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ein bißchen musiktheorie und all das andere zeug

summer of '98

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dieser tage (wann genau, weiß ich nicht mehr, ist aber auch egal) ist es genau 10 jahre her, daß meine computer- und internetnutzung eine entscheidende wende erfahren und dadurch zumindest indirekt einen ziemlichen einfluß auf den rest meines lebens ausgeübt hat. ob das ein grund zu feiern ist, weiß ich nicht, aber es ist ein grund, darüber zu schreiben, denn es handelt sich um zeitgeschichte, und zwar um eine mehr oder weniger vergessene, weil viel zu kurze, unschuldige epoche.

irgendwann anfang '98 wird es gewesen sein, daß ich mir doch einen computer zugelegt habe, ich hielt es nämlich lange zeit für unnötig. wir hatten zwar schon lange davor einen oder später auch mehrere, aber ich dachte damals, als ich eine eigene wohnung bekam, daß ich ganz gut ohne auskommen würde. was macht man schon mit einem computer? ich hab damals in erster linie musik darauf gemacht, in zweiter linie gespielt, und alles andere, vor allem sowas wie arbeiten schreiben, war für mich uninteressant.

was dann die tatsächlich motivation war, einen pc in meine wohnung zu lassen, weiß ich wirklich nicht mehr. was ich anfangs damit gemacht habe, auch nicht mehr so genau. ja klar, ich wußte schon, daß es das internet gibt, aber wozu braucht man es denn? meine emailadresse (die gleiche, die ich jetzt noch habe, 11 jahre!) hat mir mein vater im frühjahr '97 eingerichtet, ich glaube aber nicht, daß ich in dem einen jahr jemals reingeschaut habe (es hat mir ja auch niemand geschrieben, damals gab es noch andere mittel und wege, jemanden zu erreichen).

naja, jedenfalls saß ich dann irgendwann mit einem pc da und habe was auch immer damit angestellt. erste letzte woche hat mich ein ehemaliger studienkollege, inzwischen leiter des wiener kammerchores und lehrbeauftragter für dirigieren und ensembleleitung an der musikuni, den ich bei einem konzert getroffen habe, daran erinnert, daß ich damals im seminar "übungen zur musikgeschichte", in dem es in erster linie um recherche und zitieren ging, den anderen, die damals noch weniger bis null ahnung davon hatten, das internet erklären durfte. damals hatte man übrigens noch netscape und verwendete altavista zum suchen. namen, die man heutzutage nicht mehr so oft hört.

der langen vorrede kurzer sinn, die möglichkeit, übers internet zu kommunizieren, habe ich anfangs noch nicht entdeckt. und selbst als ich dann begonnen habe, meinen lustigen freunden lustige bilder zu mailen (ja, das war damals schon uncool), hatten sie nicht den mut, mir zu sagen, daß sie auf der uni nur über telnet und daher rein textbasiert mails emp- und mit meinen bildern wenig anfangen können.

irgendwann (und jetzt kommen wir schon langsam fast dorthin, wo die geschichte eigentlich beginnt) habe ich mir dann ICQ installiert, weil es leichter war, familienkonferenzen darüber abzuhalten als alle durchzutelefonieren (telefon, nicht handy!). auch meine ICQ-nummer habe ich übrigens seit 10 jahren, na wenn das nicht beeindruckend ist. und irgendwann wenig später begann ich, leute aus meinem bekanntenkreis, die auch ICQ hatten, in meine kontaktliste aufzunehmen.

eines abends, und das ist jetzt eben ziemlich genau 10 jahre her, nur daß jetzt grad nicht abend ist, schrieb mir alex "babyface" nachnamevergessen, ein damals ca. 17-jähriger ca. drittklässler meines exgymnasiums (ich glaube, mein brüderchen hat ihn so ungefähr in der 5. überholt, aber wer weiß) über ICQ, daß es doch lustig wäre, in einen chat einzusteigen und dort gemeinsam leute zu verarschen. nun, chat, was soll der sch*** wieder? davon habe ich schon oft gehört, da sitzen leute, die nix besseres zu tun haben, und schreiben einander jeden blödsinn, ohne sich überhaupt zu kennen. naja, muß das sein? ausprobiert hab ich es trotzdem.

mit babyface gemeinsam leute verarschen war dann nicht sooo lustig, also stieg ich nach einer weile aus, aber irgendwas an der sache hat mich dann doch interessiert, also stieg ich wenig später für die dauer des vormschlafengehenzähneputzens wieder ein. nun, die zähne habe ich fertig geputzt, aber aussteigen war erst so gegen september ernsthaft ein thema (na gut, stimmt so auch nicht ganz, ich war zb. im juli drei wochen komplett ohne internetz in ungarn, aber grundsätzlich habe ich besagten sommer großteils im chat verbracht).

ehrlich gesagt war es nicht nur aus der heutigen sicht schwachsinn, sondern das wußte ich damals schon, aber wenn man grad nix aufregenderes zu tun hat (hey, ich war student!), kann es ganz amüsant sein. ich war stammchatter in einem hauptraum und kannte nach einer weile die leute, und ich sag euch, es haben sich die gleichen dramen abgespielt wie im richtigen leben auch. cliquenbildung, konflikte, liebesbeziehungen, lug und betrug, alles. nur daß man die unangenehmen leute auch ganz leicht vermeiden konnte.

