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ein bißchen musiktheorie und all das andere zeug

May 2008

( Monthly archive )

injektion

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vorgestern bin ich zufällig beim zappen bei okto hängengeblieben, weil gerade ein wahnsinnig geiles lied lief. und mit wahnsinnig geil meine ich wahnsinnig geil. zum glück stand am ende der titel, sodaß ich recherchieren konnte, was es war.

die frau chefin (die gerade ihre fahrprüfung absolviert, weswegen ich mit gedrücktem daumen tippen muß) von pflichttermin hat sogar das video auf youtube gefunden, damit ich es hier verlinken kann, egal gegen wieviele gesetze ich damit verstoßen sollte.

das wirklich schöne an dem lied ist, daß es von einer österreichischen band (sic!) kommt, was durchaus die hoffnung schürt, daß es doch noch gute österreichische rockmusik zu entdecken gibt. bitte unbedingt die plattenschränke eurer eltern, die dachböden und keller eurer großeltern (vorsicht! auf verboregene türen achten!) und das große weltweite internetz nach novak's kapelle und ähnlichem durchforsten!

ich kann mir nicht helfen, aber für mich klingt das lied ziemlich genau wie die frühe phase von mando diao, nur eben 35 jahre früher. und aus dem jahre '67 ist mir jetzt zumindest nix wirklich vergleichbares bekannt... das geht doch weit über die rockigen kinks hinaus und irgendwie an den yardbirds vorbei, oder wie seht ihr das?

jedenfallls müßte das lied, wenn es nicht schon da wäre, neu geschrieben werden. so kann man es höchstens mal covern, und eigentlich wäre es schade, es nicht zu tun. wer meldet sich freiwillig?

feminismus, chorgesang und sammelbilder

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gestern abend war ich bei einem konzert, wo meine wesentlich bessere hälfte mit ihrem chor lauter kompositionen von frauen aufgeführt hat. das machen sie immer wieder mal, jedenfalls gabs schon mal vor ein paar jahren ein ähnliches programm fast ausschließlich von komponistinnen (damals hat sich irgendwie der herr von webern hineingeschmuggelt, wenn mich nicht alles täuscht), und diesmal so richtig mit konsequent und ausschließlich und so, und das ganze gleich im radiokulturhaus mit einer moderatorin, die mit radiosprecherstimme durchs programm geleitet hat.

ich finde es natürlich interessant, wenn man sowas macht, schließlich sind komponierende frauen nicht nur in der unterzahl, sondern in der regel auch unterrepräsentiert. andererseits geht es nicht nur ums was, sondern auch ums wie, und da muß man schon ein bißchen aufpassen, daß man sich dabei nicht zu sehr verkrampft.

die dargebotene musik hatte durchaus das niveau, das man sich bei einem mehr oder weniger zusammengewürfelten programm erwartet (außer dem geschlecht der komponistinnen gab es für mich keinen erkennbaren roten faden), zur ausführung kommen wir später, und die fragen, die das ganze und im speziellen auch die moderation aufwarfen, sind zumindest interessant.

es ist schon richtig, daß man frauen, die auf der bühne der kulturgeschichte bestenfalls zweite geige spielen, ins rampenlicht rückt, aber muß das immer mit einem nicht offen ausgesprochenen, unterschwelligen feminismus einhergehen? der ist nicht nur überholt, sondern besonders dann einigermaßen peinlich, wenn die betreffenden frauen gleichzeitig immer wieder (bewußt? unbewußt?) an männern gemessen, mit männern verglichen oder sonstwie an ihr geschlecht (im sozialen sinn, gender hätte also besser gepaßt, mir ist aber trotz mehrerer verschiedener düden und -pedias nicht gelungen, das grammatikalische geschlecht von "gender" zu eruieren [germanistin? hilfe!]. soviel zum thema geschlechterproblematik.) erinnert werden. will sagen: wer mit steinen wirft, sollte drumherum kein glashaus bauen.

die moderatorin hat zb. alle erwähnten frauen in ein großes soziokulturelles umfeld eingebettet, indem sie ihre überwiegend männlichen lehrer, förderer, verwandte usw. erwähnt hat. das könnte zwar in manchen punkten durchaus interessant sein, zb. ob felix m.-b. seine schwester fanny viel gehenselt hat, spätestens bei einer langen liste an lehrern, die eh keiner kennt (ok, mir als studiertem musikerzieher sagt der name franz schmidt etwas. die anderen haben selbst mir als studiertem musikerzieher nix gesagt. und wem außer mir sagt der name franz schmidt etwas? eben.), hört es aber auf, interessant zu sein, und man beginnt zu überlegen, inwiefern es wohl von belang ist, eine fast zweistellige anzahl von männern anzuführen, um die reputation einer frau zu unterstreichen. interessanterweise hat die dame auch selbst einmal festgestellt, daß sie sich eigentlich genau das verkneifen wollte, hat aber dann genauso weitergemacht.

