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Doc Steve's Corner

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Ukulele Orchestra of Great Britain

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Gestern abend waren wir beim Ukulele Orchestra of Great Britain. im Robert-Schumann-Saal in Düsseldorf. A great time was had by all - außer vielleicht denjenigen, die das Konzert im Rahmen ihres Kammermusik-Abos gebucht hatten und im gegensatz zu uns nicht wussten oder nicht mit dem einverstanden waren, was da gestern aus dem Rahmen fiel. Jedenfalls waren nach der Pause einige Plätze leer und dadurch das Durchschnittsalter des Publikums spürbar gesunken.

Das Konzept, Rock-Klassiker auf der Ukulele zu spielen, macht ja für sich genommen schon eine Menge Spaß. Richtig schön wird es aber, wenn diese Klassiker dann auch noch auf ungewöhnliche Weise miteinander verquickt werden:



Und wenn man dann noch eine alte Freundin wieder trifft, freut man sich noch mehr :-)

Kreativer Einsatz von Haushaltsgeräten

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Diese ältere Frau in Gomel/Weißrussland spielt Lap Steel mit einer Glühbirne idea . Das Stück ist mir nicht bekannt, klingt aber nicht nach Baumwolle, eher nach etwas indigenem. Ein Kommentator meint, es sei von Britney Spears -- ?



Johann Sebastian Bach: Lautensuiten, Teil 3: Suite in G-Moll BWV 995

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Quellen und Veröffentlichungen

Die Suite besteht aus Prelude, Allemande, Courante, Sarabande, 2 Gavotten und einer Gigue. Bearbeitungen für die Gitarre transponieren i.d.R. nach A-Moll. Es handelt sich um eine Bearbeitung der 5. Partita für Violoncello solo BWV 1011 für die Laute, bzw. um eine Bearbeitung eines beiden Suiten zugrundeliegenden Werkes. Die Suite - im Original übrigens in C-Moll - entstand in Bachs Köthener Jahren 1717-1723. Die Bearbeitung liegt in Lautentabulatur vor; außerdem gibt es in Brüssel ein Manuskript von Bachs Hand mit Widmung an einen M. Schouster, das in zwei Systemen geschrieben ist.

Was an dieser Suite in Bachs Satz verwundert ist, dass ein Kontra-G gebraucht wird, ein 14.Chor, denn die üblichen Lauten der Zeit waren 13-chörig. Dass Bach den Tonumfang des Instruments kannte, darf man annehmen. So lässt sich daraus wohl eher schliessen, dass Schouster ein ungewöhnliches Instrument besass, eben eine 14-chörige Laute. (Quelle)

Die 5. Cellosuite weist einige interessante Besonderheiten auf, die in die Lautenfassung eingegangen sind.

Bei der fünften Cellosuite ist die a-Saite auf g heruntergestimmt (Skordatur). Diese Stimmung war in Bologna, wo das Violoncello nach 1650 „erfunden“ wurde, üblich und wurde nach 1700, als sich das Violoncello in Europa allmählich verbreitete, von der Quintenstimmung wieder abgelöst. Bach bezieht sich in dieser Suite offenbar auf diese „alte“ Stimmung

Diese Suite hat auch in anderer Hinsicht einen Sonderstatus: Es existiert eine zweite Version für Laute (BWV 995). Kopierfehler deuten darauf hin, dass beiden Versionen eine – verschollene - Urversion zugrunde liegt. Außerdem fällt die c-Moll-Suite unter mehreren Aspekten aus dem Rahmen, was die musikalische Machart betrifft. So verwendet sie als einzige der Suiten ein zweiteiliges Prélude, das aus einer langsamen Einleitung und einem Fugato im schnellen Dreiertakt besteht. Die Gigue sticht durch ihre markante punktierte Rhythmik deutlich hervor. Courante und Sarabande bewegen sich, was Stimmführung bzw. harmonisches Gerüst betrifft, am äußersten Rand dessen, was in Bachs Musiksprache noch möglich ist. [...]

