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Bewusstsein & bewusst sein

Das Weblog des Online-Magazins psychophysik.com

Reduktionismus, naiver Biologismus und der Universalanspruch der Naturwissenschaften

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Leseprobe aus der Einleitung des Buches »Im Gehirn gibt es keine Gedanken - Kritik am Reduktionismus« von Matthias Wenke:

»Wenn Hirnforscher das Gehirn als „Parasiten im Körper“ bezeichnen und behaupten, längst bewiesen zu haben, dass „das Bewusstsein voll im Rahmen der Naturgesetze“ stattfände (Roth 2006) oder dozieren, Bewusstsein sei nur ein „Emergenzprodukt“ neuronaler Prozesse (Singer 2006), wenn Psychiater zur „Erklärung“ der verschiedensten psychischen Erscheinungen vom Stimmenhören bis zur Depression immer wieder nur auf „Stoffwechselstörungen im Gehirn“ verweisen (Spitzer 2007), und sogar wenn selbsternannte „Neurotheologen“ von einem „Gottes-Modul im Gehirn“ sprechen (Hotz 1997) erlebt man leider nichts als ergebene Hingabe. Derartige Redeweisen werden wissenschaftsgläubig bestaunt, mitwissend benickt und of noch populärjournalistisch verbreitet, und man übersieht völlig, dass zu ihrem unbestreitbaren empirischen Gehalt meist eine gefährliche Reduktion mitgedacht wird, welche als Ursache und Wirkung vertauscht und erkenntnistheoretisch unhaltbar ist. Man unterstellt nämlich, dass die menschliche Existenz, dass Bewusstsein und sein Erleben nichts anderes ist als „ein Bündel Neuronen“ (Crick 1996). ...

Gesellschaftsstrukturen sind aus menschlichen Handlungen gemacht, und Menschen handeln in einer bestimmten Weise, weil sie eine bestimmte Vorstellung von der Welt, sich selbst, den anderen Menschen und den Dingen haben. Es geht also um meist unbewusste, implizite oder verschleierte Tiefenstrukturen des alltäglichen und gesellschaftlichen Denkens, die die Medien, die Wissenschaft, die Politik und die Wirtschaft durchziehen. Dieser gesellschaftliche Diskurs, sozusagen der alles durchströmende Zeitgeist, erzeugt und reproduziert Behauptungen, die nicht angezweifelt werden dürfen oder die den Medien-, Produkt- und Politikkonsumenten als geltende Wahrheiten untergeschoben werden.

Was das Menschenbild anbelangt, tummeln sich im öffentlichen Diskurs viele, genauer betrachtet unsinnige, aber wirksame Suggestionen, wie beispielsweise die folgenden: „Der Erfolgreiche hat die besseren Gene“, „Gene steuern Verhalten“, „Schönheit ist Fortpflanzung“, „Religion ist ein evolutionärer Trick“, „Gefühle dienen dem Überleben“, „Sex ist biologisch“, „Intelligenz dient dem Überleben“, „Sympathie ist eine Sache der Körperchemie“, „Unser Gehirn ist ein neuronaler Computer“, „Aggression ist biologisch“, „Weil unsere Ahnen irgendetwas gemacht haben, ist es in unseren Genen“, „Verhaltensstörungen sind Gehirnkrankheiten“ oder auch „Liebe ist eine Frage der Hormone“, „Impotenz ist ein Problem es Körpers“, „Depressionen sind Stoffwechselstörungen“, „Verhaltensstörungen sind Gehirnkrankheiten“ oder auch „Wir müssen in der Gentechnologie wettbewerbsfähig sein“, „Charaktereigenschaften sind erblich“ und eine Vielzahl weiterer ungeprüfter Überzeugungen, die keiner wissenschaftlichen Reflexion standhalten, aber dennoch für „Wissenschaft“ und deshalb auch für „wahr“ gehalten werden.

Sie werden als eine Art Dauerfeuer ständig wiedergekäut und bestätigt durch die Allgegenwart medialer Berieselung. Wir saugen solcherlei Halbwissen ganz nebenbei auf und schenken ihm ein erstaunliches Vertrauen. Kurz: Die Biologie oder die Neurowissenschaften werden von vielen Menschen fraglos als Autorität für die Deutung praktisch aller Dimensionen ihres Lebens akzeptiert, quasi als universale Anthropologie. Daraus entsteht dann oft ein in sich geschlossener Vorstellungshorizont, außerhalb dessen die Welt nicht mehr anders möglich zu sein scheint. Auch viele Naturwissenschaftler sind blind für ihre eigenen Horizontgrenzen geworden und glauben in ihrer Hybris, von einem absoluten Beobachterstandpunkt auf das zu schauen, was sie „Natur“ nennen. Es scheint eine Art innerer Denkzwang zum Reduktionismus zu bestehen, lange gebahnt schon durch den antiken Atomismus, dem an nicht entrinnen kann oder will. Man glaubt, das Vorgefundene erst zu verstehen, wenn man es sich rückwärts aus vermeintlich „Elementarem“ konstruiert denken kann. Gegenwärtig taucht so ein wissenschaftlich längst überholter Naturalismus bzw. Materialismus in allen Bereichen der Wissenschaften wieder auf, der nur noch das anerkennt, was seine eigenen selbstselektiven Evaluationskriterien erfüllt. ...

Ein zentrales Problem der naturwissenschaftlichen Tradition, die sich auf Galileo Galilei beruft, ist die Blindheit für die Tatsache, dass Naturwissenschaften immer und notwendig zuallererst Formen sozialen Handelns sind oder anders ausgedrückt: hochsystematisierte Handwerkszweige. Sie nehmen damit nur eine mögliche Perspektive unter anderen ein, haben immer bestimmte Eigeninteressen und sind alles andere als „wertneutral“. Sie erzeugen nicht aus dem Nichts heraus neues Wissen über die Welt, sondern setzen immer bereits eine ganz bestimmte Weltanschauung voraus - eben als die spezielle Art und Weise, die Welt mit bestimmten Absichten anzuschauen und sie handelnd anzupacken, z. B. in Experimenten und Technologien.

Ich wundere mich sehr häufig, wie viele naturwissenschaftlich geprägte Fachleute und auch Laien ein ganz zentrales Element der alltäglichen Wissenschaftsauffassung vollständig übersehen, denn beinahe keine Diskussion, so kontrovers sie auch sei, berührt jemals eine anscheinend selbstverständliche Grundüberzeugung: Nämlich dass die Naturwissenschaften so etwas wie „absolutes“ oder „objektives“ Wissen lieferten, welches völlig unhinterfragt jeder Reflexion schon vorausgesetzt wird. Eben hier zeigt sich die Macht des verborgenen Diskurses. Die Perspektivität naturwissenschaftlicher Methodik wird ganz einfach verleugnet und man behauptet sie als eine absolute Welt an-sich. ... Man will mit der Naturwissenschaft angeblich „Metaphysik“ überwinden, schafft allerdings eine neue Metaphysik im Dunkeln, deren Grundbehauptungen unantastbar gemacht werden, weil sie einfach nicht thematisiert werden. Man fühlt sich an eine ähnliche kollektive Blindheit - oder besser Taubheit - erinnert, nach der es im siebzehnten Jahrhundert noch als völlig ausgeschlossen galt, den menschlichen Herzschlag hören zu können...«

Mehr Informationen zum Buch »Im Gehirn gibt es keine Gedanken.« von Mathias Wenke...

