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Warum nicht Graz?

sollt ich echt mal hin

Posts tagged with "LLNL"

Von Maßen und Massen

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Falls noch wer die Geschäftsidee sucht, ich würde mir ein Angebot für den Transport von Zeug aller Art von A nach B wünschen. Und zwar langsam, billig und willig, auch etwas ausgefallener geformte Sachen anzunehmen. Letzteres trifft auf UPS zu, ersteres und sehr eingeschränkt auch zweiteres auf die amerikanische Post; ich murmel was von Synergieeffekten.

Jedenfalls wollte ich einen optimal gepackten hübschen 10-Kilo-Karton voller Wissen nach daheim schicken lassen. Bei UPS kommt das in der billigsten Variante auf 220 Dollar; es hat zwar theoretisch geheißen, daß das Labor für sowas aufkommt, aber ob das auch in dieser Preisklasse gilt, konnte mir niemand sagen. Eine hätte es mir sagen können, aber man sagte mir, daß sie in die Kategorie "hinterlass ihr eine Nachricht, aber erwart keine Antwort" fällt, und wahrlich, so wars auch. 220 meiner eigenen Dollar wollte ich dann lieber nicht ins Feuer legen.

Also auf zur Post. Da gibts 10 Kilo schon um 80 Dollar oder so, um Größenordnungen glücklicher wird man davon aber auch nicht. Allerdings gibts Boxen, in denen sie unabhängig vom Gewicht alles befördern, was man reinkriegt. Nur ist die Post nicht blöd (ihr erster Chef war Benjamin Franklin persönlich), und eine Organisation, die den ganzen Tag kaum was anderes macht als NP-vollständige Probleme zu lösen, weiß genau, wie man Schachteln mit passend unpassenden Dimensionen dimensioniert. Sprich es ist völlig unmöglich, das unförmige Ding auch nur annähernd so voll zu packen, wie es sein sollte, was der Post natürlich ihren Job um die halbe Masse erleichtert. Ich schlepp halt einen Teil meiner Bücher und Papers selber. (Ich hätte mein Zeug erfolgreich auf zwei Kisten aufteilen und noch immer weniger als 80 Dollar zahlen können, aber das ist mir erst später eingefallen.)

Auf dem Zollformular kann man übrigens kein Kreuzerl für "Hände weg, das ist mein eigenes Zeug, das ich mir selber schicke" machen. Der Postler hat "other" vorgeschlagen, ich bin schon gespannt (nicht in einem irgendwie positiv gearteten Sinn), was wird.

Kommen wir zum größeren Problem, und das ist der Hubertus. UPS wäre offenbar bereit, sich der Herausforderung anzunehmen, aber ich will ihnen die Chance eher nicht bieten. Fahrräder in der Post will die Post anscheinend nicht. Ich kanns ihnen nicht verübeln, er steckt in einem Karton von fünf roten Converse Länge (viereinhalb A4-Seiten, wenn es in standardisierten Maßen sein soll). Ich hoffe mal, daß er irgendwie in die Luxuskarosse passt, mit der sie mich hier abholen. Am Flughafen als Spezialgepäck abgeben und draufzahlen ist hoffentlich nicht so das Problem.

Gar nicht so einfach, so ein Fahrrad grob 9500 Kilometer zu bewegen. Obwohl, wir haben uns zusammen schon ungefähr 1800 Kilometer bewegt, von Wien aus wären das immerhin einmal Kopenhagen und zurück (Luftlinie). Da braucht man einiges an Energie, aber ich hab in diesem Sommer ziemlich genau 3174 Gramm Sauerrahm konsumiert. (Die praktischen wiederverschließbaren Behälter hab ich ausgewaschen und als praktische wiederverschließbare Behälter aufgehoben, daher die genaue Zahl.) Außerdem Joghurt und Käse und Pseudobutter und schätzomativ an die 20 Gallonen (75 Liter) weiße Milch der Kühe. Kombiniert mit Brot und Mittagessen und Gemüse und Salat und großen Mengen an Erd- und Äpfeln ist das anscheinend genug Energie für 1800 Kilometer.

Langer Artikel, aber bissi was geht noch.

