Friday, 9. November 2007, 17:44:50
Heute präsentiere ich Euch gleich zwei Leckerbissen. Mein treuer News-Provider Micha hat mich darauf hingewiesen, dass RTL II schon jetzt plant, die Neuauflage von
Die Sieben Millionen Dollar Frau ins Sendeprogramm aufzunehmen. Nach Angaben von
Serienjunkies.de soll
Bionic Woman somit ab 2008 im deutschen Fernsehen zu sehen sein.
Beim Aufräumen meines Computers habe ich die alte Bionic FAQ von Rod Rehn gefunden. Die Seite, die leider bereits seit Jahren offline ist, war in den 90ern DIE Anlaufstelle für Fans von
Der Sechs Millionen Dollar Mann und
Die Sieben Millionen Dollar Frau. Aus diesem Grund dachte ich, die umfrangreichen Informationen aus der FAQ künftig hier im Bionic Blog erstmalig auf deutsch verfügbar zu machen. In regelmäßigen Abständen erfahrt Ihr somit mehr über die beiden Kultserien. Den Auftakt mache ich heute mit Informationen über die beiden Serien.
Der Sechs Millionen Dollar MannAlles fing mit Martin Caidins Roman "Cyborg" an, der 1972 veröffentlicht wurde. Caidin hatte bereits mehrfach versucht, seine Idee ans Fernsehen zu verkaufen, als Frank Price, der damalige Programmmanager von Universal entschied, dass eine Verfilmung lukrativ sein könnte. Universal und der US-Sender ABC setzten dies dann auch im Jahr darauf um und der Film wurde im Abendprogramm als "Cyborg: The Six Million Dollar Man" ausgestrahlt.
"Cyborg" war stärker an den Roman angelehnt als die Serie, die später folgen sollte, hatte einen sehr ernsten Unterton und wirkte wie ein Abklatsch von "James Bond". Von dieser Ernsthaftigkeit entwickelte sich "Cyborg" zu einer lockeren, manchmal Comicartigen Superhelden Show. Dies geschah in erster Linie, um ein breiteres Publikum anzusprechen -- vor allem die Zielgruppe der Kinder.
Nach "Cyborg" und den nächsten beiden Bond-ähnlichen Filmen "Wine, Women and War" ("Der Waffenschieber") und "The Solid Gold Kidnapping" ("Das Erpressersyndikat") begann die Produktion der Fernsehserie 1974. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Philosophie der Serie und das Projektformat geändert.
Die Geschichte besteht darin, dass Steve Austin, Astronaut und Pilot, nach dem Absturz mit einem experimentellen NASA Flugzeug von den Toten zurückgeholt wird. Sein langjähriger Freund, Dr. Rudy Wells, verwandelt ihn in einen Cyborg, einen bionischen Menschen. Steve verlor bei dem Absturz sein linkes Auge, den rechten Arm und beide Beine. All diese Körperteile werden nun durch kybernetische Repliken ersetzt. Sie funktionieren genauso gut, sogar besser als die originalen Teile. Seine Beine ermöglichen es ihm fortan, mit hoher Geschwindigkeit zu laufen und höher und weiter zu springen als jeder andere Mensch. Sein Arm kann nun massive Gewichte stemmen und Stoffe verbiegen oder zerbrechen, die ein normaler Mensch nicht einmal ankratzen könnte. Sein bionisches Auge kann nicht nur weiter und detailreicher sehen, es ermöglicht Steve außerdem eine Sicht in anderen Farbspektren wie Infrarot - für normale Personen undenkbar.
Nachdem er seine bionischen Prothesen erhalten und sich daran gewöhnt hat, halb Mensch und halb Maschine zu sein, wird Steve Agent des OSI, des Amtes für Wissenschaftliche Forschung, das seine Ausstattung mit Bionik veranlasst und finanziert hatte: "Sechs Millionen Dollar, für den Anfang". Nun ist es an Steve, die Regierung zurückzubezahlen, indem er für sie auf geheime und stets riskante Missionen geht. In "Cyborg" war zunächst Oliver Spencer sein Vorgesetzter beim OSI (eigentlich war es das OSO -- weitere Infos an späterer Stelle). Aber als aus dem Spielfilm eine Serie gemacht wurde, wich Spencer seinem Kollegen Oscar Goldman, der erstmalig in "Wine, Women and War" auftaucht. Rudy Wells wurde im Laufe der Serie insegsamt von drei verschiedenen Schauspielern gespielt. Ehrlich gesagt war das Einzige, das ständig gleich blieb, Lee Majors in der Hauptrolle als USAF (Reserve-)Colonel Steve Austin.
Die Sieben Millionen Dollar FrauIm Jahre 1975 schrieb Drehbuchautor Kenneth Johnson mehrere Episoden "The Bionic Woman" ("Eine Partnerin für Steve"), die im Rahmen des Sechs Millionen Dollar Manns liefen. Dies geschah einmal mehr auf Veranlassung von Frank Price (Programmdirektor von Universal), der den Charakter von Steve Austin menschlicher gestalten wollte, um ein größeres erwachsenes Publikum anzusprechen.
Lindsay Wagner war damals Vertragsschauspielerin bei Universal und hatte bei einer Reihe hauseigener Serien mitgewirkt. Das Ende ihres Vertrages sollte durch die Rolle von Jaime Sommers, ihres Zeichens nach Tennisprofi und Jugendliebe von Steve Austin, markiert werden. Jaime wurde Vollwaise im Alter von 16 Jahren, als ihre Eltern bei einem tragischen Autounfall ums Leben kamen. Seitdem hatten sich Steves Eltern um Jaime gekümmert. In seiner Heimatstadt Ojai trifft Steve nach Jahren der Funkstille wieder auf sie und beide versuchen, ihre alte Beziehung wiederaufleben zu lassen.
