Ein paar Worte zur Resonanz auf die Kampagne Du bist Deutschland.
Wednesday, 16. August 2006, 07:06:58
"Du bist Deutschland" hatte durch das hohe Werbevolumen und durch die Medien der Massenkommunikation eine hohe Reichweite, der sich praktisch niemand entziehen konnte. Entweder man nam sie damals kommentarlos auf oder man machte sich Gedanken über sie, auf jeden Fall aber hatte man schon von ihr gehört. Die medienkritischen Blogs haben sich mit der Kampagne beschäftigt und, natürlich, kritisiert. Die Kampagne warb für mehr Selbstbewußtsein und hat sich gegen die schlechte und depressive Stimmung in Deutschland gewendet. Diese Haltung war ja nichts wirklich Neues. Tenor ist: Jeder Einzelne könne alles erreichen, eben wenn er oder sie mutig genug ist. So hat DbD den Untertitel "Mutmacherkampagne". Ein neues Selbstbewußtsein soll den Karren also aus dem Dreck ziehen.
Das klingt natürlich zynisch, wenn man bedenkt, dass es in diesem Land 4.386.000 Arbeitlose gibt. Und die bekommen sicher nicht nur durch deutsches Selbstbewußtsein einen neuen Job. Natürlich gibt es noch viel mehr Gründe, aus denen man die Kampagne doof finden kann, z.B. weil Nationalismus das Letzte ist.
Selbstverständlich kann man den Machern der Kampagne keine politische Indoktrination vorwerfen. Daher ist auch der Vorwurf, DbD stünde in direkter Verbindung zur Propaganda des NS-Faschismus unhaltbar.
Die Aktion ist Ausdruck einer kollektiven Vorstellung, aber sie bleibt dennoch ein Kunstprodukt, das durch einen hohen Bearbeitungsgrad so geformt ist, dass die Interessen des Auftraggebers und die Akzeptanz des anvisierten Kollektivs miteinander verschmolzen werden. In der primitiven Botschaft vereinen sich Intentionen und Einstellungen der Sender und der Empfänger. "Du bist Deutschland“ ist Chiffre und Bewußtseinsäußerung einer teil- oder gar gesamtgesellschaftlichen Dimension. Die meisten Interpretationen im Netz ignorieren diese Vielschichtigkeit, und bergen daher die Gefahr von Fehldeutungen.