In der Courante der fünften Cello-Suite findet sich in Takt 22 das Motiv B-A-C-H. Allerdings wird es durch die Skordatur verschleiert. Die geschriebenen Noten sind C-H-D-Cis. Dadurch, dass die A-Saite einen Ganzton heruntergestimmt ist, erklingt B-A-C-H. (Dies spricht dafür, dass die angenommene Urversion, auf der sowohl die c-Moll-Suite als auch die Lautensuite g-Moll BWV 995 beruhen, auch in c-Moll steht.)

Quelle: Wikipedia



In der Lautensuite stehen dort (in G-Moll) die Töne f - e - g - fis (Gitarrenfassung: g - fis - a' - g). In der Tabulatur würde dieses Motiv natürlich überhaupt nicht auffallen.

Die Ergänzung der Suite um eine "Galanterie", d.h. das Einfügen der beiden Gavotten in der Reihenfolgen I - II - I, war zeittypisch und findet sich nicht nur in den anderen Cellosuiten, sondern auch in den Lautensuiten und anderswo wieder.

Walter Gerwig (1899-1966), Lautenist, Chorkleiter und Komponist spielt die Suite BWV 995 in einer Aufnahme von 1965, die den Preis der Deutschen Schallplattenkritik gewann und meiner Meinung nach immer noch eine wunderschöne Fassung ist. Gerwig war selbst als Herausgeber des Lieder- und Spielbuches "Bruder Singer" in der Jugendmusikbewegung aktiv.

Prelude: http://youtu.be/h5VYgb7p8Sw
Alemande, Courante: http://youtu.be/PQRB7L1vHP8
Sarabande, Gavotte I+II: http://youtu.be/HRMCopgCI10
Gigue: http://youtu.be/PgM8eeX-8UI

(From the LP, issued in 1970 on the Nonesuch label, catalogue number H-71229.)


Das Ende einer musikalischen Woche

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  • Mittwoch bis Freitag Vocaljazz-Workshop mit abendlicher Session (ich war Zaungast und Special Guest einer einzelnen Dame) und rauschendem Abschlusskonzert im Blue Note. 30 Sängerinnen und Sänger, jeweils mit einer Nummer, von klassischem Swing bis zur freien Improvisation. Lange nicht so viel Spaß gehabt!


  • Samstag Proben, erst mit Kammerchor, dann mit Gambenensemble; abends noch Zauberflöte in Essen gesehen/gehört - wie schön!

  • Sonntag Aufführung mit den Gamben an der Krippe der Erlöserkirche. Ich war an der Laute zu hören oder auch nicht (die Laute ist leise); das Ergebnis war leider nicht in allen Teilen befriedigend. Dafür gibt es einen neuen Lautenengel an der Krippe!

  • Montag abend dann noch Blue Monday im Blue Note mit Axel Fischbacher (g) und Ulf Stricker (d), die wir vom Workshop kannten, sowie Molly Duncan (ts) und Juan Camilo Villa (b). Schönes Konzert mit einnem beeindruckenden Blues in Bb, in dem Axel F. sämtliche Register zog - von unverstärkt bis zur flatted fifth als Flageolett.


Tuesday morning my head is bad, but it's worth it for the time I had!

Johann Sebastian Bach: Lautensuiten, Teil 2: Wiederentdeckung

Im Zuge der Rückbesinnung auf die vor-klassische Musik in der Jugendmusikbewegung vom Anfang des 20. Jahrhunders wurden auch die Lautensuiten von Bach ausgegraben und herausgegeben. Diese lagen, wenn überhaupt, nur als Werke für Tasteninstrumente vor, was wesentlich daran liegen dürfte, dass die Suiten in zwei Systemen wie für ein Tasteninstrument üblich notiert waren. Abgesehen davon war die Laute und mit ihr die Tabulatur seit 1750, dem Todesjahr Silvius Leopold Weiss' (und Bachs) in Vergessenheit geraten und wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts, und dort zunächst als "Klampfe" in der Wandervogelbewegung, wiederentdeckt. Die damit einhergehende Rückbesinnung auf Alte Musik führte dann zu einem gesteigerten Interesse auch an historischen Instrumenten und deren Nachbau. Mehr dazu im Beitrag über Peter Harlan.

