Fredo's Blog

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Posts tagged with "Religionswissenschaft"

Literaturverwaltung im Netz

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Der Nutzen von Literaturverwaltungsprogrammen hat sich so langsam herumgesprochen. Nicht jeder nutzt wirklich so ein Programm, der Einstieg ist oft aufwändig, und so eine Literaturdatenbank will dann auch kontinuierlich gepflegt werden. Aber wer zum x-ten Mal seine Literaturliste Stück für Stück an die Vorgaben des jeweiligen Verlages oder Herausgebers anpasst, der wird die Idee durchaus nachvollziehen können: Literatur einmal in allgemeiner Form zentral abzulegen, und dann je nach Bedarf fertig formatiert ausgeben zu lassen.

Wissenschaft lebt aber gerade vom Austausch. So nett es auch ist, wenn man sich selbst die Arbeit etwas leichter machen kann, so attraktiv wäre es jedoch auch, dies mit anderen zu Teilen. Trägt man gemeinsam Literatur zu einem Thema zusammen, entdeckt die Einzelne vermutlich Texte, die sie alleine übersehen hätte. Und Neuerscheinungen, die von einem Beteiligten eingetragen werden, können von allen anderen zur Kenntnis genommen werden. Auch rein praktisch nimmt es einem natürlich etwas Arbeit ab, wenn man nur einen Teil der Literatur selbst in die Datenbank einpflegen muss.

Ein Literaturverwaltungsprogramm, dass sich diesem Zweck verschrieben hat, ist Zotero. Zotero wird maßgeblich am Center for History and New Media der George Mason University entwickelt. Anders als kommerziell entwickelte Software steht es der Allgemeinheit kostenfrei und ohne Einschränkungen zur Verfügung. Zotero nutzt „die Cloud“ (was der neumodische Begriff für Daten im Netz ist) für zwei Dinge: Zum einen kann man, ein Benutzerkonto bei Zotero vorausgesetzt, seine eigene Literatursammlung online ablegen. Das ermöglicht, die Daten zwischen mehreren Computern, etwa dem Bürorechner, dem PC zu Hause und einem Laptop, synchron zu halten.

Zum anderen kann man Gruppen anlegen, in denen man gemeinsam auf Literaturangaben zugreifen kann. Diese Gruppen kann man nicht-öffentlich machen, etwa für den internen Austausch einer Arbeitsgruppe. Oder man legt öffentliche Gruppen an, wenn man etwa eine thematische Literatursammlung für die Beiträge anderer Wissenschaftler öffnen will. Am CERES nutzen wir Zotero für verschiedene Aufgaben. So zum Beispiel in der Nachwuchsforschergruppe „Religion vernetzt“, um Literatur zu den Themen der Gruppe – Religion, Migration und soziale Netzwerke – zu sammeln. Sei es die Literaturangabe eines gemeinsam besprochenen Textes, oder der Literaturhinweis, auf den man die anderen aufmerksam machen will, all dies lässt sich hier zusammentragen. Die Gruppe ist für Außenstehende einsehbar, nur eigene Einträge können sie nicht einstellen.

Es lässt sich aber auch gut vorstellen, etwa eine Gruppe zum Thema „islamische Organisationen im Europa der Gegenwart“ oder „interreligiöser Austausch in der Formationsphase des Buddhismus“ einzurichten und für Beiträge zu öffnen. So könnten sich Gruppen von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, die zu ähnlichen Themen arbeiten, zusammenfinden und eine gemeinsame Literatursammlung aufbauen.

Wie auch immer man webbasierte Literaturverwaltungsprogramme nutzen will, sie zeigen in jedem Fall, dass sich Ideen aus der Welt des Social Web jenseits von Blogs und Microblogs auch für genuin wissenschaftliche Zwecke fruchtbar machen lassen.

Ein Vogel zwitschert nicht gern allein – Gruppen in Microblogs

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← Zum ersten Teil der Serie

Twitter ist derzeit in aller Munde. Ob Microblogs, wie man Twitter und Co auch bezeichnet, überhaupt einen Nutzen in der wissenschaftlichen Kommunikation haben, ist natürlich umstritten. Ich persönlich war lange skeptisch, kann dem Ganzen mittlerweile aber etwas abgewinnen. In diesem Beitrag möchte ich einen Einblick in die Möglichkeiten von Microblogs geben und zeigen, warum sich auch ein Blick auf die Anbieter neben Twitter lohnt.

Mailinglisten wie Yggdrasil sind in der Religionswissenschaft schon lange etabliert. Sie bieten, neben fachlichen Diskussionen, eine gute Plattform, um auf eigene Tagungen, Veröffentlichungen oder ähnliches aufmerksam zu machen. Microblogs können dies gut ergänzen, ähnlich wie die informellen Gespräche am Rande von Konferenzen oft zusätzliche Informationen liefern. Mittels Microblogs kann man schnell und unkompliziert weitergeben, was man an Informationen aufgeschnappt hat. Seien es kurze Mitteilungen über Konferenzen, Calls for Papers oder Neuerscheinungen, diese Kurzinformationen bieten sich meiner Einschätzung nach wunderbar für Microblogs an. Die übliche Beschränkung auf 140 Zeichen trägt dabei zur Prägnanz der Mitteilungen bei.