Um dem Jetlag vorzubeugen, hab ich ganz gefinkelt angefangen, mich schon mal auf die richtige Zeit umzustellen, heute bin ich schon um Mitternacht (also um 9) aufgestanden, nachdem ich gestern am frühen Abend (also spät in der Nacht) schlafengegangen bin. Bei Dunkelheit aufstehen und bei Sonnenschein ins Bett, das klingt ungewöhnlich, aber ich habs ja alles schon erlebt in Nordwegen. Viel kann man in der Nacht (also in der Früh) zwar nicht anstellen, aber ich hab gelesen und was für die Diplomarbeit getan und angefangen zu packen und zu sortieren.

Außerdem war ich gestern in der Früh (also am späten Nachmittag) bei der Bank, um meinen Kontostand zu überweisen und mein Konto aufzulösen. Ersteres hab ich auch gemacht, wegen zweiterem hat man mir geraten zu warten, bis die Überweisung durchgegangen ist. Das ist sie, in ca. 24 Stunden (das Bankwesen hier ist primitiv, aber auf diesem Gebiet kanns was), also war ich heute zu Mittag (also am Abend) wieder dort und hab mein Konto geschlossen. Übrigens auch das von der Bank of America, die mich noch immer mit 0-Dollar-Kontoauszügen bombardiert haben.

Jetzt ist es ein äußerst sonniger Nachmittag (also Mitternacht) mit 27 Grad, ich werde noch ein paar Vorkehrungen treffen, und dann kommt auch schon morgen (also morgen). Spannend wird die Geschichte mit dem Hubertus, und außerdem das Umsteigen in Cincinnati (ja, ich weiß auswendig, wo die ganzen ns hingehören). Der Flughafen von Cincinnati ist nämlich klein und angeblich so genial designt, daß eine halbe Stunde zum Umsteigen reicht. Und das ist auch gut so, mehr hab ich nämlich nicht zur Verfügung. In der Stadt der Liebe (genauer am Flughafen des Generals der Liebe) wirds weniger stressig, aber das ist auch gut so, ich werd nämlich mit dem Zoll plaudern müssen.

Hmmm... Länge, Masse, Zeit, thermodynamische Temperatur, Stoffmenge und Lichtstärke hätten wir. Es ist, ähm, ein elektrisierendes Gefühl, bald wieder daheim zu sein. So, alle SI-Basiseinheiten abgehandelt.

Don't cry for me, Alameda; the truth is, I'm a-gonna leave you.

Ain't gonna work at Larry's Lab no more

Hättma das also auch geschafft. Ich bin heute gerade rechtzeitig mit allem fertiggeworden, was wir mir so vorgenommen hatten, und meine secret membership card zurückgegeben (natürlich ohne vorher ein Foto davon zu machen, zwinker, denn das ist streng verboten). So schnell sieht mich die andere Seite vom Zaun nicht wieder.

Herbst und Groupies

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Vor meiner Tür fallen die Blätter, ein kalter wilder Wind wird kommen. (Naja, der Wind ist schon da, aber das Zitat, das keiner kennt, muß schon intakt bleiben.) Und wie fast immer, wenn der Winter kommt, tauchen Lisa und Georg auf und verbreiten trotzdem gute Laune. Nachdem sie sich in so ziemlich jedem Nationalpark der westlichen USA zum Junior Ranger haben küren lassen, schauen sie sich jetzt eine Woche lang San Francisco und Umgebung an, und da ich zur Umgebung gehöre, hab ich mich auch anschauen lassen. Die Lisa meint mal wieder, ich wäre dem Verhungern nahe, aber da hat sie Unrecht. Aber sicherheitshalber ess ich ganz viel Eis. Außerdem werd ich nicht mehr sehr viel radeln, heute in der Früh hats nur 12.7 richtige Grad und starken Wind und grau(sig)e Wolken gehabt, also bin ich lieber mit dem Bus gefahren.

Sonst gibts keine aufregenden Neuigkeiten, ich freu mich aufs Ende. Heute habe ich die hoffentlich letzten größeren Probleme in meinem Code gefixt, in den letzten sieben Arbeitstagen wird alles noch ein bissi abgerundet und dokumentiert und verpackt und durchbesprochen. Und mit ein paar Formularen kämpfen und mir Unterschriften holen darf ich auch noch, und dann muß ich mir überlegen, was ich alles in meinen Koffer packe und was ich vielleicht auf Steuerzahlerkosten mit der Post schicken werde. Der Hubertus kommt höchstwahrscheinlich in eine Kiste (verpacken kostet beim Fahrradgeschäft 40 Dollar, den Rest kann ich hoffentlich dem Labor anhängen), und da sich doch eine Menge Papier angesammelt hat, schlepp ich die Bücher und Papers vielleicht auch nicht selber.

