Skip navigation.

David Terhart

Posts tagged with "islam"

Die Autobiografie von Ayaan Hirsi Ali und der aktuelle "Kopftuch-Streit" in Deutschland

, , , ...

Cover der Autobiographie von Ayaan Hirsi Ali, Bildquelle: amazon.de Passend zum Buch, das ich gerade lese, hat in den letzten beiden Wochen eine öffentliche Diskussion über das Verhältnis zwischen den freiheitlichen Staatsformen und Lebenskonzepten in Deutschland einerseits und den Einstellungen und Lebenskonzepten muslimischer in Deutschland lebender Menschen andererseits begonnen.

Um der Reihe nach zu gehen: Ich lese gerade Ayaan Hirsi Alis Autobiographie. Ein exemplarisches politisches Zitat daraus (meine Übersetzung):

Es geht nicht um mich -- es ist egal, wer ich bin. Es geht um Missbrauch und Misshandlung, und darum, wie dies verankert ist in einem Glauben, der Frauen ihre Rechte als Mensch verweigert. Es geht darum, dass in Europa Grausamkeiten gegen Frauen und Kinder begangen werden, und wichtig ist, dass sich Regierungen, Behörden und die Gesellschaft nicht länger verstecken hinter nichtssagenden Ausreden, die basieren auf Unterschiedlichkeit und Respekt vor Kultur und Glauben. (S. 380 in der ndl. Ausgabe).

Dieses Buch ist so mitreißend, aufwühlend, dass ich noch mehr für dieses Thema sensibilisiert bin. Die Unterdrückung von Frauen beispielsweise beschreibt Ayaan detailliert und aus eigener Erfahrung; die Beschneidung von Mädchen, wie sie nicht nur in Afrika statt findet, die Ächtung von Frauen, die unehehliche Kinder haben, sog. Ehrenmorde, Kopftuch- und Bedeckungszwang. Ebenso beschreibt sie den Hass auf Ungläubige, die Aufträge aus dem Koran direkt, den Koranschulen, von den Imams oder durch Osama bin Laden, Ungläubige abzulehnen, nicht als Freunde zu haben, versuchen zu bekehren oder zu töten.

In meiner direkten Umgebung fiel mir länger schon auf, dass die Anzahl der Kopftücher bei Frauen und Mädchen in Kreuzberg und Neukölln zunimmt. Dass man nach Sonnenuntergang keine Frauen mehr auf der Straße sieht. Dass man Frauen mit Kopftuch nicht in die Augen schauen kann, und dass man, wenn man das bei den Dolce-&-Gabbana-Jugendlichen zu lange probiert, auch mal als "Schwuchtel" beschimpft wird. Dass die Männer mit Migrantenhintergrung (Allochtone), die nicht offensichtlich mit Verachtung auf langhaarige Männer oder Obdachlose schauen, die alten sind, die schon lange hier leben. Der Rückzug in kleinere Welten mit radikalerem islamischem Hintergrund nimmt zu; die Bereitschaft, sich mit den Mitmenschen zu beschäftigen, nimmt ab. Das ist mein Eindruck.

Ayaan kritisiert das Wegschauen unter dem Deckmäntelchen des Multikulti-Einstellung, wodurch in den Niederlanden bspw. Koranschulen finanziert wurden oder die Kritik am Islam-Fundamentalismus gerne als Rassismus abgetan wurde und wird (siehe beispielsweise diese "Kritik" an der Zeitschrift Bahamas).

Nun also ist in Deutschland auch eine öffentliche Debatte in Gang gekommen, die hoffentlich noch ein wenig anhält: Ekin Deligöz hat muslimische Frauen aufgefordert, ihr Kopftuch abzunehmen, und steht seitdem wegen Morddrohungen unter Polizeischutz. Die Schriftstellerin Necla Kelek unterstützt sie und begrüßt die Debatte. Viele weitere haben sich geäußert; wer mehr wissen will, lese bspw. hier weiter.

Es geht darum, die Probleme anzusprechen. Ayaan hat die Hoffnung, dass der Islam reformierbar ist, und meint, das werde lange dauern, wenn es gelingen soll. Ähnliches hat das Christentum auch durchlaufen, dessen gewalttätige und unterdrückerische Geschichte nicht vergessen werden sollte. Vieles, was Ayaan beschreibt, ist schrecklich, und muss angesprochen werden. Am besten ist es, wenn die Betroffenen selbst mitreden, so wie an einer Stelle aus Ayaans Autobiographie, wo sie in einem Kulturzentrum debattiert. Dort sind viele der jungen marokkanischen Zuhörer, die sie unterbrechen und ausbuhen, sonst nie bei solchen Diskussionen, wie ein Freund Ayaans meint, und diese gilt es anzusprechen.