mit Wahrscheinlichkeiten operieren und assimilieren
Thursday, December 17, 2009 7:12:55 PM
Wir sind durch Mutation, maßgeblich durch Selektion entstanden.
Rein formell könnte man daraus zwar keine Ethik ableiten aber es entsteht, auch wenn man sich vom Grundsatz her lediglich einer Art Naturrecht verschreibt oder einem begegnen möchte, dadurch erst recht die Notwendigkeit, eine solche zu begründen. Bereits bestehende Ethiken (wie etwa die verschiedenen Arten an einen Gott zu glauben bzw. den Forderungen/Ansprüchen/Konsequenzen gerecht zu werden/zu entsprechen), können dabei zuweilen ganz schön störend wirken, wenn man die Welt auf diesem Wege besser machen möchte:
Frei nach Sartres "Die Existenz geht der Essenz voraus": Wir sind und dann wird erst ein Sinn/Zweck für alles formuliert. Nicht: Es gibt vorher schon einen, es gibt eventuell ein höheres Wesen.
Die Vorstellung, das es ein höheres Wesen (Christen nennen es z.B. "Gott") geben könnte, stört zuweilen bei allzuviel Entdeckerdrang, wie etwa auf den Seiten des hpd:
Bericht über einen offenen Brief an Bundespräsident Köhler der Giordano Bruno Stiftung mit weitreichenden Forderungen
Es ist schön und gut Theorien und Beobachtungen aufzubauen und nach Prinzipien zu forschen. Letzten Endes muss dann aber bei jeder Theorie auch Daten erst interpretiert und zusammengefügt werden. Gerade die Evolutionstheorie ist hier nach wie vor noch nicht widerspruchsfrei als tatsächlich stattgefundenes Prinzip fundiert, wird in Deutschland aber oft als solches gerne so dargestellt (vgl. etwa Wort und Wissen: "Fehler in Evolutions-Schulbüchern?").
Ich halte es für höchst bedenklich zwar zu fordern, Kinder bei der Erziehung/Aufklärung nicht als "katholische", "christliche" oder "sozialdemokratische" Kinder zu begreifen, jedoch im Umkehrschluss diese Art der Kritik nicht auch gegen die eigene Formen der Wirklichkeitsinterpretation anzuwenden.
Der Verweis auf die angebliche Fundiertheit dieser Weltsicht ist angesichts der noch nicht annähernd befriedigend sichergestellten Beweisführung wissenschaftlich fragwürdig, höchstgradig ideologisch!
In diesem Sinne, der Verweis auf ein Zitat von Dr. Reinhard Junker, Geschäftsführer der Studiengemeinschaft Wort und Wissen:
"Alle (Anmerkung: in dem Aufsatz "Die vier Arten von Evolutionsbeweisen" ) genannten "Evolutionsbeweise" sind keine stichhaltigen Belege für Makroevolution, da sie entweder auch im Rahmen der Schöpfungslehre gedeutet werden können, von weltanschaulichen oder theologischen Vorgaben abhängen oder bloße Analogieschlüsse darstellen."
Anmerkung: Ich bin weder Biologe noch Naturwissenschaftler, ich bin Soziologie- und Philosophiestudent. Ich halte es von meinem Kenntnis- und Erfahrungsstand für bedenklich, ausgehend von Mutmaßungen totalitäre Prinzipien einzuführen.
Also totalitär sehe ich Forderungen, im frühkindlichen Stadium die Kindererziehung von staatlicher Seite einzuschränken, bzw. staatlicherseits bestimmte ideologische Sichtweisen anderen vorzuziehen.
In diesem Sinne: Wissenschaftlich fundiert darf nur wissenschaftlich fundiert genannt werden, wenn es wirklich wissenschaftlich fundiert ist! "Es hört sich gut an" ist kein Argument, darf keins werden, war es früher leider oft genug. Aufklärer, bleibt Euren Idealen treu!

Anonymous # Friday, December 18, 2009 4:49:14 PM
MattSergej # Friday, December 18, 2009 5:51:04 PM
Mir ging es nicht darum die Evolutionstheorie zu diskutieren.
Mir ging es darum, dass manche Gruppierungen totalitäre Strukturen einführen wollen und das unter dem Namen der Wissenschaftlichkeit.
Gegen Aufklärung habe ich prinzipiell nichts einzuwenden, nur etwas gegen einseitige Bevorzugung bestimmter transzendenter Erklärungsversuche innerhalb totalitärer Strukturen.
("In dem Brief erklärt der Stiftungsvorstand, dass die Bibel auf Kinder eine „desorientierende Wirkung“ habe. Denn sie vermittelte „falsche Ansichten über die Natur der Dinge“ sowie „ethisch höchst problematische Anweisungen, die dem Stand unserer kulturellen Evolution nicht mehr entsprechen“."
(...)
"Statt der gängigen Praxis, die Kinder schon im frühsten Alter mit kreationistischen Vorstellungen zu konfrontieren und ihnen das wissenschaftlich akzeptierte Weltbild der Evolutionstheorie erst sehr viel später nahe zu bringen, schlägt die Stiftung vor, die Evolutionstheorie bereits in der Grundschule zu lehren.")
Was W&W betrifft: Ich habe mich mit dem Thema beschäftigt, wenn ich über die Evolutionstheorie diskutieren möchte, sollte ich Biologie studieren. Ich bleibe vorerst nur bei Philosophie und Soziologie und sehe mindestens zwei Wissenschaftlergruppen und beide streiten sich noch heute. Mein Problem dabei: Teile der einen fordern totalitäre Strukturen.
Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert (@Agnostiker/Atheisten: ist metaphorisch gedacht
Was Deine grundsätzliche Kritik betrifft:
Eine wissenschaftliche Methode an sich ist falsifizierbar.
Evolutionstheorie, Glaube, Religion, generell Aussagen an sich können dann erst gleichbedeutend betrachtet werden.
Kategorienfehler.
Anonymous # Friday, December 18, 2009 6:17:11 PM
MattSergej # Friday, December 18, 2009 7:07:42 PM
Darüber hinaus versucht sie Antworten auf etwas zu geben, das etwas komplexer ist als Gravitation, Virus- und Krankheit oder Masse-Wirkung-Gesetzmäßigkeiten.
Solang das nicht geklärt ist (und darauf will ich die ganze Zeit hinaus), werfe ich den Forderungen, der ET eine Exklusivität zuzugestehen Totalitarismus (im negativen, missbruachenden Sinne) vor.
zum Ende:
Du hast geschrieben:
"Jeglicher Fakt kann immer im Rahmen der Schöpfungslehre gedeutet werden, weil ein allmächtiger Gott per Definition alles erschaffen kann. Deswegen ist der Kreationismus auch nicht falsifizierbar und damit auch nicht wissenschaftlich.
Die ET hingegen ist falsifizierbar."
Darauf mein
"Eine wissenschaftliche Methode an sich ist falsifizierbar.
Evolutionstheorie, Glaube, Religion, generell Aussagen an sich können dann erst gleichbedeutend betrachtet werden."
