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ein bißchen musiktheorie und all das andere zeug

neujahrsvorsätze

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andere leute stecken ihre haare hoch, ich (bitte alle späße, in denen der ausdruck "in ermangelung" vorkommt, verkneifen) lieber meine ziele. ich hab nämlich vor, meinen lieben schülerInnen nicht weniger als saugeilen musikunterricht zu bieten.

natürlich muß das ganze lehrplankonform erfolgen, aber das läßt sich bewerkstelligen. einerseits sind die lehrpläne (unterstufe - oberstufe) ja etwas schwammig, andererseits sind da sachen drin, die sicherlich keiner von euch in der mittelschule gelernt hat. also besteht da ein gewisser spielraum.

grundsätzlich ist mir sehr wichtig, mit dem zu arbeiten bzw. von dem auszugehen, was da ist. und im falle von musik ist das das, womit die schülerInnen tagtäglich zu tun haben: die musik auf ihren iPods (ja, die meisten haben einen. das werden wir eh noch diskutieren müssen) und im radio, die daten und fakten, die sie aus dem internetz und vermutlich aus diversen jugendmagazinen kennen, das bißchen was, was sie im klavierunterricht und so aufgeschnappt haben, also eh einiges. wenn musikunterricht nicht funktioniert (und das ist angeblich häufiger der fall), dann deswegen, weil der lehrer auf all dies keine rücksicht und/oder keinen bezug nimmt. selbst schuld.

gleichzeitig gibt es vieles, was man im unterricht durchnehmen sollte, weil allgemeinbildung und so. für mich ist in diesem zusammenhang wichtig, daß es sich dabei nicht um punktuelle daten handelt (der klassiker sind aus dem zusammenhang gerissene jahreszahlen. wer weiß schon, wann beethoven geboren wurde? ungefähr genügt, und wenn man es genau braucht, schaut man nach), sondern um einen groben überblick, an dem man dann die einzelnen details aufhängen kann. und ich finde, einen groben überblick kann man schon relativ schnell bekommen.

das bringt mich schon zu meinen beiden kranken ideen, die ich mal antesten werde. das erste ist "musikgeschichte in einer stunde". natürlich kann man in 50 minuten (gut, eine schulstunde sollte man eher nur auf 30 planen) kein vollständiges bild der musikgeschichte malen, aber andererseits geht das auch in 2 monaten nicht. man kann aber die entwicklung aufzeigen, die wichtigsten epochen (mittelalter, renaissance, barock, klassik, romantik und 20. jhdt.) kurz skizzieren, viele hörbeispiele anspielen und so einen groben, aber ausbaufähigen überblick herstellen, der über punktuelle inhalte, wie sie zu meiner zeit im musikunterricht üblich waren, nicht zu bekommen ist.

in der folge kann ich dann einzelne hörrätsel bringen, die die schülerInnen einer epoche oder vielleicht sogar einem komponisten zuordnen müssen. das erlaubt weiterführende fragen, zb. woran man überhaupt erkannt hat, worum es sich handeln könnte... in meinen augen ist es wichtiger, auch unbekanntere musik ungefähr einordnen zu können, als alle 17 themeneinsätze in einer einzigen bach-fuge oder jeden ton des ersten satzes der kleinen nachtmusik zu kennen (die ironie des schicksals ist, daß kaum einer die anderen sätze kennt. das bringt mich auf eine idee... siehe rätsel weiter unten). wenn also meine schülerInnen am ende des schuljahres (und im idealfall noch in 1-2 jahren) purcell als barockmusik identifizieren können, bin ich damit meines erachtens weiter, als viele musiklehrer in 8 jahren. und außerdem kann man dann werkbetrachtungen, gattungs- und formenlehre und derlei an musikrezeption gebundenes zeug auch wieder schön in einen kontext setzen.

