Prof. Dr. med. Joachim Bauer: Depressive Gesundheitsstörungen
Wednesday, 13. December 2006, 15:52:43
"Der Unterschied zur Trauer: Verlust des Selbstwertgefühls. Was unterscheidet die Trauer, also eine "normale", nicht-krankhafte Erlebnisreaktion, von einer depressiven Störung? Es ist der Verlust der Selbstwertgefühls. Die Störung der Selbstwertregulation ist der Kern der depressiven Erkrankung. Dies gilt für alle Formen depressiven Krankseins.
Die menschliche Selbstwert-Regulation (Fachausdruck: "Narzisstische Homöostase") hat zwei Quellen:
1. Quelle des Selbstwertgefühls ist die kindliche Erfahrung des Geliebtwerdens ohne Bedingungen (diese Erfahrung wird verinnerlicht und bleibt in neuronalen Netzen als basales Selbstwertgefühl gespeichert);
2. Quelle des Selbstwertgefühls ist die Anerkennung für erbrachte eigene Leistungen durch Andere. Beide Quellen haben mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun.
Zuviel Leistung, zu wenig Liebe
Zuviel Leistung, zu wenig Liebe als Depressions-Risiko. Bei Personen, die ein erhöhtes Risiko für depressive Erkrankungen haben, beruht die Selbstwertregulation in zu einseitiger Weise auf der Anerkennung von Leistungen. Besonders verwundbar ("vulnerabel") für eine Depression sind die besonders pflichtbewussten, aufopferungsvollen Menschen, die viel für Andere tun und in besonderer Weise für Andere sorgen. Fällt die Anerkennung und Liebe, die dafür erhalten wird, plötzlich weg (z. B. durch den Verlust oder durch die emotionale Abwendung eines nahestehenden anderen Menschen) dann kann es zum Einbruch der Selbstwertregulation und zum Ausbruch einer depressiven Erkrankung kommen.
Verluste und Trennungen als Depressionsauslöser
Verlust, Trennung oder Konflikte sind, wie Studien bewiesen haben, die erstrangigen Auslöser einer Depression (beachte: paradoxer Weise kann auch ein vordergründig "erfreuliches" Ereignis, z. B. die berufliche Beförderung ein Depressions-Auslöser sein, z. B. weil die bisherige kollegiale Unterstützung wegfällt und man in die "ungeliebte" Vorgesetzten-Position kommt, in der man sich durch Entscheidungen bei Anderen unbeliebt machen muss).
Seelische und körperliche Symptome
Der am Beginn der Depression stehende Verlust des Selbstwertgefühls ist ein psycho-biologisches Ereignis. Es kommt zu einer schweren und anhaltenden innere Unruhe. Auf der Ebene des äußeren Verhaltens kommt es zu einer psychomotorischen Hemmung bis hin zur Starre. Im Fühlen und Denken kommt es zu Selbstvorwürfen, Schuldgefühlen (einschließlich des Gefühls, selbst Schuld an der Depression zu sein) bis hin zum Gefühl, nicht mehr lebenswert zu sein (Suizidgedanken und Suizidhandlungen). Wenn ein Patient sich mit Gedanken an Suizid beschäftigt, ist dies immer ein ernst zu nehmendes Warnzeichen. Depressionstypisch sind auch schwere Konzentrationsstörungen (man weiß z. B. nicht mehr was man gerade gelesen hat; viele depressive Patienten fürchten, eine Demenz zu haben). Die höchste Suizidgefahr bei Depression besteht nach Studienlage bei älteren Männern..."
Vollständiger Text auf der Homepage von Prof. Dr. med. Joachim Bauer
Buchrezension: "Warum ich fühle, was du fühlst" von Prof. Dr. med. Joachim Bauer
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Texter Düsseldorf: Claus Fritzsche
Die menschliche Selbstwert-Regulation (Fachausdruck: "Narzisstische Homöostase") hat zwei Quellen:
1. Quelle des Selbstwertgefühls ist die kindliche Erfahrung des Geliebtwerdens ohne Bedingungen (diese Erfahrung wird verinnerlicht und bleibt in neuronalen Netzen als basales Selbstwertgefühl gespeichert);
2. Quelle des Selbstwertgefühls ist die Anerkennung für erbrachte eigene Leistungen durch Andere. Beide Quellen haben mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun.
Zuviel Leistung, zu wenig Liebe
Zuviel Leistung, zu wenig Liebe als Depressions-Risiko. Bei Personen, die ein erhöhtes Risiko für depressive Erkrankungen haben, beruht die Selbstwertregulation in zu einseitiger Weise auf der Anerkennung von Leistungen. Besonders verwundbar ("vulnerabel") für eine Depression sind die besonders pflichtbewussten, aufopferungsvollen Menschen, die viel für Andere tun und in besonderer Weise für Andere sorgen. Fällt die Anerkennung und Liebe, die dafür erhalten wird, plötzlich weg (z. B. durch den Verlust oder durch die emotionale Abwendung eines nahestehenden anderen Menschen) dann kann es zum Einbruch der Selbstwertregulation und zum Ausbruch einer depressiven Erkrankung kommen.
Verluste und Trennungen als Depressionsauslöser
Verlust, Trennung oder Konflikte sind, wie Studien bewiesen haben, die erstrangigen Auslöser einer Depression (beachte: paradoxer Weise kann auch ein vordergründig "erfreuliches" Ereignis, z. B. die berufliche Beförderung ein Depressions-Auslöser sein, z. B. weil die bisherige kollegiale Unterstützung wegfällt und man in die "ungeliebte" Vorgesetzten-Position kommt, in der man sich durch Entscheidungen bei Anderen unbeliebt machen muss).
Seelische und körperliche Symptome
Der am Beginn der Depression stehende Verlust des Selbstwertgefühls ist ein psycho-biologisches Ereignis. Es kommt zu einer schweren und anhaltenden innere Unruhe. Auf der Ebene des äußeren Verhaltens kommt es zu einer psychomotorischen Hemmung bis hin zur Starre. Im Fühlen und Denken kommt es zu Selbstvorwürfen, Schuldgefühlen (einschließlich des Gefühls, selbst Schuld an der Depression zu sein) bis hin zum Gefühl, nicht mehr lebenswert zu sein (Suizidgedanken und Suizidhandlungen). Wenn ein Patient sich mit Gedanken an Suizid beschäftigt, ist dies immer ein ernst zu nehmendes Warnzeichen. Depressionstypisch sind auch schwere Konzentrationsstörungen (man weiß z. B. nicht mehr was man gerade gelesen hat; viele depressive Patienten fürchten, eine Demenz zu haben). Die höchste Suizidgefahr bei Depression besteht nach Studienlage bei älteren Männern..."
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