Die erste mir bekannte Edition und Bearbeitung "für die Laute" stammt von Hans Dagobert Bruger. Dieser gab sie 1921 heraus als Band 1 der Denkmäler alter Lautenkunst, Wolfenbüttel: Julius Zwissler, 1921 (Download bei IMSLP.org)

Fritz Jöde, Reihenherausgeber und Herausgeber der Zeitschrift "Die Laute" war selbst eminenter Wandervogel und Jugendmusikbewegter. In dieser Bewegung brachte man die Alte Musik in Stellung gegen die bürgerliche Kunstmusik des 19. Jahrhunderts. Die Begeisterung, mit der die Neuentdeckung dem geschätzten Publikum nahegebracht wurde, sorgte dann auch dafür, dass die Suiten zunächst überbewertet wurden – so wurden die Bearbeitungen für Laute als primär gegenüber anderen Fassungen angesehen, und natürlich als künstlerisch höherwertig eingestuft. Bach diente hier natürlich als Kronzeuge für den Wert des Instruments. So zitieren die Liner Notes von John Williams' Einspielung der Bach-Suiten einen Zeitgenossen:

"Ein Instrument, für das der göttliche Sebastian solch wundervolle Weisen ersann, ist geadelt.“

Und Bruger schreibt als Fazit seiner Einleitung:

Ich bin der Ansicht, dass ... es später einmal als allgemeine Pflicht jedes Lautenisten, der die Kunst seines Instruments nicht nur (wie gegenwärtig) zum vierten Teil, sondern ganz erlernen möchte, anerkannt werden wird, sich eingehend mit Bachs Lautenkompositionen zu beschäftigen. Denn es kann schon heute kein Zweifel mehr darüber bestehen, dass Bach für den Lautenspieler der Zukunft das werden muss, was er für den Klavier- und Geigenspieler seit langem bedeutet: die hohe Schule der Technik und der Weg zu letzter Meisterschaft.



Peter Harlan blickt auf Brugers und Jödes Begeisterung mit nicht mider großer Begeisterung für ihre Wiederentdeckung zurück:

"Und als [Hans Dagobert] Bruger die Bach-Partiten gefunden hatte und sie in wundervoller Korrespondenz und so eigentümliche Nachweisungen, so dass die ersten Musikwissenschaftler dann sagten „Das kann ja gar nicht sein, wir wussten gar nicht, das Bach Lautensachen geschrieben hat!“ Nun, auf einmal kommt so einer und weiß das ganz genau und findet das. Aber, in unserer Epoche sind viele Dinge – von Schliemann an über das Troja, bis zu den Bach-Kompositionen gegangen … Und solche, wo wir dann illustre Kämpfe aufführten: Wir, aus Freude, dass uns so etwas Schönes fassten, was uns in den Schnabel passte; natürlich wörtlich übernahmen und nicht immer das Rüstzeug hatten, das entsprechend zu verteidigen.

Ich spiele Ihnen nachher diese C-Dur Partita, vielleicht auch ein ganz kleines bisschen auf Band, wenn’s Spaß macht. Die also in Lautentabulatur vorliegt aus der Handschrift Bachs … Da hat der Bach die Cello-Partita Nr. 3 intabuliert. Da sagt man ganz Recht „Wie soll denn Bach da drauf kommen, etwas so ferne Liegendes zu intabulieren mit seiner Hand?“ Da kann er das dem Lautenspieler lassen, wenn der das intavoliert. Wie er dann gefunden hat – nein! – dass die Originale die Tabulaturen sind und dass er aus der Laute heraus diese sechs Partiten geschrieben hat und sie selber dann (weil ja kein Mensch Laute spielte, denn die Laute war eigentlich schon bei Bach ein Renaissance-Instrument, ein Wiedergeburts-Instrument … das Orchester war ja längst darüber hinaus), dass er dann selber in der Lautentabulatur das schrieb. Aber nicht für die Laute! Er sagte … „Die Laute, das ist die Königin aller Musikinstrumente.“ Wir schreiben nicht für die Laute, wie man einem König kein Wort aufzugeben hat. Aber wir suchen unsere königliche Seele, wir suchen das Unendliche in uns, das Gewissen und finden es in dieser eigentümlichen Quart-Terz-Stimmung (Quarte-Quarte-Terz-Quarte-Quarte)."

