Monday, 21. April 2008, 07:52:52
Ich bin Blindtext. Von Geburt an. Es hat lange gedauert, bis ich begriffen habe, was es bedeutet, ein blinder Text zu sein: Man macht keinen Sinn. Man wirkt hier und da aus dem Zusammenhang gerissen. Oft wird man gar nicht erst gelesen. Aber bin ich deshalb ein schlechter Text? Ich weiss, dass ich nie die Chance haben werde, im Stern zu erscheinen. Aber bin ich darum weniger wichtig? Ich bin blind! Aber ich bin gerne Text. Und sollten Sie mich jetzt tatsächlich zu Ende lesen, dann habe ich etwas geschafft, was den meisten "normalen" Texten nicht gelingt.
Friday, 11. April 2008, 15:07:22
Schön, dass Sie neugierig reinschauen, obwohl hier ja eigentlich noch gar kein richtiger Text steht, sondern nur der sogenannte Blindtext. Der aber soll Ihnen diesmal mehr Spass machen als das "Eiriseididum" oder das "Kisuaheli omryx nomryx" oder dieses "Iam quanto minoris constat haec felicitas accessio!" oder "In general, bodytypes are measured in the typographical point size". Dieser Blindtext will Ihnen nämlich dreierlei sagen: Erstens will er den Texter entschuldigen - tut uns leid, aber es war einfach unmöglich, das Ding gestern nacht noch exakt auf Länge runterzuschreiben. Das Briefing, Sie wissen schon. Schwieriges Thema. Und die Freundin ist krank, und der Freund wollte unbedingt in diesen neuen Film. Also sorry. Ja, und zweitens haben wir Sie bis hierhin zum Lesen gebracht und wollen damit belegen, dass nicht alle Marktforscher und Kaffeesatzleser recht haben, die sagen, dass unser armer Freund Otto Normalverbraucher und seine hässliche Schwester Lieschen Müller maximal Null Komma gar kein Interesse haben für Texte. Drittens sollten wir für ein paar Zeilen abschweifen und uns dem Gegenstand unserer Bemühungen zuwenden. Was heisst überhaupt Blindtext? Macht er blind, und wenn ja, wen? Die Grafiker und Typografen, die solange blind in die Tasten hauen, bis ein Schreiber die Zeilen mit Sinn füllt? Ich denke, das Wörtchen will uns ja auch nur warnend darauf hinweisen, dass viel zu oft nach dem Motto "Augen zu und durch" verfahren wird bei der verantwortungsvollen Aufgabe, Grauwert zu verteilen. Ja sapperlot, sagen Sie jetzt vielleicht (wenn der Layouter den Text bis hierhin aus formalen Gründen noch nicht abgeschnitten hat), man soll doch in einem Layout nur sehen können, wie das Schriftbild überhaupt aussieht: Welche Schrift haben wir denn, in welcher Grösse, wie sind die Buchstabenabstände und so weiter (Form follows function?). Trotzdem: Vielleicht ist ja die aktuelle, zeitgeistige und allgemeine Missachtung interessanter, unterhaltsamer und ausschweifender Betrachtungen genau darin zu suchen, dass sie präsentiert wird erst mal in Form von Blindtext, also Blödsinnstext. (Siehe oben.) Und wie sollen Sie, der geneigte Kunde, denn ahnen, wie spannend das später sein könnte. Stellen Sie sich mal vor, hier würde nix stehen. Nichts über Ihr Produkt, nichts über Ihre Leistungen, nichts über Ihren Service, nichts über Ihre tollen Leute. Nichts über Ihr Angebot, nichts über Ihren Stolz, nichts über Ihr Engagement, nichts über Ihren Optimismus. Wäre doch schade, oder? Für den Fall, dass Sie jetzt der Meinung sind, es gäbe über Ihre Sache ja gar nicht so viel zu sagen, gibt es diese alte Werberegel als Trost und Ansporn: Wenn Sie wirklich nichts zu sagen haben, dann sagen Sie das wenigstens lustig. So, genug jetzt: Die durchschnittliche klassische Käfer-Anzeige hatte 632 Anschläge, und wir sind schon weit drüber. Warten Sie mal ab, wie schön der Text ist, der später hier gedruckt wird. Viel Spass beim Lesen!
