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Bewusstsein & bewusst sein

Das Weblog des Online-Magazins psychophysik.com

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Randomisierte klinische Studien (RCT), vom Goldstandard zum Sorgenkind

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Ein noch immer weit verbreiteter Mythos lautet sinngemäß: »Der relative Vergleich Verum versus Placebo einer randomisierten klinischen Studie (RCT) erlaubt absolute Aussagen hinsichtlich des medizinischen Nutzens einer untersuchten Therapieform.«

In der Medizin und in der medizinischen Forschung bahnt sich seit den Neunzigerjahren, von großen Teilen der Öffentlichkeit noch unbemerkt, eine Revolution an, die folgende Aspekte betrifft:

1. Unterscheidung zwischen Krankheitssymptom und Krankheitsursache (→ www.symptome.ch),

2. Unterscheidung zwischen Wirkung (Symptomunterdrückung) und Auto- bzw. Selbstregulation (Selbstheilung, Homöostase),

3. Aufwertung des Stellenwerts unspezifischer Wirkfaktoren (→ Dodo-Bird-Verdikt) wie z. B. Erwartungen (→ »Wirkung der Bedeutung«), Hoffnungen, Arzt-Patient-Beziehung oder Veränderung des Lebensstils,

4. Verlagerung der Verantwortung vom Therapeuten (Reparatur) hin zum Patienten (Prävention, Salutogenese),

5. intelligente Verknüpfung von Schulmedizin und Komplementärmedizin (→ Integrative Medizin),

6. Aufwertung der Versorgungsforschung, die das Kosten-Nutzen-Verhältnis medizinischer Interventionen z. B. in Outcome-Studien oder in Health Technology Assessments (HTAs) - nicht im klinischen Labor, sondern unter realen Umgebungsbedingungen (»Real-World Effectiveness«) - wissenschaftlich prüft (→ Versorgungsforschung)

und sowohl das therapeutische Vorgehen als auch die wissenschaftliche Forschungsmethodik beeinflusst. Randomisierte klinische Studien (RCTs), seit den Sechzigerjahren Inbegriff objektiver klinischer Therapieprüfung, wandeln sich vom Goldstandard zum Sorgenkind. Ein von der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen jüngst veranstaltetes Fachgespräch umschrieb diesen Sachverhalt mit den Worten: »Diese RCT-Studien unterschätzen systematisch die Macht der Information und die damit verbundene Bedeutung der Arzt-Patient-Beziehung.« Weil medizinische Forschung nicht nur durch Erkenntnisfortschritt sondern auch durch Politik, Weltanschauung und kommerzielle Interessen geprägt wird, benötigt der Umdenkprozess allerdings seine Zeit.

Der unkritische Umgang mit RCTs erinnert mitunter an das Märchen »Des Kaisers neue Kleider«. Zu Beginn nur wenige, inzwischen immer mehr Stimmen wagen es, dezent darauf hinzuweisen, dass der Kaiser nackt ist ...

Link zum Originalbeitrag im »H.Blog: Homöopathie & Forschung« ...