Zitiert aus dem Weblog »UNTERBEWUSSTSEIN«

Betriebsanleitung für das Unterbewusstsein

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Das E-Book Psychophysik 2.0 ist eine Art “Betriebsanleitung” für den Umgang mit dem eigenen Unterbewusstsein. Das von Claus Fritzsche entwickelte “psychophysikalische Realitätsmodell” betrachtet menschliches Unterbewusstsein als eine Art Software, welche - wie Betriebssystem und Software auf einem PC - permanent automatisierte Prozesse steuert und kontrolliert.

Nach diesem Modell ist das Unterbewusstsein vergleichbar mit einem “Erlebnis-Recorder”, welcher einmal gemachte Erfahrungen in bestimmten Situationen immer wieder abspielt. Vom Sprechen einer Sprache über Bewegungsabläufe wie z.B. Schwimmen, Gehen, die Treppe steigen bis hin zur Entstehung von Gefühlen (beleidigt sein, Angst haben, sich minderwertig fühlen, Freude erleben) arbeitet das Unterbewusstsein nach dem Prinzip ERLEBEN und WIEDER ERLEBEN. In der Gehirnforschung wurde kürzlich entdeckt, dass so genannte Spiegelneuronen bei diesem Prozess beteiligt sind.

Psychophysik unterstellt dem menschlichen Unterbewusstsein eine so hohe Bedeutung für Gesundheit, Zufriedenheit, Partnerschaft, soziale Beziehungen und beruflichen Erfolg, dass daraus die Empfehlung abgeleitet werden kann, die Arbeitsweise des eigenen Unterbewusstseins genau kennenzulernen.

- Anfang Leseprobe -

Psychophysik 2.0
Betriebsanleitung für das menschliche Unterbewusstsein

1. VORWORT

Liebe Leserin, lieber Leser,

das menschliche Unterbewusstsein hat eine Eigenschaft, welche Ihr Leben tagtäglich bestimmt und welche Sie zu Ihrem eigenen Schutz kennen sollten:

Haben Sie großen Hunger und denken Sie an Ihre Lieblingsspeise, so reagieren Sie abhängig von Ihrer Vorstellungskraft und Sensibilität u.a. mit der vermehrten Produktion von Speichel. Haben Sie einen vermehrten Speichelfluss, so wird dieser Vorgang von Ihrem Unterbewusstsein gesteuert. Aber warum ist Ihr Unterbewusstsein so präzise? Es könnte doch auch in einigen Fällen versehentlich ein Zucken im rechten Knie oder Schweißausbrüche auslösen. Macht es aber nicht.

Im Rahmen einer Studie an Krebspatienten in einem Hospital in Birmingham bekamen Testpersonen Placebo-Tabletten in dem Glauben, die Einnahme würde ihren Krebs heilen, jedoch Haarausfall als Nebenwirkung auslösen. In Wirklichkeit enthielten die Tabletten jedoch keinerlei Wirkstoff. Nicht alle Testpersonen hatten einen Effekt. Bei ca. 100 Patienten war jedoch nach der Einnahme der Placebos Haarausfall zu beobachten. Warum arbeitet das menschliche Unterbewusstsein so präzise? Es hätte doch auch bei 10 Patienten Juckreiz an den Zehen, bei 30 Patienten Durchfall und nur bei 60 Patienten Haarausfall auslösen können. Macht es aber nicht.

Wird ein Mensch mit einer Nachricht konfrontiert, welche eines seiner bisherigen Weltbilder wie ein Kartenhaus zusammenfallen lässt, über die er jedoch keinerlei Fakteninformation vorliegen hat, so produziert sein Unterbewusstsein starke negative und ablehnende Gefühle. Warum? Es könnte doch auch sein, dass 50 % der Menschen erfreut feststellen, dass sie endlich eine Gelegenheit haben, ihren Horizont zu erweitern und ihr Weltbild entweder nochmals zu bestätigen oder zu korrigieren. Das geschieht jedoch nicht.

Es ist ein hoch interessantes Phänomen, dass Menschen sich selbst und ihre Umwelt genau so wahrnehmen, wie sie glauben, dass sie selbst und ihre Umwelt wären. Die vermehrte Speichelproduktion beim Gedanken an eine Speise schwankt zwar von Mensch zu Mensch stark. Die Richtung der Reaktion ist jedoch sehr präzise. Er produziert keinen, wenig oder viel Speichel. Er wackelt jedoch nicht mit den Ohren, zittert nicht am Oberschenkel und bekommt keinen Schluckauf. Seine Reaktion passt 1:1 zu einem früheren Erlebnis.

Ich stelle in diesem Dokument die Behauptung auf, dass Ihre Gedanken und Überzeugungen über sich selbst und Ihre Umwelt eine unterbewusste körperlich, geistig und emotionale Kettenreaktion auslösen. Als Folge dieser Kettenreaktion konstruiert Ihnen Ihr Unterbewusstsein eine „Erlebniskulisse“, welche Ihre Gedanken und Überzeugungen sehr präzise spiegelt. Glauben Sie an eine angeborene Magenschwäche, dann löst dieser Glaube unabhängig von der tatsächlichen Situation Ihres Magens eine aktive Prozesskette aus, welche Ihren Magen schwächt. Glauben Sie an ein bestimmtes politisches Feindbild, dann sorgt Ihr Unterbewusstsein dafür, dass Sie gegenteilige Informationen entweder ausblenden oder mit negativen Gefühlen beantworten. Die „Erlebniskulisse“ konstruiert Ihr Unterbewusstsein entweder als Illusion oder physisch real als sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Jetzt könnte man sagen, dass Effekte dieser Art schon lange bekannt sind. Neu an den hier vorgestellten Thesen ist der Umfang, die Intensität und die Präzision der unterstellten unterbewussten Kettenreaktionen. Nach meiner Überzeugung löst das Unterbewusstsein nicht sporadisch und punktuell einmal da und einmal dort kleinere Effekte einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung aus. Ich behaupte stattdessen, dass Ihre Gedanken und Überzeugungen über sich selbst und Ihre Umwelt in einem bisher nicht für möglich gehaltenen Umfang unterbewusste Kettenreaktionen auslösen, als Folge dessen Sie sich selbst und Ihre Umwelt Schritt für Schritt so erschaffen, wie Sie glauben, dass Sie und Ihre Umwelt real wären. Aus Beobachtung wird Gestaltung.

Ich habe diese Theorie in einem „psychophysikalischen Realitätsmodell“ zusammengefasst und präzisiert. Psychophysik in der hier definierten Form ist eine Weiterentwicklung von NLP und eine Art Betriebsanleitung für den Umgang mit Ihrem Unterbewusstsein. Als John Grinder und Richard Bandler in den 70er Jahren die Urform von NLP entwickelten, suchten sie nach einer übergeordneten
Metatheorie zur Erklärung menschlichen Verhaltens und Erlebens.In Wirklichkeit unterwarfen sie unterschiedlichste Formen der Psychotherapie einer Art Qualitätstest und sortierten die Rosinen aus, um sie neu zu verpacken und dann NLP zu nennen. Die Metatheorie fehlt bis heute.

Psychophysik liefert Ihnen genau diese Metatheorie. Sie zeigt Ihnen, wie Sie Ihr Unterbewusstsein in einem großen Umfang als eine Art Flaschengeist für sich arbeiten lassen können. Das Wirkprinzip lautet: Alles, worauf Sie Ihre geistige Aufmerksamkeit setzten, hat die Tendenz, für Sie real zu werden.