Sunday, 10. February 2008, 20:06:52
Saturday, 5. January 2008, 10:35:07
Achtung! Dieser Blindtext wird gerade durch 130 Millionen Rezeptoren Ihrer Netzhaut erfasst. Die Zellen werden dadurch in einen Erregungszustand versetzt, der sich über den Sehnerv in dem hinteren Teil Ihres Gehirns ausbreitet. Von dort aus überträgt sich die Erregung in Sekundenbruchteilen auch in andere Bereiche Ihres Grosshirns. Ihr Stirnlappen wird stimuliert. Von dort aus gehen jetzt Willensimpulse aus, die Ihr zentrales Nervensystem in konkrete Handlungen umsetzt. Kopf und Augen reagieren bereits. Sie folgen dem Text, nehmen die darin enthaltenen Informationen auf wie ein Schwamm. Nicht auszudenken, was mit Ihnen hätte passieren können, wenn dieser Blindtext durch einen echten Text ersetzt worden wäre.
Saturday, 14. July 2007, 11:56:20
Als eines Tages im Internet neben allen Highway-Junkies auch alle Chinesen vernetzt waren, kam Pab Li Shing aus Win Link Shou auf die Idee, dem Chaos ein Ende zu bereiten und für immer steinreich zu werden. Da er wie alle Kreativen nichts für sich behalten konnte, teilte er seine vermeintliche Erleuchtung sogleich seinem Meister On Lein Lin mit: "Stellen Sie sich vor, verehrter Meister, dass ich eine CD-ROM auf den Markt werfen werde, die alle CD-ROMs verzeichnet, die CD-ROMs verzeichnen. Des weiteren werde ich eine CD-ROM anbieten, auf der alle CD-ROMs verzeichnet sind, die keine CD-ROMs verzeichnen. Das wäre doch für die Welt und für mich ein übersichtlicher Gewinn." Der Meister antwortete ihm noch am selben Tage: "Listenreicher Pab Li Shing, Dein Vorhaben ehrt Dich und wird Dir und Deinen Nachkommen grosse Reichtümer bescheren. Allein für mich würden Deine Dienste nicht von Nutzen sein, da die entscheidende Frage unbeantwortet im Cyberspace stehenbleibt: Welche der beiden CD-ROMs wird die CD-ROM verzeichnen, die alle CD-ROMs verzeichnet, die keine CD-ROMs verzeichnen? Auf der CD-ROM, die alle CD-ROMs verzeichnet, die CD-ROMs verzeichnen, kann und darf sie ja nicht verzeichnet sein. Umgekehrt gehört die CD-ROM, die alle CD-ROMs verzeichnet, die keine CD-ROMs verzeichnen, nicht auf die CD-ROM, die alle CD-ROMs verzeichnet, die keine CD-ROMs verzeichnen. So verbleibe ich denn in Erwartung Deiner schlauen Antwort, gezeichnet On Lein Lin, im Jahre des Updates."
Saturday, 5. May 2007, 12:21:25
Hunger. Stufe für Stufe schob sie sich die Treppe hinauf. Pizza Funghi Salami, Sternchen "Salami" gleich Blockwurst. Die Pilze hatten sechs Monate in einem Sarg aus Blech, abgeschattet vom Sonnenlicht, eingeschläfert in einer Sosse aus Essig, billigem Öl und verschiedenen Geschmacksverstärkern, geruht. Es war nur ein Augenblick, in dem sie die Welt erblickt hatten, dann verschwanden sie wieder in einem 450° heissen Ofen. Die Pizza ruhte auf ihrer rechten Hand, und in ihrer Linken hielt sie eine jener nichtssagenden Plastiktüten. Wie fast jeden Abend hatte sie noch das weisse Häubchen aus dem Krankenhaus auf dem Kopf. Das Fettgewebe ihrer Schenkel verspürte einen Heisshunger auf das müde Öl, das bei jedem Schritt sanft auf den Salamischeiben schaukelte. Die kleinen Zellen ihrer heissen Oberschenkel waren gierig, als sie im Treppenhaus ein Geräusch hörte. Punkt 21 Uhr 53 hatte Herr Erlenkötter die Wohnungstür hinter sich geschlossen. In der Linken hielt er die Leine von Gershwin, der die Stadt und noch mehr die Ausflüge um diese Tageszeit liebte. Herr Erlenkötter verschloss wie jeden Abend zuerst das obere Sicherheitsschloss und dann das Türschloss. Danach schnippte er den Schlüssel mit einer schnellen Bewegung in das dafür vorgesehene Lederetui. Die Hand, die die Leine des Hundes hielt, half der anderen, und nachdem er das Etui in seine rechte Jackentasche gesteckt hatte, begann für beide der Abend. Er begann für Gershwin, der schon an der Leine zog, weil er den scharfen Geruch von Desinfektionsmitteln und die süssen Ausdünstungen der Blondine von unten gerochen hatte, und er begann für Erwin.
