lieder runterhören
Tuesday, 20. February 2007, 12:35:22
nehmen wir an, der dreizehnjährige hubert aus wien 21 (nickname anarchydevil24), seines zeichens punkrocker der vierten generation, möchte unbedingt ein lied auf seiner gitarre spielen können, findet auf den einschlägigen internetseiten keine fehlerfreien transkriptionen. was tun?
ich habs ja leicht, weil ich beruflich damit zu habe, aber ich sag euch gleich: es ist bei weitem nicht so schwer wie es manche annehmen. daher möchte ich jeden ermutigen, es zu versuchen. manche lieder sind leichter, manche schwerer, aber man kann alles runterhören.
beginnen wir mal damit, daß man grob die tonart des liedes feststellen sollte. dazu empfiehlt es sich, sein instrument bei der hand zu haben, weil es sonst nicht wirklich geht. man läßt einfach das lied spielen und versucht, die grundtöne zu finden. die tonart des liedes ist meistens am anfang und am ende einigermaßen prominent vorhanden, und normalerweise beginnt und endet eine strophe auch mit der haupttonart (nicht immer, aber man kann ja mal mit dieser hypothese arbeiten).
nach und nach sucht man dann einfach alle grundtöne zusammen. die basslinie ist dabei ein guter anhaltspunkt, aber sie spielt nicht nur die grundtöne. trotzdem hört man, ob der ton, den man gerade auf seinem instument spielt, der grundton ist oder nicht. im zweifelsfall empfehle ich, den ton, der um eine quint tiefer liegt, auch auszuprobieren. normalerweise macht es irgendwann klick und es paßt.
das ist natürlich etwas, was auch komplett ohne musiktheorie geht: ausprobieren, bis es hinhaut. es geht allerdings um einiges schneller, wenn man die intervalle, die der grundton macht, halbwegs einschätzen kann. dann findet man nämlich den grundton des nächsten taktes wesentlich leichter. nach und nach sollte man bestimmte akkordverbindungen einfach erkennen lernen.
jetzt kommt der aufwendigere teil: zu jedem grundton muß man den passenden akkord finden. in 99% aller fälle ist er dur oder moll (evtl. als septakkord), sehr selten vermindert, fast nie übermäßig, und manchmal ein sextakkord (das bedeutet, der gefundene ton ist eigentlich gar nicht der grundton, sondern die terz, wie zb. in G/h).
auch hier kann man mit bloßem hören auskommen, aber es schadet auch wieder nicht, wenn man weiß, welche stufen in der jeweiligen tonart eher dur oder eher moll sein sollten. natürlich gibt es kaum ein lied (naja, alles von CCR, aber sonst nicht so viele), wo das komplett konsequent durchgezogen wird, denn sehr oft werden mollstufen zu dur alteriert (tatsächlich gibt es lieder, die zur gänze mit dur-akkorden auskommen), und hin und wieder wird auch aus dur moll (das klingt dann immer ein bißchen nach beatles oder oasis).
es kommt außerdem vor, daß die basslinie wandert, die harmonie aber gleich bleibt. das erkennt man meistens daran, daß der bass stufe für stufe abwärts wandert, die harmonie aber... eben gleich bleibt. sperrt doch einfach die lauscher auf!
so kommt man also schritt für schritt an das harmonische grundgerüst eines liedes. das reicht in den meisten fällen schon, um es nachzuspielen. wenn nicht, weil zb. irgendwelche wichtigen riffs oder licks vorhanden sind, dann hört man die eben ton für ton runter. das geht natürlich leichter, wenn man schon die jeweilige harmonie kennt, weil man damit auch den tonvorrat beschränkt.
es gibt einen schmutzigen trick für zu schnelle riffs: verlangsamt den jeweiligen ausschnitt in einem beliebigen wave-editor. dann hat man plötzlich viel mehr zeit, die schnellen tonfolgen zu identifizieren. wenn das programm mit dem verlangsamen auch immer transponiert, dann empfehle ich eine oktav (halbes tempo), weil man dann nicht erst transponieren muß. wenn das jeweilige riff schon eher tief ist, wird das nicht gut gehen, und generell verwischt ein solches verlangsamen die musik ein bißchen, sodaß es nicht immer ganz leicht ist, das riff wirklich herauszuhören, aber man kann es ja mal probieren.
so, jetzt müßtet ihr also in der lage sein, ein beliebiges lied runterzuhören. wer möchte, kann das als hausübung machen und hier posten, mal sehen obs dann wirklich stimmt.
wem es nur darum geht, irgendwelche lieder nachzuspielen, hab ich einen tipp: transponieren! wenn man den tonumfang der meisten bekannten sänger mit dem eigenen vergleicht, schauts normalerweise für einen selbst nicht so gut aus, und die künstler nützen das schamlos aus, indem sie tonlagen wählen, die für einen normalsterblichen utopisch sind. damit geht allerdings oft hand in hand, daß sie auch in wirklich doofen tonarten spielen. wenn man also transponiert, dann erleichtert man sich sowohl das singen als auch das spielen. zwei klappen mit einer fliege sozusagen. keine sau interessiert es, in welcher tonart ihr ein lied nachspielt, um es dann auf youtube euren freunden zu zeigen. und ich behaupte mal ganz keck, daß die tonartencharakteristik dabei auch ziemlich wurscht ist.
so, das war nicht mal wahnsinnig lang, und ihr habt was fürs leben gelernt. ich hoffe nur, daß die musikindustrie nicht auch bald die verklagt, die lieder runterhören. der nächste schritt wäre dann, alle zu verklagen, die musik hören. aber das ist ja eine andere geschichte...













Anonymous # 12. March 2007, 17:52
Hallo
gyuri # 15. April 2007, 00:42