Ich habe Deiner Einschritt-Behauptung eine Zwei-Schritt-Behauptung gegenübergestellt.
Zwar passt die Evolutionstheorie vielleicht besser in wissenschaftliche Raster, dass ist das einzige, was sie vielleicht wissenschaftlicher macht. Aber dennoch ist sie nach wie vor nicht bewiesen.
Es fehlen die für ihre (!!!) Konsistenz (!!!) fundamental wichtigen Artefakte/Erkenntnisse, daher auch meine Verweise auf W&W.
Einen wissenschaftlichen Test besteht die ET noch weniger als ein (wie auch immer zu beweisender) Glaube an einen Gott, das meinte ich mit "Evolutionstheorie, Glaube, Religion, generell Aussagen an sich können dann erst gleichbedeutend betrachtet werden."
Sie ist eine tolle Theorie, als ein logisches Denkmuster (z.B. für eine Art Informatik) ist sie genial, aber spiegelt sie dann auch das Gewesene wieder? Feuerbach lässt sich hier immer wieder gut anführen mit seiner Religionskritik (Der Mensch schuf Gott (oder was er an Stelle von Gott setzte) nach seinem Bilde).
Meine Kritik subtil formuliert:
Das man mit der ET besser mit dem was wir an Spielsachen bisher haben spielen kann ist das einzige Argument das zählen soll?
Nur weil ein Gott nicht in die Methode passt, soll man jetzt, weil es eine nicht bewiesene (und damit, so meine Schlussfolgerung) auch nicht konkurrenzfähige Theorie gibt, diese Art des Transzendierens ablehnen? Damit nicht genug... totalitäre Strukturen einführen dürfen?
Sucht, forscht weiter... und wenn die ET dann konsistent sein sollte, dann kann man sie meinethalben einführen... auch verbindlich... aber bitte keine halben Sachen machen!
Es ist ja nicht so, das bei Wort und Wissen irgendwelche Nerds hocken die die Bibel aufschlagen und dann einen Aufsatz über Biogenetik verfassen. Da sind Professoren, Doktoren, Forscher dabei. Das Fundi-Argument zieht vielleicht ganz nett aber es ist hier unangebracht.
Daher auch das von Dir angeführte Zitat erneut in ganzer Länge:
"Alle (Anmerkung: in dem Aufsatz "Die vier Arten von Evolutionsbeweisen" ) genannten "Evolutionsbeweise" sind keine stichhaltigen Belege für Makroevolution, da sie entweder auch im Rahmen der Schöpfungslehre gedeutet werden können, von weltanschaulichen oder theologischen Vorgaben abhängen oder bloße Analogieschlüsse darstellen."
Wenn schon kritisieren, dann richtig und nicht fadenscheinig (vgl. Deine Version: ""Evolutionsbeweise" sind keine stichhaltigen Belege für Makroevolution, da sie [...] auch im Rahmen der Schöpfungslehre gedeutet werden können"")
Anonymous # Saturday, December 19, 2009 8:31:45 AM
MattSergej # Saturday, December 19, 2009 9:13:58 AM
Wie auch immer: ich denke ein Christ, zumindest einer der Philosophie und/oder Soziologie studiert sollte sich schon mit anderen Gedanken auseinandersetzen.
Wenn es für Dich krampfhaft wirkt, dass ich nicht ausschließlich nur das glaube, was man so gerne hört, sondern dass ich mich auch mit anderen Meinungen zu einem Thema auseinandersetze, nun gut. Wie bereits erwähnt: Bei W&W hocken beleibe keine verknöcherten Fundis sondern Professoren, Doktoren und Universitätsforscher. Wenn die was zu dem Thema zu sagen haben, höre ich mir das zumindest an.
Gibt auch Christen, die das für sinnlos halten aber das ist ein anderes Thema, da es viel grundsätzlicher damit zu tun hat.
Was das Nachplappern betrifft: Ich bin kein Biologe, genau wie evtl. Du muss ich mich auf Forschungsergebnisse Anderer berufen. Wenn es mehrere und sich widersprechende gibt, schaue ich nach, wie fundiert die sind. In Deinem Blog berufst Du Dich ja auch nicht ausschließlich auf Deine eigenen Experimente und Feldversuche sondern auf Ergebnisse der Wissenschaften.
Die ET ist in sich geschlossen, keine Frage, sie ist praktisch und auch ganz nett. Rein formell betrachtet sind ihre Prinzipien durchaus interessant für manche Problemlösungsstrategien (Informatik, Produktentwicklung, uvm.). Um jedoch auf die Frage "wie kam es zur Entstehung der Arten/wie kam es zur Entstehung des Menschen" eine gesicherte Antwort geben zu können, fehlen nach wie vor entscheidende empirische Belege.
Wissenschaft ist (wie im übrigen auch Glaube!) keine Spielzeugkiste in die man frei nach Belieben reingreift und das findet, was man am liebsten bzw. zweitliebsten hätte.
In diesem Sinne halte ich es nach wie vor für Totalitarismus, die ET als fundierte, aufklärende Antwort verbindlich und ausschließlich Kindern im Frühkindlichen Alter staatlicherseits vorsetzt, andere hm... "Theorien" nicht zulässt.
Um wieder bei Feuerbach zu bleiben:
Nicht Gott schuf sich den Menschen nach seinem Bilde, sondern der Mensch schuf sich Gott nach seinem Bilde.
Krampfhaftigkeit ist wohl nicht nur Gott-Gläubigen vorbehalten...
Wenn Du tatsächlich glauben solltest, ich ziehe meinen Glauben aus der Schöpfungslehre, dann hast Du was total falsch verstanden.
Anonymous # Saturday, December 19, 2009 10:00:13 AM
MattSergej # Saturday, December 19, 2009 1:00:36 PM
+
"Fossilien sind übrigens ein nettes Zubrot, aber nicht unbedingt der schlagendste Beleg für die ET."
Fossilien schön und gut... keine Ahnung, warum Du mich darauf reduzieren möchtest.
Reden wir z.B. von Mutationen und deren beobachteten Weiterentwicklung.
Ist da bis jetzt ein ausreichend signifikanter Sprung beobachtet worden?
Kritische Stimmen dazu sind zusammengefasst etwa in dem von mir eingangs geposteten Artikel: Die vier Arten von Evolutionsbeweisen, Unterpunkt Empirische Belege
(In dem Zusammenhang reden die von mir angeführten Wissenschaftler beispielsweise auch von Makro- und Mikro-Evolution)
Hör mal auf mir ständig Ignoranz vorzwerfen sondern les Dir mal durch was ich gepostet habe.
Anonymous # Saturday, December 19, 2009 1:10:44 PM
MattSergej # Saturday, December 19, 2009 2:06:56 PM
Verfechter eines von der ET getragenen Weltbildes fordern, die ET ausdrücklich als Gegenpol zu eventuell anderen Weltbildern als gesicherte Grundlage Kindern möglichst früh nahezubringen mit gleichzeitig einhergehendem "Schutz" vor anderen Theorien. Mir ging es dabei um den totalitären Charakter dieser geforderten staatlichen Erziehungspolitik.