Selber schleppen werde ich allerdings mein LLNL-Häferl, seines Zeichens das allerletzte. Der Welt. Unser Employee Store macht nämlich im Zuge der Vertragsumstellung zu, und es scheint ungewiß, ob er in anderer Form wieder aufmachen wird. Daher wird ausverkauft, und das letzte Häferl hab eben zufällig ich abgekriegt. Ein T-Shirt, das laut Rechnung für Ladies ist, hab ich mir auch gekauft. So kanns gehen.

Von Cobras und bunten Bäumen (wie biblisch)

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Heute in der Post: Ein einseitiger Brief plus Deckblatt, das hat unbedingt per Fedex sein müssen, die Hauspost im Labor ist einfach nicht cool genug. Im nächsten Brief dann Antragsformulare für COBRA; was COBRA ist, wird zwar nirgends wirklich erklärt, aber nach vagen Andeutungen zu schließen geht es um eine Verlängerung meiner Krankenversicherung bis zu 18 Monate über das Ende meiner Anstellung hinaus, wenn ich will. Und schließlich, ich bin ja noch so um die 20 Tage da, das ungefähr dritte Welcome-Paket von ebendieser Krankenversicherung. Die ersten drei Monate nach der Anmeldung haben sie nichts von sich hören lassen, aber in letzter Zeit drehen sie voll auf; vor ein paar Wochen hab ich ein dickes Buch mit Krankheiten bekommen, das ist glaub ich ganz interessanter Lesestoff für Hypochonder. Ich frag mich, wieviel Post sie mir noch zukommen lassen wollen, aber "Kaiser Permanente" klingt schon nach Dauerpropaganda.

Als nettes Detail, das ich bis jetzt nicht erwähnt hab, ist Kalifornien übrigens ziemlich zweisprachig, weswegen ich hier auch Soft Skills beigebracht bekomme; ich habe mich schon so daran gewöhnt, daß ich beim Heimkommen gar nicht mehr weiß, wo ich bin, bis mir der Fluchtplan an meiner Zimmertür versichert: keine Sorge, usted esta aqui (was wesentlich poëtischer klingt als "you are here"). Das erwähne ich aber eigentlich nur, weil eben auch das heute angekommene Heftl von der Krankenversicherung in zwei Sprachen ist. Die darin enthaltenen Infos sind natürlich lokalisiert, und wegen diesem Berg in der Nähe wohne ich also für Kaiser in der Área de Diablo, was einfach höllisch cool klingt.

Ja sonst tut sich nicht viel. Am Wochenende waren wir wieder bissi wandern, diesmal im Big Basin Park. Ich hab ein paar Fotos gemacht, und vielleicht kommen die auch mal online, aber wer wissen will, wie es ausgesehen hat, kann einfach die Fotos vom Ausflug in die Muir Woods vor ein paar Monaten konsultieren. Es war ziemlich gleich, tausendjährige Redwoods, einige von offensichtlich regelmäßig auftretenden Waldbränden stark verkohlt (rot-schwarz sozusagen, auch wenn das ein gleichzeitig voll obskurer und total billiger Schmäh ist).

Apropos Waldbrand, keine Angst, direkt bei uns gibts keinen Wald, und das trockene Gras ist zwar prinzipiell brennbar und stellt das auch immer wieder mal unter Beweis, aber so richtig über weite Strecken fortpflanzen tut sich das Feuer da nicht. Von den Bränden ringsum kriegen wir also nur die Asche ab, die auch spektakuläre Lichteffekte erzeugt. Was mich spontan daran erinnert, daß der Hubertus letzte Woche eine Hinterreifenpanne abbekommen hat, aber wir waren beim Onkel Fahrraddoktor und waren bald wieder flott.

Nachdem uns heute eine riesige braungelbe Spinne (ich habe sie Joey getauft) im Büro besucht und uns geholfen hat, die Sekretärinnen zu erschrecken (naja, zwei der drei anwesenden; die Tiffany hat sie cool gefunden), habe ich lang mit dem Markus telefoniert (zuerst mit dem Dan zu dritt, der hat dann wegmüssen). Ihm gehts gut, danke der Nachfrage; ihr habt ja ganz interessante Projekte laufen in diesem "Österreich", ich glaub ich werd da mal vorbeischauen. Aber solang ich hier bin, hat er mir aufgetragen, unbedingt noch Alcatraz zu besuchen. Mal schaun.