Claus Fritzsche

- Ende Leseprobe -

Mehr Informationen zum
E-Book Psychophysik 2.0
+ Fortsetzung der Leseprobe:
2. DIE MACHT IHRES UNTERBEWUSSTSEINS

Gewaltfreie Kommunikation in Beziehungen

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Pásztor, Susann & Gens, Klaus-Dieter
Ich höre was, das du nicht sagst
Gewaltfreie Kommunikation in Beziehungen

2. Auflage, 16.04.2007
96 Seiten, kart.
9,95 EURO

Dieses Buch ist eine Einladung an Paare, mit Gewaltfreier Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg ihre Liebesbeziehung so lebendig zu erhalten wie am ersten Tag - und damit eine tragfähige Basis für die gemeinsame Zukunft zu schaffen.

Als Begleiter eines fiktiven Liebespaars begeben sich die Autoren auf eine abenteuerliche Reise durch die Höhen und Tiefen beziehungstypischer Dialoge und Konflikte - und landen am Ende bei einer "echten" Beziehung, in der die Anwendung der Gewaltfreien Kommunikation längst kein Konzept mehr ist, sondern gelebter und bewährter Alltag. Anhand humorvoller Praxisbeispiele werden Alternativen zum klassischen Beziehungsdrama vorgestellt, die anregen und inspirieren - frei nach dem Motto: Gewaltfreie Kommunikation braucht keine Missionare. Sie ist ansteckend. Und: Sie funktioniert wirklich.

AUS DEM INHALT

Was ist Gewaltfreie Kommunikation?
Das Konzept
Eine Sprache des Lebens - Von Wölfen und Giraffen - Werturteile und moralische Urteile - Empathie - Verantwortung übernehmen
Die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation
1. Beobachtungen - 2. Gefühle - 3. Bedürfnisse - 4. Bitten
Über die Anwendung Gewaltfreier Kommunikation im Alltag

>>Ich habe es genau gesehen!<< - Von der Unterstellung zur Beobachtung
Immer, ständig, nie: Zeit ist eine Illusion
Die Kunst des Beobachtens

>>Ich habe es doch gleich gesagt!<< - Vom Rechthabenwollen zum Konsens
Recht statt Glück?
Vergleiche und Ironie
Was hat gestört?

>>Wie konntest du nur!<< - Die wandelbare Welt der Vorwürfe
Moralische Urteile und Vorwürfe
Verantwortung leugnen
Und noch einmal von vorn

>>Nur wegen dir geht es mir schlecht.<< Über Gefühle und Verantwortung
Die Macht der Gefühle
Wer macht die Gefühle?

>>Ach, komm doch endlich!<< - Über Bedürfnisse und Strategien
Bedürfnisse ...
... und Strategien
Bedürfnisse in Beziehungen

>>Würdest du wohl ... ?<< - Die Kunst des Bittens I
Positive Sprache - Tun statt Sein - Die Dinge beim Namen nennen - Hier und Jetzt! - Auf den Punkt kommen - Weiterführende Bitten

>>Nein. Jetzt nicht.<< - Die Kunst des Bittens II
Mit einem Nein umgehen
Und was steckt dahinter?
"Nein" in Beziehungen

>>Wie fühlst du dich?<< - Über Empathie
Was ist Einfühlung?
Drei Bedingungen für Empathie: Absicht, Präsenz, Ausrichtung
Die Grenzen der Empathie
Sympathie oder Empathie?

>>Am Anfang war es noch eine Vision, aber dann ...<<
Reality Check
Konfliktpotential
Eine bewußte Entscheidung
Wenn Wölfe durch die Wohnung laufen
Eine Frage der Haltung
Rituale
Den anderen beim Wort nehmen
Werte und Grenzen
Die Vision
Anleitung zum Glücklichsein
Und immer wieder: Gefühle
Gewaltfrei leben

LESEPROBE

Stellen Sie sich vor ...

Stellen Sie sich vor, Sie würden mit einer neuen Behandlung gegen Ihre chronischen Rückenschmerzen beginnen - und auf einmal sind nicht nur die verschwunden, sondern nach und nach auch Ihre Anfälligkeit für Erkältungen, Ihre Tendenz zu Magenverstimmungen, Ihre Birkenpollenallergie... Etwa so könnte es laufen, nachdem Sie angefangen haben, mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin gewaltfrei zu kommunizieren. Ob es das neue Bewußtsein im Umgang mit Sprache ist, das Wissen über die Magie der Einfühlung oder der Reichtum und die Würdigung der eigenen Gefühle und der Gefühle anderer: Sie werden wahrscheinlich gar nicht anders können, als das, was Sie an neuen Erfahrungen dazugewonnen haben, auch mit immer mehr anderen Menschen zu teilen.

Es dauert immer eine Weile, bis man anfängt, in einer anderen Sprache zu träumen. Wenn aus dieser Fremdsprache eines Tages Ihre neue Muttersprache geworden ist, werden Sie längst erkannt haben, was für ein kraftvolles gesellschaftspolitisches Potential diesem einfachen Kommunikationsmodell innewohnt. Sie werden viel experimentiert und vermutlich dabei festgestellt haben, daß in jeder Begegnung zwischen zwei Menschen die Möglichkeit besteht, einander das Leben schöner und reicher zu machen. Doch, sogar zwischen Ihnen und Ihrem Steuerprüfer, denn Sie haben mittlerweile Meisterschaft im wertfreien Beobachten erlangt und können zwischen Ihren Gefühlen und Ihren Gedanken unterscheiden. Von der Kassiererin im Supermarkt, die Sie früher mit ihrer Langsamkeit zur Raserei gebracht hat, wissen Sie inzwischen, daß sie zwei kleine Kinder großzieht und noch drei weitere Nebenjobs hat. Ihren Arbeitskollegen, der sich Ihrer Meinung nach allzu übereifrig um die Anerkennung des Chefs bemüht, finden Sie zwar immer noch nicht besonders sympathisch, aber zumindest haben Sie sich einmal in dessen innere Welt hineinversetzt, was eine friedliche Koexistenz zweier unterschiedlicher Wertesysteme ermöglicht hat. Und statt sich auf Langzeitkonflikte mit Ihren pubertierenden Kindern einzustellen, haben Sie schon seit langem einfühlsame Gespräche in den Mittelpunkt Ihres Familienlebens gestellt, und dort, wo es gilt, Ihre eigenen Grenzen respektiert zu wissen, sorgen Sie mit Klarheit und Integrität dafür, daß Ihre Bitten gehört werden können.

Gewaltfreie Kommunikation wirkt. Sie wirkt im Verborgenen, sie wirkt in der Tiefe, und sie wirkt zunehmend im Licht der Öffentlichkeit. Zu schön eigentlich, dieses Bild, um es nicht wahr werden zu lassen.

PRESSESTIMME

"Hilfreich und anregend für Paare zur Weiterentwicklung ihrer Beziehung, auch für Trainer, die nach dem Rosenberg-Konzept der gewaltfreien Kommunikation arbeiten wollen." - ekz-Informationsdienst

"Ich höre was, das du nicht sagst" direkt beim Junfermann-Verlag kaufen

GEWALTFREIE KOMMUNIKATION: GRUNDLAGEN

Rosenberg, Marshall B.
Das Herz gesellschaftlicher Veränderung
Wie Sie Ihre Welt entscheidend umgestalten können. Gewaltfreie Kommunikation: Die Ideen & ihre Anwendung
Originaltitel: The heart of social change

1. Auflage, 27.04.2006
72 Seiten, kt.
7,90 EURO

"Das Herz gesellschaftlicher Veränderung"

Madhukar: „Einssein – Klarheit und Lebensfreude durch Advaita“

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(Lilien Frei) - Glücklich sein, mit sich und der Welt in Frieden - wer will das nicht? - Wenn man zudem bereit ist, sein Leben zu hinterfragen, dann ist das gerade im Lüchow -Verlag erschienene Buch “Einssein” genau das Richtige.