Ich habe nichts gegen Aufklärung, nur dann bitte auch fundiert und widerspruchsfrei, ET-Gläubiger
Ich kenne Argumente der "Gegenseite", bis jetzt hast Du auf keinen der angeführten Argumente diese zu widerlegen bzw. in Frage zu stellen reagiert sondern forderst noch mehr Beweise... kümmer Dich erst einmal um die, die ich vorgebracht habe.
Die angeführten Beiträge haben teilweise auch ein Literaturverzeichnis, auf dem sie zustande gekommen sind.
Anonymous # Sunday, December 20, 2009 9:50:37 AM
MattSergej # Sunday, December 20, 2009 10:57:53 AM
Ich widerspreche Dir, Du hast es bis jetzt nicht einmal versucht, auf die Kritik einzugehen sondern versteifst Dich auf inhaltsleere Beteuerungen. Mag sein, das die ET für Dich widerspruchsfrei ist, für mich erscheint sie es als Erklärung für unsere Entstehung beileibe nicht, zu viele Fragen sind ungeklärt, werden, da die Gesamttheorie so nett und konsistent daherkommt, unreflektiert hingenommen.
In diesem Sinne: Es lebe das Dogma, ET-Gläubige...
Anonymous # Monday, December 21, 2009 2:20:23 PM
MattSergej # Monday, December 21, 2009 4:35:31 PM
Die ET funktioniert in der Komplexität wie sie angewendet werden soll (nämlich als fundierte und gesicherte Aufklärung über die Entstehung der Welt als gesichertes Gegenmodell zu unwissenschaftlicheren Theorien)... nicht.
Mir ging es auch, wie bereits mehrfach betont, nicht darum, die ET an sich zu zerpflücken sondern vornehmlich darum, dass hier etwas nicht ausgereiftes für ausgereift erklärt und innerhalb totalitärer Strukturen etabliert werden soll. Dies soll kein Wissenschaftsblog sein sondern ich schreibe über Sachen, die mir auffallen, die mir wichtig erscheinen darüber zu schreiben: Hier war es konkret über eine Horde extrovertierter ET-Freaks die gerne alles erklären können und die Wirklichkeit dafür aber auch gerne mal etwas außer Acht lassen.
Anonymous # Monday, December 21, 2009 5:29:23 PM
Anonymous # Monday, December 21, 2009 5:58:12 PM
MattSergej # Monday, December 21, 2009 6:39:13 PM
Ich habe nichts dagegen, dass man in der Schule die ET lehrt, sie sollte allerdings den Platz einnehmen, der ihr zugehört: Als ein wissenschaftstheoretischer Ansatz die Welt zu erklären. Mit allen oder zumindest der Erwähnung ein paar offener Fragen, in jedem Fall jedoch als eine Theorie die noch nicht 100% geklärt ist. Kann man in dem Atemzug auch gerne mit einem Exkurs in Wissenschaftstheorie klären. Wie gesagt: Wenn Aufklärung, dann richtig.
Ich kann die Forderung, die ET in der von den Verfassern des Briefes an Herrn Koehler geforderten Weise zu behandeln gut nachvollziehen: Geht man davon aus, dass es keinen Gott gibt, ist es vielleicht die pragmatisch sinnvollste Variante die Kinder von klein auf damit vollzupumpen, dass alles irgendwie ohne einen Gott erklärt ist und das evtl. offene Fragen (die zu klären jedoch für die Konsistenz der Nicht-Falsifizierung der ET wichtig wäre) erwartbar geklärt werden können. Gibt dafür momentan sicherlich nichts Besseres. Das Problem ist nur: Wenn man das staatlicherseits fordert und fördert nimmt das totalitäre Züge an.
Anonymous # Monday, December 21, 2009 7:26:33 PM
MattSergej # Monday, December 21, 2009 8:04:43 PM
Totalitarismus daher, da sich die Gruppe derer die denken, sie kämen ohne einen Gott aus, dieses Denken verbindlich der ganzen Gesellschaft aufbürden wollen.
"Ich verstehe immer noch nicht den Unterschied zwischen der ET und allen anderen Wissenschaften."
Ein wesentlicher ist, dass die ET nicht unter die Rubrik "Wissenschaft", wie etwa von Dir angeführt "Chemie" oder "Physik" fällt. Die ET ist das Produkt einer oder mehrere Wissenschaftsdisziplinen.
Warum sollte man nun gerade bei der Behandlung der ET auf die Wissenschafttheorie eingehen?
Ich zitiere aus dem Bericht über den Brief:
"Zwar könne die Bibel auch in einem „aufklärerischen, humanen und mit wissenschaftlichen Erkenntnissen kompatiblen Sinne“ gelesen werden, dies setze jedoch „einiges Vorwissen“ voraus. So müsse man beispielsweise „die Evolutionstheorie verstanden haben, um die kreationistischen Konzepte der Bibel relativieren zu können.“" (Hervorhebungen von mir)
Um die ET angemessen behandeln zu können bzw. von einem eventuellen Märchen vom großen bösen Spagettimonster des werten Herrn Dawkins später unterscheiden zu können, sollte man, um dem Anspruch der Briefeschreiber gerecht zu werden, ein bisschen Wissenschaftstheorie mit einführen.
Ich denke aber, nach allem was ich über Pädagogik weiß, dass ein Kind im zarten Alter der Grundschule erst leichter verdauliche Kost zu sich nehmen sollte.
Ich würde allenfalls in diesem Alter mit Ansätzen der Wissenschafts- und/oder Erkenntnistheorie(n) beginnen, den Religionsunterricht beibehalten und dann später, wie bisher üblich, irgendwann später mit der ET anfangen, anstatt gleich mit den Brocken zu kommen. Ein Kinderglaube kann sich später im übrigen auch so ganz fabelhaft auflösen, unserer pluralistischen Welt (und Gott
Wovor die Damen und Herren der GBS ein bischen arg Angst zu haben scheinen ist die Vorstellung, dass ein Mensch sich dem Glauben an einen Gott hinwenden könnte, anders kann ich mir diesen Totalitarismus nicht erklären.
Anonymous # Monday, December 21, 2009 8:50:51 PM
MattSergej # Monday, December 21, 2009 9:16:46 PM
*g* ok, falls das zu missverständlich formuliert war: Die Evolotionstheorie ist ein Ergebnis zu dem man innerhalb dieser Disziplinen kommen kann . Solange die ET allerdings noch nicht widerspruchsfrei belegt ist, frage ich mich, worauf Du eigentlich hinaus willst, als dauernd davon abzulenken/nicht darauf einzugehen/irgendwas von nebulösen Quellen die ich nicht kennen würde zu erzählen (ohne diese anzuführen), etc.
"Desweiteren scheinst Du anzudeuten, dass ein volles Verständnis der ET für Kinder nicht zu erreichen ist. Da stimme ich Dir zu. Das gilt aber für alle wissenschaftliche Inhalte. Man kann die ET aber in kindgerechter Form lehren, wie man es ja auch mit allen anderen Dingen macht."
das selbe macht man mit Religion... wo ist der qualitative Unterschied?