Peter Harlan, http://www.windkanal.de/index.php?option=com_content&view=article&id=39&Itemid=88&lang=de



Den Gewohnheiten der Zeit folgend wurde die Edition für die damals „gebräuchliche“ Laute mit 6 Melodiesaiten und 4 Basssaiten eingerichtet, die für jeden Satz in eine andere Stimmung gebracht werden mussten. „Gebräuchlich“ ist in diesem Zusammenhang mit Vorsicht zu genießen, da es den Kämpfern für eine Wiedergeburt der Laute zwar darum ging, dieses Instrument wieder im Konzertbetrieb zu etablieren, sie aber von dem Gedanken weit entfernt waren, eine historisch korrekte Laute wieder auferstehen zu lassen. Vielmehr ging es darum, ein historisches Instrument in die Neuzeit zu übertragen, also an neue Fertigungsmöglichkeiten, Spielauffassungen usw. anzupassen, was ja grundsätzlich auch nicht verkehrt ist. Im Gegensatz zur "klassischen Avantgarde", die die Tradition komplett hinter sich lassen wollte, weist die Jugendmusikbewegung und die daraus entstandene Begeisterung für Alte Musik sozusagen zurück in die Zukunft. Aufbruchsstimmung und Rückbesinnung auf eine imaginierte Tradition gingen hier Hand in Hand (daher wohl auch die Anschlussfähigkeit zum Nationalsozialismus).

Wie dem auch sei, die Übertragung auf eine Laute, deren Spielsaiten wie eine Gitarre gestimmt sind und die zusätzlich über 4 Bassaiten in der Stimmung D - C - H - A verfügt, bringt Bruger auf einige editorische Idiosynkrasien. So wird das Prelude, Fuge und Allegro Es-Dur BWV 998 in gleich 3 verschiedene Tonarten transponiert, nämlich nach E, D und C (heutige Bearbeitungen wählen meist D-Dur). Auch die Suite C-Moll BWV 997 wird teils nach A-Moll, teils nach E-Moll transponiert. Die Transpositionen des Präludiums BWV 999 von C-Moll nach A-Moll statt wie in Gitarrenbearbeitungen gewohnt nach D-Moll und der Fuge BWV 1000 von G-Moll nach E-Moll (statt A-Moll) sind dagegen unproblematisch. Die Laute hat mehr Umfang nach unten als die Gitarre, dieser kann als genutzt werden.

Bruger bemüht sich, die Bassführungen weitgehend beizubehalten. Dazu verlangt er regelmäßiges Umstimmen der Basssaiten. Dies ist zwar gängige Praxis, aber unbequem.

Ob diese Bearbeitung jemals aufgeführt wurde, ist mir nicht bekannt. Ich weiß auch nicht, welche Bearbeitung Walter Gerwig verwendet hat, der die m.W. erste Aufnahme der Suite BWV 995 im Jahre 1965 eingespielt hat. Immerhin kam Gerwig ebenfalls aus einer jugendmusikbewegten Ecke. Bearbeitungen für die Gitarre und die Laute gibt es inzwischen jedenfalls zuhauf, und der Anspruch, den Suiten den Platz als "hohe Schule der Technik und ... Weg zu letzter Meisterschaft" zu gewinnen, kann als eingelöst gelten.

Weitere Beiträge zu den einzelnen Stücken folgen!

Johann Sebastian Bach: Lautensuiten, Teil 1: Übersicht

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Zu Johann Sebastian Bachs umfangreichem Werk gehören auch Suiten (Partiten) für die Laute. Da Bach aller Wahrscheinlichkeit nach kein Lautenist war, ranken sich um sie etliche Spekulationen, was die Ausführung, Echtheit und Originalität betrifft. Seit ich selbst einige der Stücke auf der Gitarre spiele, habe ich mich ein wenig damit beschäftigt und trage hier einige Ergebnisse zusammen. Diese werden hier Stück für Stück veröffentlicht; den Anfang macht eine kleine Übersicht über die Werke und ein paar Internet-Quellen.