Selbsterkenntnis wurde noch nie so humorvoll auf Blattseiten präsentiert wie in der Sammlung von Gesprächen zwischen Madhukar, dem Philosophen und Meister des Advaita, und den Besuchern seiner zahlreichen Meetings. Die jahrtausende Jahre alte Lehre der Non-Dualität wird auf 160 Seiten gekonnt verwoben mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen: Eine sprudelnde Quelle von einzigartiger Klarheit.

Liebevoll und mit großem Einfühlungsvermögen geht Madhukar, ein gebürtiger Stuttgarter, auf die individuellen Anliegen der Menschen ein, um - wie durch ein Mysterium - mit seiner Antwort scheinbar immer genau den Kern der Sache zu treffen. Die spürbare Authentizität der Dialoge und abwechslungsreiche inhaltliche Themen, lassen den Leser eintauchen, sich in den Fragen wieder finden und selbst Klärung und Erleichterung erfahren.

In Kapiteln wie „Brot, Sex und Tod” oder „Weltformel des Friedens” werden persönliche Lebensfragen ebenso behandelt wie das Einmaleins der Philosophie des Einsseins. Madhukar führt alle Unzufriedenheit auf die Identifikation des Menschen mit Körper und Geist zurück, was uns fälschlicherweise Glauben lässt eine Person zu sein, welche getrennt von Gott und der Welt existiert. Dieses „Ich” sei jedoch pure Einbildung!

Mit dieser Sicht steht er bei weitem nicht allein: Moderne Wissenschaften, wie die Neurobiologie, sind experimentell auf ähnliche Erkenntnisse gestoßen. Aktuell wird nicht allein in renommierten Wissenschaftsjournalen über die Existenz eines freien Willens diskutiert. Bewusstseinsforscher sprechen inzwischen vom „Ich” als Illusion, und dass wir demnach keine eigene Handlungsfreiheit besitzen können.

Mit zahlreichen Verweisen auf Aussagen bekannter Hirnforscher und Quantenphysiker, zum Beispiel im Kapitel „Die Lust am freien Willen”, belegt und belebt Madhukar eine traditionelle Weisheitslehre mit neusten Ergebnissen der zeitgenössischen Forschung. Kontinuierlich verweist der Autor auf unser wahres Selbst, die Essenz aller Existenz und Quelle des Seins. Umfangreiche Interviews, welche die außergewöhnliche Entwicklung des ehemaligen deutschen TV-Journalisten und Wirtschaftswissenschaftlers zum modernen Guru näher beleuchten, runden das Taschenbuch ab. Ein Highlight ist, neben dem ausgezeichneten Glossar mit vielen interkulturellen Anknüpfungen, das Interview des Autors mit seinem Meister aus dem Jahre 1994.

„Einssein” bereichert den Leser nicht nur durch fundiertes Wissen, sondern auch durch Witz und Wortgewandtheit, die das Lesen zum reinsten Vergnügen machen. Ein durchweg gelungenes Werk eines etwas anderen Philosophen, für alle, die auf der Suche nach Glück und innerem Frieden keine Lust auf Dogmatismus und Ernsthaftigkeit haben.

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Artikel von Lilien Frei zum gleichen Thema:
Die Wirklichkeit ist ein glückliches Nichts!

Andreas Winter: Nikotinsucht - der große Irrtum - Warum Nichtrauchen so einfach sein kann!

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Frage: Warum werden Passivraucher eigentlich nicht süchtig? Antwort: Weil Rauchen gar nicht süchtig macht! Jeder Mensch kann von jetzt auf gleich aufhören, zu rauchen, wenn er ganz genau weiß, warum er raucht.

Mit dieser provokanten These zieht Andreas Winter gegen einen aus seiner Sicht großen Irrtum zu Felde - erfolgreich, wie die Zahlen beweisen: Weit über tausend Betroffene, die mit Hilfe von Andreas Winter die Hintergründe des Rauchens analysiert haben, konnten das Rauchen kontrollieren. Weder Rückfall noch Entzugserscheinungen treten dabei auf.

Winter stellt klar: Rauchen macht zwar krank, aber eben nicht süchtig, und man kann mühelos damit aufhören. Ein angelerntes Verhalten sorgt für den Zwang zum Rauchen, aber keine körperliche Sucht.

Dieses Buch erläutert den neuen Ansatz, mit dem die "Entwöhnungsindustrie" auf den Kopf gestellt wird. Provokant, anschaulich und mit wissenschaftlicher Gründlichkeit.

Wollen Sie wissen, warum Menschen nach dem Sex oder sogar nach einer Herzoperation rauchen? - Folgen Sie Schritt für Schritt einer spannenden tiefenpsychologischen Analyse, mit der Raucher mühelos zu Nichtrauchern werden können.

Mit Starthilfe-CD - zur sofortigen praktischen Umsetzung!
Die beiliegende Audio-CD wirkt auf andere Gehirnzentren als der gelesene Buchtext. Mit der CD erweitern Sie die beim Lesen geschaffenen neuronalen Verschaltungen um den "Gefühls-Anteil" und können viel einfacher all das umsetzen, worum es in diesem Buch geht. Sie "beauftragen" Ihr Unterbewusstsein mit der Umsetzung - und nicht mühevoll Ihren Verstand!

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STIMMEN ZUM BUCH

"Als klinischer Pharmakologe habe ich in meinen Vorlesungen regelmäßig das Thema 'Rauchentwöhnung' mit Hilfe der Nikotin-Substitution (Pflaster, Kaugummi) abgehandelt. Besonders unbefriedigend war für mich immer wieder die geringe langfristige Erfolgsquote, die insbesondere von der begleitenden Psychotherapie abhängig ist. Der zunächst verblüffende, aber plausible Ansatz von Herrn Dipl.-Päd. Andreas Winter, dass Rauchen keine Sucht ist und dass Nikotin keine körperliche Abhängigkeit induziert, erklärt nicht nur die mangelhafte Wirkung der Nikotinsubstitution, sondern ist auch die Basis für sein Therapiekonzept der Rauchentwöhnung, das auf der Bewusstmachung der Hintergründe des Rauchens beruht. Dieser Therapieansatz ist einleuchtend, sehr effektiv und daher empfehlenswert."
Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Ulrich Borchard, Juni 2007

"(...) Mit der geringen Erfolgsquote dieser bislang eingesetzten Präparate sieht sich der Autor in seiner These bestätigt. (...)"
3sat, Sendung vivo, www.3sat.de, 26. Mai 2007

"(...) Seine Erfolgsquote liegt bei rund 90% - was erklärt, warum inzwischen Menschen aus ganz Europa um Rat bei Andreas Winter nachsuchen. Winters Ansatz wird mit Fallbeispielen und Referenzen ausführlich beschrieben. (...)."
Visionen, www.visionen.com, Januar 2007

Kritik an 17. GWUP-Konferenz »Psychotechniken« in Darmstadt

openPR - Die Skeptiker-Organisation „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ (GWUP) veranstaltet vom 17. bis 19. Mai in Darmstadt die 17. GWUP-Konferenz*. Das Online-Magazin psychophysik.com nimmt die unter dem Leitthema „Psychotechniken“ stehende Veranstaltung zum Anlass, zu einem kritischen Umgang mit der Skeptiker-Organisation aufzurufen.

„Die GWUP erweckt in der Öffentlichkeit den irreführenden Eindruck, eine Forschungsorganisation (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von) zu sein, welche grenzwissenschaftliche Themen nach wissenschaftlichen Maßstäben systematisch untersucht. Nach meiner Einschätzung ist dies jedoch nicht der Fall “, so Chefredakteur Claus Fritzsche.

