Gatersleber Briefe

Randnotizen aus der Provinz

Briefe aus Gatersleben: Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt!

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Diese geflügelten Worte sind die Umschreibung des Wechselspiels von hemmlungsloser Euphorie und tiefer Resignation. Und sie charakterisieren gut die momentane Situation rund um das Biotechnologiezentrum Gatersleben.
Aber eigentlich …

… muss es wohl richtig heißen „Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt;“ aus Clärchens Lied in Goethes Trauerspiel „Egmont“.
Doch macht das „m“ keinen wirklichen Unterschied, hört man einmal die traurige und zugleich mehr komisch als tragisch anmutende Weise, die politische und wissenschaftliche, tatsächliche oder auch Pseudo-Prominenz unisono angesichts des angekündigten Rückzugs der BASF aus der deutschen Gentechnikforschung auf pflanzenbiologischem Gebiet anstimmten.

In Gatersleben betrifft dies die BASF-Tochter SunGene, gestartet 1998 als Joint Venture mit dem Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung, mit diesem bis heute symbiontisch lebend und Rückgrat der Initiative Green Gate Gatersleben, aber irgendwie auch des Innoplanta e. V.

Leider ist hier nicht der Platz, sich den Krokodilstränen zu widmen, die nun propagandistisch in „Rückzug von BASF ist für Gatersleben ein harter Schlag“ vor allem um 57 Arbeitsplätze vergossen werden, aber der aufmerksame und vor allem mitdenkende Leser wird doch allerhand Fragen aufwerfen, wenn ihm die Schizophrenie und Verlogenheit der Protagonisten der grünen Gentechnik einmal mehr auffällt.

Der Rückzug der BASF aus der pflanzenbiologischen, kommerziell orientierten, praxisrelevanten Genom-Forschung in Deutschland ist ja nicht deren Ende.
Zumal Insider schon seit Jahren wissen, dass die BASF ihr Engagement auf diesem Gebiet strategisch hinterfragt hat. War man nicht mit den Fortschritten beim gentechnischen Vitamin-Raps z. B. hier in Gatersleben eher unzufrieden?

Zudem sind die Argumente der Branche um keinen Deut weniger ideologiebehaftet als die ihrer teilweise gar militanten Gegner.

Aber schlagartig entlarven sich zwei Kernargumente der Befürworter grundlegend: Jenes von der Relevanz des Verbrauchervotums und die sophistische Scheinheiligkeit von der Bedeutung der grünen Gentechnik für Ernährungssicherheit und Kampf gegen den Hunger auf der Welt.
Gerade letzteres wird immer wieder gern gebetsmühlenartig wiederholt, doch genügt ein kurzer Blick auf die Fakten des bioenergetischen Missbrauchs der Ernährungslandwirtschaft, des Problems der Verteilungsgerechtigkeit von und des Börsenspekulantentums mit Agrarerzeugnissen, um die nackte Wahrheit zu erkennen.
Brauchen Sie ein Beispiel? Das liefert die BASF mit ihrer gentechnisch formulierten Industriestärke-Kartoffel „Amflora“ gleich mal selbst. Als Lebensmittel ungeeignet. Nun kann man selbst weiter nachdenken …

Besonders perfide ist das Argument, dass nun 57 Arbeitsplätze vor Ort wegfallen. Welche von ihnen haben denn tatsächlich nicht nur ihre Arbeit, sondern auch ihren Lebensmittelpunkt in der Stadt Seeland, so dass daraus soziale Ansprüche und Leistung erwachsen?

Und ist der Saldo nicht 17?

Denn vor gut einem Monat frohlockte man noch unverblümt.
Über 40 neue Arbeitsplätze, die in einem Europäischen Weizenzuchtzentrum von Bayer CropScience im Biopark Gatersleben geschaffen werden sollen. Himmelhoch jauchzend!

Dessen einen Abreise ist des anderen Ankunft. Und wird Bayer CropScience etwa bei seinem Vorhaben GVOs außen vorlassen?

Nun die Ernüchterung, ja, der Absturz. So schnell kann es gehen.

Nötig sei eine ideologiefreie Diskussion, wenn die Probleme der Welternährung gelöst werden sollen , hat laut Mitteldeutscher Zeitung (Welch dramatischer Titel: „Gen-Forscher flüchten“bigsmile ) Sachsen-Anhalts Agrarminister Hermann Onko-Aikens (CDU) dazu bemerkt.
Aber klar, das musste er wohl. Ganz ideologiefrei?rolleyes Wohl weder dies noch überzeugend. Politikersprech!





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