man kann aber auch vom regen in die traufe kommen (auf ungarisch könnte man jetzt das mit der anderen seite vom pferd anführen, das trifft es eigentlich viel besser), indem frau sich dann bemüht, einer der beiden persönlich anwesenden komponistinnen unbedingt die nennung einer frau, die sie stark geprägt hat, zu entlocken. ich meine, mich persönlich haben viele menschen geprägt, frauen wie männer, und wenn jemand darauf bestünde, unbedingt nur über die frauen was zu erfahren, würde er ihnen damit unrecht tun, denn das unterstellt, daß ich sie sonst (wenn das geschlecht egal wäre) nicht erwähnt hätte. entweder es gab eine frau, die ich auch so nennen würde (und die gab es, mehrere sogar), oder eben nicht. also ich weiß nicht.

die angesprochene komponistin, und das erwähne ich nur, weil es genau dem entspricht, was die fachliteratur sagt, nämlich daß frauen dann anders behandelt werden als männer, wenn sie sich anders verhalten (ganz ohne die wertung, ob das gut oder schlecht ist, einfach als feststellung), gab einmal eine bemerkung von sich, die man leicht in die kategorie "typisch frau" stecken könnte, wenn man gern irgendwelche dinge irgendwohin steckt. die moderatorin las einen kurzen, von besagter komponistin verfaßten text vor, in dem jene nicht nur wahnsinnig gscheite sachen festgestellt (so, daß ich mir sogar überlegt habe, diesen text meinen siebenten vorzulegen, weil genau das, worum es ging, bei uns im moment ein thema ist), sondern auch noch die perfekte balance zwischen eingängigen gemeinplätzen und vielsagenden, sehr interessanten überlegungen gefunden hat, und schickte ein lob hinterher, das im allgemeinen applaus fast unterging. die komponistin bedankte sich daraufhin und fügte hinzu: "das hab ich nur schnell mal im zug geschrieben...". und das ist dann genau der punkt, wo man denken darf: dieses sich-kleiner-machen-als-man-ist (und das ist nicht gleichzusetzen mit durchaus sympatischer demut, selbst wenn dieses wort für manche vielleicht etwas anachronistisch klingt, sondern geht weit darüber hinaus) könnte genau der punkt sein, wo man sich erst bewußtmacht, daß die wirklich klugen worte zuvor von einer frau geschrieben worden sind.

die grundidee des feminismus, frauen die gleichen rechte und möglichkeiten einzuräumen wie männern, ist sehr gut (und ist nur eine teilmenge der absolut wichtigsten humanistischen forderung, allen menschen die gleichen rechte und möglichkeiten einzuräumen), das kann aber nur dann funktionieren, wenn frauen eben in erster linie als menschen und nur in zweiter als menschen mit einem bestimmten gender gesehen werden. frauen sind toll, und zwar in jeder hinsicht, und was täten wir ohne sie? aber in manchen punkten ist es kontraproduktiv, sie durch ihr soziales geschlecht zu definieren, insbesondere dann, wenn das eigentlich vorrangig durch den vergleich mit dem anderen sozialen geschlecht geschieht. so wirds nix, mädels.

die ausführung des konzerts war durchaus ok, wenngleich ich sagen muß, daß die männer mich nicht überzeugt haben (das ist jetzt nicht als gender, sondern als musikalischer fachausdruck gemeint). irgendwie zu weich und schwammig und zu oft unsicher, was besonders bei prägnanten einsätzen sehr stark durchkam. allerdings gab mir dies gelegenheit dazu, ein bißchen über chorgesang nachzusinnen.

ich weiß nicht ob ihr es wußtet, aber in meiner späteren schulzeit war ich recht aktiv als chorsänger unterwegs. ich war natürlich im schulchor, daneben in einem evangelischen kirchenchor, einem gospel- und jazzchor, habe aus mitgliedern des schulchors ein quartett rekrutiert (nur ein auftritt mit mäßigem erfolg) und dann in der siebenten dem schwächelnden schulchor meinen eigenen, zum teil aus bis dahin absolut schulchorignoranten mitschülern zusammengewürfelten chor entgegengesetzt (mehrere auftritte, verhältnismäßig großer erfolg, wir durften neben schulmessen auch bei der hochzeit einer lehrerin und einer messe einer anderen schule singen). eigentlich arg.