So, und schließlich noch mein Poster, es wollte jemand sehen, ich verstehe auch nicht warum. Bitte sehr. Ich weiß, das PDF wird nicht überall korrekt angezeigt, das liegt an der Firma mit M, und ich meine damit nicht Motorola. (Und auch nicht Müllermilch.) Ich habe eine viel coolere Version, die überall korrekt angezeigt werden müßte, außerdem ist sie in der Originalgröße von 48 mal 32 Intsch, aber die Version hat noch keine Zensurnummer drauf, also papp ich sie da lieber nicht her. Wer sich das Poster nicht ansehen kann oder will oder unentschlossen ist, es geht nur um ein paar bunte abstrakte Syntaxbäume, die mittlerweile übrigens viel bunter und beeindruckender sind, weil jetzt tun wir wirklich Zeug, das nie ein Mensch zuvor getan hat. Und natürlich würde ich euch euch gerne die viel cooleren bunten abstrakten Syntaxbäume (die korrekt übersetzt eher "Abstrakte-Syntax-Bäume" oder "Bäume der abstrakten Syntax" heißen sollten, es ist nämlich die Syntax abstrakt, nicht der Baum) zeigen, aber die haben auch keine Zensurnummer, und eine Zensurnummer bekommen ist recht teuer. Und wir haben kein Steuergeld zu verschwenden, das geht alles für einseitige Fedexe drauf. Ein Kreis schließt sich.

Spannende Geschichten

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Es ist mal wieder so weit, man braucht nur mehr ungefähr 5.64385619 Finger und etwas Geschicklichkeit, um die Tage bis zu meiner Heimkehr abzuzählen. (Es ist natürlich aus mehreren Gründen unseriös, so viele Dezimalstellen anzugeben, aber da ich nicht erwarte, daß viele von euch nachrechnen werden, kann mir das egal sein.) So knapp vor dem Ende und mit so vielen leeren Seiten Diplomarbeit fängt man auch an, sich langsam mit seinen geschätzten älteren Brüdern zu identifizieren; na immerhin gibt es ja noch einen jüngeren, der vielleicht mal was reißt. Es ist ja nicht so, daß ich mein Wissen hier nicht böhmen und mehren würde, aber der Haken ist, daß man eben auch das Wissen der Welt mehren sollte, und das ist gleich um ein Eckhaus nerviger. Aber ich habe noch fünf Wochenenden, an denen ich theoretisch produktiv sein könnte, man darf mir eine ungerade Anzahl an Daumen drücken.

Immerhin habe ich letzte Woche zusammen mit vielen anderen Studenten das Wissen der Welt gemehrt, als wir unsere Poster in der Cafeteria auf Posterwände gepappt haben. Das war ganz interessant, sich von Biologinnen erklären zu lassen, wie sich Viren auf gleiche Weise auf natürlichem bzw. künstlich erzeugtem Perlmutt anhaften, obwohl diese völlig unterschiedliche Kristallstrukturen haben. Oag! (Es war überhaupt schon mal ganz interessant, mal wieder mit Nichtinformatikern in Kontakt zu kommen.) Ich habe auch die Ehre gehabt, mein Poster Dona, der Überdrüberchefin für Computation (nur George Miller ist höherrangig, der hat sich übrigens nicht blicken lassen), zu erklären. Sie hat mich dann auch gefragt, wie es mir generell gefällt und ob eh alles passt und so. Weil sie die Unterkunftssituation angesprochen hat, hab ich gemeint, daß es da eher ungünstig steht, aber das Labor würde ja wohl kein Studentenheim bauen lassen; sie hat darauf gesagt, daß es schon Überlegungen in die Richtung gegeben hat. Also ich würde das sehr begrüßen.