"Ich würde allenfalls in diesem Alter mit Ansätzen der Wissenschafts- und/oder Erkenntnistheorie(n) beginnen, den Religionsunterricht beibehalten und dann später, wie bisher üblich, irgendwann später mit der ET anfangen, anstatt gleich mit den Brocken zu kommen. Ein Kinderglaube kann sich später im übrigen auch so ganz fabelhaft auflösen, unserer pluralistischen Welt (und Gott
"Aha. Also erst Kreationismus, dann ET."
Nein: Wissenschaftstheorie und "es könnte einen Gott geben", dann ET, Kreationismus, die große Schildkröte, Zeus und seine Clique, etc...
"Ob die ET ein Totalitarismus ist, ist erst geklärt, wenn Du mir den substantiellen Unterschied zur GT zeigst. Bisher hast Du das nicht geschafft."
Nicht die ET ist ein Totalitarismus sondern zu fordern, dass sie verbindlich und exklusiv als eine Art Dogma Kindern von Grund auf einzuprägen. Wie bereits mehrfach erwähnt aber konsequent von Dir ignoriert.
Davon unabhängig: GT und ET zu vergleichen, wozu ist das notwendig? Momentan kommt mir das wie ein Strohmannargument vor, was ich Dir (und den anderen evtl. Lesern) die ganze Zeit versuche klar zu machen.
Anonymous # Tuesday, December 22, 2009 10:05:45 AM
MattSergej # Tuesday, December 22, 2009 11:08:08 AM
Die ET ist ein so sehr ein Dogma, wie alle anderen wissenschaftlichen Theorien."
Zum k.A. wie vielsten Mal: Dieser Blogbeitrag dreht sich darum, dass die ET zum Dogma erhoben werden soll.
Was meinst Du denn jetzt wieder mit widerspruchsfrei belegt? Und warum ist die GT widerspruchsfrei belegt, die ET aber nicht?
nicht "jetzt wieder" sondern immer noch.
Meine obige Liste an "Kritikpunkten der GT" habe ich ja gerade so formuliert, dass sie eins zu eins auf die bekannten Kritikpunkte der ET passen.
schön das wir erneut ablenken. Wofür wird die GT verwendet? Die ET ist im Grunde produktfrei, es geht maximal um Zukunfts- oder Vergangenheitsforschung. Solange hier aber nur hochgerechnet, aber nicht empirisch belegt werden kann ist sie "ganz nett" zum drüber nachdenken aber mehr auch nicht, auf keinen Fall ein zu errichtendes Dogma das Kinder vor angeblich schädlichen Einflüssen bewahren soll.
Das die gesamte Wissenschaft ein Feind der Religion ist, ist mir klar. Willst Du deswegen Wissenschaft nicht mehr lehren lassen?
interessant... hm...
Röm 1,20: Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt, sodass sie keine Entschuldigung haben.
Ich denke nicht, dass Christen ein Problem mit Wissenschaft haben (sollten), wie das mit anderen Religionen ist, kann ich nicht beurteilen. Wissenschaft ist auf alle Fälle ein Feind von mangelnder Sorgfalt.
Anonymous # Tuesday, December 22, 2009 2:23:47 PM
MattSergej # Tuesday, December 22, 2009 6:38:39 PM
ja, wenn man das mit dieser Begründung fordert.
"Die ET ist die Grundlage fuer alle biologischen und medizinischen Fragen. Warum hast Du einen blinden Fleck und warum der Otkopus nicht? Warum habe ich Rueckenschmerzen? Woher kommen die vielen Viren und Bakterien? Warum sind Leoparden schneller Gazellen? Warum gibt es Krebs? usw. usf."
Die ET ist eine Möglichkeit diese Fragen zu beantworten, zudem auch keine 100% konsistente. Sie basiert auf rein materialistischen (in Abgrenzung zu idealistischen) Vorstellungen. Darüber will ich aber gar nicht streiten. Selbst innerhalb ihres Systems müsste sie, um Gültigkeit für sich beanspruchen zu können, konsistent sein. Ist sie das nicht, ist das ein Problem.
Du streichst als Materialist (aber k.a. wozu Du Dich rechnest) ganz recht heraus, dass Falsifizierbarkeit ein wichtiges Kriterium für eine Theorie sein mag. Aber was nützt die beste Theorie die zwar falsifizierbar ist aber im zweiten Schritt an dieser Falsifizierbarkeit dann zugrunde geht?
- z.B. bis jetzt keine empirischen Belege (Fosilien (ok, auf die meinst Du verzichten zu können), Laborbeobachtungen, nur Hochrechnungen, Vergleiche und Schlüsse oder Prognosen von bestehenden Prognosen.
Die W&W Leute bleiben bei der Mikroevolution (im Sinne von Anpassung, jedoch ohne größere Sprünge zwischen den Arten, da diese nicht beobachtet werden konnten (Fossilien), bzw. es eine reine, unbewiesene Theorie ist, dass dies tatsächlich passiert ist, passieren kann. Es mag Ähnlichkeiten im Baumuster verschiedenartiger Arten geben aber: bissl arg subtil formuliert: Gras ist grün, grüne Streichfarbe ist grün...
Das Auge ähnelt dem Schwanz von Tier A... ein Vergleich, der Schlüsse attraktiv macht (vor allem, wenn man will das die Theorie als richtig anerkannt wird) mehr aber oft nicht, die Verbindung fehlt, kann nur theoretisch konstruiert, nicht bewiesen werden),
-eines meiner Hauptprobleme, warum ich nicht an die ET als vollständige Erklärung für unsere Art glaube: woher kommt die Legitimation von einer Makroevolution (vom Einzeller zum Menschen/Leoparden/Auge/etc.) zu reden?
"Moment... ich glaube jetzt verstehe ich Dich solangsam. Kann es sein, dass die ET fuer Dich keine Wissenschaft darstellt und deswegen nur ein Dogma sein kann?"
Och jetzt lass Deine Strohmänner, oder k.A. wie das Stilmittel heißt, in der Garage... Die ET ist durchaus ein Produkt der Wissenschaften: Menschen machen sich Gedanken, wie Forschungsergebnisse interpretiert werden können. Erstellen Prognosen, Hochrechnungen und ein System. Spricht man diesem System allerdings die alleinige Erklärbarkeit zu, wird es zum Dogma.
Anonymous # Tuesday, December 22, 2009 8:46:26 PM
MattSergej # Tuesday, December 22, 2009 10:41:18 PM
Ein Dogma ist ein Glaubensgrundsatz. Die GBS fordert die ET als höherwertigeres Weltbild gegenüber religiösen Weltbildern. Davon abgesehen: Dogma ist erst einmal ein neutraler Begriff.