Sie hörte das Schliessen der Tür, als sie gerade den Briefkasten öffnete. Zwei Rechnungen und ein Brief fielen auf den Boden. Einzig ein zweifach gefalteter Prospekt machte sich im Briefkasten breit. Es hatte alles verdrängt und wartete darauf, in liebevolle, interessierte Finger genommen und von neugierigen Pupillen gelesen zu werden. Mit einem entschlossenen Griff zerdrückte sie ihn und riss ihn aus dem Metallkasten. Sie knüllte ihn zusammen und warf ihn in einen Blecheimer zu Hunderten von Zetteln. Wartenden, die irgendwann einmal von einem Handschuh nach oben gerissen wurden, um dann im dunklen Häckselwerk eines LKW zu landen. Dann begann jene feuchte Reise, an deren Ende wieder ein neuer Prospekt stand. Nicht häufig spürte Gershwin den Geruch der Blondine im Treppenhaus in dieser Präsenz. Manchmal standen noch vereinzelte Geruchsmarken zwischen dem Geländer. Aber es war nicht der Duft der Gegenwart. Es war eine Vorvergangenheit, das Gefühl, zu spät dazusein. Für einen Moment eine Vergangenheit zu empfinden, die in 10 Minuten gänzlich der Geschichte des Alltags anheimfiel. Einer Geschichte, die von niemand geschrieben und die in jeder Sekunde milliardenfach an anderen Orten gelebt wird. Zwischen all der Süsse und Schärfe, die er von diesem Geruch kannte, roch er einen Anflug von Blut. Hellem, rotem Blut. Sein Atem beschleunigte sich. Während seine Nüstern diesen klaren Geruch von Hühnchen bis in die letzte Kapillare seiner Lunge einsaugte. Er musste dieses Hühnchen für einen Augenblick zwischen seinen Kiefern halten und seine Zähne in das tiefgefrorene Fleisch schlagen, auch wenn er wusste, dass Erwin dieses Verhalten niemals tolerieren würde und sowohl der Abendspaziergang als auch die Hundeplätzchen in den nächsten Tagen entfallen würden. Langsam schob sich die Krankenschwester, in der einen Hand die Pizza, in der anderen die Einkaufstüte, nach oben. Sie waren noch eine Stufe voneinander entfernt. Gershwin nahm sein Hundeherz zusammen und sprang.
Friday, 27. April 2007, 19:33:50
Also schön, Guido Heffels, nachfolgend meine Textempfehlung für das Blindtextbuch. Sie mögen denken, aus welchem Anlass es unbedingt eine solche poesiealbumhafte Antiquität sein muss, und genau das sollen Sie ja auch. Wenn Sie den Text lange genug mit Fleiss bestaunen, können Sie die Nuss knacken. Denn wenn mein Gag auch nicht mit schnellem Auge zu entdecken ist - eine geduldige Seele muss die Lösung doch finden. Wenn Sie es geschafft haben, dann klingeln Sie mich doch bitte noch einmal an, denn ich muss Ihnen dann noch die Headline zum Text nachsenden. Das möchte ich momentan nicht, weil dann das bescheidene Geheimnis dieses Blindtextes schon jetzt offenläge. Viel Spass wünscht Rainer Baginski.
PS: Eine einzige Hilfe gebe ich: Das Begleittextchen hat's nicht. Sie haben's nicht. Ich - typisch Baginski - habe es. Finden Sie es.
Saturday, 7. April 2007, 18:11:29
Lieber Onkel Reinhard, schon lange wollte ich Dir sagen, dass ich Dich für einen ganz tollen Texter halte. Ich weiss, Du hörst sehr gerne Lob, und deshalb kann man nicht oft genug sagen, dass Du der Grösste bist. Gerade in Deinem Alter ist man ja gesegnet, wenn man noch so witzig schreiben kann wie Du. Viele Deiner Werberkollegen sind ja schon zu wichtig, um noch Humor zu haben. Du bist da ganz anders. Du kannst richtig komisch sein. Und das, obwohl Du in Deinem sehr langen Leben auch schon viele unangenehme Dinge schreiben musstest. Texte für McDonald's zum Beispiel. Oder kleine Reime für Onkel Norbert. Nein, Du hast es wirklich nicht leicht gehabt. Und dann noch die Selbstdarstellung für Tante Ika. Erinnerst Du Dich? Da hat sich selbst einer wie Du schwergetan. Aber Du hast die Situation gemeistert. Weil Du ein Genie bist. Selbst Klinkentexte konntest Du in ein Stück Literaturgeschichte verwandeln. Kein Wunder also, dass Deine Studenten Dich anhimmeln und Dich schon jetzt, zu Deinen Lebzeiten, als den neuen