Wednesday, 3. September 2008, 14:55:10
Frankfurt, Helsinki, Mumbai, Murud, Mumbai, Igatpuri, Aurangabad, Ahmedabad - in zehn Tagen bin ich ganz schoen herumgekommen. Und nein, die meiste Zeit hab ich nicht damit verbracht, zwischen Bett und Toilette in und herzurennen.
Vor Indien und dem damit verbundenen endlosem Schwitzen (auch am Schienbein gibt es anscheinend sehr viele Schweissdruesen) hab ich vom 22. bis 24. August gleichmal einen Zwischenstopp in Helsinki eingelegt. Dort uebernachtete ich Tilman, einem Hospitality Club Mitglied.
Der Hospitality Club (HC: www.hospitalityclub.org) ist so ne Art nettes Ranwanzen fuer Traveller: Man legt sich ein Profil auf der Webpage an und kann dann aufgeschlossene und nette Leute auf der ganzen Welt fragen, ob man bei Ihnen naechtigen darf. Super Sache! Tilman war nicht nur irgendein HC-Mitglied, sondern eines der aktivsten Finnlands; mit dem unendlichen Drang noch mehr Reisende aus aller Welt bei sich aufzunehmen

. Deshalb traf ich in Helsinki viele andere HC-Mitglieder, aus Istanbul, Riga, Danzig, Moskau und vom Bodensee. Abends sind wir auf diese Weise gleich noch bei einer finnischen Geburtstagsparty eingefallen - und ich hab mich ueber, was auch sonst, Journalismus in Finnland unterhalten.
Helsinki ist im Sommer ne super Stadt - sagt auch Indy, vom Erlanger Unwucht Team, mit dem ich mich Samstag Abend getroffen haben.
Hier Gruesse an die Erlanger Frisbee Spieler von Indy. Bildbeweis vom Treffen wird nachgeliefert

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Sonntag vorm Abluf hat es dann geregnet:

Helsinki steht im Sommer Kopf: Scheinbar ganz Finnland zieht es in die Stadt um die wenigen warmen Tage zu nutzen und sich hemmungslos zu betrinken. Weil sie das so angestrengt verfolgen ist bei vielen auch um ein Uhr nachts schon wieder Schluss. Ich weiss gar nicht, wo die das ganze Geld her haben. Alkohol ist neben so ziemlich allem anderen ziemlich teuer in Finnland. Dank HC hab ich aber nicht viel ausgeben muessen. Touristisches Highlight: Suomenlinna, Festungsinsel vor der Stadt. Auch hier folgen Bilder.
Mumbai erinnert mich irgendwie an Mexiko-Stadt. Nur vielleicht etwas dreckiger. Ich hab die Stadt deshalb von Anfang an gemocht: endlos Inder auf der Strasse, ein staendiges Hupen aus mehreren tausend schwarzen 50er Jahre Fiats, die als Taxi herhalten, drueckende Hitze, ein ueberwaeltigendes Duftspektrum, das einem ins Gesicht schlaegt und immer etwas los.
In drei Tagen hab ich drei mal das Hotel gewechselt. Das erste gefiel nicht, das zweite war nur einen Tag frei und nach der dritten Nacht hats mich aus der Stadt gedraengt. So interessant und riesengross Indiens Bankenstadt ist, so wenig touristisch-interessantes gibt es dort auch zu sehen. Ausserdem ist es verdammt teuer! Ich wusste eigentlich nicht genau, wo ich nach Mumbai hinfahren wollte und hatte deshalb vor mit mich von Sanal, einem Frisbee Spieler aus Mumbai, den ich im Internet kennengelernt hatte, beraten zu lassen. Da er aber am anderen Ende der Stadt arbeitet und nochmal weit ueber das Ende der Stadt hinaus, sozusagen zwei Enden aus der Stadt hinaus wohnt, meinte er es sei unsinnig uns zu treffen. Am Wochenende wollte er mich dafuer mit einigen Freunden auf einen Trek mitnehmen. Ich hab natuerlich sofort zugesagt: Besser gehts ja gar nicht! Sanal fragte mich dann noch, ob ich das koerperlich auch durchstehe und so...immerhin war Bergsteigen, Klettern, Bootsfahrt, Hoehlenuebernachtung, Regen, Baden im Fluss und v.a. Benutzung der oeffentlichen Verkehrsmittel geplant.
Hier die Info zum Trek:
http://deepabhi.tripod.com/ratangad.htmlDie zwei verbleibenden Tage vor dem Wochenende in den Bergen Maharasthras nutzte ich um nach Murud zu fahren, einem kleinen Fischerdorf mit schoenen Strand und 500 Jahre alter Wasserburg vor der Kueste. Da jedoch die zeitsparende Faehrverbindung wg. Monsun ausfiel, war ich 5 1/2 Stunden mit nem Bus unterwegs, der jedes noch so kleine Kaff anfuhr. Hat sich aber gelohnt.
Mein vorlaeufiger Reiseplan:
Freitag zurueck, ins Buero zu Sanal, dort geduscht und gegessen und dann in den Zug. Weil Sanal, zusammen mit FAhran und Rupesh - genau wie ich - nicht gerne planen, hatten sie keine Zugtickets reserviert
und wir mussten 2 1/2 Stunden in der general class fahren. Die ist sowas von ueberfuellt, und das zweistoeckig (aber nicht wie in unseren Regionalexpressen), dass eigentlich nur das Video, das Rupesh auf der Fahrt gemacht hat, aussagekraeftig ist. Ich werds moeglichst bald online stellen.
Ankunft Igatpuri 1.30 morgens, schnell in ein Hotel, Preis runterhandeln, lang schlafen, Frisbee werfen (die ich als vorsorglicher Spieler mal eingepackt habe, dafuer aber nur so wenige Boxershorts, dass ich bald zum zweiten Mal waschen muss) und dann los zum Trek. Da wir viel zu spaet los sind, gerieten wir heillos in eine tiefschwarze Neumondnacht. Beim Aufstieg, ueber Leiter und nassen Fels, half, dass ich mir noch eine Taschenlampe gekauft hatte - Rupeshs Laempchen fiel bereits nach 10 Minuten aus, so dass ich immer ein Stueck vorgehen musste und den anderen dann den Weg leuchtete. (Auch an dieser Stelle wird noch eine Menge Bilder folgen.) Wir uebernachteten in einer Hoehle, die sich auf dem Gipfel unterhalb eines verfallenen Forts befand. Sanal wachte mehrere Male auf, ich bezweifle, dass er ueberhaupt geschlafen hat, denn er hatte Klaustrophobie. Die vollkommene Dunkelheit, gemischt mit einer Menge weissem, dichtem Nebel machte es noch schwerer. Erst sah er dann eine riesige Ratte, die sich an unserem Essen vergreifen wollte und dann fielen ihm noch die fingernagelgrossen Waldameisen, die auf dem Weg in unsere Taschen waren. Im Morgengrauen schlich sich dann auch noch eine Gruppe Affen mit in die Hoehle, die wir mit Steinen fernhalten konnten.Leider klarte das Wetter am Nachmittag nicht auf, so dass wir keinen freien Blick ueber die gruene Huegellandschaft und den See, ueber den wir mit dem Boot gekommen waren, hatten. Beim Abstieg sind wir noch in einen klaren Bach gesprungen und haben uns den Schweiss vom Vortag abgewaschen.