Monday, 25. September 2006, 23:06:37
zum
Webmontag München am 25.09.2006Der
Webmontag München war diesmal gut besetzt von Zuhörern und Zuschauern, sicher nicht zuletzt wegen der Ankündigung eines Beitrags von
Marc Canter über sein Projekt
People Aggregator. Aus meinem engeren Bekanntenkreis war
Florian Heidinger diesmal mit dabei.
Da stellt sich mir eine interessante Frage. Muß ein Weblog immer ganz sachlich sein? (Es gibt wirklich solche Fälle, da erinnern die Blog-Posts an marketing-technisch gestylte und mit Werbe-Blabla aufgeblasene Pressemeldungen.) In meinen Augen: Nein. Darf ein Weblog eine eigene Meinung wiedergeben? In meinen Augen unbedingt: Ja. Darf ein einfacher Web-Nutzer eine andere Meinung als ein Guru haben? In meinen Augen Ja. Das ist zwar so, als würde ein Thomas Hofmann einem Klaus Schallhorn sagen, da gibt es eine Suchmaschine namens Google, die ist ganz toll. Aber der Guru antwortet womöglich zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte darauf, diese Suchmaschine ist zu unbedeutend.
Was ist PeopleAggregator? Vorgestellt wurde es als Mega-Plattform oder Community, quasi als Plattform für Plattformen, Community für Communities. Es soll z.B. darüber möglich sein, mit dem Absenden eines Blog-Postings in verschiedene Weblogs gleichzeitig zu posten. Also eine Vernetzung vieler verteilter Blogs und kleinerer Communities. Fragen kamen auf. Eine Frage lautete, ob nicht
mySpace.com eine starke Konkurenz darstellt. Marc Canter erwiderte darauf sinngemäß, er glaube mySpace wird kommen und gehen (an Bedeutung verlieren) wie schon viele Plattformen oder Communities vorher. Eine andere Frage (von mir) war die nach der Gefahr von double Content bei der Nutzung von vielfach gleichem Inhalt in unterschiedlichen Blogs. Seine Antwort sinngemäß war die: Kümmere dich nicht drum. Glaube mir, sie werden deinen Content finden, egal wie. Ich glaube, daß an dieser Stelle viele Menschen, die sich mit Suchmaschinen befassen, anderer Meinung sind. Die Meinung von Marc Canter mag dennoch richtig sein, sein Konzept aufgehen und angenommen werden. Wenn es eine bestimmte Schwelle überschreitet, wird es zum Selbstläufer. Vielleicht haben seine Communities dann wirklich eine ähnliche Sog-Wirkung wie Blogs heute. Suchmaschinen werden, sofern sie seinen Content auslesen können, dies sicher auch tun und dann vielleicht sogar entsprechend hoch ranken. Wer sich mit der Funktionsweise von Suchmaschinen auseinandersetzt, wird aber sicher nicht so schnell zu der Meinung kommen, man müsse sich im Zusammenhang mit Suchmaschinen um nichts Gedanken machen und die Suchmaschinen würden sich schon von selbst darum kümmern gerade deinen Content um jeden Preis zu bekommen. Sehr schön in diesem Zusammenhang finde ich auch immer wieder die fiktive
Geschichte vom Webdesigner und dem Suchmaschinen-RobotAn einem schönen Sommerabend in einer rheinischen Grossstadt lehnte ein Suchmaschinen-Robot gelassen an einer Kneipentheke und genoss nach seinem langen Arbeitstag ein paar Gläser kühles Altbier. Er hatte in den letzten 24 Stunden 16 Millionen WWW-Seiten gelesen und ausgewertet. Die Ergebnisse hatte er bei der Datenbank abgeliefert. Für heute reichte es ihm. Bloss keine HTTP-Anfragen mehr. Jetzt musste VoA[1] reichen.
Genussvoll liess er das Altbier die Kehle runterlaufen. Ein lässiges Winken mit dem leeren Glas reichte als Bestellung für das nächste. "Ein PubML[2] sollte mal jemand erfinden", dachte er.
Dynamischen Schrittes kam ein schwarzgekleideter Jüngling mit Drei-Tage-Bart und viel Gel in den geschwärzten Haaren herein und stellte sich neben den Robot an die Theke. "Au Scheisse! Ein Webdesigner!", dachte der Robot. (..)
Aber hier ging es bei der Frage nicht um JavaScript sondern um duplicate content. Das ist aber eben auch ein Problem, das zu beachten heute viele Suchmaschinenexperten raten. Andere Themen wurden genannt wie z.B.
FOAF,
openID, single sign on und interconnect social networks als Ziel. Auch
XFN und microformats werden genannt.
Der zweite Beitrag kam von
Johannes Vockeroth. Er stellte sein Projekt
kesto.org vor. Schlecht finde ich die
kommentarlose Weiterleitung auf die Firefox-Download-Seite, wenn man kesto z.B. mit dem
Opera Browser besucht. Die Idee dahinter ist ein Zugangssystem zur zentralen Verwaltung von Zugangskennungen im Web. Der in meinen Augen genialste Teil dahinter ist die Idee, die in Eingabe-Formularen eingegebenen Daten bereits im Browser mit JavaScript (symmetrisch, AES) zu verschlüsseln und erst verschlüsselt abzusenden. Damit verläßt kein Paßwort im Klartext den Browser. Einziger möglicher Angriffspunkt sind hier Keylogger, die als bereits auf dem PC installierte Programme Tastendrücke mit loggen und speichern. Es wird keine E-Mail Adresse abgefragt, wie auch keine Funktion zum Zusenden eines womöglich vergessenen Paßwortes existiert. Einmal vergessen sind die eingegebenen (und verschlüsselten) Daten des Accounts verloren.
Nachtrag:Leider hab ich kesto bei mir nicht zum Laufen gebracht, er verlangte immer neu daß ich mich einlogge. Und dann hat er sich neue logins nicht gemerkt, habe sie immer wieder versucht hinzuzufügen.
Nachtrag 2:An einem anderen Rechner hinter einer Firewall kann ich jetzt damit arbeiten. Was fehlt ist ein kurzes Howto. Man denkt zunächst, man muß lauter neue Filter anlegen, aber wahrscheinlich muß man das gar nicht.
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