Fritzsche weist darauf hin, dass sich in der Skeptiker-Organisation zu großen Teilen Laien und selbst ernannte Experten artikulieren, welche Themen wie z.B. Homöopathie, anthroposophische Medizin oder Naturheilverfahren nie nach wissenschaftlichen Maßstäben erforscht haben. Publikationen der GWUP zeichnen sich nach seiner Beobachtung durch einen bunten Mix aus korrekten Darstellungen, Halbwissen und haarsträubenden Verstößen gegen die „Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aus. „Von willkürlicher Studienselektion über die fehlerhafte Wiedergabe von wissenschaftlichen Publikationen bis hin zu Experimenten mit fehlender Dokumentation und laienhafter Methodik ist alles dabei“, so das Fazit seiner Untersuchungen.

Die GWUP wirbt auf ihrer Homepage mit „750 Wissenschaftlern und wissenschaftlich Interessierten “. In bestem Marketing-Deutsch verschweigt der Verein dabei jedoch, wie viele Mitglieder tatsächlich wissenschaftlich forschend aktiv sind. Seltsam: Einen bei wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen üblichen jährlichen Rechenschaftsbericht publizieren die Skeptiker nicht. Und es gibt kein einziges Vereinsmitglied, welches über Publikationen zur komplementärmedizinischen Forschung in mittels Peer-Review geprüften wissenschaftlichen Fachmedien wie z. B. der Zeitschrift „Forschende Komplementärmedizin“ verfügt.

Nach Einschätzung von Fritzsche lassen sich viele Menschen von der Wissenschaftlichkeit suggerierenden Selbstdarstellung der GWUP e.V. täuschen. Speziell Journalisten empfiehlt er daher, die Kompetenz von Experten sorgfältig zu prüfen. Bei Zweifeln lohnt sich eine Anfrage bei der International Society for Complementary Medicine Research (www.iscmr.org), bei der Parapsychologischen Beratungsstelle in Freiburg oder der Kontakt zu universitätsnahen Forschungseinrichtungen.

* www.gwup.org/ueberuns/konferenzen/2007/

Quelle: openPR »Kritik an 17. GWUP-Konferenz »Psychotechniken« in Darmstadt«

Link zum Thema:
H.Blog: Kritik an 17. GWUP-Konferenz 2007 zum Thema »Psychotechniken«

Dogmatismus unter Wikipedia:

Wikipedia-Kritik von Heinz Koch

Wikipedia, Agitprop und Nina Gerlach

Klinische Forschung: Von der Evidenzbasierten Medizin zur Erkenntnisbasierten Medizin

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Unter der Überschrift »Pro und Kontra Evidenzbasierte Medizin« ging es in einem H.Blog-Beitrag kürzlich um das Kuriosum, dass es für die Entscheidungsbasis der Evidenzbasierten Medizin - unter anderem randomisierte klinische Studien (RCTs) - selbst keine Evidenz gibt und dass eine Interessenvertretung wie das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V. den Eindruck erweckt, als wenn harte wissenschaftliche Fakten hier nur so lange herzlich willkommen sind, wie sie die Evidenzbasierten Medizin und damit das Selbstverständnis des Vereins nicht in Frage stellen.

In seinem bei Springer/Berlin herausgegebenen Buch »Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung« (Gratis-Download) wirbt Dr. med. Helmut Kiene vom Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie e. V. in Bad Krozingen für die Idee, die gravierenden Schwachstellen der Evidence-based Medicine (u. a. die schrittweise Verdrängung leistungsfähiger und kosteneffizienter Therapierichtungen aus rein kommerziellen Gründen) durch seinen Gegenentwurf einer Cognition-based Medicine zu heilen. Laut Kiene kann man in einer „Evidence-based Healthcare nicht wissen, ob die Therapien, für die ein Wirksamkeitsnachweis in randomisierten Studien erbracht wurde, tatsächlich wirksamer und kostengünstiger sind als solche, für die es kein Ergebnis einer randomisierten Studie gibt“. Evidenzbasierte Medizin in Reinform ist somit zu erheblichen Teilen ein Etikettenschwindel, dessen Verpackung mehr verspricht, als sie halten kann. Und der zumindest in Teilen schon naiv anmutende unkritische Umgang des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e. V. mit ebm erweckt den Eindruck, als ob sich hier hinter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit auch ganz andere Motive verbergen können, beispielsweise weltanschauliche, machtpolitische und finanzielle.

In der nachfolgenden Leseprobe erläutert Dr. med. Helmut Kiene gleich auf Seite 3 des Buches seine Motivation für eine dringend notwendige Reform der Evidenzbasierten Medizin:

Ein Schritt über Evidence-based Medicine hinaus

Auf den ersten Blick mag die komplementäre Methodenlehre mit ihrem Anspruch, das Wissenschaftsprinzip der Medizin, zumindest zum Teil, auf die Methodik der Wirksamkeitsbeurteilung am einzelnen Patienten zurückzuführen, wie ein rückschrittlicher Anachronismus erscheinen. In Wirklichkeit aber bietet diese Perspektive eine konsequente Weiterentwicklung jener wissenschaftlich-sozialen Reform der Medizin, die unser gesamtes Jahrhundert durchzieht, und deren Ziel es ist, Ärzte in die Lage zu versetzen, optimale Therapien zu verabreichen („the best therapies available“ [364]).

In den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts war es die Laborforschung, die das Maß der Wissenschaftlichkeit einer Therapie abgab; als wissenschaftlich und rational sollten nur Behandlungen gelten, deren Wirkung und Wirkungsmechanismus im Labor geklärt waren [364]. Dadurch waren, per definitionem, alle neuen Arzneimittel, die aus dem chemisch-pharmazeutischen Labor stammten, wissenschaftlich und rational. Andererseits aber konnten mit den damals beschränkten Methoden der Laboruntersuchung selbstverständlich nicht sogleich auch alle möglichen Wirkprinzipien der eher traditionell eingesetzten Arzneimittel demonstriert werden. Diese Arzneimittel wurden deshalb im allgemeinen als unwissenschaftlich diskreditiert, und zwar unabhängig davon, ob sie in der therapeutischen Anwendung faktisch wirksam waren oder nicht. Überhaupt mußte, solange die Wirksamkeit der Therapien nicht an den Patienten selbst bestimmt wurde, zwangsläufig offenbleiben, ob die jeweilige „wissenschaftliche“ Behandlung für die Patienten auch die tatsächlich wirksamere war.

Um die Mitte des Jahrhunderts trat diese wissenschaftlich-medizinische Reform – diese „therapeutische Reform“ [364] – in ihre zweite Phase. Nun war das Prinzip der randomisierten Studie entwickelt und etabliert worden, und so war es nicht mehr primär entscheidend, ob ein Wirkmechanismus aufgezeigt werden konnte; vielmehr hatte man nun, über die Laborforschung hinaus, eine wissenschaftliche Methodik für den Beleg der Therapiewirksamkeit direkt an den Patienten selbst. Mit diesen randomisierten Studien war und ist das immanente Ziel verbunden, zu objektiven Aussagen über Therapiewirksamkeiten zu kommen, indem das persönliche Urteil des behandelnden Arztes ausgeschaltet wird. Die randomisierte, wenn möglich verblindete Studie war nun der Goldstandard der Therapiebeurteilung: „Reformers in the second half of the century … offered an impersonal standard of scientific integrity: the double-blind, randomized, controlled clinical trial“ [364,S. 3].