Einen eigenen Versuch habe ich vor einiger Zeit auf http://identi.ca/fredo gestartet. Dabei gebe ich einfach Hinweise und Informationen weiter, die ich auf verschiedenen Mailinglisten, Newsfeeds oder im Web finde. Mein Microblog ist dabei gewisser Maßen mein persönlicher Filter für die Nachrichtenflut. Wer sich also dafür interessiert, was ich so aufsammle, kann meine Mitteilungen abonnieren. Zwar beschränke ich mich in der Regel auf wissenschaftlich relevante Informationen, aber da es sich um meinen persönlichen Microblog handelt, kann auch anderes dazwischen rutschen.

Manchmal kann es interessanter sein, nicht Personen, sondern Themen zu folgen. Also nicht allen meinen Nachrichten, sondern nur den religionswissenschaftlich einschlägigen. Und auch nicht nur von mir, sondern von allen Religionswissenschaflerinnen und Religionswissenschaftlern, die solche Nachrichten weiterverbreiten. Twitter bietet dafür leider keine Möglichkeit, aber zum Glück gibt es neben Twitter noch andere Anbieter für Microblogging. So etwa identi.ca. Identi.ca hat – unter anderem – den Vorteil, dass es Gruppen unterstützt. Eine Gruppe ist ein Zusammenschluss von Microbloggern, und alle Nachrichten, die für die Gruppe bestimmt sind, werden automatisch allen Gruppenmitgliedern weitergeleitet.

Daher habe ich vor ein paar Tagen die Gruppe relwiss auf identi.ca eingerichtet (mit dem Alias „rwde“ für „Religionswissenschaft Deutschland“. Spart noch mal zwei Zeichen). Um die Nachrichten zu lesen, muss man nicht angemeldet sein. Man kann die Mitteilungen entweder auf identi.ca lesen, oder als gewöhnlichen Newsfeed abonnieren. Wenn man sich auf identi.ca registriert, hat man darüber hinaus die Möglichkeit, eigene Nachrichten zu verfassen und auch der Gruppe zugänglich zu machen. Alle, die Lust haben, einen solchen Informationskanal zu nutzen oder selbst zu bestücken, sind herzlich eingeladen!

→ Zum nächsten Teil der Serie

Religionswissenschaft im Social Web? Oder: Wissenschaft und Kommunikation im Web 2.0

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Neue Trends im Web sorgen immer mal wieder für Fragen nach möglichen Anwendungszwecken in der Wissenschaft. Lässt sich Wissenschaft über von Blogs, Twitter und Co. betreiben? So auch in der Religionswissenschaft. Einige mutige Pioniere betreiben auch schon seit beachtlicher Zeit eigene Blogs, darunter eher private wie religionswissenschaft.info oder professionelle wie das SciLog von Michael Blume. Sogar auf Twitter findet man Religionswissenschaft (Geht das überhaupt?)

Die Entscheidung, religionswissenschaftliche Inhalte über neue Wege im Netz zu verbreiten, ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Wer aber liest die verfügbaren Informationen? Blogs (ursprünglich als Web Logs die digitale Variante des Tagebuchs) und Microblogs (wie die von Twitter erfundene Gattung der Mini-Nachrichten genannt wird) sind vor allem auf die Person des Autors zugeschnitten. Wer ein Blog abonniert oder einem Microblog folgt, bekommt entsprechend alle Nachrichten einer Person.

Im wissenschaftlichen Bereich geht es jedoch weniger um Personen und mehr um Themen. Nur weil eine Person beruflich Religionswissenschaftler(in) ist, interessieren nicht unbedingt die neuesten Urlaubsfotos. Die meisten wissenschaftlichen Blogs sind daher Themenblogs.

Weiterhin interessiert eine Leserschaft oft nicht nur, was eine Person zu einem Thema schreibt, sondern die Beiträge verschiedener Autorinnen und Autoren. Die Blogroll (also die Liste verwandter und emfohlener Blogs) auf religionswissenschaft.info umfasst annähernd dreißig Blogs – will man thematisch umfassend informiert sein, muss man also eine Unzahl von Einzelblogs verfolgen.

Gemeinschaftsblogs, bei denen mehrere Autoren von Zeit zu Zeit ihre Beiträge veröffentlichen, können dieses Problem nur unbefriedigend angehen: Soll ein Blog eine hinreichende Zahl relevanter Autoren repräsentieren, kommt man schnell vom dezentralen Prinzip ab, das die Blogs gerade so attraktiv macht. Gemeinschaftsblogs nähern sich daher oft dem Format von Online-Zeitschriften.

Sind denn Formate wie Blogs und Microblogs, die ihren Ursprung in der unbegrenzten Sendung von Ich-Botschaften haben, überhaupt für den wissenschaftlichen Austausch geeignet? Ich denke, ja. Aber vor allem dann, wenn aus Einzelsendern ein thematisch fokussiertes Netzwerk wird. Und dazu gibt es bereits Techniken, die nur auf die Anwendung im Bereich der Religionswissenschaft warten.

Dieser Artikel soll den Auftakt für eine Mini-Serie zu Web-2.0-Diensten und ihrem möglichen Nutzen für die Religionswissenschaft sein. Vielleicht kann damit die eine oder andere Diskussion angestoßen werden, oder der eine Wissenschaftler oder die andere Wissenschaftlerin zum Mitmachen motiviert werden.

→ Zum zweiten Teil der Serie