Außerdem hat mich heute in der Früh bei der Ausweiskontrolle der freundliche (und anscheinend neue, zumindest hab ich ihn bis gestern noch nie gesehen) Sicherheitsmensch gefragt, ob ich denn die Judit kenne. Ich kenne die Judit nicht, aber er hat mir erzählt, daß sie auch aus Ungarn ist (das Herkunftsland prangt in roten Lettern auf unseren Ausländerausweisen mit fettem rotem Rahmen) und auch gerade reingeradelt war. Und weil es plausibel ist anzunehmen, daß die Judit, wer immer sie sein mag, und ich, wer immer ich sein mag, irgendwann mal das selbe Land bewohnt haben, kann ich sogar den schon lange nicht mehr verwendeten Mitbewohner-Tag auspacken. Spannende Geschichte.

Atomwaffenkontrolle ist für Babys und Kommunisten

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Heute war der 6. August, und wer in der Schule aufgepaßt hat, der weiß auch, warum an diesem Tag die jährliche Demo vorm West Gate stattfindet. Als überzeugter Benutzer des Southeast Gate habe ich die Demonstranten selber nicht gesehen, nur die lange Schlange an ausweichenden Autos, aber mit so einem Fahrrad kann man sich ja schon mal vordrängen. Laut interner News von der Vorwoche haben sie ca. 200--400 Menschen und etwa 40 Verhaftungen erwartet, aber letztere Zahl hängt ganz davon ab, "how many choose to be arrested". Zusammen mit dem Foto eines Menschen in Handschellen hat der Artikel etwas gehässig gewirkt, aber mal ehrlich, wer erwartet schon von Bediensteten der US-Regierung, daß sie sich für das Recht auf freie Meinungsäußerung einsetzen?

Ich habe eigentlich vorgehabt, den diversen versammelten Polizeieinheiten bissi auf die Finger zu schauen, war dann aber zu beschäftigt mit meiner Arbeit. (Wie bourgeouis, oder vielleicht auch ironisch oder was ganz anderes.) Die Sache ist aber anscheinend unblutig ausgegangen, nur Kreidespuren auf der Straße haben sie hinterlassen, es sei ihnen gegönnt. Generell seien ihnen auch ihre Argumente gegönnt (hallo, liebes FBI!). Da könnte man jetzt natürlich eine tolle Diskussion darüber anhängen, warum ich mich hier eigentlich beruflich betätige, aber da die Gesamtsituation weder schwarz noch weiß und noch nichtmal grau ist, unterlass ich das mal lieber.

Ob See otter Land, Seeotter sind wissenschaftlich erwiesen die flauschigsten Tiere. Der Welt. Allerdings sind sich verschieden-, und teils auch gleich-, sprachige Wikipedien nicht ganz einig, ob sie jetzt 100.000 (Deutsch, Schwedisch, Finnisch), 140.000--170.000 (Französisch), oder auch 26.000/165.000/394.000 (Englisch) Haare pro Quadratzentimeter besitzen. Wie dem auch sey, wir haben sie am Wochenende trotzdem unten in Monterey, Heimat des legendären Pop Festivals, besucht, aber sie wollten sich uns nicht zeigen. Naja, war trotzdem schön.

Da nutzt auch das AMA-Gütesiegel nix

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Schon mehrmals ist die Sonne blutrot hinterm Horizont verschwunden, seit ich mein Poster fertiggestellt und zur Zensur eingereicht habe, aber bisher gab es keine Antwort. Ich hoffe doch, daß es bald mal soweit ist, nach all dem Blut, dem Schweiß und den Tränen, die mich der Kram gekostet hat. Der Dan hats wenigstens gut gefunden, und mittlerweile sind meine Resultate sogar noch besser geworden, aber die Welt wird das wohl nicht erfahren, weil nochmal reiche ich das Poster nicht ein, es war so auch umständlich genug.

Ich gebe übrigens reumütig zu, daß ich das Poster -- mir blutet das Herz -- mit Powerpoint gebastelt habe, aber es schaut dafür eigentlich recht ordentlich aus. Man muß nur schauen, daß man sich nicht von lustig bunten Hintergründen und visuellen Effekten hinreißen läßt (der Robert findet meinen weißen Hintergrund fad, aber das ist mir Blutwurst), und Formeln darf man natürlich nicht auf seinem Poster haben wollen, dann geht das schon. Das Poster ist aber auch mein einziger Ausflug in die Microsoft-Welt, obwohl Windows XP anscheinend gar nicht so schrecklich unbrauchbar ist, zumindest hat es sich in dieser kurzen Zeit nicht so gezeigt. Laut einem internen Nachrichtenartikel zögert das Labor aber wenigstens, was Vista betrifft, weil es sich offenbar nicht als vertrauenswürdig und kompatibel mit unseren Anwendungen erwiesen hat. Gut so, weil nur blutige Anfänger haben immer das Gefühl, an der bleeding edge der nicht immer erfreulichen Entwicklungen sein zu müssen.

