Anonimiteit en paranoia

Is waarheid opgewassen tegen oorlogen met woorden en beelden?

Kurt Tucholsky

Een heugelijke dag, 20 januari 2012. Vandaag zou ze honderd geworden zijn. Mijn voorspelling is net niet uitgekomen. Als een kleine ode aan mijn dappere moeder een vers van een van haar geliefde auteurs, eentje dat ook haar geest ademt.






Theobald Tiger: Das Ideal

„Das Ideal“ gehört neben „Mutterns Hände“ und „Augen der Großstadt“ zu Tucholskys popülärsten Gedichten und wurde häufig nachgedruckt, aber nicht zu Lebzeiten Tucholskys. Er hat es in keinen Sammelband aufgenommen.


Das Ideal

Ja, das möchste:

Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse, vorn die Ostsee,
hinten die Friedrichstraße; mit schöner Aussicht, ländlich-
mondän, vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn - aber
abends zum Kino hast du ́s nicht weit.

Das Ganze schlicht, voller Bescheidenheit:

Neun Zimmer, - nein, doch lieber zehn!

Ein Dachgarten, wo die Eichen drauf stehn,

Radio, Zentralheizung, Vakuum,

eine Dienerschaft, gut gezogen und stumm, eine süße Frau
voller Rasse und Verve - (und eine fürs Wochenend, zur
Reserve) - eine Bibliothek und drumherum

Einsamkeit und Hummelgesumm.

Im Stall: Zwei Ponies, vier Vollbluthengste, acht Autos,
Motorrad - alles lenkste natürlich selber - das wär ja gelacht!

Und zwischendurch gehst du auf Hochwildjagd.

Ja, und das hab ich ganz vergessen: Prima Küche - erstes
Essen -

alte Weine aus schönem Pokal -

und egalweg bleibst du dünn wie ein Aal. Und Geld. Und an
Schmuck eine richtige Portion.

Und noch ́ne Million und noch ́ne Million. Und Reisen. Und
fröhliche Lebensbuntheit. Und famose Kinder. Und ewige
Gesundheit.

Ja, das möchste!

Aber, wie das so ist hienieden:

manchmal scheint ́s so, als sei es beschieden nur pöapö, das
irdische Glück.

Immer fehlt dir irgendein Stück.

Hast du Geld, dann hast du nicht Käten; hast du die Frau,
dann fehl ́n dir Moneten - hast du die Geisha, dann stört dich
der Fächer:

bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher.

Etwas ist immer. Tröste dich.

Jedes Glück hat einen kleinen Stich. Wir möchten so viel:
Haben. Sein. Und gelten.

Daß einer alles hat:

das ist selten.




Berliner Illustrirte Zeitung Jg. 36, Nr. 31 v. 31.7.1927

2012Crisis en toekomst...

Comments

wllm kalbwkalb Tuesday, February 7, 2012 8:49:35 AM

Kurt Tucholsky! Wie leest hem nog, wie kent hem nog? Als twintigjarige maakte ik kennis met hem en was meteen verkocht. Luchtig en toch met diepgang.

Alphonse ScafTibaert Tuesday, February 14, 2012 4:20:45 AM

Merkwaardig, sommige auteurs "vergeet" je gewoon, en zie, plots duiken ze door omstandigheden weer op. Bij mij door m'n activiteiten op internet over fascisme en onlangs door het overlijden van m'n moeder. Bij haar erfenis zaten ook boeken van Tucholsky, waaronder "Justitia schwooft". De tijd lijkt aangebroken dat maar eens te gaan lezen!

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