Der kleine Rettungsschirm oder Erklärungen, die keine sind. Teil II
Friday, December 30, 2011 12:51:25 PM
Der kleine (finanzielle) Rettungsschirm ist durchaus verbreiteter, als man allgemein annimmt.
Seine Grundkonstruktion:
Marode Infrastruktur wird mit öffentlichen Geldern aufgepäppelt oder defizitäre Unternehmen durch die Beteiligung der öffentlichen Hand am Leben erhalten, damit anschließend die Privatwirtschaft sich ins gemachte Nest setzen kann. Neoliberale müssten dies protestierend „Marktverzerrung“ nennen und anprangern, die kommunalen und überregionalen Geldgeber argumentieren dagegen gern demagogisch mit diffusen Arbeitsplatzzahlen. A neverending story!
Ein Kapitel in dieser Geschichte schrieben 2011 auch (wieder einmal) die Akteure im Umfeld der Gatersleber Biopark-Infrastrukturgesellschaft.
Deren Aktivitäten zu beleuchten, war in diesem Blog ebenfalls mehrmals der Versuch unternommen worden. Nur wenig stand danach fest.
Vor allem eine Frage wurde nie beantwortet: In welcher Höhe sind seit 2006 öffentliche Zuschüsse in die Geschäfte der BGI GmbH geflossen, um diese Firma vor dem Gang zum Insolvenzrichter zu bewahren?
Zuletzt sollen es Mitte 2011 250.000 EURO (Wir werden auf diese Zahl in einem nächsten Beitrag zurückkommen.) seitens der Gesellschafter Stadt Seeland und der Futura GmbH (Katholische Peanuts?) gewesen sein, die einen Bankrott des ambionierten Objektes verhinderten.
Von den öffentlichen Aufwendungen durch das Bundesland Sachsen-Anhalt und die Europäische Union reden wir erst garnicht.
Und z. B. auch davon nicht, dass die Gemeinde Gatersleben noch kurz vor der erzwungenen Eingemeindung in die Stadt Seeland, die innerbetriebliche, nicht öffentliche Erschließungsstraße des Bioparks im Handstreich in die Gemeindestraße „Am Schwabeplan 6“ umwidmete. Eine Umverteilung zu Lasten der öffentlichen Hand!
Nun Jubel: Die BGI sei gerettet, die Bayer CropScience habe mit dem 1. Dezember 2011 im Biopark Gatersleben begonnen, seine Pläne für ein Europäisches Weizenforschungszentrum zu realisieren. Die Berichte überschlugen sich förmlich vor Freude, zuletzt in der Nr. 26/2011 vom 28. Dezember der Amtsblatt der Stadt Seeland.
Details folgten nur wenige, eines davon waren 40 neue Arbeitsplätze, die aber sicher, nur wenn überhaupt, in geringem Umfang mit Spezialisten aus der Region besetzt werden.
Zweckoptimismus also? Vielleicht, aber:
Dem Vorhaben ist abstrichslos Erfolg zu wünschen, möge es eine schnelle Realisierung erfahren.
Aber niemand kann es dem Beobachter verdenken, wenn er nach so vielen Jahren der Vertröstungen, Beschwichtigungen und des unergründlichen Optimismus nun skeptisch ist und den Tag nicht vor dem Abend loben will.
Daher wäre es jetzt nur natürlich, wenn die BGI auch öffentlich, z. B. im Internet über ihre neugewonnene Zukunft informieren würde.
Dazu aber Fehlanzeige. Deren Website „staubt“ nun seit 2007 vor sich hin, gähnende Langeweile und Stagnation. Keine Spur von pflanzenzüchterischer Zukunft.
Und auch die Pressemitteilung der Bayer CropScience zum Thema kommt eher sehr allgemein mit Absichtserklärungen daher.
Schade. Öffentlichkeitsarbeit in Zeiten des WWW sieht eben anders aus.
„Nachdenkliches“ aber wird dranbleiben!