So. Was ich gestern am Vormittag anstellen wollte, kann ich aus Rücksicht auf eine liebe Freundin (ihres Zeichens Mitbewohnerin einer noch viel lieberen Freundin und eines blutrünstigen Wauzis) nicht beim Namen nennen, ich deute nur an, daß es was mit hinlegen, pieksen lassen, pumpen, innerhalb aller zulässigen Rahmen mit Krankenschwestern flirten und 450 ml roter Körperflüssigkeit für einen guten Zweck zu tun hat. Statt Frankfurtern und Mannerschnitten wird man hier mit Donuts verköstigt, auch eine Möglichkeit, den Zuckergehalt des Kreislaufs wieder zu heben. Und ein T-Shirt kriegt man auch geschenkt!

Aber. Wenn man seit 1980 insgesamt mindestens fünf Jahre in Europa (und nur damit keine Missverständnisse auftreten, ist eine Liste aller europäischen Länder (nicht ganz so ausführlich wie hier, wo sogar Kasachstan als einigermaßen europäisch geführt wird, Georgien und Co. dafür nicht) angegeben) verbracht hat, gilt man für das hiesige Rote Kreuz als dumme Kuh und ist von der Spende ausgeschlossen. Man könnte ja über die Konserve andere Leute bovin spongiform enzephalopathisieren, das Risiko gehen wir lieber nicht ein. Malaria, SARS und Vogelgrippe sehen wir dafür nicht so eng wie die spießigen Kollegen aus Österreich. Naja, ich ziehe dann wohl mit meinem kostbaren Null Positiv und mit meinem Trotzdem-T-Shirt wieder weiter. Trotzdem-Donut hab ich mir dann aber keinen genommen.

Da soll noch jemand was sagen!

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Wir leben in interessanten Zeiten. Die Interessanz äußert sich zum Beispiel in einem einfachen weißen T-Shirt, das gestern in meinem Haufen frisch gewaschener und getrockneter Wäsche lag. Das ist aber auch nur deswegen interessant, weil ich überzeugt bin, daß ich dieses weiße T-Shirt noch nie zuvor gesehen und erst recht nicht getragen und dann in die Wäsche getan habe. Und so eine unüberschaubare Garderobe hab ich nun wirklich nicht mit. Gäste hab ich keine, insbesondere keine, die sich hier nackig machen. Außerdem war ich mir sicher, daß sowohl Waschmaschine als auch Trockner vor Benutzung leer waren. Und das T-Shirt hat ein Zetterl vom C&A, was auf mitteleuropäische Herkunft hinweist. Und da soll noch jemand sagen, wir lebten nicht in interessanten Zeiten!

Ebenfalls interessant war das heutige Familienpicknick des CASC, das ist die Abteilung, für die ich arbeite. (Angestellt bin ich am ISCR, aber die verleihen mich ans CASC; das macht zwei unüberschaubare Hierarchien statt nur einer, und das kann ja nur gut sein.) Es gab Hamburger und Hotdogs und Cookies und eine Person, die meinen Namen richtig aussprechen konnte, nämlich die Freundin von einem Kollegen, die aus Rumänien kommt und folglich Ungarisch spricht. Tombola hats auch gegeben, ich bin bei der ersten Ziehung leer ausgegangen, und andere Ziehungen gab es leider nicht. Dafür hat die Hula-Tanz-Gruppe des Labors uns Hula vorgetanzt, und weil der letzte Tanz natürlich unter Einbeziehung des Publikums abgehalten werden muß und eine der Tänzerinnen die Marie, eine unserer bezauberhaften Verwaltungskräfte, war, Beistrich, durfte ich in der hinteren Reihe auch mit meinem Hintern kreisen. Das Gaudium des Publikums war sichergestellt. Und da soll noch jemand sagen...