"Eine Theorie ist dann konsistent, wenn aus ihr keine widersprüchlichen Schlüsse folgen. Die ET wäre also dann nicht konsistent, wenn sie aussagen würde, dass der Mensch vom Affen abstammt und gleichzeitig aussagen würde, dass der Mensch nicht vom Affen abstammt. Mir ist eine solche Aussage der ET nicht bekannt und bisher hast Du mir auch kein Beispiel nennen können."
Inkonsistent wenn an sie Forderungen gestellt werden a) etwas über Wahrheit/Reales auszusagen b) diese nicht verifiziert werden können.
"Eine Theorie zu falsifizeren bedeutet nicht, alle nur denkbaren Aussagen experimentell zu prüfen, sondern einen einzigen Fund hervorzubringen, der der Theorie vollkommen widerspricht."
Falsifikation entsteht auch durch das Fehlen von Verifikation.
Ich behaupte es gibt Leben auf Planeten XYZ89-F, solange da noch keiner da war und das Fehlen von Leben festgestellt hat, ist meine Theorie wahr? Na ja, Haarspalterei ob jetzt Falsifikation oder Verfikation.
Die Verifikation der ET beruht auf Schlüssen und Interpretationen. Ähnlichkeit = Verwandtschaft
(das grüne-Farbe-Gras-Beispiel), wie bereits angeführt.
zu Deinen netten Beispielen, es ist das, was ich als Hochrechnungen und Interpretationen bezeichne, z.B.:
"In dem Experiment von Lenski hat man nun etwa 50.000 Generationen von E.Coli beobachtet und jeder Generation Zitrussäure als Nahrungsquelle angeboten. So etwa bei Generation 31000 konnte dann "plötzlich" eine von 12 E.Coli Kolonie Zitrussäure verwerten. Diese Kolonie hat also den Sprung über Speziesgrenzen geschafft. Makroevolution par excellence." (Hervorhebung von mir, da Zitat ziemlich lang)
Kurz und knapp: Wenn ich mit den Urenkeln der Kreaturen reden kann, reden wir weiter...
"Wenn Du eine bessere wissenschaftliche Theorie als die ET hast... Ich bin ganz Auge."
+
"Ein allmächtiger Gott passt immer und deswegen ist diese These eben nicht wissenschaftlich." (von weiter oben aus dem Kommentar)
hm... ich finde mich zuweilen mit der menschlichen Dummheit ab, anstatt vorschnell Schlüsse zu ziehen. Ich bestreite nicht, dass die ET komplex konstruiert ist, nur ob sie wahr ist, ist eine andere Frage...
Solange das nicht verifiziert wurde: Sry... no Go in Bezug auf totalitäre Forderungen...
Anonymous # Wednesday, December 23, 2009 12:06:16 PM
MattSergej # Wednesday, December 23, 2009 2:04:01 PM
Dogma ist ein Begriff mit neutraler Konnotation? Meinem empfinden nach ist das eine äußerst unübliche Meinung."
Dogma bedeutet Glaubensgrundsatz oder eben, wenn man nicht von Glauben reden möchte: allgemeingültiger Grundsatz/Bekenntnis zu Prinzipien/einem Gesetz/Lehre/Theorien. Ob der Inhalt falsch, böse, irgendwie belastet, fragwürdig etc. ist, ist eine andere Frage. Als Institution ist ein Dogma erst einmal neutral.
"Solange Du nicht explizit eine weitere Erklärung angibst, bleibt die oben genannte Dichotomie eine echte und die Verwandtschaft die einzige Erklärung für die Ähnlichkeit der Gene."
Um es in einem bereits genannten Satz zu sagen (wie bereits formuliert):
ich finde mich zuweilen mit der menschlichen Dummheit ab, anstatt vorschnell Schlüsse zu ziehen.
"Vorschnell" mag hier zunächst unangebracht klingen aber die Menschheit war bis Christoph Columbus (abgesehen von einigen Ausnahmen) der Überzeugung, die Erde wäre eine Scheibe. Darüber war man sich sogar einiger als über die religiös motivierte Behauptung das Jerusalem (oder Rom) das Zentrum der Welt wäre.
"Wiki definiert eine Hochrechnung als "eine näherungsweise Extrapolation eines Gesamtergebnisses aus einem Teilergebnis." Ich weiss nicht so recht, worauf Du Dich in diesem Zusammenhang mit diesem Wort beziehst."
Die große Bertelsmann Lexikothek: "Hochrechnung, ein statistisches Verfahren, bei dem aus bestimmten charakteristischen Einzelangaben auf ein Endergebnis geschlossen wird (...)" (Band 6, S. 390)
Eine Datenlage wird hochgerechnet zu einem komplexen Weltbild. Bei Weltbildern redet man meist von transzendieren, das Wort kennt aber kaum einer, daher: "hochrechnen"
"Was die Verifizierung der ET anbelangt, möchte ich nochmals das Chromosom 2 bemühen. Schon bevor man überhaupt wusste, dass es DNA gibt, hat die ET vorhergesagt, dass Mensch und Bonobo gemeinsame Vorfahren haben müssten. Nach der Entdeckung der DNA gab es allerdings einen merkwürdigen Fund. Menschen und Bonobos haben eine verschiedene Anzahl von Chromosomen. Wie passt das zur Verwandtschaft? Die Vorhersage der ET lautet nun, dass man im Menschen ein Chromosom finden müsste, dass durch Fusion zweier Urchromosome entstanden ist. Exakt ein solches Chromosom wurde gefunden, die Vorhersage der ET bestätigt und diese damit verifiziert."
hm... ein Fund kann dahingehend interpretiert werden. Schön. Es gibt noch tausend andere Erklärungen, nur dass die sich nicht so "wissenschaftlich" anhören, da es schwer ist, sie in ein wissenschaftliches Konstrukt zu packen.
Mit einem 5cm-Loch Netz fängt man keine 3cm Fische... Würde man einen Fischverarbeiter fragen, der nie im See geschwommen ist würde der die These vertreten: Im See gibts nur Fische die größer als 5cm sind.
"Bzgl der Interpretation der Daten habe ich weiter oben dargelegt, warum diese Daten so interpretiert werden und sogar gezeigt, dass der Schluss recht zwingend ist. Wenn Du eine alternative (wissenschaftliche) Interpretation zu bieten hast, bitte."
*g* ich glaub erstmal an das Vollkornbrötchen von dem wir alle abstammen. Das ist 1. nach Deinen Wünschen falsifizierbar, 2. weitaus weniger komplex (macht weniger Kopfweh) und 3. es klingt nicht so klug bzw. hat nicht so viele Karieren, Frustrationen und Charisma wie die ET als Grundlage, Motor und Sinn vorzuweisen.
Warum ich ein Problem habe, die ET als Dogma des "einzig wissenschaftlich möglich erklärbaren Schöpfungsbericht" zu lehren ist die Vielzahl an ungeklärten Fragen bei (durch diese Forderung postulierten) gleichzeitigem Ausschluss anderer Möglichkeiten.
