Thursday, 17. September 2009, 21:22:53
Handtaschen können sehr praktisch sein. Nicht nur für Frauen, auch für Männer. Nein, ich laufe nicht mit einer Handtasche rum, aber wenn mein Cap am Wochenende vor einem Club schnell mal wo verschwinden muss, dann doch nach Möglichkeit in der Handtasche einer weiblichen Begleitung. Das Cap irgendwo in eine Jackentasche zu pfärchen dellt die Jacke aus und macht das Cap kaputt.
Also, durchaus praktisch. Danke, weibliche Begleitungen.
Aber was ich immer wieder beobachte ist, dass Handtaschen oft kombiniert werden mit überdimensional grossen Portemonnaies. Ist ja schön und gut, man(n) braucht es auch nicht verstehen, aber es hat doch so seine Tücken.
Gestern Abend, kurz nach 8, ich steige in einen Bus. Vorne, weil ab 20 Uhr geht nur noch vorne. Auf die kurze Aufforderung des Chauffeurs „Billiet bitte“, verlässt meine rechte Hand die rechte Hosentasche, öffnet die Jacke ein paar cm um dann in einer eleganten Bewegung in die linke Jackeninnentasche zu greifen. Geschmeidig legt sich die linke Hand um das darin befindliche Portemonnaie, um dieses zu umgreifen und in einer geschmeidigen Bewegung an die frische Luft zu befördern. Ein Kurzer aber bestimmter Impuls des Handgelenks öffnet dieses, während die linke Hand siech gezielt in Richtung hinterster der drei Kartenschlitze, in welchem sich das Ticket befindet, navigiert, um dann unmittelbar nach dem Öffnen des Portemonnaies das Ticket zücken zu können. Tschack-bumm-hier. Das ganze dauert, inklusive Begutachtung durch den Chauffeur und wieder sachgerechte Verstauung weniger als 10 Sekunden.
Alles passt, alle daran beteiligten Arme, Hände, Taschen und (natürlich) auch das Portemonnaie sind ein eingespieltes Team. Anders wäre so eine koordinatorische Meisterleistung auch gar nicht möglich. Ich setze mich hin und warte auf die Abfahrt des Busses.
Aber da ich nicht der einzige bin, der an diesem Abend zu fortgeschrittener Stunde mit dem Bus fahren will, steigen noch mehr Leute ein. Vorne, denn es ist bereits nach 8.
Nächster Passagier: weiblich, geschätzt Anfang 20. Erneut: „Billiet bitte“. Ihr Kopf dreht sich nach links, zu ihrer enormen Handtasche und beginnt in dieser herumzufuhrwerken. Zuerst nur mit der rechten Hand, dann (mit zusätzlichen Verrenkungen, da ihre Tasche über auf (über) der linken Schulter hängt) mit der linken Hand. Nach einer halben Minute Rumsucherei, der Time-Out-Satz: „Ich find‘s grad nicht, ich zeig es ihnen gleich, ich hab‘s hier irgendwo...“ . Ok, sie stellt/setzt sich auf den Stuhl hinter dem Fahrer uns sucht.
Noch bevor sie überhaupt richtig angefangen hat, steckt der nächste Fahrgast sein Portemonnaie wieder in die rechte hintere Hosentasche und sucht sich einen Platz, nachdem er dieses in einer routinierten Bewegung aus der Tasche hervorgezogen, impulsartig geöffnet (ähnlich meiner Handbewegung) hat, das Ticket gezückt-gezeigt-wiedervestaut-zugeklappt-weggesteckt hat. Das ganze in einem Tempo, das meinem durchaus konkurrenzfähig ist.
Eine Minute später, nächster Fahrgast. Frau, Anfang-Mitte-Ende 40. „Billiet bitte, es ist nach acht.“ - „Einen Moment bitte“ ... ... *kramkram* die Hoffnung steigt, sie zieht etwas aus ihrer Handtasche ... ein Ticket?!? Nein ... grösser ... ein Monatsabo? ... nein, grösser ... es ist ...
ein Portemonnaie eine „Geldtasche“. „Moment, ich hab‘s gleich“ *kramkram* „ich hab‘s hier irgendwo, einen Moment bitte“. Sie setzt sich auf einen Sitz in der vordersten Busreihe und startet ihre Geldtaschen-Expedition. Während Lady 1 vorn vorhin immernoch sucht, hat Lady 2 ihr Ticket erstaunlicherweise innert kurzer Zeit gefunden. Zugegeben, ich bin positiv überrascht.
Gut, vielleicht bin ich (und der Typ der auch noch mit im Bus sass) eine Ausnahme und bei anderen Typen dauert sowas auch länger. Aber ich glaub nicht. Warum es so riesige Geldtaschen gibt, wieso mir sowas nur bei Frauen auffällt, ob in Handtaschen einfach mal meistens ein riesiges Chaos herrscht ... oder was auch immer, ich will‘s eigentlich gar nicht wissen
Wahrscheinlich ist mir das auch nur aufgefallen, weil der Bus mit 5 Minuten Verspätung abgefahren ist und ich eigentlich Heim wollte zu Weisswürsten, süssem Senf, (mittlerweile erkalteten) Brezeln und einem kühlen Bier. Wahrscheinlich wird‘s das gewesen sein. Und nächstes Mal, wenn ich wieder mein Cap in irgendeiner Handtasche in einen Club schmuggeln will, werd ich mal versuchen einen genaueren Blick in eine solche erhaschen zu können, um das Geheimnis zu lüften. Danke für eure Handtaschen.