die zweite kranke idee ist "musiktheorie in einer stunde". nachdem wir alle wohl ansätze der musiktheorie in der schule gelernt und wieder vergessen haben, sehe ich da keinen besonderen leistungsdruck. auch da ist mir lieber, die schülerInnen lernen weniger, aber dafür so, daß sie das konzept dahinter verstehen. und ich glaube, in einer stunde geht sich folgendes aus: die töne, die intervalle (grob, ohne die feinheiten), die versetzungszeichen, dur- und natürliche molltonleiter, dur- und molldreiklänge. und paßt schon. niemand muß den quintenzirkel auswendig lernen, wenn er weiß, wie er die töne von F#-dur findet (übrigens halte ich songs in F# major für einen durchaus interessanten albumtitel. ob ich die experience dazu überreden kann, unsere zweite platte so zu nennen? die erste sollte natürlich greatest hits 1965-68 heißen).

das sind die beiden projekte, die mich wirklich reizen. mag sein, daß sie in die hose gehen und nach der einen stunde nix hängenbleibt, aber erstens glaub ich das nicht und zweitens wäre das dann vom ertrag her wohl eine normale unterrichtsstunde. hauptsache wir haben spaß.

was mich weiters beschäftigt, sind praktische dinge wie DJing, tontechnik-basics, algorithmisches komponieren (wozu hab ich meine diplomarbeit darüber geschrieben, wenn ich das nicht umsetze?), grundlagen der liedbegleitung (jeder mensch sollte mal schlagzeug und bass spielen dürfen, bitte die menschenrechte dahingehend erweitern), diskussionen über musikkonsum (iPod, Ö3, last.fm, ...), gegenseitige horizonterweiterung und sowas. zusätzlich zu den referaten, die die schülerInnen halten müssen, eh schon volles programm.

das einzige problem ist, daß gerade die oben genannten praktischen anwendungen ohne praktische anwendung nicht so viel hergeben. also zb. DJing ist nur halb so interessant (nein, eigentlich fast gänzlich uninteressant), wenn man nicht die gelegenheit bekommt, mal ein bißchen beatmatching zu probieren oder den crossfader hin- und herzuziehen. aber wie ermöglicht man das in einer klasse von 31 schülerInnen? besonders wenn die schule klarerweise nicht über solches material verfügt und ich daher einiges ausborgen müßte?

na ja, ich werde mir schon was überlegen. jedenfalls hab ich mir da einiges vorgenommen. viel glück, kann ich da nur sagen. von hals- und beinbruch gar nicht erst zu sprechen.

so, kommen wir mal zum versprochenen rätsel. hier sind vier musikstücke (in schirchem MIDI-format), die sich allesamt in unmittelbarer nachbarschaft von seeeeeeehr bekannten sätzen mehrsätziger werke befinden, also direkt vor oder nach stücken, die sicherlich ausnahmslos jeder von euch kennt. und trotzdem kennt ihr diese vier ziemlich sicher nicht oder nur in einzelfällen. wer den komponisten errät, ist schon mal gut, wer das werk auch noch rausfindet, ist ein streber.

eins zwei drei vier

so, bitte, los gehts.

das alte haus von rocky dockydas geheime exponat

Comments

Anonymous 30. December 2006, 00:29

András writes:

Nummer 1 wäre das Adagio aus Beethovens 9. Nicht geschummelt, aber leicht, weil ich weiß, dass du den dritten Satz davon so gern magst.

Nummer 2 klingt für mich nach Mozart.

Nummer 3. Bach? Da tu ich mir mit konkreten Stücken schwer. D.h. auch keine Ahnung von Sätzen, etc.

Nummer 4 klingt für mich noch eher nach Mozart, ich bin mir also bei 2 nicht mehr so sicher, ob das wirklich nach Mozart klingt. Hm.

gyuri 30. December 2006, 10:17

#1 ist richtig, nur die begründung ist ein klein wenig daneben, da ist die reihenfolge der sätze nämlich ein bißchen anders als üblich. was du dir nicht alles merkst... wahnsinn.

#2 ist leider falsch, wie du es dir selbst schon gedacht hast.

#3 ist auch nicht bach, aber die epoche stimmt. das erlaubt wiederum auch neue spekulationen über #2. aber #3 ist auch wirklich das schwierigste, weil der komponist bei weitem nicht so bekannt ist wie die anderen. das stück allerdings schon...