Anonymous # Tuesday, December 29, 2009 5:39:02 PM
MattSergej # Tuesday, December 29, 2009 8:47:15 PM
In der kurzen Schulzeit (und bei dem ganzen inzwischen notwendigen pädagogischen Extras) wird das manchmal ganz gerne über den Haufen geschmissen... daher auch mein Vorschlag: Wissenschaftstheorie und dann Evolutionstheorie.
Langfristig bin ich auch einem wertneutralen/unabhängigen Ethikunterricht für alle Schüler nicht abgeneigt, da er wohl das einzig wirksame Mittel sein wird um langfristig mit unserer Multi-Kulti-Gesellschaft klar zu kommen. Ob das allerdings immer wertneutral von statten gehen wird mag ich bezweifeln. Allerdings weiß ich auch nicht, ob das der einzig mögliche Ausweg ist.
"Wenn es nur einen Fund gäbe, der die ET verifizieren würden, dann würde ich Dir recht geben. Die ET stünde auf wackligen Beinen. Es gibt aber eben nicht nur diesen einen Fund (der offenbar für Dich ein bisschen Überzeugungskraft besitzt), sondern viele. Sehr viele.
So findet man diese Chromosomfusion nicht nur beim Menschen sondern zB auch bei Gorillas oder Pferden. Das gleiche gilt auch für die sonst unbenötigte Ähnlichkeit der Gene in den verschiedenen Tierarten. Solch eine Ähnlichkeit findet man nämlich nicht nur beim Hämoglobin, sondern bei vielen Proteinen.
Zu diesen genetischen Indizien kommen dann noch die biologischen, geologischen, kosmologischen und formallogischen Belege, die alle insgesamt das Fundament für das konsistente Bild der Evolutionstheorie legen. Genau darin liegt ja die Überzeugungskraft der ET. Sie kann alle Funde gleichzeitig erklären und bisher kann das keine andere wissenschaftliche Theorie (und generell überhaupt keine andere Erklärung)."
Hm... darin sehe ich mein Problem: ist die Argumentation "einzig wissenschaftlich fundierbare Theorie" gleichbedeutend mit "einzig wissenschaftlich vertretbare Theorie"?
Dein Hämoglobinargument darf nur deshalb nicht mit einem "intelligent Design" beantwortet werden, da eine Gottesvorstellung wissenschaftlich nicht greifbar wäre?
An dem Punkt hänge ich mich immer wieder auf, bzw. das ist mein grundsätzliches Problem bei der ganzen Debatte: Es ist kein sauberer Kampf.
(abgesehen davon, das ich es für falsch halte, die Argumente der W&W Wissenschaftler für abstruß zu erklären)
"Vorschnell ist nur Dein Handtuch-Werfen und mit einer solchen Attitüde würden wir immer noch Gottesstrafen durch Blitze glauben."
Das ist die Frage... Hätte es ein Voranschreiten der Wissenschaften auch in einer tief religiösen Umgebung geben können? Mendel war Mönch. Die Kirche bzw. die religiösen Führer, sofern sie nicht mit Machtspielen beschäftigt waren, (Galileo war meines Wissens das Opfer einer solchen Intrige) sehen ihr vordringlichstes Ziel meist in der Wahrung des Seelenheils der Gläubigen. Dass da gewagte Thesen sich einmal mehr bewähren mussten um durchgesetzt zu werden sind dann, so grausam das klingen mag, Kollateralschäden. Wir probieren neue Sachen ja auch erst mal vorsichtig aus, sofern wir keine Adrenalinjunkies sind.
So auch bei der ET: es geht mir hier ein bisschen zu schnell alles, den Totalitarismus in Form einer frühkindlichen Grundsatzerziehung auf Basis einer nicht ganz gesicherten Theorie zu führen... ich halte das lediglich für ein neues blindes Dogma, keine wirkliche Aufklärung.
Ich frage mich manchmal, was die Kollateralschäden des Fortschritts sind, was uns der Fortschritt denn gebracht hat. Sind wir wirklich glücklicher geworden? Wir leben länger. Wir haben mehr Möglichkeiten unser Leben zu gestalten aber auch gleichzeitig viel Orientierungslosigkeit, Frustration und Leid.
Aus dem Grunde werfe ich manchmal bei zu viel Kompromissbereitschaft in der wissenschaftlichen Beweisführung das Handtuch auf eine zu vorschnelle Stimme die sagt, wir hätten schon alles verstanden.
Ich glaube, dass Jesus Christus, bei allem Missbrauch der mit seinem Namen getrieben wird, Frieden bringen kann, er die Antwort auf unsere vordringlichsten Probleme ist.
Anonymous # Sunday, January 3, 2010 5:43:37 PM
MattSergej # Sunday, January 3, 2010 6:23:25 PM
Manche Möglichkeiten gelten auch von vornherein als Unwissenschaftlich, werden ausgeschlossen:
Intelligent Design gilt Dir als unwissenschaftlich, nichtsdestotrotz gibt es die Möglichkeit, sie ist nur nicht durch Denkmuster greifbar. Das 5cm Netz-Beispiel. Oder von mir aus auch eine Brille mit Rotfilter, durch die sich keine rote Elefanten finden lassen...
Um es mit Deinem eigenen Satz auf den Punkt zu kritisieren:
""Ich glaube, dass Jesus Christus, bei allem Missbrauch der mit seinem Namen getrieben wird, Frieden bringen kann, er die Antwort auf unsere vordringlichsten Probleme ist."
Das sei Dir gegönnt. Aber was haben wissenschaftliche Erkenntnisse und die Lehre eben dieser in der Schule damit zu tun?" (Hervorhebung von mir)
Das frage ich mich auch, allerdings vor allem weil es in dem Bericht über den offenen Brief heißt:
"In dem Brief erklärt der Stiftungsvorstand, dass die Bibel auf Kinder eine „desorientierende Wirkung“ habe. Denn sie vermittelte „falsche Ansichten über die Natur der Dinge“ sowie „ethisch höchst problematische Anweisungen, die dem Stand unserer kulturellen Evolution nicht mehr entsprechen“." (Hervorhebungen von mir)
Um es auf den Punkt zu bringen: Die Wissenschaft wird hier missbraucht um den Glauben an einen Gott grundsätzlich zu demontieren. Daher auch der Totalitarismusvorwurf. Darum ging und geht es mir: Es wird ein sehr komplexere Theorie als Hammer missbraucht, der mehr zerstören soll als er hergibt.
Weder der "Elektro-magnetismus (1864)", die "spezielle Relativitätstheorie (1905)", die "Quantenmechanik (1900-1930)" noch die "Plattentektonik (1970)" haben diesen Hammer- Anspruch.
Die ET ist zudem eine Theorie, von der
"Niemand behauptet, dass wir schon alles verstanden hätten."
Wir sprechen die ganze Zeit darüber,
1. dass an einem Gott zwar evtl. was dran sein könnte, man ihn aber nicht greifen kann, sich daher darauf beschränkt in der Forschung ohne ihn auszukommen, in nicht in seiner Eigenschaft als instabile Konstante in Betracht zu ziehen.