Ja und gleich zwei Wienern bin ich diese Woche begegnet! Also daß sie Wiener waren, schließe ich daraus, daß sie mich heftig angehupt haben, weil ich mich mit meinem treuen Hubertus richtig eingeordnet habe. Wenn es nämlich zwei Spuren in meine Richtung gibt und die rechte rechts abbiegt und ich geradeaus fahren möchte, dann ordne ich mich auf der linken Spur ein und habe komfortablerweise das Gesetz auf meiner Seite. Manche Geradeausfahrer meinen offenbar, ich solle lieber die Rechtsabbieger als die Geradeausfahrer blockieren und dann auch noch im letzten Moment unter Gefährdung der allgemeinen Sicherheit nach links umspuren, weil... ähm... hmm. Und da soll noch jemand...

In der Arbeit (remember Arbeit? it's a blog about Arbeit) ist das große aktuelle Thema die Pseudoprivatisierung im Oktober und der damit verbundene Verlust unserer offenbar ungewöhnlich vorteilhaften Pensionsversicherungen. Wenn es um sowas geht, sind Amerikaner auch nur Österreicher, und Beamte sind wir sowieso alle. Aber die Pensionsversicherung sekkiert mich nur tangentiell, und auch die Lebensversicherung, die sie mir neulich angeboten haben und die Leuten zusteht, die schon mindestens zwölf Monate im Labor arbeiten, hat mich nicht wahnsinnig interessiert. Daher gibt es unter Studenten ein anderes großes aktuelles Thema, und das ist die Posterpräsentation am 9. August, für die jeder ein Poster einreichen muß (Konsequenzen für Nichteinreichung wurden keine angedroht, aber die haben Atomwaffen, also...). Und wir arbeiten ja eigentlich alle sehr gut unter Deadlinedruck (plus Kulanzzeit natürlich), aber keiner will uns eine Deadline nennen, und das paralysiert. Das Problem ist, daß die Poster zuerst alle "Review & Release", also die Zensurabteilung, durchlaufen und dann gedruckt werden müssen, und man mag uns nicht fix sagen, wann man sich darum kümmern sollte. Na ich werde schauen, daß ich es Ende nächster Woche einreiche. Im Moment habe ich noch keine total veröffentlichenswerden Ergebnisse, aber bis dahin wird es glaub ich. Und da soll...

Some people stay in the darkness...

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... bei anderen ist es einfach bewölkt. Wie bei uns, als wir in Half Moon Bay, einem verschlafen-schäbigen Kaff, angekommen sind, um mal eine Runde im Pazifik zu schwimmen und festzustellen, ob die Gewässer hier wirklich so haiverseucht sind, wie es heißt. Bei Wolkenbehang ist das aber nicht so spaßig, also haben wir uns in Richtung Los Angeles aufgemacht! Und Richtung Tijuana, Peru sowie Feuerland, die liegen nämlich auch alle unerreichbar weit südlich.

(Mal ganz am Rande: In Jesaja 9:2 heißt es "The people that walked in darkness have seen a great light: they that dwell in the land of the shadow of death, upon them hath the light shined.". Ist das etwa die Antwort der Bibel auf das Baywatch-Titellied? Werden wir alle erlöst, auch wenn wir nicht an den Strand gehen? Eine spannende Frage. In manchen Ländern könnte man Wissenschaftsminister werden, wenn man über sowas eine Dissertation abschreibt.)

Zu Mittag haben wir in La Honda gegessen, einem aus einer Bikerbar, einem Café, einem Postamt, einem Tierarzt sowie einem Greißler bestehenden Kaff. Im Café gabs Cheeseburger für alle und dann ein großes Stück Apfelkuchen sowie ein gigantomanisches Stück Schokotorte. An letzterer sind wir zu viert gescheitert, dabei war sie sooo gut. Also ich hätte natürlich mit Gewalt und Genuss noch den Rest runterschlingen können, aber ist das meine Art? (Normalerweise schon, aber mit total vollem Bauch ist man den Haien gegenüber im Nachteil.)

In San Gregorio hat sich dann die Sonne gezeigt, also sind wir dort an Strand gegangen (wenn ihr einem alten Seelöwen seine Ausdrucksweise verzeiht). San Gregorio in Kalifornien liegt ziemlich genau auf dem selben Breitengrad wie San Gregorio in Sizilien (da hatte jemand eine Menge Humor), einem vernüglichen Badevergnügen steht also nur der Kalifornienstrom entgegen. Wie eine Art riesiges inverses Fernheizwerk karrt der kaltes klares Wasser aus Alaska an; die Fischstäbchen klaubt man hier bereits tiefgefroren aus dem Meer (die Panier muß aber noch manuell drauf). Das Wasser war kälter als letzten Sommer in Norwegen. Wahrlich, ich sage euch, das Meer ist so kalt, daß darin große Mengen von Dihydrogenmonoxid im flüssigen Zustand gebunden sind! Ich bin zweimal bis zur Hüfte rein, aber weiter gings nicht. Diesmal also kein Haiwrestling, sorry.

