Bringt der Papst Frieden nach Tibet?
Monday, 24. March 2008, 15:45:04
Auf diese Worte aus dem Vatikan hatte die Welt gewartet: Während der Donner krachte und der Regen auf den Petersplatz prasselte, gedachte Papst Benedikt XVI. bei seiner Ostermesse am Sonntag Krisengebieten wie Darfur und Somalia – und nannte dann die Unruhen in Tibet, die sich am Montag auch auf das Nachbarland Nepal ausweiteten.Das katholische Kirchenoberhaupt mahnte, an den „gepeinigten Nahen Osten zu denken, an den Irak und den Libanon – und schließlich an Tibet.“
"M"+Für diese Regionen forderte er die Suche nach Lösungen, mit denen der Frieden geschützt werden könne.
Ungerechtigkeit, Hass und Gewalt bezeichnete er als „die Wunden der Menschheit, offen und schmerzend in jedem Winkel des Planeten, wenn auch oft unbeachtet oder zuweilen absichtlich verborgen“. In seiner Botschaft rief der Papst zu tatkräftigem Einsatz für Gerechtigkeit auf, „an den von blutigen Konflikten heimgesuchten Orten und überall dort, wo die Würde der menschlichen Person weiterhin missachtet und verletzt wird“.
Besonders italienische Medien hatten den Papst nach seiner Predigt am Palmsonntag vor Ostern heftig kritisiert. Dort hatte er die Lage im Irak angeprangert, aber Tibet mit keinem Wort erwähnt. Es wurde vermutet, der Papst wolle sein besonderes Anliegen, eine Versöhnung des Vatikans mit China, nicht gefährden.
Das Verhältnis zwischen China und der katholischen Kirche ist seit 1951 angespannt, als das kommunistische Regime die Autorität des Heiligen Vaters ablehnte und die Religion mit der Gründung der „Patriotischen katholischen Vereinigung“ unter Kontrolle brachte. Vatikantreue Katholiken werden in dem Riesenreich unterdrückt.
Offenbar, um China, den „Schlüssel zu Asien“, nicht zu reizen, verzichtete Benedikt XVI. bisher auch auf einen Empfang des Dalai Lama. Sein Vorgänger Papst Johannes Paul II. hatte sich häufig mit dem Oberhaupt Tibets getroffen.
Erstmals hatte der Papst dann bei seiner Generalaudienz am darauf folgenden Mittwoch sein Schweigen zu Tibet gebrochen und ein Ende der Gewalt verlangt. Er verfolge das Leiden der Menschen dort mit Trauer und Schmerz. So bete er für eine friedliche Lösung der gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Tibetern und Chinesen. Beide Seiten sollten den Mut haben, „den Weg der Toleranz und des Dialogs“ zu gehen.
Mehr Vermischtes
Währenddessen griffen die Aufstände in Tibet auch auf das südlich der chinesischen Staatsgrenze gelegene Nepal über: Die Polizei beendete am Montag eine Anti-China-Demonstration von rund 250 Exil-Tibetern in der Hauptstadt Kathmandu. Dabei kam es zu Rangeleien und Verletzungen von Protestlern. Die Mahnungen des Papstes im fernen Vatikan – hier hörte sie niemand.
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