#4 ist die richtige spur. das bekannteste liegt gleich daneben.

Anonymous 30. December 2006, 10:41

András writes:

Gefällt dir dran so gut, dass es der dritte und nicht der zweite Satz is, oder is die Erklärung ganz anders und ausführlicher (nehm ich mal an;)?

gyuri 30. December 2006, 11:08

mir gefällt eben der zweite, nicht der dritte satz. der zweite ist fetzig, der dritte ist das adagio. sonst ist das ja normalerweise umgekehrt.

Anonymous 30. December 2006, 11:13

András writes:

Ah, ok.

gergo 30. December 2006, 15:55

#1 ist schon aus den Metadaten des Midi-Files ersichtlich...

#2 und #4 kenn ich definitiv, wenn #4 nicht Mozart ist, dann wohl Haydn. Oder auch nicht. Und #2 hab ich ganz bestimmt als MP3 (bzw. AAC), also kann es eigentlich nur Bach sein oder vielleicht Händel.

gyuri 30. December 2006, 17:28

heißt das, ihr braucht einen spoiler für #3?

ad #2 und #4: die komponisten stimmen (bach oder händel bzw. mozart oder haydn). nehmt jeweils die 3 bekanntesten stücke für die hörbare besetzung, und schaut euch die vorhergehenden oder nachfolgenden sätze an.

Anonymous 2. January 2007, 12:42

die Germanistin writes:

hey, 1. hätt ich auch gewusst, aber es wurde mir vorweggenommen, ts.

uhm... 2. ich wär mal für die suite, aus der die kommerziell berühmte air stammt? und das wäre... die dritte, BWV 1068 (wusste ich natürlich auswendig)?

3. telemann? buxtehude? (ich tu mal so, als ob ich mich auskennen würd, nur weil ich cembalo spiel) der 2. satz vom pachelbelkanon?

4. hmm 2. satz der kleinen nachtmusik? der wievielte verzeichnete knöchel ist mir grad entfallen...

gyuri 2. January 2007, 13:25

die germanistin führt mit zwei punkten vor dem klassischen philologen mit einem, der wikinger ist leider bisher leer ausgegangen.

antwort 3 kann ich so ob ihrer vagheit nicht gelten lassen, auch wenn ich gern würde...

Anonymous 3. January 2007, 02:07

Germanistin, die (Pt. II) writes:

das ist ja echt spannend ;)

also 3. ist wohl eher telemann... (see you in hell, pachelbel! an dieser stelle) aber was nur? hmm... Don Quixote Suite? nach mindestens einstündiger suche geb ich für heute mal auf...

gyuri 3. January 2007, 12:24

gibt es denn einen nachsatz zum pachelbelkanon?

Anonymous 3. January 2007, 13:38

ebendie writes:

eigentlich wollt ich nur einen blöden scherz machen, aber es gibt tatäschlich noch eine gigue und die, besagt die partitur, stimmt auch mit dem 3. beispiel überein, jippie! :)

gyuri 3. January 2007, 19:26

tja, dann hat wohl die germanistin gewonnen! und was lernen wir daraus? direkt neben/vor/nach dem bekannten lauert das unbekannte. auftrag erfüllt, danke, setzen!

Anonymous 17. March 2007, 17:25

Mutter von Julian (5B) writes:

Sehr verehrter Herr Professor(Ordnung muss sein^^)!

Kompliment - Hoffentlich bleiben Sie uns erhalten!
Parallel werkenden Musiklehrern ist es besonders wichtig, dass die Kinder die Jahreszahlen der deutschen Uraufführungen diverser Musicals auswendig lernen...
Darüber hinaus unverständliches Kauderwelsch - Nutzen: 0.

Ich hoffe sehr, dass sich dies auch für alle Klassen ändern wird.

Hochachtungsvoll
Irmgard Kornprobst

P.S: Ich kann den Quintenzirkel immer noch auswendig^^.

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