Nach wunderbaren Monaten der trauten Zweisamkeit hat Jaime einen fatalen Unfall beim Fallschirmspringen. Ihr rechter Arm und beide Beine sind zertrümmert. Auch das rechte Ohr hat infolge des Unfalls schwere Verletzungen erfahren, sodass Jaime nun taub ist. In seiner Verzweiflung fleht Steve Oscar an, eine bionische Operation an Jaime durchzuführen, um das Leben der jungen Frau zu retten. Nach einigem Hin und Her willigt Oscar ein, warnt Steve aber, dass es erneut einen Preis zu zahlen gebe.
Jaime überlebt so die Folgen des Absturzes. Während sie sich mit ihrem neuen Dasein anfreundet, schmiedet Steve Pläne für eine Hochzeit. Doch zuvor taucht Oscar auf und fordert seinen Tribut: Jaime soll auf eine Mission für das OSI gehen. Steve ist wütend, aber da er zuvor sein Wort gegeben hat, findet er sich damit ab. Jaime meistert die Mission, doch neue Probleme tun sich auf. Es ist beinahe zu spät, als allen klar wird, dass Jaimes Immunsystem die bionischen Körperteile abstößt.
Unter Schmerzen und geistig verwirrt wird sie ins Krankenhaus gebracht und sofort notoperiert, aber im Verlauf des Eingriffes stirbt Jaime an einer massiven Blutung im Gehirn, wo das bionische Interface sitzt. Steve ist voll Trauer und stürzt sich in den nächsten Wochen wieder in Arbeit, in der Hoffnung, seine Geliebte vergessen zu können.
Die "Bionic Woman" Folgen wurden am Ende der zweiten Staffel von "Der Sechs Millionen Dollar Mann" ausgestrahlt und sollten eigentlich nicht fortgesetzt werden. Lindsays zeitlicher Vertrag war damit abgeschlossen und sie wollte sich anderen Dingen widmen. Das wäre sicherlich auch passiert, wenn Universal nicht die Einschaltquoten für die Doppelfolge erhalten hätte. Diese waren so hoch, dass der Fernsehproduzent nicht auf Lindsay verzichten wollte, egal wie hoch der Preis sein würde.
Man bat sie, zurückzukommen und versprach ihr eine eigene Spin-Off Serie. Lindsay ließ sich auf den Deal ein und Kenneth Johnson wurde für weitere Drehbücher angeheuert. So schrieb er zwei weitere Episoden für den Beginn der dritten Staffel des "Sechs Millionen Dollar Manns". In "The Return of the Bionic Woman" ("Die neue Jaime") stellt sich heraus, dass Jaime kurz nach ihrem klinischen Tod durch Rudys Assistent Michael Marchetti wieder ins Leben zurückgeholt wird (Lionel Siegel, der Produzent vieler Folgen des SMDM taucht im Abspann auf, da er die Grundidee für die beiden Folgen hatte, während Kenneth Johnson diese ausgestaltete. Fred Silverman, der neue Programmdirektor von ABC soll angeblich die Idee zu der Spin-Off Serie gehabt haben).
Wie sich herausstellt ist die Operation ein voller Erfolg: Jaime wird noch einmal von den Toten zurückgeholt. Aber wie auch zuvor bleibt dies nicht ohne Folgen: Jaime hat den Großteil ihrer Erinnerungen verloren - zu viel Zeit war bei der Operation vergangen, als dass das Risiko von Schäden hätte gemindert werden können.
Als Steve herausfindet, dass Jaime am Leben ist und dass ihm Oscar und der Rest dies verheimlicht haben, rastet er aus. Aber der Grund, warum man ihm nichts über Jaimes Rückkehr erzählt hatte, stellt sich als ein gut gemeinter heraus: Wannimmer die beiden aufeinandertreffen, ruft dies unterschwellige Erinnerungen bei Jaime hervor, die sich in Schmerzen offenbaren, da sie sich offensichtlich nicht mehr an ihr Verhältnis zu ihrem Verlobten erinnern kann. Am Ende entscheidet sich Steve, sich vorerst aus Jaimes Leben zu distanzieren. Während er auf weitere Missionen geschickt wird, wird sie in die bionische Forschungseinrichtung bei Colorado Springs geschickt, wo man an der Wiederherstellung ihrer Erinnerungen arbeitet. Danach kehrt sie nach Ojai zurück und übernimmt einen Job als Lehrerin bei der Airforce (vor ihrer Tenniskarriere hatte Jaime bereits eine staatliche Lehrerlaubnis erworben).
Aufgrund der massiven Einschaltquoten, die "Die Sieben Millionen Dollar Frau" Woche für Woche bekam, erhielt Kenneth Johnson so seine eigene Fernsehserie. Generell betrachtet trieb sein Einsatz die Serie in Sphären, von denen andere Science Fiction Shows dieser Zeit nur träumen konnten. Sie war weniger abgedreht als viele Episoden des "Sechs Millionen Dollar Manns" - zumindest bis zum Ende der dritten Staffel, als Kenneth Johnson die Serie verließ und ein anderer Sender die Rechte an der Show erworben hatte. Nach Jahren hervorragender Einschaltquoten und einer riesigen Merchandisewelle starben "Der Sechs Millionen Dollar Mann" und "Die Sieben Millionen Dollar Frau" 1978 den gemeinsamen Serientod.