Skip navigation.

ein bißchen musiktheorie und all das andere zeug

November 2009

( Monthly archive )

digital natives

, , , ...

in letzter zeit hört man immer wieder von einem bereits 2001 erfundenen begriff für die generationen, die mit den digitalen medien aufgewachsen sind und sich daher mit bzw. in ihnen zuhause fühlen (sollen). nach der ursprünglichen definition beginnt man die digital natives so ab geburtsjahrgang 1980 zu zählen, und da ich aus einer informatikerfamilie komme und schon relativ früh kontakt mit computern hatte, würde ich mich hier durchaus dazuzählen.

in dem sinne allerdings, in dem der begriff in den österreichischen medien verwendet wird, wären in erster linie eher meine schüler digital natives, weil sie wirklich von klein auf kontakt mit computern, internet, mp3, mobiltelefonie und sowas hatten. und ich muß sagen, das ist wirklich eine andere generation, zu der ich mich sicher nicht zugehörig fühle.

auf dem papier zeichnen sich digital natives unter anderem dadurch aus, daß sie sich wie selbstverständlich auf dem schlüpfrigen parkett der digitalen medien bewegen, vernetzt agieren, den direkten informationszugriff schätzen und exzessiv verwenden, informationen schneller verarbeiten und sowas. und auf dem papier klingt das auch richtig toll.

ich weiß nicht ganz genau, woran es liegt, aber offenbar habe ich es tagtäglich mit einer ganz und gar unrepräsentativen gruppe angeblicher digital natives zu tun. ich werde sie nicht namentlich erwähnen, aber ich vermute, daß einige von ihnen digital naiv genug sind, um sich hier in dem einen oder anderen kommentar zu outen.

erstens gibt es die besonders coolen schüler, die auf ihrem nigelnagelhyperneuen mac mitschreiben, wenn es der lehrer erlaubt (wenn er es nicht erlaubt, schreiben sie demonstativ nicht mit, weil sie nix analoges mithaben). das wäre ja an sich nix schlimmes, solange sie nicht, wenn der laptop dann mal den geist aufgibt (was bei nigelnagelhyperneuen rechnern eigentlich seltener passieren sollte als es passiert), komplett aufgeschmissen wären, sprich mitschriften-, hausübungs- und ahnungslos. oder wenn sie ein stundenprotokoll zwar gemacht, aber nicht ausgedruckt haben, weil der drucker nicht geht. auf die idee, daß sie es dann auch mailen könnten, kommen nur die wenigsten.

daß die digitale umwelt auch tatsächliche vernetzung über MSN hinaus erlaubt, ist auch nicht selbstverständlich. ich wurde letztens gebeten, besagte stundenprotokolle, die in einer öffentlich zugänglichen mappe rumstehen und jederzeit zum kopieren von mir verborgt werden würden, doch gleich pauschal immer für alle herumzukopieren, damit niemand außer dem jeweiligen protokollanten mitschreiben muß. daß ein protokoll nicht immer alles enthält, was für den einen oder anderen, der selbst mitschreibt, festhaltenswert wäre (ich schau zwar immer grob drüber, ob das wichtigste eh drinsteht, aber es gibt ja auch noch in der 8. klasse schülerInnen, die sich zur sicherheit die reihenfolge der töne notieren, wenn wir sie wiederholen), ist dabei ebensowenig eine überlegung wert, wie das übliche schicksal der zetteln, die ich kopiere und nach der stunde wieder vom boden einsammle. aber daß sie sich gegenseitig die stundenprotokolle einfach mailen könnten, ist offenbar komplett außerhalb der weltsicht meiner digitalen nativlinge.

alte menschen wie ich mußten mühsam lernen, dokumente, an denen wir gearbeitet haben, immer wieder zu speichern (und vielleicht auch backups zu machen). ich gehöre wohl zu den wenigen, die das glück hatten, nie eine längere ungespeicherte arbeit verloren zu haben, und auch meine größtenteils ungebackupte festplatte hat sich noch nie verabschiedet (ich hab mir gerade dreimal über die schulter gespuckt und etliche holzgegenstände zerklopft). aber ich kann mit stolz behaupten: wir haben es gelernt! und dabei auch festgestellt, daß die meisten programme zumindest nach einstellung diverser hebel und schrauben durchaus auch bereit und in der lage sind, in regelmäßigen abständen selbst zu speichern.