Die einzelnen Werke:

  • BWV 995 — Suite in G-Moll (Arrangement von Partita für Cello Solo BWV 1011), für Gitarre üblicherweise nach A-Moll transponiert

  • BWV 996 — Suite in E-Moll "Aufs Lauten Werck" mit der berühmeten Bourree

  • BWV 997 — Suite in C-Moll, für Gitarre üblicherweise nach A-Moll transponiert

  • BWV 998 — Prelude, Fuge und Allegro in Es-Dur, üblicherweise nach D-Dur transponiert

  • BWV 999 — Prelude in C-Moll für Laute oder Cembalo, für Gitarre üblicherweise nach D-Moll transponiert

  • BWV 1000 — Fuge in G minor (Arrangement des 2. Satzes der Partita für Violine solo BWV 1001), für Gitarre üblicherweise nach A-Moll transponiert

  • BWV 1006a — Suite in E major (Arrangement von BWV 1006)


Weitere Quellen:







Das offenbar imer noch maßgebliche Buch ist:
Thomas Kohlhase: Johann Sebastian Bachs Kompositionen für Lauteninstrumente, Dissertation, Tübingen 1972

Die Referenzeinspielung der Suiten auf der Laute stammt von Hopkinson Smith und wurde kürzlich neu veröffentlicht.

Peter Harlan: Lauten- und Instrumentenbauer

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Die Laute, auf der ich seit dem Sommer spiele, wurde gebaut von Peter Harlan, Markneukirchen 1935 - so viel wusste ich durch den Zettel im Inneren. Über Peter Harlan wusste ich bisher nichts, nur der Familienname kam mir irgendwie bekannt vor. Also habe ich über die Feiertage mal ein paar Nachforschungen angestellt, was es mit Peter Harlan auf sich hat, und festgestellt, dass er eine ganz interessante und wohl auch zentrale Figur der Wandervogel- und späteren Jugendmusikbewegung ist.

Die Wikipedia kennt ihn vorwiegend als Blockflötenbauer, und in der Tat war er maßgeblich daran beteiligt, dieses Instrument aus der Vergessenheit zu reißen und zum Schulmusikinstrument Nr. 1 zu machen (unten mehr dazu).

Peter Harlan wurde 1898 in Berlin als Sohn von Walter Harlan geboren. Dieser hatte mit 21 Jahren ein Vermögen von eineinhalb Millionen Mark geerbt, war damit finanziell unabhängig und wirkte als Intendant und Mäzen zunächst in Leipzig, später in Berlin. Unter anderem brachte er Dramen von Gerhart Hauptmann auf die Bühne, die damals zur Avantgarde zählen. Der Bruder von Peter Harlan war Veit Harlan, der später als Nazi-Regisseur berüchtigt wurde. Peter wuchs in die 1901 von Freunden seines Vaters in Steglitz gegründete Berliner Wandervogel-Gruppe (damals die 1. in Deutschland) hinein und wurde von den idealen dieser Bewegung – Wendung zu einem bündisch-völkischen Ideal, musikalische Vorlieben in der Renaissance (Praetorius war hier prägend), Gegenbewegung zur bürgerlichen Romantik mit einer nicht minder idealisierenden Mittelalterbegeisterung – entscheidend geprägt.

Am Ersten Weltkrieg nahm er nur kurz Teil und lernte stattdessen gegen den anfänglichen Widerstand seines Vaters in Markneukirchen das Instrumentenbauer-Handwerk (der Vater wehrte sich dagegen, dass sein Sohn „Gitarrentischler“ werden wollte). Schon 1918, nach seiner 2. Einberufung, machte Peter Harlan sich als Instrumentenbauer selbstständig, fertigte zwar, um Geld zu verdienen, billige Instrumente, war aber viel mehr darauf aus, auf der Grundlage historischer Instrumente neue Formen zu entwickeln. Dieses tat er dann auch mit wechselndem Erfolg: die moderne Blockflöte inklusive der „deutschen“ Griffweise geht auf seine Initiative zurück. Die Blockflöten wurden auf C oder F gestimmt, wie es auch heute noch gängige Praxis ist – vermutlich auf Druck der Lehrer. Unter diesem Druck behielt Harlan auch die "deutsche" Griffweise statt der reiner klingenden, aber angeblich schwerer zu lernenden "englischen" bzw. "barocken" Griffweise bei, obwohl er selbst letztere bevorzugte.