ich kann mich auch noch an zwei schlüsselerlebnisse erinnern, also eigentlich ein schlüsselerlebnis mit zwei werken. es muß '95 gewesen sein, als ich in dem kleinen kammeln in alterlaa, wo wir unseren PC (man beachte den singular!) stehen hatten, auf der encarta-CD jeweils kurze ausschnitte aus zwei renaissance-messen gehört habe. schon das erste mal war eine intensive erfahrung, aber ich habe mir die paar takte immer wieder angehört und mir sogar die entsprechenden CDs gekauft, um auch den rest genießen zu können. es handelt sich um das den anfang des sanctus aus der missa pange lingua und das "gloria patri" aus der missa in tempore paschali. sowohl der zweistimmige kontrapunkt von josquin als auch die komplexe, im betreffenden abschnitt aus der homophonie gerade nur stellenweise ein bißchen ausbrechende klangfülle von byrd haben es mir wirklich wirklich wirklich angetan. ich denke seit gestern darüber nach, aber unter all meinen vielen passiven musikalischen schlüsselerlebnissen würde ich wohl eindeutig diese beiden hervorheben.

gleichzeitig muß ich feststellen, daß mir chorgesang inzwischen nicht mehr wahnsinnig viel gibt. mag daran liegen, daß ich viele mittelmäßige chorproduktionen gehört habe, oder auch an anderen dingen, wer weiß das schon. interessanterweise finde ich den chorklang im vergleich zu gemischter oder rein instrumentaler musik auch wesentlich weniger substanziell. das geht so weit, daß ich chorgesang weit weniger analytisch höre und mir sogar schwer tu, klänge zu erkennen, besonders wenn sie rein akkordisch ablaufen (etwaige kontrapunktische floskeln bieten dann schon eine gewisse orientierung). und typisch für diese empfindung ist auch, daß ich mir lange nicht wirklich vorstellen konnte, wie die engelsgleiche (ebenfalls ein schlüsselerlebnis um '95, eigentlich sogar ein metaschlüsselerlebnis, schiller beschreibt in maria stuart genau diesen eindruck: "Wie wurde mir, als ich ins Innre nun / Der Kirchen trat und die Musik der Himmel / Herunterstieg und der Gestalten Fülle / Verschwenderisch aus Wand und Decke quoll", nur daß ich im gegensatz zu mortimer dadurch nicht katholisch wurde) musik von byrd in sowas profanem wie notendruck existieren könnte (diese illusion habe ich mir dann in der bibliothek der musikuni selbst zerstört).

allerdings bin ich dabei, meine wertschätzung für den chor schön behutsam von unten wieder aufzubauen, z.b. mit hilfe der 6B, die gefallen an archaischem chorklang gefunden zu haben scheint und sich langsam mit mir in die spannende welt der frühen mehrstimmigkeit vorwagt. ein bißchen an der basis zementieren, dann nochmal renaissance, barock und klassik drüber festigen, und wer weiß, vielleicht fange ich bald auch was mit romantischer chormusik an. mal sehen.

damit die lange rede auch einen kurzen sinn bekommt, muß ich noch eine idee präsentieren. als ich heute beim mäci einem bedürftigen mann mein gratis panini-sammelbild geschenkt habe, hatte ich nämlich eine. ist jetzt nichts, wo alle vor lauter coolheit in jubel ausbrechen, aber vielleicht witzig. musiktheorie auf sammelbild- bzw. sammelalbumbasis.

natürlich ist es pädagogisch wertvoll, wenn schüler selbst schreiben, denn immerhin aktivieren sie dabei bestimmte gehirnregionen. nur macht man allzu oft die erfahrung, daß sie das gar nicht wollen und dann eben doch nicht mitschreiben, auch nicht wenn sie sollten. ich habe schon hefte abgesammelt, in denen interessante kartoffelförmige gebilde die in den seltensten fällen genau fünf linien bevölkern, und zwar selbst bei näherem hinsehen komplett ohne system. wer also nicht schreiben will, schreibt entweder wirklich nicht oder eben einen kas.

gut, sammelbilder sind auch keine garantie für komplette unterlagen, sind aber vermutlich ein bißchen witziger als fade hefte. es könnte so laufen: ich drucke einen haufen noten auf selbstklebendes etikettenpapier aus und bringe sie in der gewünschten anzahl, aber vermischt unter die leute. die bekommen gleichzeitig arbeitsblätter mit freien feldern, in die sie die jeweils richtigen noten einkleben sollen. dann müssen sie überlegen, tauschen und einpicken. nebst all dem wirbel, den das verursacht (wirbel kann ja auch gut sein), fördert das die kommunikation und die teamarbeit, und die ergebnisse sind auch sauberer und leichter zu kontrollieren (wieviele fehler sind es eigentlich, wenn jemand in einer tonleiter zwei töne zu wenig hat? und wenn die fehlenden töne auch noch fehlende versetzungszeichen aufweisen? ist nicht immer ganz einfach).

ist doch eine gute idee.