digitales Zentralorgan des Matthias F.

Leben, Kamele und ab und an seichte Alltagsromantik...

Herausforderung schaffen und annehmen

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Ich war die letzte Woche nicht zu Hause und habe einen ordentlichen Stapel Zeitungen an drei oder mehr Stellen der Wohnung gefunden. In der Ausgabe vom Mittwoch wurde auf der Feuilleton von einem Flugzeugsteward berichtet, der nach einem heftigen Streit mit einer Passagierin sich ein Bier aus der Bordtheke geschnappt, die Notrutsche ausgelöst und sich mit einem flotten Spruch von 20 Dienstjahren als Steward verabschiedet hatte.
Kurze Zeit später kam wohl auch die Polizei und ihm drohen nun 7 Jahre Haft wegen diverser Verletzungen von Sicherheits- und Hoheitsbestimmungen.

An sich eine witzige Geschichte.

Interessant finde ich, dass in dem besagten Zeitungsartikel auch über das Entstehen von zahlreichen Online-Netzwerkfangruppen (z.B. Facebook) berichtet wurde, der ganze Blödsinn zu einer Art Alltags- oder Inszenierungskunst hoch stilisiert wird.

Eine vielleicht etwas gewagte Theorie: Seit öffentlichkeitswirksame "Helden" wie Ghandi, Martin Luther King oder Mutter Theresa gestorben oder wie etwa durch den gegenwärtigen "Change"-Präsidenten Obama, den barbusig auf Tigerjagd gehenden Ex-KGBler Putin bzw. inflationär daherkommende Castingshows nur noch schlecht persiflagiert werden können, braucht es eben solche Typen: Die "Alltagshelden" lösen die "wirklich großen" ab, jeder ist sein eigener Held, jeder kann etwas erreichen: Jeder, der eine möglichst noch nicht da gewesene Tat begangen oder eine bereits gezeigte besonders passend nacherzählt bzw. nachgestellt hat, kann zu Ruhm, Ansehen und interessanten Möglichkeiten kommen. Das ganze findet man durch die Kultur- Religions- und Politikbereiche gehend wieder: Kaum ein Politiker kommt ohne Inszenierung/"Image" aus, ein wirklicher Held der modernen Religiösität muss einiges erlebt und in möglichst viele abgefahrene Grenzerfahrungen gelangt sein und die Drogenexzesse der wilden 70er Jahre Künstler erleben in der Gegenwart ihren exzessiven Burnout.

Inszenierug, "Selfmarketing", "sich selbst verkaufen", ich kann die Kritik daran nicht mehr hören. Letzten Endes tun "wir" doch nur das, was "wir" eben tun und zu was wir uns gegenseitig hochpeitschen.

Blickt man zurück, so denke ich an das bewusste Inszenieren von (rein vom lebenswirklichen Standpunkt aus gesehen) sinnlosen Happenings in den Zeiten unserer Väter, das Hoch-stilisieren von Alltagsmüll in der Popart (irgendwie muss man sich ja seiner Existenz bewusst werden), das in der Gegenwart zunehmende enorme Angenervtwerden von bewusst verstörend (bzw. "zum nachdenken anregen wollenden") Performancekünstlern oder eben mein persönlicher 10 Euro Gewinn beim Verscherbeln einer alten Arbeitshose (zerrissen und mit Farbkleksen drauf - "Was, die willst Du wegschmeißen???!!!") ... nichts Neues unter der Sonne, die Welt ist nur eben zunehmend chaotisch werdend - Die Chaostherie lässt grüßen...

In der Soziologie spricht man von der "Individualisierungsthese", die "Alten" von der "Jugend die früher ganz anders war" und in anderen Bereichen von "gesellschaftlichem Aufbruch", Fortschritt und blühendem Leben.

Na ja... ob es das wirklich ist?

Ich warte jetzt schon auf den Tag an dem ein Steward die Notrutsche während des Fluges auslöst (darüber wurde im übrigen auch bereits diskutiert!), ein geregelter Parlamentsbetrieb nicht mehr möglich wird weil eine Fraktion geschlossen irgendeinen Blödsinn verzapft um einen PR Gag zu landen (wobei... das gabs ja auch schon), die Welt durch einen besonders witzigen Computervirus lahmgelegt wird (wobei... na ja... ich spar mir den Kommentar) oder irgendein Freak auf eine Idee kommt die mir zu blöd oder gefährlich ist auszuformulieren.

Es lebe die Orientierungslosigkeit smile

bzw. für alle die eine Notbremse brauchen (kam mir gerade):
Matthäus 11,28, Bibel (funktioniert)
(ich habe irgendwann festgestellt, das auf den Bibelstellen ein Copyright drauf ist und habe deswegen Texte entfernt)


Wollte mal wieder was schreiben

Karriere zu EndeLiebe zur Weisheit

Comments

Pineas2 Monday, August 16, 2010 7:31:12 AM

Die Pop-Art-Künster bemühten sich, die Kunst im Alltag zu erkennen. Damit waren sie Vorläufer der Kunst, sich selbst als Helden zu erkennen. Im Internet ist das zugegeben einfacher und irgendwie auch eleganter als sich im Fernsehen in eine Talk-Show zu setzen.

MattSergej Monday, August 16, 2010 9:30:44 AM

na ja... smile An zu viel Eleganz geht die Welt zugrunde...

Pineas2 Monday, August 16, 2010 10:17:18 AM

Sieht dabei aber gut aus...

MattSergej Monday, August 16, 2010 1:02:32 PM

die Titanic war auch ein feines Schiff smile

Unregistered user Monday, August 23, 2010 10:51:36 AM

Johannes writes: Deine Beiträge haben sich mittlerweile zu netten philosophischen Brocken gemausert. Schade, dass sie größere Bekanntheit vermutlich - wie üblich - erst postmortal erlangen werden. ;)

Pineas2 Monday, August 23, 2010 11:05:30 AM

Lass dir Zeit damit, bekannt zu werden. smile

MattSergej Monday, August 23, 2010 10:08:36 PM

smile ma gucken...

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