2. das man ausgehend davon getrost so weit gehen kann, ihn gleich ganz abzuschaffen. Daher auch die Unterscheidung in: "einzig wissenschaftlich fundierbare Theorie" und "einzig wissenschaftlich vertretbare Theorie".
Was dahintersteckt: Da die Frage ob er nicht existiert nicht befriedigend wissenschaftlich geklärt werden kann, reicht dafür aus, dass man ihn gleich ganz ausklammert.
Darüber hinaus frage ich mich immer noch wie die ET z.B. die Entstehung der Ur-Materie erklären will (ohne ins Religiöse und Wage abzudriften).
Nichtsdestotrotz gibt es Bürger in der Bundesrepublik Deutschland, die noch an einen Gott glauben, solange es die noch gibt, sollte man um der Totalitarismusabwehr willen davon Abstand nehmen, so radikal vorzugehen.
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Wissenschaft ist schön und gut: aber sie beantwortet nicht alle Fragen. Auch Wissenschaft muss manchmal raten.
qed.
Anonymous # Saturday, January 9, 2010 10:46:59 AM
MattSergej # Saturday, January 9, 2010 12:32:25 PM
Das ist jetzt eine Unterstellung, bzw. die Widerkehr eines altbekannten Missverständnisses
Wieso erwartest, ja verlangst Du sogar, dass alle Fragen bereits geklärt sind? Und wieso hinterlassen offene Fragen bei Dir ein mulmiges Gefühl?
Ich verlange das nicht, im Gegenteil. Nur ist dass der Maßstab, der u.A. von Dir an die christliche Religion angelegt wird.
Wie gesagt: Ich finde die ET auch durchaus interessant, gar spannend. Die Mechanismen sind in anderen Bereichen auch gut aufgehoben (Sozialdarwinismus, Produktentwicklung, Marktwirtschaft, Wirtschaft an sich, etc.)
Allerdings wenn man jetzt unbedingt damit die Welt exklusiv erklären will, totalitäre Strukturen, einen Allgemeingültigkeitsansatz (wie die Giordano Bruno Stiftung fordert) einführen möchte, dann sage ich: Moment! Das geht ein bisschen zu schnell.
Glaube und Wissenschaft schließen sich nicht aus. Ja, Wissenschaft ergänzt unser Weltbild. Ich bin Student der Philosophia, der Liebe zur Weisheit (ich sage damit nicht, dass ich sie besitze, ich strebe nur nach ihr)
Mir ging es in dem Ursprungspost um ein rein soziologisches und gesellschaftliches Problem das seinen Ursprung in einem Missbrauch der Wissenschaften hat.
Ich persönliche finde offene (wissenschaftliche) Fragen und Spekulation bzgl ihrer Anworten absolut spannend.
die Freude daran will ich Dir auch nicht nehmen, im Gegenteil. Allein dass Du so lange mit mir diskutierst zeugt ja auch von einem gewissen Sportsgeist, den ich überaus schätze^^
Anonymous # Saturday, January 9, 2010 2:08:59 PM
MattSergej # Saturday, January 9, 2010 4:56:08 PM
zu 1: Weil Gott das so eingerichtet hat: Leoparden fressen Gazellen. Ich fand das Hämoglobinbeispiel aber hübscher^^
zu 2: Weil das zu offensichtlich wäre bzw. es im Notfall auch einen Meta-Satz geben würde/gibt (bin zu wenig Physiker aber kann sein, dass die Quantenphysik da weiterhelfen könnte). Theorien haben den Vorteil das sie sich an Beobachtungen anschmiegen können, das ist ja gerade Empirie: Das anschmiegen an die beobachtete Wirklichkeit. Über einen Wahrheitsanspruch sagt das allerdings nicht viel aus.
""Ich verlange das nicht, im Gegenteil. Nur ist dass der Maßstab, der u.A. von Dir an die christliche Religion angelegt wird."
Ich versteh nicht ganz, was Du genau hiermit meinst. Die Religionen behaupten doch von sich selber alle (wichtigen) Fragen beantwortet zu haben. Ich persönlich sehe diese Anworten allerdings nicht."
Ping... Pong... Ping... Pong... kannst Du die Frage auch mal beantworten?
"Wieso erwartest, ja verlangst Du sogar, dass alle Fragen bereits geklärt sind? Und wieso hinterlassen offene Fragen bei Dir ein mulmiges Gefühl?"
vs.
"Hmm... fordert die GBS nicht vielmehr gemäß unseres aktuellen Wissenstands zu lehren?"
vs.
„desorientierende Wirkung“ (HPD Artikel) der Religionen...
...
bitte wieder oben (Ursprungspost) weiterlesen...
bzw.
"Im allgemeinen gebe ich Dir aber recht und exakt deswegen ärgert es mich ja so, dass aus Gründen des Glaubens die Wissenschaft angegriffen wird. Es ist einfach vollkommen überflüssig."
ich denke nicht, dass die Wissenschaft angegriffen wird, vielmehr werden Forschungsergebnisse in Frage gestellt bzw. auf zu schnelle Urteile hingewiesen.
"Gott hat eine wissenschaftliche Welt erschaffen, damit wir Wissenschaft benutzen können, um unsere Welt zu verbessern.
So sind Glaube und Wissenschaft vereint und alle Konflikte aufgelöst."
Harmonie und Friede Freude Eierkuchen? Ich diskutiere hier nicht primär als Christ sondern als Mensch der sich darüber wundert das ein nicht vollkommenes System über ein anderes gestellt werden soll nur weil es hübscher oder k.A. sonst was ist...
verquer # Saturday, January 9, 2010 7:57:38 PM
Originally posted by Sergej:
Ehm... eigentlich meinte ich damit, dass Du die wissenschaftlichen Antworten geben solltest... Hier habe ich es mir herausgenommen zu überprüfen in wie weit Du die ET tatsächlich verstanden hast.
Originally posted by Sergej:
Nach eingehender Prüfung kann ich nach besten Wissen und Gewissen sagen, dass ich keine Ahnung habe, welche Frage Du hier meinst. Übersicht weisst Du...
Originally posted by Sergej:
Nicht sehr überzeugend.
Originally posted by Sergej:
Wie wäre es mit wissenschaftlicher? Du weisst: falsifizierbar, schwer variierbar und millionenmal verifiziert?
MattSergej # Saturday, January 9, 2010 8:30:22 PM
Ich kenne die ET nicht im letzten Detail, habe ich am Anfang bereits geschrieben. Jedoch sind alle Ansätze oder Antworten von Dir, was die ET oder meine Kritik betraf weder überzeugend oder gleich ganz ausgeblieben.
Das meinte ich unter anderem auch mit "Ping Pong".
MattSergej # Saturday, January 9, 2010 9:11:06 PM
Was die ET betrifft: Wir haben heute Beobachtungen:
Fossilien, die von Dir für irrelevant erklärt werden, wirklich passende hat man bisher nicht finden können, es gibt nur Theorien, viele Fehlinterpretationen (etwa „Lucy“, den Neandertaler) aber bisher doch nur recht große Lücken im Stammbaum.