wenn ich allerdings einen absolut rohen CD-rohling bekomme, auf der sich idealerweise ein selbst bearbeitetes MP3 befinden soll, und zwar mit der erklärung, das programm sei abgestürzt, als die bereits vier stunden lang bearbeitete und bis dahin ungespeicherte datei sich nicht direkt auf der CD speichern ließ, wundere ich mich schon. wenn auf der CD statt MP3 nur ein bloßes audacity-projekt ohne die notwendigen datenordner drauf ist, sage ich ja gar nichts, aber komplett leer? hallo?

sehr schön finde ich auch die ausrede, ein auf papier abgegebenes, nicht ganz meinen wünschen und vorstellungen entsprechendes und daher zurückgegebenes dokument eine woche später unverändert wiederzubekommen, weil die originaldatei bereits gelöscht worden ist, weil "ich geglaubt hab, ich brauchs eh nimma". in diesem speziellen fall wäre zumindest der drucker vermutlich funktionstüchtig gewesen, aber wenn die sonstige statistik stimmt, ist auf dem druckersektor technisch sowieso einiges faul.

heute habe ich eine wunderbare mail bekommen, in der der admin eines klassenforums die (übrigens zu etwa 50% neue und daher auf diesem gebiet unwissende) klasse einlädt, das erneuerte forum bitte zu nutzen. ich bin gespannt, wann die URL nachkommt.

auch die schnelle informationsverarbeitung aus der digital-natives-legende muß ein mißverständnis sein. wenn damit gemeint ist, daß es schnell geht, information vom bildschirm auf ein ausgedrucktes blatt zu verarbeiten, dann bin ich, sofern die druckermafia mitspielt, tatsächlich beeindruckt. allerdings passiert es dabei äußerst selten, daß auf den solchermaßen erstellen handouts, hausübungen usw. nicht noch das impressum der jeweiligen seiten, irgendwelche weiterführenden links und sowas zu finden sind. daß die kinder ihre eignenen texte vorlesen können oder gar verstehen, ist trotz all meiner bemühungen bloßes wunschdenken.

das sind allerdings alles ausnahmesituationen, da könnte ich doch glatt drüber hinwegsehen. es gibt aber eine sache, die ich nie verstehen werde.

es sitzen in einer durchschnittlichen klasse inzwischen gut 3-4 kinder mit iphone und etliche andere mit anderen internettauglichen gerätschaften. sie dürfen sie laut hausordnung normalerweise nicht verwenden, was sie allerdings nicht davon abhält, es zu tun, und ich habe gelernt, das zum vorteil aller zu nutzen. letztens haben wir zum beispiel das seikilos-lied auf youtube gesucht und abgespielt, weil ich mein handy mit dem MP3 im lehrerzimmer vergessen habe, und auch beim lustigen musikgeschichtespiel war es sehr praktisch, als es um die geburtsdaten von michael jackson und madonna ging. so gesehen finde ich es echt toll, daß die kinder heutzutage ihre ausgelagerte intelligenz einfach so mitnehmen können.

dann wiederum stehe ich oft vor fragen, die a) mit dem stoff oder meinem fach überhaupt nichts zu tun haben, b) mit meiner person überhaupt nichts zu tun haben und c) durch einfaches googlen oder wikipedieren innerhalb weniger sekunden zu beantworten wären, was, wie ich gerade ausgeführt habe, technisch ohne weiteres möglich wäre. und ich blicke dann in die verständnislosen augen von zig digitalen eingeborenen, die mich ansehen, als wäre ich von einem anderen planeten, wenn ich vorschlage, in dieser frage doch einfach das internet zu bemühen.

ich sehe, wie die theorie, also durchaus eine tatsächliche kluft zwischen meiner generation und der heutigen AHS-schülerInnenschaft. wer allerdings sich intelligenter in der welt der digitalen medien bewegt, wer informationen schneller verarbeiten kann, wer vernetzt agiert, darin gehe ich wohl nicht mit der theorie konform.

gestern habe ich allerdings etwas gefunden, was für mich erklärt, wieso die kinder der 90er (und damit meine ich jene, die tatsächlich in den 90ern geboren wurden) sich auf facbook so wohl fühlen. ich habe ein paar gegenüberstellungen gemacht mit kinderbüchern aus den spätern 90ern, man beachte die inhaltliche und farblich-typographische übereinstimmung: