 20. October 2009, 13:47:15
Ich höre schon seit einer halben Stunde Wells zu, wie er einem Monteur am Telefon erklärt, wie er eine bestimmte Elektronik "parametriert". Die Chancen, dass ich verstehe, was er erklärt, sind herzlich klein. Wie dem Kunden wäre auch mir mit dem Preiswert-Standard-Modell besser gedient. Quadratisch, praktisch, grün, 12 Klemmen, zwei Jumper, ein Aufsteck-Modul.
Eine Steuerung, die ein Display und eine Anleitung im
Hardcover hat, wirkt auf mich wie ein einsachtzig grosses Karnickel mit einer
Uzi. In beiden Fällen habe ich ein dringendes Bedürfnis, woanders zu sein.
Aber das habe ich aber auch, wenn ich unsere Kontoauszüge lese, in diesem Fall dann ganz stark verbunden mit dem Gefühl, irgendetwas falsch gemacht zu haben. Gilt bei Kunden auch, dass der, der mir die Frage stellt, welchen Fehler er denn gemacht habe, meist keinen begangen hat, ist es in diesem Fall wohl anders.
Vor ein paar Tagen hatte ich zwischen Regalen, aus denen mich hundertfach glückliche Katzen wie bedröhnt von Dosenetiketten anstarrten, ein Dejavu. Da war es wieder, das Gefühl, nicht Herr meines eigenen Lebens zu sein, die drohende Pleite, die Aussicht auf 3-Zimmer-Küche-Bad mit Paula und sechs Katzen, der Song von Norah Jones, die Aufforderung, der ich so gerne nachkäme...

(Lautsprecher andrehen, aufs Bild klicken, geniessen)
Mein chinesisches Sternzeichen ist der Hase, ich bin der letzte Spross einer Familie, in der man wusste, dass Helden keine Erben haben. Helden sind üblicherweise vor allem einmal tot, etwas, das bekanntlich nicht
verjährt. Derweil wird ihre Verlobte von jemandem
getröstet, der sich nicht zum Helden berufen fühlte, der ausrückte, als es heldenhaft wurde.
Ich arbeite gerade an einer Inhaltsangabe von Ernst Penzoldts "
Die Powenzbande". Er gab seinem Buch den Untertitel "Zoologie einer Familie", ich würde es eine Argumentation für den gesunden Menschenverstand nennen, für das Leben, das Herrn Baltus Powenz so schätzt, während er die Existenz an sich doch so grauenvoll findet. Am Ende, das Ernst Penzoldt an den Anfang stellt, wird er von einem Meteor erschlagen. Voll der Pietät umgeben seine trauernden Söhne dann den Meteor mit einem Holzzaun... und nehmen Eintritt für seine Besichtigung. Dass es keine aktuelle Ausgabe dieses Buches gibt, spricht gegen unsere Zeiten.
Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die Verkaufszahlen von Karl Mays Büchern vor Kriegen stets sinken. Der Mensch muss erst vergessen, dass der Andere auch Mensch ist, um ihn umbringen zu können. Es schiesst sich besser auf Turbanträger, wenn man nicht in jedem von ihnen einen Enkel von
Hadschi Halef Omar ben Hadschi Abul Abbas ibn Hadschi Dawud Al Gossareh sieht. Der Mensch ist dem Menschen Mensch, also meistens wurscht.
Der Kunde hat eben aufgelegt, wahrscheinlich immer noch so unwissend und überfordert wie er es am Anfang des Gespräches war.