Statt der Wandervogel-Lauten, die er während seiner Lehre noch in Massen fertigte, begann Harlan, historische Instrumente, wenn auch modifiziert nachzubauen. Gamben baute er gleich in ganzen Familien (engl. chest of viols - ein Schrank voll Gamben), um das Ensemblespiel zu fördern. Schon nach 1933 entwickelte er so genannte „Fideln“ als preiswerte Volksinstrumente.

Die ersten Lauten, die Harlan baute, waren ähnlich wie eine Gitarre auf E gestimmt, und auch die ersten Blockflöten standen in E, A oder die, um mit dem Zupfinstrumenten besser zu harmonieren. Später begann er dann, andere Stimmungen zu verwenden. Gamben standen in D, (pseudo-)historische Lauten erst in E, dann in D oder (wie meine) in G. Er entwickelte auch eine 10-saitige Laute, die er als Wiederaufnahme und Fortführung historischer Modelle sah. Auf dieser Laute sollten z.B. die damals gerade neu entdeckten Bach'schen Lautensuiten gespielt werden. Selbst spielte er auf einer 8-saitigen Gitarre,

die ich für das Instrument halte, das unsere Laute nun genannt werden könnte. Sie ist gestimmt, wie die Gambe und die Fidel, also von D aus die sechs Saiten und zwei Kontrabässe, die uns ermöglichen, alle Tabulaturen zu spielen.



Bezeichnend für Harlan und seine Mitstreiter in der Jugend(musik)bewegung, die aus dem Wandervogel hervorging, war die Begeisterung für "Alte Musik" als Avantgarde. Reger und Beethoven, die Idole des bürgerlichen Musikbetriebes, wurden zu Feindbildern, Prätorius, Schein, Scheidt zu Helden. Komponisten wie Paul Hindemith, in den 20er Jahren an der Musikschule Neukölln, der Berliner Kirchenmusiker Pepping, Hugo Distler werden zu Verbündeten (gemacht?) in einer Bewegung, die im 1. "Zupfgeigenhansel" wegführte vom 4-stimmigen Chor zum Singen des Einzelnen, dann wieder zu Chören, die sich aber eher an der Linearität von Madrigalen des 16. Jh. orientierten.

Und dass wir von dem Singen des Einzelnen zu dem Chorischen kamen, das ist eine gesellschaftliche Umschichtung, die nicht nur im Wandervogel ist, sondern die ja ein Epochenwandel ist, der ungeheuerlich wesentlich ist. Dass wir auf einmal chorisch musizieren wollten und damit mitten in Herz des 16. Jahrhunderts trafen, wo diese frühe Madrigalkunst nun das war, was sagt „Das ist ja überhaupt unsere Welt!“ Und, ob wir dann nun Distler sagen oder Pepping, die alle daran pustend sagen, hier ist etwas, an dem wir viel dichter dran waren, als etwa an Max Reger, oder auch viel, viel dichter, als an Beethoven, den wir damals alle nicht leiden konnten (langsam bekommen wir wieder unsere Achtung).
http://www.windkanal.de/index.php?option=com_content&view=article&id=39&Itemid=88&lang=de



Organ der Jugendmusikbewegung und Hauptvertriebsinstrument der Blockflöten war übrigens der Bärenreiter-Verlag (früher Augsburg, dann Kassel). Interessant auch, dass nach dem Krieg sich die Jugendmusikbewegung fortsetzte und sich z.B. im Sauerland junge Männer trafen, um gemeinsam auf selbstgebauten Gamben zu musizieren. Ihre Freundinnen und späteren Ehefrauen nahmen sie gleich mit in diesen Zirkel auf. Treffen dieser Zirkel finden bis heute statt, wie ich von einer Teilnehmerin weiß, auch wenn die Jugendlichen von damals inzwischen alt geworden sind.

