Heimkehr
Sunday, July 20, 2008 10:12:12 AM
Ich lehne an einem Baum
und denke über Vergangenes nach.
Sehe das Haus, den Zaun - vermodert
und der Garten liegt brach.
Doch hinter Tür regt sich Leben
und ein Lachen durchdringt die Stille.
Nach endlosen Zeiten bin ich wieder hier,
es war mein letzter Wille.
Mich drängt es zu erfahren,
was hinter diesen festen Mauern gesprochen wird.
Doch will ich es wirklich wissen?
Ich weiss nicht mehr weiter und bin verwirrt.
Denn eigentlich will ich gar nichts wissen,
will nichts erzählen.
Will hier endlich weg
um das Leben für mich zu wählen.
Ich drehe mich um,
aber riskiere einen letzten Blick.
Ich kehrte heim
und war doch nicht zurück.
Eisenach, 2005
Dieses Gedicht ist entstanden, als wir uns im "Frank Kafka - Heimkehr" beschäftigen sollten.
Für alle die es nicht kennen, hier zum nachlesen:
"Ich bin zurückgekehrt, ich habe den Flur durchschritten und blicke mich um. Es ist meines Vaters alter Hof. Die Pfütze in der Mitte. Altes, unbrauchbares Gerät, ineinanderverfahren, verstellt den Weg zur Bodentreppe. Die Katze lauert auf dem Geländer. Ein zerrissenes Tuch, einmal im Spiel um eine Stange gewunden, hebt sich im Wind. Ich bin angekommen. Wer wird mich empfangen? Wer wartet hinter der Tür der Küche? Rauch kommt aus dem Schornstein, der Kaffee zum Abendessen wird gekocht. Ist dir heimlich, fühlst du dich zu Hause? Ich weiß es nicht, ich bin sehr unsicher. Meines Vaters Haus ist es, aber kalt steht Stück neben Stück, als wäre jedes mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt, die ich teils vergessen habe, teils niemals kannte. Was kann ich ihnen nützen, was bin ich ihnen und sei ich auch des Vaters, des alten Landwirts Sohn. Ich wage nicht an der Küchentüre zu klopfen, nur von der Ferne horche ich, nur von der Ferne horche ich stehend, nicht so, dass ich als Horcher überrascht werden könnte. Und weil ich von der Ferne horche, erhorche ich nichts, nur einen leichten Uhrenschlag höre ich oder glaube ihn vielleicht nur zu hören, herüber aus den Kindertagen. Was sonst in der Küche geschieht, ist das Geheimnis der dort Sitzenden, das sie vor mir wahren. Je länger man vor der Tür zögert, desto fremder wird man. Wie wäre es, wenn jetzt jemand die Tür öffnete und mich etwas fragte. Wäre ich dann nicht selbst wie einer, der sein Geheimnis wahren will."
und denke über Vergangenes nach.
Sehe das Haus, den Zaun - vermodert
und der Garten liegt brach.
Doch hinter Tür regt sich Leben
und ein Lachen durchdringt die Stille.
Nach endlosen Zeiten bin ich wieder hier,
es war mein letzter Wille.
Mich drängt es zu erfahren,
was hinter diesen festen Mauern gesprochen wird.
Doch will ich es wirklich wissen?
Ich weiss nicht mehr weiter und bin verwirrt.
Denn eigentlich will ich gar nichts wissen,
will nichts erzählen.
Will hier endlich weg
um das Leben für mich zu wählen.
Ich drehe mich um,
aber riskiere einen letzten Blick.
Ich kehrte heim
und war doch nicht zurück.
Eisenach, 2005
Dieses Gedicht ist entstanden, als wir uns im "Frank Kafka - Heimkehr" beschäftigen sollten.
Für alle die es nicht kennen, hier zum nachlesen:
"Ich bin zurückgekehrt, ich habe den Flur durchschritten und blicke mich um. Es ist meines Vaters alter Hof. Die Pfütze in der Mitte. Altes, unbrauchbares Gerät, ineinanderverfahren, verstellt den Weg zur Bodentreppe. Die Katze lauert auf dem Geländer. Ein zerrissenes Tuch, einmal im Spiel um eine Stange gewunden, hebt sich im Wind. Ich bin angekommen. Wer wird mich empfangen? Wer wartet hinter der Tür der Küche? Rauch kommt aus dem Schornstein, der Kaffee zum Abendessen wird gekocht. Ist dir heimlich, fühlst du dich zu Hause? Ich weiß es nicht, ich bin sehr unsicher. Meines Vaters Haus ist es, aber kalt steht Stück neben Stück, als wäre jedes mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt, die ich teils vergessen habe, teils niemals kannte. Was kann ich ihnen nützen, was bin ich ihnen und sei ich auch des Vaters, des alten Landwirts Sohn. Ich wage nicht an der Küchentüre zu klopfen, nur von der Ferne horche ich, nur von der Ferne horche ich stehend, nicht so, dass ich als Horcher überrascht werden könnte. Und weil ich von der Ferne horche, erhorche ich nichts, nur einen leichten Uhrenschlag höre ich oder glaube ihn vielleicht nur zu hören, herüber aus den Kindertagen. Was sonst in der Küche geschieht, ist das Geheimnis der dort Sitzenden, das sie vor mir wahren. Je länger man vor der Tür zögert, desto fremder wird man. Wie wäre es, wenn jetzt jemand die Tür öffnete und mich etwas fragte. Wäre ich dann nicht selbst wie einer, der sein Geheimnis wahren will."