Windig war es am Strand, aber eine Zeitlang haben wir es ohne viel Kleidung ausgehalten, also habe ich zu meinen dunkelbraunen Unterarmen endlich einen passenden krebsroten Oberkörper. California style eben. Ja und weil ich manchmal sogar meine Kamera auf Ausflüge mitschlepp, gibts es ganze fünf Fotos von San Gregorio zu bewundern.

Und weil ich manchmal sogar meine Kamera auf Ausflüge mitschlepp und dann vergesse, daß sie noch in meinem Rucksack ist, hat sie mich heute auf meiner Reise ins Labor begleitet. Oops, das ist ein ziemliches no-no, und ich werde schauen, daß es nicht wieder passiert, liebes FBI.

Der Höhepunkt des heutigen Tages war dann der Erwerb einer Flasche Kontaktlinsenwasser. Ich hab mich gegen die Variante mit drei Prozent Wasserstoffperoxid entschieden, auch wenn mir gewisse Brüder jetzt wieder vorhalten werden, daß wir unmöglich die gleichen (selben? discuss!) Gene haben können.

Apple Time!

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Heiß gehts her, heute 99.6 Grad Fahrenheit (37.6 in richtigen Einheiten oder ungefähr 310.75 in ganz richtigen), die 100 sind durchaus in Reichweite. Wer live mitfiebern will, kann das hier tun. Im Juli kommen angeblich die 45 Grad, und man darf nichtmal in den Teich hinter der Cafeteria hüpfen. Aber auch ohne 45 Grad bin ich in der Früh immer schon total verschwitzt, wenn Hubertus und ich im Labor ankommen. Vielleicht sollte ich immer gleich duschen gehen, die Infrastruktur wäre vorhanden.

Aber nicht nur der Sommer ist da, sondern auch massig Sommerstudenten, und das hat Auswirkungen: Nächsten Donnerstag gibts beim Dan zuhaus eine Party für alle seine Studenten und die paar sonstigen Mitarbeiter. (Der Robert und ich werden dafür vielleicht einen Apfelstrudel zusammenschustern.) Auch sonst wird für uns viel gemacht, gestern zum Beispiel war ein Vortrag extra für Studenten, da waren wir ziemlich viele. Es ging um Supercomputing, folglich haben wir unter anderem gelernt, daß das amerikanische Normungsinstitut eine Standard-Erdnussbutter definiert hat und verkauft. Um schlappe 500 Dollar pro halbem Kilo, und man muß das Zeug natürlich bei -20 (richtigen) Grad lagern, sonst verliert es seine Standardeigenschaften. Aber hey, mit Standardmeerwasser braucht Wien den Vergleich auch nicht scheuen.

Ja und noch was gibts seit heute jeden Donnerstag, nämlich die Apple Time. Das ist eine Art von oben verordnete Pause, in der einem empfohlen wird, seine Arbeit gerade im produktivsten Augenblick ruhen zu lassen und sich stattdessen in unserem Seminarraum einzufinden. Da gibts, wie der Name schon vermuten lässt, Obst ("any fruit is defined as an apple", wir sind ja nicht so), und man darf vieles, nur nicht über die Arbeit reden. Stattdessen gibts Spiele, oder man kann sich ja auch so mal unterhalten. Ist ein nettes Konzept, und man trifft mal die vielen Chefs, über deren Hierarchie man sich nicht so ganz im Klaren ist.

Vor meinem Fenster hier daheim haben sie angefangen, mit riesigen Maschinen rumzugraben und damit die Erdmännchen von ihrer Wiese zu vertreiben. Die werden sich eine andere Wiese suchen müssen, wir bekommen nämlich eine Art Einkaufszentrum oder so. Es wär schon ganz nett, wenn es hier eine Art richtigen Supermarkt gäbe, aber ich werde das nicht mehr erleben.
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