Papst der deutschen Reklame feiern. Obwohl dieser Titel ja schon von Michael in Anspruch genommen wird. Du weisst schon, der "Nudeln mit Biss" erfunden hat. Leider ist Dir diese Zeile nicht eingefallen. Aber dafür hast Du ja mit den Spots für das "Königsplatz Open Air" Werbegeschichte geschrieben. Da konnte sich selbst Helmut eine lobende Erwähnung abringen. Und Du weisst ja, wie kritisch er mit Dir immer ist. Nein, Onkel Reinhard, in der Reklame bist Du ehrlich der Grösste. Da kann man Dich einfach nicht oft genug loben. Nur was die Eigen-PR angeht, da bist Du noch ein wenig schlapp. Da sind André, Erik und Dietrich sehr viel bemühter als Du. Und die kennen auch viel mehr tolle Frauen. Ja, Onkel Reinhard, da kannst Du Dir ruhig mal eine Scheibe von abschneiden. Selbst dieser greise BMW-Werber ist noch ein flotterer Finger als Du. Na ja, aber wahrscheinlich ist das nicht mehr so wichtig für Dich. Aus dem Alter bist Du ja auch schon lange raus. Ausserdem hast Du ja auch Tante Ika. Die sagt übrigens genau wie Onkel Norbert und ich, dass Du ein ganz toller Typ bist. Du bist ja auch so was wie ein Star. Alle kennen Dich. Alle lieben Dich. Alle bewundern Dich. Nur Achim mag Dich nicht. Weil alle über Dich reden und keiner über ihn. Achim mag eben niemand, und niemand mag Achim. Ist ja auch egal. Onkel Reinhard, was ich Dir eigentlich sagen wollte: Bleib, wie Du bist. Du hast den wahren Geist. Weil Du Vorstand bist. Aber auch ein wenig, weil Du ehrlich bist. So, ich muss jetzt Schluss machen. Ich soll nämlich noch für ein Blindtextbuch einen Text schreiben, und ich hab' keine Idee, was man da schreiben könnte. Wenn mir nichts Besseres einfällt, nehm' ich einfach diesen Brief. Ist ja Blindtext. Liest also keiner. Viele Grüsse nach München.
Tuesday, 27. March 2007, 17:46:05
Wie beiläufig, beim Umblättern der Buchseiten, habe ich Dein B berührt. Man hatte Dich mir als Type geschildert, der man in allen Bibliotheken begegnet: sehr belesen, doch eher unscheinbar, von etwas altmodelnder Art. Mir aber gefiel Deine Anmutung, kleine Antiqua. Nicht zu verschweigen Deine weiblichen Rundungen, Deine Os und Dein verlockendes V, das sich mit deutlichem Duktus durch das feine Dünndruckpapier wie in seidenen Dessous abdrückte. Mein Puls beschleunigte seine Frequenz. Wieder wollte ich Dich berühren. Und konnte kaum den Windstoss erwarten, der meine Textseite zu Dir zurückblies. Was nur sollte ich sagen, während Du mich mit Deinen ausdrucksvollen As ansahst? Vielleicht zunächst ein sachliches Gespräch über die Vorzüge der Links- oder Rechtsbündigkeit mit Dir beginnen. Ganz unauffällig konnte ich so Deine schlanken Ober- und Unterlängen studieren und den Anblick Deiner zierlichen Füsschen und Serifen geniessen. Nach einer gewissen Laufweite fasste ich mir ein Herz, Dich zu einem Zwiebelfisch-Imbiss einzuladen. Wir schlürften alten Linotype-Wein aus schlanken Versalien. Und unsere Gefühle wurden tiefer, unsere Haltung kursiver. "Ach, ich wünsche mir", hauchtest Du, "einen süssen, kleinen Schusterjungen von Dir." "Hoffentlich", dachte ich, "wird es kein Hurenkind!"
Tuesday, 13. March 2007, 17:39:33
All each tun! Gundherzl ich englück. Wunsch siege "hör enzu" denwen. Igenau ser wähl, Tendie heraus. Gef und enha, Bendass diesk eing ewöhn, li cherbl Indtex tist. Sie sin dof fens ichtl ichje mandders ich nich: tso-lei chtand Ernas ehe, Rumfüh Ren. Lässt ei nerder mi tal Lenwas sern gew asch: Enis tein alt, er Hase sozu sag. Enund sieha Benwie der ei Nmal Denricht igenrie Cher ge? Habtdenntats ächl ichverb. Irgt si chin (dies Enbel anglo) sersch einend enz. Eilen einebotsch, aftei, negehei, menach richtdiesichnur. Dengew it ztes tenunt, erdenbet racht ern, Beinä he remhin seh en. Ersch liesst: Manmuss scho neinziem li cher trott elsei. Nund nix Gesch ei tes. Mitsei nemle benanzu "fang", en wis senumb lind? Tex tezu le sen.
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