Mittlerweile werden jährlich 9000 randomisierte klinische Studien durchgeführt [114], was allerdings zur Konsequenz hat, daß es für den einzelnen Arzt nicht mehr möglich ist, den wissenschaftlichen Fortschritt gebührend zu verfolgen. Aus diesem Grunde wäre trotz intensiver Bemühungen um weltweite klinische Forschung weiterhin nicht sichergestellt, daß die Ärzte die optimalen Therapien („the best therapies available“) einsetzen können. Gegen Ende dieses Jahrhunderts jedoch, seit Mitte der 90er Jahre, eröffnet sich die Aussicht, dieses Mengenproblem mit Hilfe der raschen Zugriffsmöglichkeiten der elektronischen Medien zu bewältigen. Damit erreichte die wissenschaftlich-medizinische Reform ihre dritte Phase: die „Evidence-based Medicine“.

In der Evidence-based Medicine sollen die Ergebnisse wissenschaftlich tragfähiger Studien – die sogenannte Evidenz – dem therapeutisch tätigen Arzt systematisch verfügbar gemacht werden. Hierzu werden Studienergebnisse gebündelt und in der Literatur, vor allem eben auch in elektronischen Medien, bereitgestellt (durch Meta-Analysen, z. B. seitens der Cochrane Collaboration [80]). Außerdem wird der Arzt speziell ausgebildet, um für den konkreten Behandlungsfall die relevante Evidenz aus dem Informationsangebot extrahieren, beurteilen und praktisch umsetzen zu können. Derart geschult soll der einzelne Arzt in die Lage versetzt werden, die jeweilige Behandlung eines Patienten nicht an bloßer Konvention oder tradierter Autorität auszurichten, sondern unmittelbar am aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung („the best evidence available“ [364]). Evidence-based Medicine soll so ein Instrument zur Befreiung des einzelnen Arztes und Therapeuten aus der Situation des Informationsmangels sein; außerdem soll sie vor der Überfülle an minderqualifizierter Information schützen. Zugleich aber wird diese Evidencebased Medicine auch vom Gesetzgeber, von Zulassungsbehörden, von Health-Maintainance-Organisationen, von Krankenkassen, vom Medizinischen Dienst usw. als Steuerungsinstrument der Gesundheitspolitik benutzt, und damit wird Evidence-based Medicine, jedenfalls gegenüber dem Arzt, auch zu einem Instrument der Beschränkung und Ausschließung. Schließlich wird in einer Evidence-based Healthcare gefordert, es sollten die Entscheidungs- träger im Gesundheitswesen dafür Sorge tragen, daß Therapiemaßnahmen, deren Wirksamkeit nicht bewiesen ist, nicht neu eingeführt werden („stop them starting“) oder, falls sie bereits in Gebrauch sind, nicht länger praktiziert werden („start stopping them“) [189].

Bei dieser Forderung bleibt jedoch unberücksichtigt, daß das Fehlen eines Wirksamkeitsbeweises nicht der Beweis einer Unwirksamkeit ist („absence of evidence is not evidence of absence“ [11]). Somit besteht derzeit eine Parallele zu jener ersten Phase der wissenschaftlich-sozialen Reform der Medizin, als der rationale Charakter einer Therapie daran bemessen werden sollte, ob Wirkung und Wirkmechanismus im Laborexperiment demonstriert waren, und als es keinen wissenschaftlichen Maßstab dafür gab, ob diese „rationalen“, im Labor erforschten Therapien denn tatsächlich besser sind als die anderen, damals traditionellen Therapien (s. oben). Analog hierzu kann man nun in solcher Evidence-based Healthcare nicht wissen, ob die Therapien, für die ein Wirksamkeitsnachweis in randomisierten Studien erbracht wurde, tatsächlich wirksamer und kostengünstiger sind als solche, für die es kein Ergebnis einer randomisierten Studie gibt, zumal es viele Gründe (Anmerkung der H.Blog-Redaktion: Siehe hierzu »Gibt es Gründe für Pluralistische Evaluationsmodelle? Limitationen der Randomisierten Klinischen Studie?«) gibt – ethische, praktische, technische, finanzielle usw. –, warum randomisierte oder gar doppelblinde Studien für eine Vielzahl von Therapieansätzen nicht oder kaum durchführbar sind (Details s. S. 79ff). Ein Nicht-Wissen ist aber das Gegenteil von Evidenz. Somit ist in dieser Hinsicht die heutige Evidence-based Healthcare eben nicht Evidenz-basiert.

So hat man die paradoxe Situation, daß es für die Basis der Entscheidungskriterien der Evidence-based Healthcare selbst keine Evidenz gibt, es sei denn den Glauben, daß außerhalb randomisierter Studien, oder allgemein: außerhalb formalisierter Verfahren prinzipiell keine verläßlichen Erkenntnisse über Therapiewirksamkeiten zustandekommen könnten, und daß es deshalb legitim sei, die nicht formalisierte ärztliche Erfahrung bei der Sozialgestaltung der Medizin zu ignorieren. Doch diese Auffassung ist selbst nicht mit ihren eigenen Methoden, mit randomisierten Studien, überprüft; sie ist in diesem Sinne nicht ein wissenschaftliches Wissen, sondern eine Glaubensangelegenheit, was natürlich eine unbefriedigende Situation ist.

Ausgehend von diesem Dilemma kann nun die komplementäre Methodenlehre einen Beitrag zum weiteren Fortschreiten der wissenschaftlich-sozialen Reform der Medizin leisten, indem das Spektrum der wissenschaftsfähigen Möglichkeiten des Wirksamkeitsnachweises gerade an jenem Punkt erweitert wird, der bislang methodologisch ausgespart blieb, nämlich bei der Beurteilung der individuellen Therapiesituation durch den verantwortlichen Arzt. Damit wird aber, wie bei jeder Erweiterung, der Stellenwert des Bisherigen relativiert. Genauso wie die klinisch-therapeutische Forschung die präklinische Forschung im Labor ergänzt und damit zugleich deren ansonsten monopolistische Bedeutung einschränkt, so erweitert und ergänzt die komplementäre Methodenlehre die am Goldstandard der randomisierten Studie ausgerichtete Methodologie und hebt dabei zugleich deren Monopol auf.

Während Evidence-based Medicine sich auf wissenschaftliche Evidenz stützt, die prinzipiell außerhalb der jeweiligen konkreten Therapiesituation und, im allgemeinen, auch nicht von dem betreffenden Arzt gewonnen wurde – es ist eine sogenannte „externe Evidenz“ [447] –, befaßt sich die komplementäre Methodenlehre gerade mit der Wirksamkeitsbeurteilung in der individuellen Therapiesituation. Somit ist die komplementäre Methodenlehre als die Methodologie einer Erkenntnis-basierten Medizin zu verstehen; oder angelehnt an die Anglismen der heutigen Methodologie: Es handelt sich im Unterschied zur Evidence-based Medicine um eine Cognition-based Medicine.“

»Cognition-based Medicine« Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie (IFAEMM) e.V.

Deutsches Ärzteblatt: »Evidenzbasierte Medizin: Konkurs der ärztlichen Urteilskraft?«

Link zum Originalbeitrag im »H.Blog: Homöopathie & Forschung«
Klinische Forschung: Von der Evidenzbasierten Medizin zur Erkenntnisbasierten Medizin

Evidenzbasierte Medizin bei MISTER WONG (User: GWUP)

H.Blog-Archiv zum Thema »Evidenzbasierte Medizin«

Stark texten, mehr verkaufen...