Spannend finde ich, dass an dieser Geschichte eine ganze Menge nicht nur musikhistorischer, sondern auch historischer Verweise in alle möglichen Richtungen ausstrahlen. Zum einen ist es interessant zu sehen, wie die Alte Musik-Bewegung auf den Wandervogel und andere völkische und bündische Bewegungen zurückzuführen ist, mit einem anderen Bein aber auch in der kirchlichen Tradition stand. Zum anderen zeigen sich in den Ideologien und Biografien der Beteiligten auch eine Menge politischer Verwirrungen und auch Widersprüchlichkeiten – so war Fritz Jöde, Harlans Mitstreiter, an einer kirchlichen Musikschule in Berlin tätig, wurde erst von den Nazis seines Amtes enthoben, später aber Parteimitglied. Peter Harlan macht den Eindruck eines Mitläufers, der die gegebenen Verhältnisse geschickt zu nutzen weiß, um seine Ziele durchzusetzen; gleichzeitig war er aber auch dafür verantwortlich, dass die Burg Sternberg, auf der er damals wohnte und arbeitete, nicht gesprengt, sondern den Alliierten kampflos übergeben wurde.

Aber warum sollte die Geschichte der Alten Musik ideologisch sauberer sein als die der „bürgerlichen Tradition“, gegen die man damals anging? Ob es daran liegt, dass auch Gegnerschaft verbindet? Ob die verschiedenen Bewegungen nur unterschiedliche Schlüsse aus denselben Voraussetzungen ziehen? Hier werden weitere Nachforschungen vielleicht noch weitere Ergebnisse bringen. schließlich finde ich auch spannend, dass die ästhetischen Ideale, die in dieser Zeit formuliert wurden, in unterschiedlichen Ausprägungen bis heute überlebt haben – so mag ich z.B. Alte Musik auch lieber als dieses 19. Jahrhundert, kenne aus meiner Kindheit das Orff'sche Instrumentarium, modal oder kirchentonartlich geprägte Lieder, die alle letztlich auf die Jugendbewegung und den Rückgriff auf ein neu imaginiertes Mittelalter und Renaissance zurückzuführen sind.


Quellen:

2 Artikel über Peter Harlan als Instrumentenbauer und -restaurateur :
http://archiv-der-jugendmusikbewegung.de/artikel.htm

Transkription eines Interviews mit Peter Harlan
http://www.windkanal.de/index.php?option=com_content&view=article&id=39&Itemid=88&lang=de

Hier eine YouTube-Hommage an Peter Harlan: Aufnahmen, in denen er "Greensleeves", Pierre Attaignant "Tant qui vivrait", Hans Neusidler, "Welscher Tanz und Hupfauf" spielt, unterlegt mit historischen Fotos. Den Bildern nach zu urteilen muss er ein ziemlicher Typ gewesen sein, was auch in einigen Erinnerungen an ihn ausgedrückt wird. Klaus Martius nennt ihn " Lehrer, Musiker, Instrumentenbauer und ... Fabulierer über Musik und Instrumente" - Charisma und Begeisterung gingen ihm wohl vor wissenschaftliche Genauigkeit.

Neue Engel und Alte Musik

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Seit 2003 wächst die Krippe in der Erlöserkirche in Hilden jedes Jahr um weitere Figuren und Landschaften. In diesem Jahr kommen unter anderem neue Engel hinzu – einer spielt Gambe, und einer Laute, und meine Laute war die Vorlage.



Bilder von der Krippe gibt es unter krippe-erloeserkirche.de.




Gamben und Lauten (mit mir selbst an der Laute) spielen an der Krippe am 08.01.2012, 17:00 Uhr, im Rahmen einer Krippenführung. Ihr Kinderlein, kommet!

FESTLICHE BLÄSERMUSIK ZUM ADVENT

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Freitag, 9.12.2011, 19 Uhr
Erlöserkirche Hilden
, Kölner Str./ Ecke St.-Konrad-Allee

Werke von G. Gabrieli, J.S.Bach, G. Frescobaldi, Johann Rosenmüller, Peter Tschaikowsky, Matthias Nagel u.a.

Ausführende:
Karl Wegmann, Posaune
Posaunenchor und rondo flautino
Leitung und Orgel: Friedhelm Haverkamp

Eintritt frei!


Ankündigung (PDF)

Innovative Idee gefunden!



Politik knöpft sich Verfassungsschützer vor. Geht doch!