Diverse Beobachtungen in den Naturwissenschaften, "passende Legosteine", wie ich sie nennen würde, Du selbst hast Ähnlichkeiten in der DNA erwähnt, man kann jetzt noch Beobachtungen der Zoologie, Ethnologie, Grundlagen der Speziezismusvorwürfe und anderes anführen.
Schön. Die können mit der ET erklärt werden, müssen aber nicht.
Ab wann ist die Beweislast erdrückend? Ab wann muss man die ET hinnehmen? Ab wann muss, eher kann man die ET mittels totalitärer Strukturen als Argument gegen „Destruktive“ andere Theorien anführen?
Es sind viele Fragen nicht geklärt. Von der ET geht eine Faszination aus, schön das Du ihr erlegen bist und so begeistert Werbung dafür machst. Nur bitte verschrei die, die sie nicht als ausschließliche Erklärung anerkennen möchten (oder können) nicht als arme Irre, Religionsgeplagte oder Ignoranten. Eher im Gegenteil.
Du bist fasziniert von den Naturwissenschaften, von Gedankenkonstruktionen nach strengen Regeln (ob die fundiert sind, habe ich mehrfach in Frage gestellt) und anderes. Wenn Dir das Erfüllung gibt. Seis drum...
Was den bisherigen Diskussionsverlauf betrifft frage ich mich allerdings, was denn noch viel neues kommen soll außer das wir uns gegenseitig vorwerfen ignorant zu sein.
verquer # Sunday, January 10, 2010 10:50:37 AM
Als erstes muss man wohl darauf hinweisen, dass die Wahrscheinlichkeit zur Entstehung von Fossilien gerade zu lachhaft gering ist. Was passiert denn in der Regel mit Hühnchenknochen, wenn Du diese im Boden vergräbst? Spätestens nach ein paar Jahren sind die weg.
Fossilien entstehen nur unter ganz gewissen, nicht gerade weit verbreiteten Umständen. Vorallen muss der Körper kurz nach dem Tod luftdicht (!) verschüttet werden. Das passiert zb in Sümpfen oder bei Hangabrutschen, aber selbst da offensichtlich auch seltenst.
Bill Bryson gibt in seinem Buch "Eine kurze Geschichte von fast allem" folgendes Beispiel: Es ist zu erwarten, dass von allen sechsmilliarden Menschen und rund 200 Knochen pro Mensch gerade mal 2-3 Knochen insgesamt zu Fossilien werden.
Und die Dinger musst Du erstmal finden! Stell Dir vor, dass ich irgendwo auf unserer Erde drei Knochen verstecke und Du musst die Knochen finden...
Nehmen wir mal die Entwicklung des Homo Sapiens als Beispiel. Seit der Menschwerdung vor etwa 200,000 Jahren wurden rund 110 Milliarden Menschen geboren. (http://de.wikipedia.org/wiki/Weltbev%C3%B6lkerung#Zahl_aller_jemals_geborenen_Menschen). D.h. also, dass man erwarten kann, dass es gerade eben mal 55 fossilierte Knochen aller jemals geborenen Menschen geben wird.
Es ist ein kleines Wunder (haha), dass wir überhaupt Knochen gefunden haben. Lücken in unseren Fossilienfunden sind daher zu erwarten.
Originally posted by Sergej:
Exakt. Wieviele Belege soll ich Dir noch nennen? Was interessiert Dich mehr: Der Übergang von Wasser zu Land? Oder ein plausibles Szenario zur Entstehung der ersten Zelle? Die Arbeit mach ich mir gerne, weil ich eh entsprechende Einträge in meinem Blog plane.
Originally posted by Sergej:
Ausschließliche Erklärung? Wie immer möchte ich Dich darauf hinweisen, dass es die beste zur Zeit verfügbare Erklärung ist. Und ja: wenn jemand die ET ablehnt, weil er sich nicht genügend mit dieser beschäftigt hat, dann ist dieser jemand ignorant. Das ist ja praktisch die Definition des Wortes.
MattSergej # Sunday, January 10, 2010 11:41:07 AM
Schön, dass Dich das überwältigt hat. Man kann eine Menge Belege für die ET heranführen. Bis jetzt ist mir jedoch noch kein überzeugender untergekommen der sich zu bis ins Detail merken gelohnt hat.
Daher auch die Anführungen der W&W Leute.
Aber es dreht sich um etwas anderes:
"Ausschließliche Erklärung? Wie immer möchte ich Dich darauf hinweisen, dass es die beste zur Zeit verfügbare Erklärung ist."
Das ist der Punkt an dem wir die ganze Zeit drüber diskutieren:
Ich kann mit dem "Intelligent Design" gut leben. Der essentielle Kritikpunkt der bisher bei mir ankam war vor allem der, dass es unwissenschaftlich sei.
Unwissenschaftlich weil Du die Vorstellung an einen Gott unwissenschaftlich findest, weil sie als Vorstellung wissenschaftlich nicht greifbar ist, da ein Gott sich Deiner (und auch durchaus auch meiner) Meinung nach nur schwer in Theorien packen lässt. Daher auch: instabile Konstante.
Daher auch meine von Dir wesentlich umgangene Frage was wissenschaftlich beweisbar und was wissenschaftlich (d.h. für einen Wissenschaftler (als Mensch)) vertretbar ist.
"Und ja: wenn jemand die ET ablehnt, weil er sich nicht genügend mit dieser beschäftigt hat, dann ist dieser jemand ignorant. Das ist ja praktisch die Definition des Wortes."
Ich kann die ET nachvollziehen. Darum ging es mir auch nie.
Vielleicht war mein Abweichen in die anderen Anwendungsgebiete auch verwirrend. Ich wollte Dir die Freude an dieser Theorie nicht nehmen, keine Ahnung.
Bezogen auf die Erklärungen zur Entstehung der Arten: Die ET bildet gute Ansätze, da stimme ich Dir gerne zu, aber sie ist nicht zu 100% verifiziert.
Aber das wird man wohl bei keiner Theorie wirklich zu 100% schaffen. Wie geschrieben: Die Ansätze mögen rein formell gut sein (mit formell meine ich auch eine gewisse Deckungsgleichheit mit der Realität) nur eben die Frage ob sie hinreichende Aussagen machen kann um andere Vorstellungen auszuschließen... halte ich für gewagt mit ja zu beantworten
Genauso gefährlich halte ich es im Übrigen die ausschließliche Deutungshoheit über Erkenntnisse einer obskuren Kirche oder Kirchenorganisation anzuvertrauen. Vielleicht hilft Dir dieser Zusatz weiter um Dir zu zeigen, worum es mir die ganze Zeit ging.
Die Giordano Bruno Stiftung kommt mir mit ihrer Forderungen, gerade wenn sie totalitären Charakter haben, eher wie ein Fanclub einer Idee (nämlich dass alles Wissen nur durch Wissenschaft, vornehmlich die Naturwissenschaft zu erreichen sei) vor, denn einer Gesellschaft, die wirklich daran interessiert ist, Wahrheiten zu vertreten.