Gastbeitrag aus dem Weblog »Text & Kommunikation«:

Oh, wie Recht Sie doch haben. Ein Blog mit fremden Texten zu schmücken, das ist nicht gerade die feine Art. In einem Blog über »Text & Kommunikation« sei dieser Fauxpas jedoch ausnahmsweise erlaubt. Geht es im vorliegenden Fall doch darum, ein Buch über gute Texte von einer guten Texterin - der Journalistin Sylvia Englert - rezensieren zu lassen:

"Schon wieder Werbung! Ab in den Papierkorb, heißt es nur allzu oft. Werbung ist ungeliebte Lektüre, wird höchstens am Rande wahrgenommen, selten aufmerksam gelesen. Deshalb ist sie um so schwieriger zu texten. Denn im Idealfall soll die Botschaft ja nicht nur gelesen werden, sondern eine Reaktion auslösen: Antwort, Bestellung, Kauf. Für all jene, die Texte für die Direktwerbung schreiben wollen, ist Stefan Gottschlings Buch hervorragend geeignet. Knapp und flockig vermittelt er das Praxiswissen, das man zum Texten braucht, und lehrt, wie man es bei der Entwicklung von Instrumenten wie Werbebriefen, Prospekten, Mailings und Antwortkarten einsetzt. Auch aufs Texten für Websites und Online-Shops geht er ein -- kurz zwar, aber sinnvoll.

Ausgangspunkt des Werbetextes ist immer der Kunde. Wie nimmt er einen Text wahr? Wie denkt man sich in ihn hinein? Wie schreibt man leserbezogen und persönlich? In vielen Beispielen erklärt Gottschling, wie es gemacht wird. Im Idealfall sollte der Text ein vorausgedachtes Verkaufsgespräch sein und mögliche Einwände, Fragen und Stimmungen der Zielpersonen einbeziehen. Geschickt beeinflusst und führt ein guter Texter seinen Adressaten über die Sprache. Lesen ist Fernsehen im Kopf -- der Autor führt die Bildregie. Gottschling zeigt, wie das funktioniert.

Viel Platz nehmen in seinem Buch Stil und Sprache ein. Welche Regeln für Wortwahl, Schrift und Satzbau sorgen dafür, dass er Text im Kopf des Lesers ankommt? Viele Schriften sind nicht gut lesbar, Fettdruck und Großbuchstaben machen es dem Adressaten zusätzlich schwer. Kurze Sätze mit lebendigen Verben und emotionsgeladenen Substantiven dagegen machen es ihm leicht.

Viel Zeit nimmt sich der Autor auch dafür, die Kunst der Headline-Formulierung zu erklären. Was sinnvoll ist, denn die Überschrift wird zuerst wahrgenommen. Nur wenn sie Neugier weckt oder sofort einen Nutzen für den Leser herausstellt, hat das Angebot eine Chance. Hat man erstes Interesse geweckt, kann man den Leser (unter Gottschlings Anleitung) mithilfe von Response-Elementen zum Antworten bringt. "Jetzt bestellen!", "Einfach anfordern!" ist die Devise.

Stark texten, mehr verkaufen ist für Einsteiger gedacht, es setzt kein Vorwissen voraus und lehrt alle wichtigen handwerklichen Tricks. Der Garant für einen guten Werbetext ist das natürlich noch nicht, dazu gehört auch Talent und eine Idee. Macht nichts, wenn die Einfälle auf sich warten lassen: Neben Tipps, wie man seinen Text druckreif redigiert und einen ansprechenden Stil findet, hat Gottschling auch Tipps, wie man Schreibblockaden überwindet parat."

Quelle: Buchrezension von Sylvia Englert für die Amazon-Redaktion

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Links zum Thema:

Texter Düsseldorf: B-to-B-Marketing von Claus Fritzsche

Weblog »Text & Kommunikation« B-to-B-Marketing für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)

Gute Verkäufer machen es sich leicht

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(cf) - Bücher über die neuesten Erfolgsgeheimnisse erfolgreicher Verkäufer gehören zu dem Bereich der Literatur, um den ich gewöhnlich einen großen Bogen mache. Warum dies so ist, das erklärt bereits eine kleine Google-Recherche zum Stichwort "erfolgreiche Verkäufer". Das bunte Spektrum der klugen Ratschläge mag durchaus seine Berechtigung haben. Aus meiner Sicht wird die Komplexität und Vielschichtigkeit des wahren Lebens jedoch meistens in sinnentstellender Weise verkürzt.

Eine seltene positive Ausnahme ist für mich das Buch “Gute Verkäufer machen es sich leicht - Besser verkaufen mit Menschenkenntnis” (Orell Füssli) von Gabriele und Hans Stöger. Die Autoren werben in ihrem angenehm und leicht zu lesenden Ratgeber für die Idee, dass sich erfolgreiche Verkäufer weder massiv anstrengen müssen noch über ein Patentrezept verfügen. Hinter dieser auf den ersten Blick platitüdenverdächtigen Aussage versteckt sich jedoch große Weisheit:

1. Auch in der angeblich so rationalen Vermarktung von Investitionsgütern kaufen Einkäufer nicht von Anbietern, welche ihnen unsympathisch sind. Ob tatsächlich 80% der Kaufentscheidungen emotional motiviert sind, wie von Gabriele und Hans Stöger postuliert, das sei einmal dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass viele Investitionsentscheidungen im B-to-B-Vertrieb über eine erhebliche Kriterienbandbreite verfügen, die ganz zum Schluss … welch ein Wunder … zu einem Anbieter führt, der zufällig auch als sympathischer wahrgenommen wird.

2. Auf der Suche nach den für Sympathie und Antipathie verantwortlichen Faktoren landen die Autoren bei einem einfachen und zugleich hoch komplexen Erfolgsprinzip: ÄHNLICHKEIT. Menschen sind uns dann sympathisch, wenn sie uns ähnlich sind. Aus verkaufspsychologischer Sicht geht es hier weniger darum, die gleichen Hobbys zu haben. Entscheidend ist vielmehr, dass die Art zu denken, zu fühlen und wahrzunehmen ähnlich ist.

Gabriele und Hans Stöger gehen auf den 170 Seiten Ihres Buches primär der Frage nach, welche menschlichen Haupttypen (zu denken, zu fühlen und wahrzunehmen) es gibt und welche Konsequenzen dies für die Frage “Sympathie oder Antipathie?” hat. Wer selbst aus dem Verkauf kommt, der wird bei der Lektüre des Buches häufiger einmal schmunzeln müssen. Da wird beispielsweise der extravertierte kumpelhafte Verkäufer geschildert, der einen introvertierten Einkäufer mit seinem Redeschwall zutextet. Da stoßen detailverliebte Haarspalter auf Visionäre, welche sich für alles in der Welt interessieren, nur nicht für Details. Es kollidieren Bauchmenschen mit Kopfmenschen u.v.a..

Wissenschaftliche Basis der von den Autoren gewählten Typologie ist der Myers-Briggs-Type-Indicator (MBTI), eine international weit verbreitete Methode der Persönlichkeits-Evaluation. Der MBTI differenziert stark vereinfacht zwischen 4 x 2 gegensätzlichen Haupttypen:

* Introvertierte versus extravertierte Menschen
* Realist (Details) versus Visionär (grobe Richtung)
* Bauchmensch (Gefühl) versus Kopfmensch (Fakten)
* Organisierer (schnelle Entscheidungen) versus Flexibler (Entscheidungen so lange wie möglich hinauszögern)

Stößt nun ein extravertierter, visionärer, intuitiver und sich schnell entscheidender Verkäufer auf einen introvertierten, an Zahlen, Daten und Fakten orientierten, Details liebenden und Entscheidungen eher hinauszögernden Einkäufer, so sinkt die Wahrscheinlichkeit für erfolgreiche Geschäfte auf den Nullpunkt. Der in diesem Beispiel konstruierte Verkäufer kann sich dann auch Aktionismus und noch intensivere Verhandlungen sparen. Die wahren Handlungsmotive liegen auf einer anderen Ebene und sind den jeweiligen Akteuren vielleicht auch nicht bewusst.