ich habe damals auch ein paar interessante leute kennengelernt, mit denen ich zum teil auch nach meiner chatzeit noch den kontakt gepflegt habe. gleich am ersten abend die lillly (ich glaube, sie schrieb ihren nick damals so), die sich später in xyz1 umbenannt hat, eine sehr nette vs-lehrerin, die ich mal in der schule besucht und deren klasse ich in die geheimnisse cooler musik eingeweiht hatte (kaum zu glauben, wie sehr es siebenjährigen damals getaugt hat, laut "viva forever" zu einer dreckig gespielten gitarre zu gröhlen) und deren sohn raffi ich dann ein paar jahre später gitarrenunterricht geben durfte.

wenig später kam dann die maxxi (zwei oder drei x? ich könnte sie ja fragen), von der ich anfangs annahm, sie sei eine harte motorradbraut, weil sie auf meinen damals schon gern verwendeten spruch "das leben ist hart" immer mit "aber ich bin härter" geantwortet hat. eigentlich ist sie aber eine ganz liebe, und die einzige, mit der ich heute noch sporadisch kontakt habe. sie war damals im wesentlichen genauso chatsüchtig wie ich, hab aber den absprung ziemlich zeitgleich mit mir geschafft.

da waren noch ganz viele andere, zum teil auch sehr eigenartige leute. den einser und die DRUX, er aus bergheim bei salzburg und sie aus zwischenwasser im ländle (später WU wien), mit denen ich die ersten richtigen chatbefehle gelernt und geübt habe, den ironeagle, einen leicht aggressiven onkelz-hörenden tiroler gärtner (ähm sorry, landschaftsarchitekt), und den gangstarapper, einen 1,90 großen postpubertären pseudogangstarapper, der angeblich mal mit der maxxi zusammen war (auch zu diesem thema könnte ich sie ja mal befragen).

bei chattertreffen war ich auch das eine oder andere mal, die waren ja praktischerweise immer gleich ums eck von mir. auch das ist genauso peinlich wie man es sich vorstellt, auch wenn es mit der maxxi eigentlich immer ganz witzig war. irgendwie verlieren chatnicks ihren reiz, wenn man sie laut ausspricht ("hallo, ich bin iksiksseksibanniiksiks"), und auch *gg* und *lol* zu sagen statt zu lachen war damals schon eher uncool.

jetzt wäre natürlich die frage nach meinen nicks berechtigt, und ich muß sagen, die bleiben lieber ein geheimnis. nicht weil sie peinlich wären, oh nein! im gegenteil, sie waren wirklich sehr eloquent und vielsagend, und ich war auch nach meiner aktiven chatzeit noch lange eine legende. aber man muß ja nicht alles an die große glocke hängen, sonst klaut mir jemand noch den einen oder anderen.

irgendwann gegen ende des sommers war dann MP3 zum ersten mal ein thema. ich hab zuerst vom gangstarapper drüber erfahren und dann fleißig selbst welche erstellt und im internet danach gesucht. damals gab es ja noch kein filesharing, man mußte irgendwelche ftp-server durchsuchen oder komische nicht wirklich vertrauenswürdige proggis installieren, die das für einen getan haben. mein partner in crime (naja, damals war das noch kein verbrechen, zumindest wußte man das nicht) und gleichzeitig musikalischer horizontöffner war der nihilist, ein typ mit einem extrem trockenen humor, den ich leider im zuge irgendeiner ICQ-neuinstallation aus den augen verloren habe. schade, der war echt lustig.

naja, so ging also der sommer dahin. war an sich nicht sooo aufregend, das muß ich schon zugeben, und falls irgendeiner hier überlegt, einen ganzen sommer mit chatten zu verbringen, würde ich entschieden davon abraten. andererseits habe ich in dieser zeit meine 2-finger-tippgeschwindigkeit drastisch erhöht, meine internetnutzung stark verändert, nette menschen kennengelernt und auch mein kommunikationsverhalten in eine richtung verändert, die dann sehr viel zu etwas beigetragen hat, was später in diesem jahr 10-jähriges jubiläum feiert. aber das ist eine andere geschichte.

svmer is icumen inseine bobheit

Comments

Anonymous 11. June 2008, 08:49

maxxi writes:

/s K.... (jetztdarichDeinenNicknichtverraten)

Na servas! Da kommen echt Erinnerungen hoch. Ich hab garnicht gewußt, daß Du auch so chatsüchtig warst.
Du warst ja total vertrauensseelig - obwohl Du gedacht hast, ich sei eine Motorradbraut (*lol* - das mußte sein und wäre fast ein *rofl* geworfen) hast Du mir eine Stones-CD geborgt, gleich aufs erste CT mitgebracht, ohne mich vorher gesehen zu haben. Das war sehr nett ;~) Wahrscheinlich weil ich gewußt hab, wie Dein Namenspatron mit 2. Vornamen heißt. Jaja, bevor ich gechattet hab, hab ich viel ferngesehen *hehe*.
Inzwischen ist auch mein Nick gelöscht ... eine neue Generation bewohnt nun das ch*** o** (Darf man das auch nicht sagen? Ist oben nicht erwähnt .. egal, Du kennst Dich aus!)

Danke für die Zeitreise!
/SU K....
*babaknuddal*
/j jetzt geh ich aber wirklich
/k maxxi
/q

Juli_4000 11. June 2008, 17:03

es ist wirklich unglaublich, wie sehr das internet mittlerweile fixer bestandteil unseres alltags ist. ich bin es nicht mehr gewohnt, dinge in büchern nachzusehen, eher umgekehrt prüfe ich infos aus büchern in wikipedia nach (an all die skeptiker: stichprobenartig besser als brockhaus).
MSN ist sowieso kommunikationsmittel nr. 1 und wird mehr benutzt als das handy.

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