Ob Verkäufer nun tatsächlich in der Lage sind, ihr Verhaltens-Repertoire deutlich zu erweitern, um sich unterschiedlichen Kundentypen besser anzupassen, das wäre noch zu klären. Die Autoren bieten in ihrem Buch Verhaltensstrategien an, welche dabei helfen sollen, genau dieses Ziel zu erreichen. Aus meiner persönlichen Sicht besteht hier jedoch die große Gefahr, die eigene Authentizität zu verlieren. Von dieser offenen Frage einmal abgesehen, ist “Gute Verkäufer machen es sich leicht” jedoch der beste Verkaufs-Ratgeber, den ich je gelesen habe: 100% Praxisrelevanz und eine echte Horizonterweiterung. Das Buch ist auch für Otto Normalverbraucher und -nichtverkäufer lesenswert, da es dafür sensibilisiert, Unterschiedlichkeit und Andersartigkeit in unseren mitmenschlichen Beziehungen nicht als Problem ... sondern stattdessen als ganz normales Zeichen der auch in der Natur vorkommenden Vielfalt zu betrachten. (Quelle: Sales.Blog)

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Gute Verkäufer machen es sich leicht (Buch)

Gute Verkäufer machen es sich leicht (4 CDs)

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Placeboeffekte in der Psychotherapie

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Klient, Therapeut und das unbekannte Dritte
Placeboeffekte in der Psychotherapie und was wirklich wirkt
Von Nadine Reiband

"Die Autorin beschäftigt sich mit der Frage, ob es Placeboeffekte in der Psychotherapie gibt", so die einleitenden Worte des Carl-Auer Verlags für ein kleines, 119 Seiten umfassendes Büchlein der Diplom-Psychologin Nadine Reiband. Was auf den ersten Blick wie ein trockenes Fachbuch über Psychotherapie-Forschung aussieht, das entpuppt sich bei näherem Hinsehen als hochgradig spannender Krimi, der nicht nur für Psychotherapeuten von Wert sein kann. Alle Berufsgruppen, welche sich in irgendeiner Form mit zielgerichteten Veränderungs-Prozessen bei Menschen auseinandersetzen, können von der Arbeit Reibands profitieren: Ärzte, Heilpraktiker, Coachs, Persönlichkeitstrainer, Therapeuten unterschiedlichster Richtung. Alle diese Berufsgruppen gehen in ihrer Arbeit davon aus, dass menschliche Veränderungsprozesse auf der Ebene von Körper, Geist und Seele durch ganz spezifische Einflussfaktoren ausgelöst werden: Durch Techniken, Präparate, Methoden, Wissensvermittlung und vieles mehr. Was aber, wenn unspezifische Einflussfaktoren wie z.B. die Erwartungshaltung des Klienten oder die Persönlichkeit des Therapeuten, Trainers oder Coachs einen viel größeren Einfluss haben, als gewöhnlich angenommen wird?

Unspezifische Einflussfaktoren bestimmen das Ergebnis
Im Rahmen einer kritischen Analyse der modernen Psychotherapie-Forschung kommt Nadine Reiband zu dem Fazit, dass nicht die spezifischen Bestandteile einer ganz bestimmten Psychotherapie den Hauptteil ihrer Wirkung ausmachen, sondern stattdessen unspezifische generelle Einflussfaktoren wie z.B. die persönliche Beziehung zwischen Therapeut und Klient, das therapeutische Ritual oder die therapeutische Situation (beispielsweise das Glaubwürdigkeit ausstrahlende Sprechzimmer mit Apparaten, Akkreditierungs-Urkunde, Couch etc.). Zu den besonders starken unspezifischen Wirkfaktoren einer Psychotherapie gehören laut Reiband die Erwartungshaltung des Klienten sowie die Persönlichkeit des Therapeuten (z.B. seine Überzeugtheit von der Richtigkeit der eigenen therapeutischen Richtung). Interessanterweise wird der Therapeutenfaktor in vielen einschlägigen Studien ignoriert und nicht neutralisiert. Als Folge dieses methodischen Fehlers kommen diese Studien zu dem falschen Ergebnis, dass spezifische "therapeutische Inhaltsstoffe", die charakteristisch sind für ein bestimmtes therapeutisches Verfahren, für den jeweiligen Erfolg verantwortlich sind. Untersuchungen wie die von Luborsky et al. (1986) und Crits-Christoph et.al (1991) zeigen laut Reiband jedoch, dass der Einfluss spezifischer therapeutischer Maßnahmen in dem Moment überraschend klein und der Einfluss der Persönlichkeit des Therapeuten eindrucksvoll groß wird, sobald der Therapeuteneffekt methodisch berücksichtigt und neutralisiert wird. Dieses Phänomen ist inzwischen als so genanntes Dodo-Bird-Verdikt bekannt, wonach Psychotherapien zwar effektiv sind, die spezifischen Merkmale einzelner therapeutischer Ansätze jedoch eine untergeordnete Rolle spielen.

Konsequenzen einer brisanten Hypothese
Da es in der wissenschaftlichen Forschung neben Erkenntnisgewinn auch um persönliche Vorlieben, Paradigmen, poltische Einflussnahme und Geld geht, sind Aussagen dieser Art selbstverständlich bei all jenen Psychotherapie-Forschern wenig willkommen, deren Arbeit so
in Frage gestellt wird. Und dass hier politisch mit harten Bandagen gekämpft wird, diesen Eindruck erweckt beispielsweise der Artikel "Perspektiven zur 'Wissenschaftlichkeit' von Psychotherapie" von Prof. Dr. Jürgen Kriz, Leiter des Fachgebiets "Psychotherapie und klinische Psychologie" an der Universität Osnabrück. Eine noch viel größere Dimension können die Ausführungen von Nadine Reiband dann bekommen, wenn man sie auf weitere Disziplinen anwendet, welche Menschen bei Veränderungs-Prozessen auf der Ebene von Körper, Seele und Geist unterstützen.

Was wäre z.B., wenn der Einfluss von Erwartungshaltung und Persönlichkeit auch beim Arztbesuch eine viel größere Rolle spielen würde, als dies bisher angenommen wird. Bei Wirksamkeitstests für pharmazeutische Präparate wird der Einfluss des Therapeuten durch randomisierte Doppelblindstudien ausgeschlossen. Die etablierten Forschungsdesigns untersuchen jedoch nicht den umgekehrten Fall, dass ein größerer (!) Komplex nichtspezifischer Einflussfaktoren einen Selbstheilungsprozess unterstützt … und zwar vollkommen unabhängig von den jeweils geschluckten Pillen. Was dieses Thema betrifft, so wird es von Nadine Reiband nur ganz kurz im Anhang erwähnt. Sie zitiert hier Studien von Levine et. al (1981, 1984), nach der z.B. die bloße Ankündigung einer effektiven Schmerzbehandlung (in Wirklichkeit wurde Kochsalzlösung injiziert) im Experiment den gleichen schmerzlindernden Effekt zeigte wie die Injektion von 6 bis 8 mg Morphin. (Siehe auch: "Glaubst Du an mich? Ich heile dich!" und Quarks & Co. über Placebos)

Fortsetzung des Beitrags auf psychophysik.com

Der Placebo-Effekt: Vom schwarzen Schaf zum geliebten Kind der Medizin

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